COVID-19: Infrastruktur am Limit, Ruf nach Massnahmen Skip to content
From the night shift at the COVID-19 ward.
Photo: Þorkell Þorkelsson.

COVID-19: Infrastruktur am Limit, Ruf nach Massnahmen

Bei der heutigen COVID-Pressekonferenz herrschte eine ziemlich düstere Stimmung, als der Chef des isländischen Zivilschutzes, Víðir Reynisson, feststellte, dass die steigenden Infektionszahlen die Infrastruktur an ihre Grenzen bringen. Kamilla S. Jósefsdóttir, die Vertreterin des Chefepidemiologen, gab an, dass mit weiter steigenden Zahlen die Rückverfolgung unmöglich werde, was dazu führe, dass der Virus sich weiter ausbreite, weil Betroffene über einen Kontakt nicht mehr informiert werden. Die Entwicklung könnte zur Folge haben, dass die COVID-Station des Universitätskrankenhauses Patienten in Not abweisen muss.

Island müsse sich dringend damit befassen, wie es langfristig mit der Pandemie umgeht, und wie die derzeitige vierte Welle bekämpft werden muss, erklärte der Leiter der Uniklinik, Páll Matthíasson. Ein Kollaps des Gesundheitssystems habe nicht nur kurzfristige, sondern auch langfristige Auswirkungen auf die isländische Gesellschaft.
Mit Aktualisierung der neuen Pandemiekarte der Europäischen Union ist Island nun auch für die EU auf der roten Liste gelandet, was in vielen Ländern Auswirkungen auf die Einreise- und Quarantänebestimungen für Reisende aus Island haben wird.

Die Ansteckungszahlen steigen weiter an: gestern wurden im Land 151 Personen positiv getestet, 68 von ihnen befanden sich in Quarantäne, drei Fälle wurden an der Landesgrenze gefunden. Zur Zeit sind 1391 Personen an COVID-19 erkrankt, 18 befinden sich in stationärer Behandlung, drei auf der Intensivstation. Von den 151 Fällen waren 55 betroffene Personen nicht geimpft, das ist die höchste Zahl seit Mitte Juli. Páll Matthíasson gab an, dass relativ viele Personen möglicherweise ebenfalls stationär aufgenommen werden müssen, weil ihr Zustand sich verschlechtert. Solche Aussichten belasten die Uniklinik schwer, die für die zu erwartenden Infektionspatienten Platz schaffen und andere Patienten verlegen muss. Die Notaufnahme läuft dauerhaft mit einer Kapazität von 95 bis 105 Prozent, die COVID-Aufnahmen kommen hinzu.

In einem Gebäude am Slétturvegur sind stehen jetzt neue Betten zur Verfügung, allerdings fehlt ausreichende Betreuung. Páll weist darauf hin, dass es nicht nur Personalmangel, sondern bei vielen Pflegenden Burnout-Symptome gebe, weswegen man die Leute in den dringend benötigten Sommerurlaub geschickt habe.
Dazu habe die derzeitige Pandemiewelle ihren Höhepunkt noch nicht mal erreicht. Die Klinik hatte schon zuvor wegen der Ferienzeit Wahl-OPs verschoben, nun könnte es dazu kommen, dass solche Ops noch weiter verschoben werden müssen. Man habe die Pflegenden gebeten, ihren Urlaub abzukürzen, eine schwierige Entscheidung, weil sie die Erholung bräuchten.
Páll erklärte, man sei in der Lage, all diese Herausforderungen zu schultern, man arbeite gut mit anderen Einrichtungen des Gesundheitswesens zusammen, was schnelle Verlegungen angehe. Es werde von Beginn an Triage praktiziert, um sicherzustellen, dass Leute nur im äussersten Notfall eingewiesen werden. Allerdings könne es nicht sein, dass die Klinik permanent einen Pandemiefall oder einen schweren Verkehrsunfall von der Katastrophe entfernt stehe.

Bei einem explosionsartigen Anstieg der Fallzahlen nach dem gerade vergangenen Kaufmannswochenende werde Landspítali allerdings wie Kliniken in anderen Ländern an der Wand stehen, und Schwerkranke nicht mehr behandeln können, sagte Kamilla. Páll pflichtete ihr bei, es gebe nur zwei Optionen: Seuchenschutzmassnahmen, oder der Pandemie freien Lauf lassen. Letztere Option würde die Klinik ganz klar in die Knie zwingen.
Insgesamt müsse man sich als Gesellschaft Gedanken machen, wie man mit der Seuche langfristig umgehe. “Diese und andere Pandemien sind gekommen um zu bleiben,” erklärte Páll. “Wir müssen das Gesundheitswesen stärken, damit es nicht ständig am Rande eines Zusammenbruchs steht. Wir sitzen alle im selben Boot in dieser Gesellschaft. Es ist trotz allem ein ziemlich gutes Boot, aber wir müssen zusammenarbeiten, um erfolgreich zu sein.”
Der Virus sei der Feind, so Víðir Reynisson, gegen ihn müsse man zusammenstehen. Es gebe keine andere Wahl. Mit Blick auf die Regierung sagte Víðir, es komme gar nicht in Frage in Krisenzeiten keine Entscheidung zu treffen. Experten rieten zu unverzüglichen Massnahmen.

Etwa zeitgleich zur Pressekonferenz war die Regierung mit dem isländischen Staatspräsidenten in dessen Amtssitz Bessastaðir zusammengekommen, um im Parlament beschlossene Gesetzesänderungen zu besiegeln und die aktuelle Lage zu besprechen. Nach Angaben von Premierministerin Katrín Jakobsdóttir überlege man unter anderem, ausnahmslos alle Einreisenden an der Grenze zu testen. Einzelheiten der Sitzung sind jedoch bislang nicht bekanntgeworden.

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