Frauenstreiktag mit Rekordteilnahme Skip to content
Arnarhóll hill
Photo: Golli.

Frauenstreiktag mit Rekordteilnahme

Bei der gestrigen Streikversammlung der Frauen, die in Anlehnung an den berühmten Streik von 1975 auf dem Hügel Arnarhóll in Reykjavík stattfand, haben sich nach Angaben der Polizei soviele Menschen wie noch nie zuvor versammelt.
Ziel des Streiks der Frauen und geschlechtsfreien Personen war es, auf die Abwertung von sogenannten Frauenberufen und auf geschlechtsbezogene Gewalt aufmerksam zu machen. Immer noch werden Frauen in Island schlechter bezahlt als ihre männlichen Kollegen, und immer noch landen fast ausschliesslich Frauen in den am schlechtesten bezahlten Jobs wie in der Pflege, beim Putzen und in der Gastronomie. Auch die sogenannte “dritte Schicht”, in der Frauen daheim noch alles rund um Haushalt und Kinder erledigen, wird immer lauter kritisiert.

Land im halben Ausnahmezustand
Ásgeir Þór Ásgeirsson von der Hauptstadtpolizei der in den vergangenen Jahrzehnten schon so manche Massenversammlung in Reykjavík erlebt hat, sagte Vísir gegenüber, eine solche Menge habe er in der Innenstadt noch nie gesehen, noch nicht einmal während der Kulturnacht.
Genaue Zahlen sind bislang nicht erhältlich. Die Polizei, die die Veranstaltung per Kamera überwachte, schätzte die Versammelten auf 70.000 bis 100.000 Menschen. In jedem Fall eine Zahl, die alle Erwartungen übertraf.
In den klassischen Frauenberufen wie Pflege und Bildung war der Streik wohl am deutlichsten zu spüren, in den Kliniken befand sich nur eine Notbesetzung im Dienst, und gekocht wurde nur für bettlägerige Patienten. Alle Schulen und Kindergärten waren geschlossen, bis auf eine Ausnahme sämtliche Schwimmbäder der Hauptstadt, sowie fast alle Banken. Gemeindebüros hatten entweder geschlossen oder verkürzte Öffnungszeiten, und bei den Fluggesellschaften sprangen männliche Kollegen ein, damit der Luftverkehr störungsfrei verlaufen konnte.
Veranstaltungen hatte es im ganzen Land gegeben, und überall übertrafen die Teilnehmerzahlen alle Erwartungen.

Mit Strickzeug im Dienst
Nicht jeder Arbeitgeber war mit dem Streik einverstanden, und so mancher weigerte sich, den Lohn zu zahlen. Der Fischereikonzern Samherji etwa zahlte nicht, weil der Frauenstreik das Unternehmen daran hindere, seinen Verpflichtungen nachzukommen. Auch die Buchladenkette Eymundsson Penninn erlaubte seinen Mitarbeitern zwar, am Streik teilzunehmen, Lohn gab es jedoch nicht. Die Buchhändlerinnen in Akranes fanden dafür ihre eigene Lösung: da keine von ihnen auf den Lohn verzichten konnte, kamen sie mit Strickzeug in den Dienst: sie bedienten zwar Kunden, aber statt sonstiger Tätigkeiten verbrachten sie den Kampftag um Frauenrechte mit Stricken. Die Kund(innen) fanden’s toll, im Laden habe so ein rechter Kampfgeist geherrscht, so eine der Strickstreikenden RÚV gegenüber.

 

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