Blutstuten: Umweltbehörde genehmigt Verarbeitung von 600 Tonnen Blut Skip to content
Photo: Dagmar Trodler.

Blutstuten: Umweltbehörde genehmigt Verarbeitung von 600 Tonnen Blut

Die isländische Umweltbehörde hat am 13. Januar dem Pharmaunternehmen Ísteka ehf. die Genehmigung erteilt, pro Jahr 20 Kilogramm medizinischen Rohstoff aus insgesamt 600 Tonnen Blut von tragenden Stuten zu produzieren. Bei der Produktion handelt es sich um vorbereitende Prozesse am Rohstoff, Weiterverarbeitung und Isolierung des Endstoffes.  Weiter heisst es in der Betriebserlaubnis, sollte der Betrieb in andere Hände übergehen, kann beantragt werden, dass die Betriebsgenehmigung auf den neuen Besitzer überschrieben wird. Erteilt wird die Genehmigung auf der Grundlage isländischen Rechts und der EU-Richtlinie 1069/2009 zu tierischen Nebenprodukten.

Umweltbehörde ist nicht für Tierschutz zuständig
Auf der Webseite der Umweltbehörde sind alle 237 eingesandten Einwände gegen eine solche Genehmigung veröffentlicht. Die Behörde weist darauf hin, dass die Genehmigung auf Grundlage der Gesetze zu Hygieneregeln und Vermeidung von Umweltbelastungen erteilt wurde, weil es sich um die Herstellung von Medikamenten handle. Die Einwände hingegen thematisierten vor allem die Blutgewinnung aus tragenden Stuten.

Nach Angaben der Behörde betrifft die erteilte Genehmigung eine Medikamentenherstellung an einem bestimmten Arbeitsumfeld des Betreibers und enthält Auflagen zur Schadstoffbegrenzung und Überwachung. Sie umfasst nicht die Gewinnung und Bevorratung des Blutes, aus dem produziert wird. Der Veterinäraufsichtsbehörde MAST obliegt diese Kontrolle im Rahmen des Tierschutzgesetzes.
Die Genehmigung ist bis zum Jahr 2038 gültig. Gegen sie kann innerhalb eines Monats beim Schlichtungsausschuss für Umwelt- und Resourcenfragen Einspruch eingelegt werden.

Bislang hatte das Unternehmen Ísteka ehf. 170 Tonnen Blut verarbeitet, welches aus 5400 tragenden und laktierenden Stuten gewonnen wurde. Jeder Stute werden im Sommer zwei Monate lang wöchentlich fünf Liter Blut entnommen, aus dem Blut extrahiert Ísteka das für die Schweine- und Ruminantenzucht wichtige Hormon PMSG. Für eine Produktion von 600 Tonnen Blut wären 20.000 Stuten nötig, die dann 20.000 säugende Fohlen bei Fuss hätten. Der Gesamtpferdebestand in Island wird aktuell auf ca. 70.000 Pferde geschätzt.
Zur Zeit liegt dem isländischen Parlament ein Gesetzantrag vor, mit dem die Blutstutenwirtschaft verboten werden soll, nachdem Ende letzten Jahres tierschutzrelevante Vorgänge bekannt geworden waren.
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