Die Schwimmkuh Sæunn wird in Kinderbuch verewigt Skip to content
Photo: Sæunn in Valþjófsdal. Sceenshot RÚV.

Die Schwimmkuh Sæunn wird in Kinderbuch verewigt

Als die fünfjährige Milchkuh Sæunn im Jahr 1987 zum Schlachthaus fahren sollte, fasste sie den heldenhaften und ziemlich unkuhigen Entschluss, nach ihrer Flucht vom Schlachtauto ins Meer zu rennen und die drei Kilometer über den Önundarfjörður auf die andere Seite zu schwimmen. Dort wurde sie vom Bauernpaar auf Kirkjuból im Valþjófsdalur empfangen, die die Schwimmkuh bis zu ihrem letzten Lebenstag behielten. Für diese Tat erreichten das Ehepaar Dankesbriefe aus aller Welt, doch nun ist zu der unglaublichen Geschichte auch ein Kinderbuch herausgegeben worden.

Aus Harpa wird Sæunn
Es begab sich an einem milden Herbsttag im Oktober 1987, als einige Kühe in Flateyri in den Westfjorden zum Schlachthaus gebracht werden sollten. Eine von ihnen hiess Harpa, und die war nun ganz und gar nicht lebensmüde.
Die Bauern hatten jedoch keine Verwendung für sie, daher wollte man sie auf dem schnellsten Wege zu ihrem Schöpfer zurückschicken. Als Harpa merkte, wohin die Reise gehen sollte, riss sie sich los und rannte aufs Meer zu. Hier ging es nur noch in eine Richtung, und so stürzte sie sich in die Wellen und schwamm ihren Häschern davon. Viele Kühe wären dort wohl ertrunken oder zum Strand umgedreht, doch nicht Harpa, die die drei Kilometer über den Önundarfjord schwamm, obwohl ein Boot der Björgunarsveit ihr folgte und versuchte, sie zu fangen.

Am Strand von Valþjófsdalur ging Harpa an Land. Dort warteten schon ihr Besitzer und der Leiter des Schlachthauses, aber auch der Bauer von Kirkjuból im Valþjófsdalur, der die Schwimmkuh an Ort und Stelle kaufte und in Sæunn umbenannte, denn Harpas Mutter war eine graue Kuh gewesen (die Farbe wird im Isländischen “sægrá”,seegrau, genannt). Ihr neuer Eigentümer scherzt im Filmbeitrag von Ómar Ragnarsson, dass Sæunns Milch möglicherweise aus dem Milchquotensystem herausfalle, weil sie eine Seekuh sei und damit sei wohl eher das Fischereiministerium zuständig. Im Film sieht man, wie sie zielsicher in ihr neues Zuhause rennt.

Aus Sæunn wird ein Kinderbuch
Eyþór Jóvinsson, der Buchhändler in Flateyri, der auch Kinofilme produziert, hat diese unglaubliche Geschichte nun für Kinderohren aufgeschrieben und ein Buch über Sæunn und ihre Heldentat herausgegeben, er findet, es sei an der Zeit gewesen, schreibt RÚV. Illustriert wurde das Buch von Freydís Kristjánsdóttir.

Eyþór selbst war erst zwei Jahre alt, als sich die Geschichte zutrug, doch ist er mit Sæunns Geschichte gross geworden. “Die ist eine echte Fjordheldin, diese Sæunn,” sagt Eyþór stolz.
Sæunns Kampfeswille hatte wohl auch einen handfesten Grund, denn im Frühjahr nach ihrer spektakulären Flucht stellte sich heraus, dass sie tragend war. “Das war vielleicht für diesen starken Lebenswillen verantwortlich,” mutmasst Eyþór.
Das Kalb kam am Seemannstag zur Welt, ein weibliches Tier, das den Namen Hafdís (Meeresgöttin) erhielt.
“Ganz schön viele Tiere haben sich auf unglaubliche Weise selbst gerettet, aber das ist wohl die berühmteste Selbstrettungsaktion in Island,” sagt der Autor.

Dankesbriefe aus dem Land der heiligen Kühe
Die Heldentat der Kuh und das Mitgefühl des Ehepaars im Valþjófsdalur, welches Sæunn ein neues Leben schenkte, ist um die ganze Welt gereist, unter anderem nach Indien.
“Dort sind Kühe heilige Tiere, und so regnete es Dankesbriefe, Geldgeschenke und Segenswünsche über das Ehepaar im Valþjófsdalur,” erzählt Eyþór. “Und es regnete Drohbriefe über das Ehepaar im Breiðadalur, welches die Kuh zum Schlachter bringen wollte.”

Sæunn beendete ihr Dasein nach vielen Jahren als ertragreiche Milchkuh dort, wo sie ihr zweites Leben begann: am Strand des Valþjófsdalur. “Als sie alt und krank geworden war, brachte der Bauer sie zum Meer. Hier bekam sie ein Grab mit Aussicht über den Fjord und das Meer, das sie gerettet hatte.”

Das Buch über Sæunn ist im Buchhandel überall in Island erhältlich. Eyþór träumt nun davon, Sæunn auch in einem Film zu verewigen, er findet, sie habe es verdient, dass ihre Geschichte auf die Leinwand kommt und ihr guter Ruf in die Welt hinaus getragen wird.

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