Eider, die wärmste Daune der Welt. Ein Besuch. Skip to content
Photo: Dagmar Trodler. Árni R. Örvarsson and the eiderdown team.

Eider, die wärmste Daune der Welt. Ein Besuch.

In diesen Tagen werden in Island die letzten Kilo Eiderdaunen von Hand gereinigt, bevor Plumeaus und Kissen mit ihnen gestopft werden können.  Eine solche Reinigungsanlage befindet sich im Eyjafjörður, wo Árni Örvarsson und seine Leute mehrere Wochen lang damit beschäftigt sind, Sand, Federn, Tang, Eierschalenreste und anderen Unrat aus den Daunen zu pflücken und die weiche Pracht dann in die Reinigungsmaschinen zu füllen. In den in Island entwickelten Maschinen wird die Daune gebacken, gewaschen und dreifach nach Federn durchsucht. Danach ist sie geruchlos, keimfrei, staubarm, superweich, und poppt aus der Hand auf wie ein Zauberball. Die ideale Daune löst sich dank drahtartiger Härchen nicht von der Masse und fliegt nicht einzeln umher. Drückt man Eiderdaunen zusammen, ist ein charakteristisches, leises Knackgeräusch zu hören. Ihre einzigartige Isolierungseigenschaften und die Tatsache, dass sie auch Allergikern selten Probleme bereitet, macht sie zu einem der kostbarsten Rohstoffe der Welt.

Wärme in Handarbeit gefertigt
Árni Rúnar Örvarsson hat sich der Eiderdaune mit Haut und Haaren verschrieben. Der ehemalige Fussballer erlernte das Handwerk bei seinen Schwiegereltern auf dem Hof Hraun in nordisländischen Fljót und verpasste dem Betrieb seinen eigenen Stempel. Auf Hraun brüten jedes Jahr um die 3000 Enten.
Gut 80% des weltweiten Eiderdaunenertrages stammt aus Island, Hauptexportländer sind Deutschland, Dänemark und Japan. In Island wird die gesamte Daunenwirtschaft in Handarbeit erledigt, und Árni ist stolz darauf, dass er seine Produkte alle selbst in der Hand gehabt hat. Ein Grossteil seiner vor Ort genähten Bettdecken geht via Internetbestellung inzwischen in die USA. Isländer, so sagt er, rufen lieber bei ihm an oder schauen persönlich vorbei. In Island ist die Daunendecke immer noch ein Geschenk zu besonderen Anlässen und wird innerhalb der Familie vererbt.

Symbiose seit Jahrhunderten
Die Eiderente und ihr Bauer, das ist eine jahrhundertalte Symbiose. Zum ersten Mal findet die Nutzung dieser Entenart im 12. Jh Erwähnung, ab dem 17. Jh findet sich die Daune als eigenständige und wertvolle Tauschware im isländischen Warenverzeichnis. 1847 wurde die Eiderente unter Naturschutz gestellt, seither darf nur noch die Daune geerntet werden. Jahrhundertealtes Wissen darum, wie man den Seevogel dazu bringt, auf seinem Land zu brüten (und nicht beim Nachbarn) mischt sich heute mit modernen Ideen, wenn es etwa um die Abwehr von Schädlingen geht. Bei Árni kommt zum Beispiel das Gewehr nur selten zum Einsatz, er hat sein Brutgebiet so eingezäunt, dass der Fuchs es kaum über den Zaun schafft, um Eier zu stehlen. Die Eiderenten finden das gut, sagt er. Nur ganz vereinzelt brüten Enten ausserhalb des Zaunes. Auch der eiergierige Rabe wird nicht mehr geschossen, sondern vom Brutgebiet abgelenkt, indem man ihm in Anlehnung an Joshua Kleins Krähenexperiemente etwa beibringt, Steine oder Müll gegen Futtergabe zu sammeln, und die Eier liegenzulassen.

Die Ente wärmt das Ei, nicht die Daune
In Island gibt es rund 900000 Eiderenten, die die meiste Zeit des Jahres in grossen Gruppen auf dem Wasser verbringen. Im Frühjahr fressen sie sich Fettreserven an, denn während der Brutzeit zwischen Mai und Juni verlässt die Ente ihr Nest nicht. Wenn der Eiderbauer ihr einladende, geschützte Brutplätze bietet, nimmt sie das dankend an.  Eiderenten mögen es, wenn das Brutgebiet mit auffallenden und bunten Gegenständen geschmückt ist, könnte das doch Fressfeinde fernhalten. Anders als andere Daunen wird die Eiderdaune erst geholt, wenn die Ente sie nicht mehr benötigt. Weil ihre Körpertemperatur von Natur aus während der Brut ansteigt, zupft die Ente sich selbst die braunen Federchen aus. Kurz vor dem Schlupf der Küken sammelt man die Daunen mit grosser Umsicht ein. Árni betont, es sei die Ente selbst, die die Eier wärmt, nicht die Daune. Die Küken verlassen ohnehin das Nest, sobald sie trocken sind. Würde man die Daunen nicht zeitnah einsammeln, würden sie mit dem Wind davonfliegen und wären ein verschwendeter Rohstoff.

Daunen fürs Leben
Weltweit werden nur etwa 3000 Kilogramm Eiderdaunen gesammelt. Die Eiderdaune ist die einzige Daune mit wasserabweisenden, isolierenden Eigenschaften, und Árni arbeitet bereits an seinem nächsten Produkt – eine Serie von daunengefüllten Outdoorjacken in limitierter Auflage, samt Kundenkartei, um zu verhindern, dass sich Jacken bei finanzstarken Kunden ansammeln. Denn ähnlich wie ein Daunenbett wird auch die Jacke aufgrund der hervorragenden Eigenschaften der Daune eine so lange Lebenszeit haben, dass man eigentlich keine zweite Jacke kaufen muss.

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