Der Priester und die Freilaufkatzen von Siglufjörður Skip to content
Photo: Dagmar Trodler.

Der Priester und die Freilaufkatzen von Siglufjörður

“Wenn Katzen in den Käfig gelangen, mit dem ich Vögel fange, um die zu markieren und dann fliegen zu lassen, dann reicht es. Dann ist das Mass voll.” wettert Sigurður Ægisson, der Pfarrer aus Siglufjörður, und fordert ein Verbot von Freilaufkatzen in der Gemeinde Fjallabyggð, um die Vögel vor dem Beutedurst der Samtpfoten zu bewahren.

Vogelfreund Sigurður markiert seit mehr als vierzig Jahren Vögel für das isländische Naturkundeinstitut. Er ist mit der Entwicklung überhaupt nicht einverstanden, sagt, er höre von Katzen, die überall Vögel töten und fordert eine öffentliche Diskussion darüber, ob der Freigang von Katzen eigentlich als normal bezeichnet werden könne.
Dazu erstand er eine Anzeige im örtlichen Blättchen, in der er seine Gesinnungsgenossen aufforderte, jeglichen ihnen auffallenden Ärger und Schmutz zu veröffentlichten, den Katzen so verursachen.
“Das ist doch nicht normal, dass eine Haustierart vor allen anderen während der Brutsaison Ärger in der Gemeinde verursachen darf, und ich spreche jetzt noch nicht mal vom Rest des Jahres,” klagt der Priester im Gespräch mit Vísir.
Die Anzeige machte die Runde und verärgerte allerdings auch eine mitgliederstarke Facebookgruppe der Katzenfreunde.

Wie der Nerz sei die Katze in Island gar nicht heimisch, erklärt Sigurður. Sie sei mit den ersten Siedlern gekommen. Allerdings sei der Mensch eigentlich auch nicht heimisch auf der Insel, aber zumindest habe der gewisse Umgangsregeln eingeführt, die er auch zu befolgen versuche.
Es sei wohl nicht selbstverständlich, dass eine Haustierart machen könne was ihr beliebe, während andere weniger Freiheiten genössen.

Katzenlobby agitierte gegen städtische Verordnung
Einen Erfolg hatte Sigurður in der Vergangenheit bereits erzielt: im Frühjahr erliess das Fjallabyggð eine Verordnung, nach der Katzen während der Brutzeit das Haus nicht verlassen dürfen.
“Aber dann legte die Katzenlobby los und der Stadtrat knickte ein,” ärgert sich der Priester. “Der Rat kam mit einem Änderungsvorschlag, dass im Sommer alle Beschwerden gesammelt und als Statistik aufgearbeitet würden, und das Ergebnis werde man dann im Herbst verkünden. Danach habe ich mit ganz vielen Leuten gesprochen, die sich unzufrieden zeigten, und die mir sagten, dass die Katzen überall hinscheissen würden, und dass man ständig in Katzenkot trete, und ich sagte ihnen – gebt das bekannt! Damit das aufgeschrieben wird und die Leute eine Idee davon bekommen, was da eigentlich passiert, und wie oft das passiert.”

Viele Katzenbesitzer unternähmen ja Versuche, ihre Katzen mit Glöckchen und Halskrägen vom Jagen abzuhalten, doch der Vogelkundler weiss, dass das alles nicht ausreicht.
“Das rettet nur flügge Vögel, weil die Jungen, wie etwa die Rotdrossel oder die Amsel, aus dem Nest hüpfen und dann erst mal auf der Erde und im niedrigen Gebüsch unterwegs sind. Die können sich nicht im Flug retten, und da hilft auch kein Glöckchen und kein Halskragen.”

Beispielhaftes Húsavík
Wenn man seinen Blick nach Húsavík wende, werde klar dass das Freilaufproblem durchaus lösbar sei. In Húsavík ist der Freigang für Katzen vollständig untersagt. Manche hätten ihren Katzen einen Freiluftkäfig in den Garten gebaut, aber in freier Wildbahn ist keine Katze mehr anzutreffen.
“Warum müssen Hundebesitzer ihren Hunden mit dem Tütchen nachlaufen und den Kot einsammeln, während die Katzen ihre Notdurft in den Sandkästen und einfach überall hinterlassen und niemand unternimmt was. Das ist diese Veranwortungslosigkeit, die mich so auf die Palme bringt.”

Doch trotz der hitzigen Diskussion kann der Priester hervorragend schlafen. Immerhin hat er sein Ziel ja erreicht.
“Ich bin sehr zufrieden, wenn sich daraus eine sinnvolle Debatte entspannt. Und wenn es allen egal ist, dass die Katzen machen was sie wollen, dann ist das eben so.”

 

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