Hausärztemangel durch Bevölkerungsexplosion Skip to content
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Photo: Landspítali/Facebook.

Hausärztemangel durch Bevölkerungsexplosion

Der Hausärztemangel in Island ist auf die Überalterung der jetzt in Rente gehenden Mediziner und den starken Bevölkerungszuwachs der letzten Jahre zurückzuführen, meint die Vorsitzende des isländischen Hausärzteverbandes. Das hat zur Folge dass die Gesundheitszentren nicht so besetzt werden konnten wie es nötig wäre, berichtet Vísir. In Island ist das Gesundheitszentrum (Heilsugæslustöð) die erste Anlaufstelle im Krankheitsfall.

Bevölkerungsexplosion seit 2012
Seit dem Jahr 2012 ist die Bevölkerung um 70.600 Menschen gestiegen, was etwa der Einwohnerzahl von Hafnarfjörður und Kópavogur entspricht. Allein in den letzen vier Jahren sind 22.000 Menschen nach Island gezogen, soviele wie in der Gemeinde Reykjanesbær leben. Insgesamt leben zur Zeit rund 385.000 Menschen auf der Insel.
Der Bevölkerungszuwachs hat seine Ursache im wirtschaftlichen Wachstum und der Nachfrage isländischer Unternehmen nach Arbeitskräften aus der EU, die unbeschränkten Zugang zum isländischen Arbeitsmarkt haben. Auf den Zuwachs waren die Infrastukturen des Landes, nicht zuletzt das Gesundheitssystem, nicht vorbereitet.

Berentung verschärft Problematk
Margrét Ólafía Tómasdóttir, die Vorsitzende des Hausärzteverbandes, erklärt dass jeder Hausarzt rund 1200 Patienten betreut. Damit hätte man in den vergangenen 12 Jahren die Zahl der praktizierenden Hausärzte – zur Zeit 200 – um mindestens 59 ergänzen müssen. Das ist nicht geschehen, stattdessen sind viele von ihnen altersbedingt sogar in Rente gegangen, oder stehen kurz davor. Margret sagt, ihr Verband habe jahrelang genau davor gewarnt. „Nach unseren Berechnungen dürften wir uns derzeit in der tiefsten Talsohle des Personalmangels befinden,“ erklärt sie.

Fachkurs für Hausärzte als Rettung?
Vor Jahren war eine Initiative gestartet, mit der junge Ärzte dazu animiert wurden, sich mit einen Spezialkurz zum Hausarzt ausbilden zu lassen. „Diesen Fachkurs betreiben wir jetzt seit 26 Jahren. In den ersten Jahren gab es da nur zwei Studenten, jetzt sind es über 100. Damit ist dieser Kurs innerhalb der letzten fünf oder sechs Jahre stark gewachsen.“
Der Plan könnte also aufgehen, dass in einigen Jahren dann genügend Hausärzte vorhanden sind, allerdings müssten zur gleichen Zeit die Gesundheitszentren entsprechend dem Bevölkerungswachstum ausgebaut werden, und da wird es dann wieder eng.
„Der Ausbau von Gesundheitszentren schreitet viel zu langsam voran. Wenn also neue Wohnviertel hinzukommen, beispielsweise im Hauptstadtbereich, geht man nicht davon aus, dass da ein neues Gesundheitszentrum benötigt wird. Das andere Problem besteht natürlich darin, dass es viel zu wenige von uns Ärzten gibt und wir nicht in der Lage sind, die verfügbaren Gesundheitszentren vollständig zu besetzen. Dennoch hat sich gezeigt, dass die Ausweitung der Zentren dem Interesse am Beruf und der Personalausstattung durchaus zugutekommen,“ sagt Margret.

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