deCODE will sich aus COVID-Testung an den Grenzen zurückziehen Skip to content
Photo: Golli. CEO of deCODE genetics Kári Stefánsson.

deCODE will sich aus COVID-Testung an den Grenzen zurückziehen

Kári Stefánsson, der Geschäftsführer von deCODE, hat Premierministerin Katrín Jakobsdóttir in einem offenen Brief gedrängt, ein eigenes Seuchenforschungsinstitut zu gründen, da sein Unternehmen die Aktivitäten bei der COVID-Testung an den Landesgrenzen nach dem 13. Juli einstellen werde.
DeCODE hatte fünfmal so viele Leute auf das neuartige Coronavirus getestet wie die Universitätsklinik, die einzige Institution in Island, welche Kári zufolge entsprechend ausgestattete Analysekapazitäten hat. Die Leiterin des isländischen Gesundheitsamtes sagte, die Screeningaktivitäten an den Grenzen müssten nun überdacht werden.

Islands erster COVID-19 Fall war am 28. Februar diagnostiziert worden. Kurz darauf hatte deCODE angeboten, den symptomlosen Teil der Bevölkerung zu testen, um herauszufinden, wie weit das Virus sich in der Gesellschaft bereits verbreitet hatte.
“Leider geriet das einzige Labor innerhalb des Gesundheitssystems mit Fortgang der Epidemie in Schwierigkeiten, und am Ende haben wir dann für einige Wochen fast das gesamte Screening übernommen, bei den Symptomlosen wie bei Erkrankten,” schreibt Kári. “Es ist daher nicht unwahrscheinlich, dass die Seuchenschutzmassnahmen ohne unsere Beteiligung schwierig geworden wären.”

deCODE bei Planung ignoriert
Kári weist darauf hin, dass deCODE nicht nur die COVID-Tests durchgeführt und analysiert habe, sondern auch dem Chefepidemiologen und anderen Institutionen dabei geholfen habe, die Resultate auszuwerten. Ausserdem sei deCODE das einzige Institut in Island, welches Anitkörpertests durchführen könne.

Dennoch, so Kári, habe die Regierung mit Abebben der Epidemie auf lokaler Ebene damit begonnen, Pläne zur Grenzöffnung vorzubereiten, ohne sich mit deCODE abzusprechen. “In dem Plan ging man davon aus, dass deCODE anbieten würde, alle möglichen Aspekte der Testung zu übernehmen. Wir stimmten zu, uns in der Anfangszeit zu beteiligen (nicht für immer), aber als wir keine echten Pläne dafür erkennen konnten, wer denn von uns übernehmen würde, der das auch kann, wurden wir unruhig,” schreibt Kári.

Seuchenforschungsinstitut soll Kpazitäten ausgleichen
Kári zitiert einen Brief, den er der isländischen Regierung am 1. Juli geschickt hatte, und wo er für die Gründung eines Seuchenschutzinstitutes wirbt. Ein solches Institut wäre in der Lage, den derzeitigen Kapazitätsmangel des Gesundheitssystems für die COVID-Tests auszugleichen, Resultate auszuwerten, Daten zu verarbeiten und bei Entscheidungen bezüglich der derzeitigen Pandemie sowie zukünftigen zu assistieren. Kári schlug vor, dass das Instititut unter der Ägide des Gesundheitsamtes laufen würde und bot nicht nur die Hilfe von deCODE bei der Gründung des Institutes an, sondern auch die Bereitstellung von Räumlichkeiten im deCODEs Hauptgebäude.

Drei Tage später antwortete die Premierministerin, der Brief ist Káris Schreiben beigefügt. In dem Brief dankte Katrín Jakobsdóttir ihm für die Anstrengungen beim Kampf gegen die Ausbreitung von COVID-19 in Island und verspricht, dass die Regierung sein Angebot überdenke. Sie schrieb auch, dass ein eigens angestellter Projektmanager damit betraut werde, “zu analysieren, wie man die Infrastruktur des Gesundheitssystems stärken könne, um mit Epidemien der Zukunft fertig zu werden, wobei dein Vorschlag und die Erfahrung, die wir im Kampf gegen COVID-19 gesammelt haben, berücksichtigt werden.” Der Projektmanager soll auch dem Chefepidemiologen in enger Zusammenarbeit mit dir und deinem Unternehmen dabei helfen, die derzeitige Pandemie einzudämmen.”

deCODE zieht sich aus Testung zurück
“Diese deine Antwort macht klar, dass dieses Problem für dich nicht so dringend ist wie für uns,” schreibt Kári weiter. “Unsere Sicht der Dinge ist, dass dein gesamtes Verhalten gegenüber deCODE, und das der Gesundheitsministerin, geprägt ist von Respektlosigkeit für uns, für unseren Beitrag und die Aufgabe, die wir in dieser Epidemie übernommen haben.”
Sein Unternehmen deCODE werde sämtliche Kommunikation zum Thema SARS-CoV2 mit dem Chefepidemiologen und dem Gesundheitsamt ab sofort kappen, und ab Montag den 13. Juli werden keine weitere COVID-Tests mehr ausgewertet.

Kári ist bekannt dafür, das er Politiker in offenen Briefen und in den Medien veröffentlichten Artikeln verbal angreift. Im Jahr 2016 hatte er die Entscheidung des damaligen Premierministers Sigmundur Davíð Gunnlaugsson, die neue Uniklinik an anderer Stelle als urprünglich geplant zu errichten, als “Kriegserklärung” bezeichnet und Sigmundurs Auftreten als Premierminister kritisiert. Im gleichen Jahr forderte er den damaligen Staatspräsident Ólafur Ragnar Grímsson auf, Informationen über die Finanzen von sich und seiner Ehefrau offenzulegen.
Seiner Unzufriedenheit mit der isländischen Gesundheitsministerin hatte er vor einiger Zeit in einem TV-Interview Ausdruck verliehen.
Director of Health, Chief Epidemiologist Respond
Die Leiterin des isländischen Gesundheitsamtes, Alma Möller, und Chefepidemiologe Þórólfur Guðnason sagten, dass man im Lichte von Káris Ankündigung die Grenztestung überdenken müsse. Beide lobten deCODE für seinen Beitrag zum Kampf gegen COVID-19.
“Sie haben grossartige Arbeit fur uns geleistet,” sagte Þórólfur.
Prermierministerin Katrín Jakobsdóttir hat sich heute mit den Fachleuten getroffen, um die neue Situation zu besprechen. Vísir zitiert sie unter anderen, man wisse doch, dass man von Kári niemals das letzte gesehen habe.
Um 14 Uhr findet eine Pressekonferenz zur Lage statt.

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