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women's day off iceland 2018
Photo: Mannfjöldi Konur #metoo.

Frauenstreik am 24. Oktober: Arbeitsniederlegung im ganzen Land

Am morgigen 24. Oktober findet in Island der Frauenstreiktrag statt. Wer morgen unterwegs ist, dürfte die Auswirkungen zu spüren bekommen, und zwar überall auf der Insel. Frauen und Personen ohne Geschlecht werden ihre bezahlte oder unbezahlte Arbeit einen ganzen Tag lang niederlegen. Tausende werden sich an dem Streik beteiligen. Unternehmen und Institutionen haben bereits Pläne geschmiedet, um mit dem Arbeitskräftemangel klarzukommen, manche Dienstleistungen hingegen müssen ganz gekappt werden.

Schulen und Krankenhäuser bestreikt
Die meisten Auswirkungen dürften im Bildungsbereich und im Gesundheitswesen spürbar werden. RÚV berichtet dass von 6,856 Angestellten am Universitätskrankenhaus Landspítali 5,493 weiblichen Geschlechts sind, das ist 80% des gesamten Mitarbeiterstabes.
Klinikdirektor Runólfur Pálsson sagte RÚV gegenüber, der morgige Betrieb sei so organisiert worden, dass sich soviele Beschäftigte wie nur möglich an dem Streik beteiligen können. “Natürlich führen wir Notfallbehandlungen, dringende Untersuchungen und notwendige Operationen durch,” versicherte er. Es liege in der Natur der Sache im Gesundheitswesen, dass nicht alle der Arbeit fernbleiben können. Er ermunterte alle Beschäftigten, die nicht am Streik teilnehmen können oder wollen, ein Foto von sich bei der Arbeit aufzunehmen, damit andere ihre Solidarität mit ihnen ausdrücken können.

Auch in den Schulen des Landes wird der Streik zu spüren sein. Nach Angaben der Lehrergewerkschaft machen Frauen 94% der Kindergärtner, 82% der Grundschullehrer und 62% der Lehrer an weiterführenden Schulen aus. Staatliche Einrichtungen und Gemeinden wollen am Streiktag Lohn auszahlen.
Da die Kinderbetreuung so gut wie komplett ausfällt, sind Männer und Väter gefragt, sich um die Kinder zu kümmern. Diese selbstverständliche Annahme, dass ein Mann sich frei nehmen kann, um auf die Kinder aufzupassen, hatte in Kreisen ausländischer Mitbürger für Kritik gesorgt, nicht nur sind dort viele im Niedriglohnbereich beschäftigt, dort gibt es auch den meisten Druck von Arbeitgeberseite, zum Dienst zu erscheinen. Oder der Streiktag wird einfach nicht bezahlt, was so manche Haushaltskasse stark belastet.

Katrín streikt
Auch Premierministerin Katrín Jakobsdóttir hat ihre Solidarität angekündigt und wird morgen streiken. Vísir gegenüber sagte sie: “Ich werde meine Arbeit niederlegen, um den Frauen Solidarität zu zeigen. Es ist eine unglaubliche Situation im Jahr 2023, dass wir immer noch geschlechtsspezifische Gehaltsunterschiede haben, dass wir keine Gleichheit errungen haben und dass wir immer noch mit geschlechtsbezogener Gewalt zu tun haben.”
Diese Themen hätten in ihrer Regierung seit langem Priorität. “Wir sehen, wie die geschlechtsbezogene Gehaltsschere abnimmt, und wir haben einiges unternommen, um geschlechtsbezogene Gewalt zu bekämpfen.” Sie rief dazu auf, den Streik morgen zu unterstützen.

Schwarze Liste veröffentlicht
Die Organisatorinnen des Frauenstreiks haben eine Liste von Arbeitgebern veröffentlicht, die den Streik im Vorfeld behindert haben.
Sonja Ýr Þorbergsdóttir, die Vorsitzende der Gewerkschaftbundes BSRB hat den Streik mitorganisiert.
“Wir hoffen, Kontakt zu den Arbeitgebern aufbauen und sie auffordern zu können, die Frauen und ihre Teilnahme in diesem wichtigen Kampf um Geschlechtergleichheit zu unterstützen.” Da an vielen Arbeitsplätzen Ungerechtigkeit herrsche, habe man eine Liste mit den Arbeitgebern veröffentlicht, die den Kampf für Gleichheit nicht unterstützen. Eins der Unternehmen, die streikenden Frauen keinen Lohn zahlen werden, ist der Fischereimulti Samherji. Dort betonte man, dass das Unternehmen wegen des Streiks der Frauen seinen geschäftlichen Verbindlichkeiten nicht werde nachkommen können. Man forderte die Frauen auf, ihrem jeweiligen Vorgesetzten anzukündigen wenn sie streiken wolltemn, eine Lohnzahlung könne es jedoch nicht geben.

Siebter Frauenstreik wegen Lohngleichheit 
Frauen in Island haben zum ersten Mal im Jahr 1975 gestreikt. Damals hatten 90% aller Frauen an dem “freien Tag der Frauen” teilgenommen. Ein Jahr später wurde im Parlament ein Gesetz zur Gleichbezahlung verabschiedet. Viel mehr als das beschriebene Papier ist daraus nicht geworden, und so streikten die Frauen in 1985, 2005, 2010, 2016 und 2018. Bei jedem Streik verliessen sie ihren Arbeitsplatz früher, um dagegen zu demonstrieren dass sie aufgrund ihres im Vergleich zu den Männern niedrigeren Lohnes bereits mit der Arbeit fertig seien. Beim morgigen, siebten Streik bleiben Frauen und geschlechtsfreie Personen wie 1975 der Arbeit den ganzen Tag fern.

 

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