Image: RÚV Landinn

„Gegen den Strom“: eine Frau im Kajak rund um Island

 In Gesellschaft

Veiga Grétarsdóttir bereitet sich derzeit darauf vor, mit dem Kajak Island gegen den Strom zu umrunden. “Gegen den Strom” heisst ihr Kajak, und gegen den Strom ist auch ihr ganzes Leben verlaufen, denn 38 Jahre lang war Veiga ein Mann, bevor sie sich vor fünf Jahren dazu entschloss, eine Geschlechtsumwandlung durchführen zu lassen, berichtet RÚV.

Sie hofft am Ende sagen zu können, dass die Kajaktour einfacher war als die Jahre der Geschlechtsumwandlung.

Veiga hiess vor einigen Jahren noch Veigar Grétarsson, war verheiratet und hat zwei Kinder. Mit zehn Jahren geschah es zum ersten Mal, dass sie sich anders erlebte als ihre Geschlechtsgenossen. An Weihnachten 2014 hatte sie dann ein entscheidendes Erlebnis, als sie ein Foto von sich selber sah, auf dem eine beginnende Glatze zu sehen war. “Ich kann keine Frau mit Glatze sein!” schoss ihr durch den Kopf.

Die meiste Unterstützung für diese grosseVeränderung im Leben, so sagt Veiga, habe sie von ihrer Ex-Frau erhalten. Dem Sohn versprach sie, erst nach der Konfirmation als Frau öffentlich aufzutreten, obwohl sie schon als Frau ihr Leben führte. Auf dem Fest trug sie für ihn einen Anzug, zum allerletzten Mal.

Es habe lange gedauert, zu lernen sich selbst zu lieben.

Das Kajak hat Veiga ihr Leben lang begleitet. Nicht nur die Bewegung ist es, was sie daran so begeistert. Man gelange in eine andere Welt, sagt sie, man sei alleine mit Vögeln, Seehunden und dem Meer. Man ist frei. Die Einsamkeit schreckt sie nicht ab. Sie sei eigentlich immer einsam gewesen, und aufgrund ihres Geschlechts nirgendwo zugehörig. Bei den Männern rausgefallen, zu den Frauen nicht gehörend.

Sie nimmt Zelt und Proviant mit und übt bereits jetzt, draussen zu übernachten, trainiert mit dem Kajak, denn die Geschlechtsumwandlung hat sie ihre körperliche Kraft gekostet. Drei Monate, so rechnet sie, sollte die Inselumrundung dauern. Am schwierigsten wird der Westen es ihr machen, Faxaflói und Breiðafjörður sind berüchtigt für schlechtes Wetter. Mutter Natur entscheidet am Ende, wie lange es dauern wird, sagt sie.

Veiga wird die erste Frau sein, die diese Inselumrundung gegen den Strom unternimmt. Mit ihrem Trip sammelt sie Geld für die Organisation Píeta, die sich der Selbstmordprävention widmet. Vor allem aber will sie sich selbst beweisen, dass der Kajaktrip einfacher ist als die Jahre der Geschlechtsumwandlung. Und natürlich die Natur geniessen.

Hier gibt es den Kurzfilm über Veiga im Magazin Landinn.

Neueste Beiträge
Contact Us

We're not around right now. But you can send us an email and we'll get back to you, asap.

Nicht lesbar? Text ändern. captcha txt

Beginnen Sie mit der Eingabe und drücken Sie Enter, um zu suchen