Familie sitzt seit Silvester im Eis auf ihrem Hof fest Skip to content
Photo: Margrét Eyrún, Facebook.

Familie sitzt seit Silvester im Eis auf ihrem Hof fest

Die lange und extreme Frostperiode hat das Leben vieler Menschen in Island beeinträchtigt, ob sie nun im Schwimmbad vor verschlossener Tür standen oder wegen einer schneebedingten Strassensperre nicht vorwärtskamen. Aber wohl niemand ist ähnlich betroffen wie die Familie von Ævar Rafn Marinós­son auf Tungu­sel im Þistil­f­jörður, die seit dem Silvestertag von der Ausssenwelt abgeschnitten ist, nachdem ein Eisstau in der Hafralónsá den Fluss in ein anderes Bett lenkte. Der  Zufahrtsweg zum Hof steht seither unter Eis und Wasser.

Letzter vergleichbarer Eisstau war 1981
Ævar lebt mit Frau, zwei schulpflichtigen Kindern und den betagten, herzkranken Eltern auf dem Hof, und niemand kann ihm sagen, wann Abhilfe geschaffen werden kann. Die Unsicherheit, so sagt er, sei das Allerschlimmste.
“Das war so kalt, dass der Fluss bis zum Boden gefroren ist, danach hat sich die Schlucht mit Schnee gefüllt. Der Eisstau reicht sicher vier bis fünf Kilometer das Flussbett hinauf,” hatte der Landwirt Anfang Januar berichtet. Seinen Tagebuchaufzeichnungen zufolge sei das zuletzt im Jahr 1981 passiert. Damals war ein Bagger ins Eis gestürzt, worauf man weitere Versuche abgebrochen hatte.
Auch diesmal hatte ein Bagger der Strassenverwaltung versucht, einen Weg zu räumen, doch war das Fahrzeug kaum vorwärtsgekommen und der Versuch musste abgebrochen werden. Seither befanden sich Gemeinde und Rettungseinheit der Region für einen notfall auf dem Hof in Einsatzbereitschaft, ansonsten passierte nicht viel.

Räumten selber Piste frei
Die Bauern auf Tungusel wollten jedoch nicht aufs Frühjahr warten und machten sich daran, einen befahrbaren Umweg über ihr Land zu finden, den sie selber freiräumten. Diese Piste über die Kverká ist gefährlich und nur für schwere Geländewagen befahrbar, für die fünf Kilometer über Flusseis und Schnee benötigt man bis zu vier Stunden. So eine Fahrt verlange den Fahrzeugen sehr viel ab und kostet auch viel Kraftstoff, und natürlich befürchte man, unterwegs liegenzubleiben, erzählt der Bauer. Der Dieseltank am Hof sei beinahe leer. Aber er leide unter der Unsicherheit, und wisse nicht, was er machen solle, wenn etwa sein Traktor kaputtgehe.
Ævars Kinder sind seit dem Jahreswechsel nicht mehr in der Schule gewesen und werden von der Mutter daheim unterrichtet.
“Bei bestimmten Fahrbedingungen müsste ich die Kinder morgens um fünf wecken, und wüsste dennoch nicht, wie lange ich bis Þórshöfn in die Schule bräuchte. Das kann ich denen nicht antun.” meint der Familienvater.

Tauwetter könnte Lage verschlimmern
Nach Angaben von Gemeindedirektor Sig­urður Þór Guðmunds­son hat sich an der Lage im Fluss seit dem Jahreswechsel wenig verändert. Um die 1000 Kubikmeter Eis liegen auf dem Fluss, die erst mal wegtauen müssten.
Aber nicht einmal das derzeitige Tauwetter kann möglicherweise etwas an der vertrackten Lage ändern. “Ich befürchte, dass das Tauwetter gar nicht ausreicht, um den Eisstau im Fluss aufzulösen. Wenn das nicht ausreicht, dann wird sich die Lage nur noch verschlechtern, denn der Flusspegel ist ja angestiegen,” sagt Ævar mbl.is gegenüber. Mit gestiegenem Flusspegel werde der Eisstau eigentlich nur noch problematischer. Man müsse das Beste hoffen.

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