Einmann-Kutter muss Ambulanz und Damenbinden an Bord haben Skip to content
Photo: Hafþór Halldórsson.

Einmann-Kutter muss Ambulanz und Damenbinden an Bord haben

Auch in Island nimmt die Regulierungswut bisweilen bizarre Züge an. Der Kutter von Hafþór Halldórsson von den Westmännerinseln ist so ein Beispiel. Hafþór fährt mit seinem Kutter Andvari von Heimaey aus auf Tagesfahrten – alleine. Die Liste der Medikamente und medizinischen Ausrüstungsgegenstände, die er zwingend an Bord haben muss, ist mehrere Seiten lang. Platz für das halbe Krankenhaus hat er nicht.
Einer neuen Verordnung zufolge gehört sein Kutter nämlich zur Kategorie B, und das bedeutet, dass er eine Ambulanz an Bord haben muss.
„Wir sprechen hier von Sauerstoffgerät, Reanimationsgerät, verstellbare Krankenbahren, und unglaublich viel Zubehör,“ erklärt der Fischer. Ein Leichensack gehört auch dazu. „Wäre mal interessant zu erfahren, wie ich den benutzen soll.“

Ambulanz, ausgerüstet für alle Notfälle
Die Medikamente auf der Liste sind fast alle verschreibungspflichtig. Sie müssen in einem verschliessbaren Schrank aufbewahrt werden, und der muss sich in einem separaten, ebenfalls abschliessbaren Raum befinden, berichtet RÚV.
“Auf der Liste stehen auch Damenbinden und Drogentests, 25 Stück. Und dann bin ich bei der Durchsicht all dieser Medikamente auf etwas gestossen, wo ich grübelte, wofür das wohl gut sein soll. Das ist ein Medikament, um Blutungen bei schwangeren Frauen zu stoppen,“ erklärt der Fischer. Ausserdem müsse er eine grosse Sauerstoffflasche sowie ein Sauerstoffgerät an Bord haben.
Platz habe er dafür nicht. Man könne das Boot ein bisschen umbauen und es dafür einrichten, aber das sei nun doch ziemlich krass für einen Einmann-Tageskutter.

15 Meter sind ein Meter zuviel
Hafþórs Kutter ist ein älteres Model und hat eine besondere Grösse. Er ist nämlich lang, und trotzdem klein und leicht. Und genau hier wiehert der isländische Amtsschimmel, die Länge ist es, die seinen Kutter einstuft.
Da gebe es nämlich Langleinenkutter mit grosser Kajüte, die mit mehreren Besatzungsmitgliedern zwei oder drei Tage unterwegs seien. Weil die aber kürzer als sein Kutter seien, reiche bei denen ein normaler Erste-Hilfe-Kasten.
Die Verkehrsbehörde gab an, es komme nur selten vor, dass ein Kutter, der länger als 15 Meter sei, wie kurze Boote nur in Tagesfahrten eingesetzt werde. Hafþórs Kutter misst 15 Meter und 74 Zentimenter. Die Angelegenheit liegt nun beim Ministerium für Infrastruktur zur Überprüfung.
Die Sprecherin der Verkhrsbehörde, Þórhildur Elín Elínardóttir, sagte, eins der Ziele der neuen Verordnung sei es, mit der Kategorisierung der Schiffe in die Klassen A bis D den jeweiligen Betrieb des Schiffes einzustufen und den Bedarf an Ausnahmegenehmigungen bei Lizenzen gering zu halten. Das hat in Hafþórs Fall leider nicht hingehauen. Seine Andvari fällt unter die Kategorie C und D, weil sie länger als 15 Meter ist und die Fahrten vom Hafen und zurück länger als fünf Stunden dauern.
Hafþór sagt, man könne eine für maximal fünf Monate gültige Ausnahmegenehmigung beantragen, was er natürlich getan hat.
“Wenn ichs richtig verstehe, muss ich, wenn ich diese fünf Monate bekomme, danach diese Ambulanz an Bord fertig haben.” Selbst findet er, ein Erste-Hilfe-Kasten reiche vollkommen aus für einen Mann, der ein bisschen um die Insel schippert.
Und wer bezahlt die Hightech-Ausstattung im alten Kahn? Das müsse er aus eigener Tasche bezahlen, so der Fischer, und die Kosten beliefen sich auf mehrere Millionen Kronen.

 

Sign up for our weekly newsletter

Get news from Iceland, photos, and in-depth stories delivered to your inbox every week!

Subscribe to Iceland Review

In-depth stories and high-quality photography showcasing life in Iceland!

Share article

Facebook
Twitter

Recommended Posts