Dumpinglöhne im Pferdebereich weiter Thema Skip to content
Photo: Dagmar Trodler.

Dumpinglöhne im Pferdebereich weiter Thema

Die Betreiberin einer Pferdevermietung in Westisland hat die unfaire Diskussion in Pferdegruppen auf Facebook um Dumpinglöhne in der Branche beklagt, sie selbst bot jedoch Jobs für 35.000 ISK Anfängerlohn und Reitkleidung für die zu leistende Arbeit, berichtet Stundin.

Erst kürzlich hatte Bergljót Rist, die Eigentümerin der Pferdevermietung The Icelandic Horse, in einem TV-Magazin die Trägheit vieler Reittourunternehmen kritisiert, die nach wie vor ihren Angestellten keinen angemessenen Tariflohn zahlen.

In einer Reportage im vergangenen März hatte Stundin von zahlreichen Reittourunternehmen berichtet, die pro Jahr hunderte Millionen Kronen sparen, indem sie Dumpinglöhne zahlen, und sich so einen wirtschaftlichen Vorteil gegenüber den Unternehmen verschaffen, die ihre berittenen Reiseleiter und Pferdemädchen tarifgerecht entlohnen.

“Das sind oft junge Mädchen, die aus dem Ausland kommen und in Island aufs Pferd wollen, und bereit sind, das umsonst oder für kleines Geld zu tun, und das nutzen die Betreiber aus, die benutzen die Beliebtheit des Islandpferdes und lassen Leute für sich arbeiten und behalten deren Lohn ein.” beschrieb Bergljót das Problem. Sie bezeichnete die Lage auf dem Markt als Schwindelwettbewerb, wo es den Schwindlern wirtschaftlich am besten gehe.

In einer Diskussionsgruppe auf Facebook hatte sich unter anderem eine der Betreiberinnen des Pferdeverleihs Jóreykir in Sturlureykir zu Wort gemeldet. “Ich muss nun zugeben, dass ich absolut nicht dieser Meinung bin,” schrieb sie, es sei doch lächerlich, alle Betriebe, die im Pferdetourismus tätig seien, in einen Topf zu werfen. “Ich denke, wir sind mehr als nur sie, die wir unser Unternehmen auf ehrliche Weise betreiben und Löhne zahlen wie alle anderen.”

Stundin war im März bei einer Recherche jedoch zu anderen Ergebnissen gekommen. Damals hatte das Magazin unter den Decknamen Sara Larsen aus Dänemark Bewerbungen an Pferdeverleihe geschickt und von mehreren Unternehmen Angebote erhalten, die weit unter dem tariflichen Mindestlohn lagen.

Eins der Angebote war auch von Jóreykir eingegangen, dort waren Sara 35.000 ISK (250 EUR), sowie schicke Reitkleidung in Aussicht gestellt worden. Der Facebook-Kommentar ist inzwischen entfernt worden.

Das isländische Gesetz schreibt vor, dass freiwillige Arbeit nur zulässig ist, wenn sie im humanitären Bereich oder im Naturschutz angesiedelt ist, sowie für Arbeiten, die sonst von niemandem ausgeführt würden. Für alle anderen Jobs gelten die jeweiligen Tarifverträge.

Unbezahlte Arbeit in einem wirtschaftlichen Beschäftigungsverhältnis – darunter fallen Produktion und Verkauf von Waren oder Dienstleistungen auf einem Markt, in einem Unternehmen welches auf Profit ausgerichtet ist und im Wettbewerb mit Betrieben in der gleichen Branche steht – stellt ein unzumutbares Unterbieten dar.

Pferdeverleihe werden besonders erwähnt als Beispiele für wirtschaftlich orientierte Betriebe, wo oft unbezahlte Arbeit gegen geltende Gesetze und Regeln verstösst. Wie der isländische Arbeitnehmerverband ASÍ auf seiner Webseite schreibt, wird eine solche Arbeit fast nie bei der Steuer angegeben, und die Summen, die bei dieser Art von Steuerhinterziehung zusammenkommen, seien beträchtlich.

Eine Lohnvereinbarung kann durchaus die Bereitstellung von Unterkunft und Verpflegung beinhalten und entsprechende Kosten vom Lohn abgezogen werden, jedoch sind die Möglichkeiten hier begrenzt. Voraussetzung dafür ist immer, dass der Tarifvertrag eingehalten wird und dass der Arbeitnehmer einen schriftlichen Arbeitsvertrag sowie einen Lohnzettel mit allen angemessenen Abzügen erhält.

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