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Ein Toter nach Brand in Gewerbegebäude

Beim Brand in einem Gewerbegebäude in Reykjavík ist gestern ein Bewohner ums Leben gekommen. Der aus Polen stammende 61-Jährige hatte sich in seinem Zimmer befunden, als das Feuer im Erdgeschoss des zweistöckigen Gebäudes ausbrach. Zwei weitere Bewohner wurden verletzt, die Brandursache ist bislang nicht bekannt.
Die Polizei ermittelt und prüft zur Zeit Bildmaterial von ausserhalb und aus dem Inneren des Hauses, allerdings wurden die Kameras durch das Feuer beschädigt. Man arbeite jedoch an der Datenrettung.

Von Wohnhaus in Gewerbegebäude umgewandelt
In dem als Büro- und Gewerbegebäude registriertem Haus in Funahöfði 7 wohnten vor allem polnische Arbeiter, aber auch Russen und Venezolaner.
Ein Sprecher der Hauseigentümer hatte RÚV gegenüber angegeben, die Behörden hätten erst kürzlich entschieden, den Teil des Gebäudes, wo die drei Personen lebten, von Wohngebäude in Gewerbegebäude umzuwandeln. Die Eigentümer verlangten, dass diese Entscheidung revidiert werde. Nach Angaben des Sprechers habe die Feuerwehr das Gebäude erst am 13. Oktober auf Brandschutz untersucht und nur das Fehlen einer Feuerleiter bemängelt. Dafür hatte es eine Frist gegeben. Die fehlende Feuerleiter wäre bei dem Brand gestern jedoch nicht zum Einsatz gekommen, da das Feuer im Erdgeschoss ausgebrochen war.

Zimmervermietung war den Behörden bekannt
RÚV berichtet, das Gebäude, in dem etwa 30 Personen gemeldet sind, werde schon lange für die Zimmervermietung genutzt. Das Investigativmagazin Kveikur hatte RÚV zufolge dem Haus vor Jahren einen Besuch abgestattet und 13 Quadratmeter grosse Zimmer mit gemeinsamer Küche und Sanitäranlage, Mäuse, unvorstellbaren Schmutz und Spuren von Gewalttätigkeiten vorgefunden. Schon damals kostete die Zimmermiete 70.000 Kronen. Im Jahr 2016 habe sich RÚV zufolge ein Mieter in seiner Not an die polnische Botschaft in Reykjavík gewendet, nachdem die Stadtwerke wegen Zahlungsrückstand des Eigentümers den Strom abgedreht hatten. Bei einer Hausbegehung habe man verängstigte frierende Menschen vorgefunden, die so hungrig waren, dass man ihnen erst mal habe Essen geben müssen.

7000 lebten 2021 in Gewerbegebäuden
Dies ist innerhalb von zwei Monaten der zweite Brand in einem als Wohnhaus genutzten Gewerbegebäude in Reykjavík. Am 20. August war in Hafnarfjörður Feuer in einem Industriegebäude ausgebrochen, wo mindestens 17 Personen dauerhaft lebten. Zum Glück war niemand verletzt worden. Sechs Personen, die schliefen, als das Feuer ausbrach, konnten vor den Flammen gerettet werden.
“In einem Gewerbe- oder Industriegebäude zu wohnen ist immer noch nicht erlaubt, auch wenn das im Hauptstadtbereich oft praktiziert wird,” hatte der Reykjavíker Feuerwehrchef Birgir Finsson seinerzeit angegeben.

Im Juni 2020 waren bei einem Brand im Bræðraborgarstígur zwei Personen um Leben gekommen. Im Jahr 2021 hatten isländische Behörden im Rahmen einer Untersuchung herausgefunden, dass bis zu 7000 Personen in Island in Gebäuden lebten, die als Gewerbe- oder Industriegebäude registriert waren.

Im Juli diesen Jahres hatte der Minister für Infrastruktur eine Änderung der Brandschutzverordnung vorgelegt, um sicherzustellen, dass mehr Menschen ihren tatsächlichen Wohnsitz korrekt angeben. Die Verordnung soll es den Behörden auch erleichtern, Wohnungen zu betreten, in denen die Brandschutzmaßnahmen möglicherweise unzureichend sind.

 

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