Gravierender Hausärztemangel ist besorgniserregend Skip to content

Gravierender Hausärztemangel ist besorgniserregend

Island hat den geringsten Prozentsatz an Hausärzten in ganz Europa, auf 100.000 Bewohner kommen nur 60 Allgemeinmediziner. In einem Interview mit dem Fréttablaðið sagte die Vorsitzende des isländischen Ärztebundes, Steinunn Þórðardóttir, diese Zahlen seien besorgniserregend, sowohl was eine adäquate medizinische Versorgung der Patienten angehe wie auch in Bezug auf die Arbeitslast der einzelnen Mediziner. Am dramatischsten sei der Mangel an Kinderärzten.
Den 60 Ärzten auf der Insel stehen in Europa durchschnittlich 100 Ärzte für 100.000 Patienten gegenüber. Die meisten skandinavischen Länder haben sogar doppelt soviele Ärzte für ihre Einwohner.

Medizinausbildung im Ausland
In Island kann man weder Humamedizin noch Veterinärmedizin bis zum Examen studieren, daher müssen Medizinstudenten ins Ausland gehen, um ihr Studium abzuschliessen. Viele bleiben dann einfach dort. Zur Zeit arbeiten 847 isländische Ärzte im Ausland. Steinunn macht vor allem die harten Arbeitsbedingungen auf der Insel für die Abwanderung verantwortlich. Um Ärzte davon abzuhalten, sich einen Job im Ausland zu suchen und Mediziner nach Hause zu holen, müsste das Gesundheitssystem die Arbeitsbedingungen verbessern.
Weil es auch an Spezialisten auf anderen Gebieten fehle, müssten viele Allgemeinmediziner zusätzlich auch als Psychiater oder Sozialarbeiter tätig sein. Eine unklar definierte Tätigkeitsbeschreibung erschwert die Arbeitslast da nur noch mehr.
Kern des Problem sei es, so Steinunn, dass Island einfach zu wenig Ärzte und Krankenschwestern ausbilde. An der Universität werden jedes Jahr 60 Bewerber für ein Medizinstudium zugelassen, aber viele beginnen ihr Studium auch direkt an einer ausländischen Hochschule.
Steinunn sagt, Island könne nicht erwarten, dass andere Länder in die Bresche springen. Die Universität des Landes müsse ihre Kapazität und Ausbildungsangebot erweitern.

Zuwenig Krankenschwestern  und Lehrer
Nicht nur an Allgemeinmedizinern mangelt es im Lande, auch Krankenschwestern gibt es viel zu wenige, nicht zuletzt weil viele ihre Posten nach der anstrengenden COVID-19 Pandemie verlassen haben und sich weniger anstrengenden Tätigkeitsfeldern widmen.
Isländische Krankenschwestern absolvieren ihr vierjähriges Studium an der Universität, für den Beruf der Hebamme kommen noch einmal zwei Jahre dazu. Ausländische Interessenten, die nur eine nicht-akademische Berufsausbildung in dem Bereich haben, müssen beim Gesundheitsamt eine Berufslizenz beantragen, um in ihrem Beruf arbeiten zu dürfen.

Auch in anderen Bereichen der isländischen Gesellschaft sieht es mit Personal düster aus. Magnús Þór Jónsson, der Vorsitzende des isländischen Lehrerverbandes, sprach kürzlich über die Schwierigkeiten, genügend Lehrer für das kommende Winterschulhalbjahr zu finden. Während der Pandemie hätten Lehrer sich an ein verändertes Lehrumfeld gewöhnen müssen, mit damit verbundenen Verantwortungen und zusätzlicher Arbeitslast. Magnús zufolge haben viele Lehrer ihren Job aufgegeben, weil sie vorübergehend eine andere Arbeit gefunden haben oder einen Job mit besseren Arbeitsbedingungen. .

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