Ertränkte Frau soll nach 300 Jahren posthum begnadigt werden Skip to content

Ertränkte Frau soll nach 300 Jahren posthum begnadigt werden

Das isländische Justizministerium prüft derzeit die Bitte um Begnadigung von Halldóra Jónsdóttir, einer jungen Frau, die vor 300 Jahren im Fljótsdalur ertränkt worden war. Wie RÚV berichtet, war sie damals wegen Blutschande und Vertuschung zum Tode verurteilt worden, nachdem ihr Vater sie vergewaltigt und das gemeinsame Kind getötet hatte.

Die Tragödie hatte sich auf dem Einsielderhof Þórarinsstaðir oberhalb von Seyðisfjörður zugetragen. Halldóra Jónsdóttir wurde im Jahr 1700 geboren und lebte nach dem Tod der Mutter zusammen mit Vater Jón Egilsson und Geschwistern dort in grosser Abgeschiedenheit.

Die Landwirtin Kristín Amalía Atladóttir von Hólshjáleiga í Hjaltastaðaþinghá erzählt, im Jahr 1724 habe das Gerücht die Runde gemacht, dass die unverheiratete Halldóra ein Kind geboren habe. Bei Prüfung der näheren Umstände fand man ein im Boden vergrabenes Kind. Vater und Tochter wurden festgenommen. Jón Egilsson gestand beim ersten Verhör, dass er seine Tochter vergewaltigt und das gemeinsame Kind ohne ihr Wissen genommen und im Boden vergraben habe.

Kristíns Ansicht nach ist Halldóra für keins der beiden Verbrechen für schuldig zu befinden.

Vater Jón wurde in Þingvellir für seine Taten geköpft, Halldóra wurde ebenfalls zum Tode verurteilt. Es hätte für den dänischen König Friedrich IV. die Möglichkeit gegeben, Halldóra zu begnadigen, doch in Absprache mit Theologen bestätigte er das Todesurteil, weil das Mädchen ihren Vater nicht verraten habe.

Auf ihre besondere Lage oder das Machtungleichgewicht wurde keine Rücksicht genommen.

Halldóra wurde nach Skriðuklaustur im Fljótsdal gebracht, und am 17. August 1729 wurde das Urteil im Fluss Bessastaðaá vollstreckt.

Halldóra ist eine von 48 isländischen Frauen, von denen bekannt ist, dass sie wegen Blutschande oder Vertuschung und Tötung ihres Kindes ertränkt wurden.

“Die Frauen wurden an das Flussufer gebracht, dann stülpte man ihnen einen Sack über den Körper und band ihn in der Mitte fest, mit den Armen am Körper, dann stieg jemand in den Fluss oder auf einen Felsen und zog am Strick, bis sie in den Fluss fiel,” erklärt Kristín.

Überreste von Halldóra wurden nie gefunden, aber 1989 fand man Menschenknochen im Geröll des Flusses, die ganz offensichtlich dem Fall zuzuordnen sind.

Kristín schrieb dem isländischen Premierminister und bat darum, dass Halldóra posthum begnadigt werde. Die Angelegenheit liegt nun beim Justizminister.

“Seitdem sammle ich Gelder, um an diesem Ort eine Ausstellung in Gedenken an Halldóra und andere Frauen, die das gleiche Schicksal ereilte, zu errichten, und eine Seelenmesse lesen zu lassen,” erläutert Kristín ihren Plan. “

“Ich möchte, dass hier an der Bessestaðaá eine Seelenmesse für all diese Frauen gelesen wird, und dass ihnen ein Denkmal errichtet wird, welches für alle Zeiten hier steht.”

Im Nachrichtenlink gibt es einen Filmclip, wo man den Ort der Urteilsvollstreckung sehen kann.

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