Bierbrauer "zensiert" sein Bier, damit es zugunsten eines Obdachlosenfonds verkauft werden kann Skip to content
Photo: Loftur. Ægir Brugghús, Facebook.

Bierbrauer “zensiert” sein Bier, damit es zugunsten eines Obdachlosenfonds verkauft werden kann

In Reykjavík hat sich der Braumeister einer Mikrobrauerei mit den Behörden angelegt. Weil das Foto auf der Bierdose der Marke Loftur gegen das Gesetz zur Tabakwerbung verstiess und der Verkauf durch die Gesundheitsbehörden gestoppt worden war, hat der Braumeister sein Bier “zensiert” und damit eine neue Verkaufsgenehmigung in den staatlichen Alkoholläden erhalten. Er hofft, sein Bier morgen in den Regalen zu finden.

Die Biersorte Loftur war in der vergangenen Woche, am Todestag des Obdachlosen Loftur Gunnarsson, in die ATVR-Alkoholäden geliefert worden. Ein Teil des Verkaufserlöses geht in einen Unterstützungsfonds für Obdachlose in Reykjavík in Erinnerung an den stadtbekannten Loftur.
Auf der Dose ist Loftur mit einer Zigarette abgebildet, ein für ihn typisches Foto, wie Braumeister Ólafyr S.K. Þorvaldz Vísir gegenüber angibt. Die Gesundheitsbehörden sahen das anders, nachdem Mitglieder der Krebsvereinigung darauf hingewiesen hatten, dass das Foto gegen die Gesetze zur Tabakswerbung verstösst.

Ólafur hat nicht damit gerechnet, dass sein Bier zensiert würde, als es in den Verkauf ging. “Wir haben ein Foto von Loftur gewählt, welches typisch für ihn ist, und das ist oft als Coverbild genommen worden, wenn der Fonds zu seiner Erinnerung vorgestellt wurde.” Dass er damit die Tabakgesetze verletze, daran habe er nun gar nicht gedacht. Von den Klagen des Krebsvereins habe er durch die Nachrichten erfahren. Da war das Kind schon in den Brunnen gefallen, ATVR meldete sich, dann kam das Gesundheitsamt und wollte die Bierdosen sehen. Am Schluss stand letzten Donnerstag schliesslich das Verkaufsverbot.

Man habe sofort reagiert, sagt Ólafur, und neue Etiketten entworfen. “Von ATVR haben wir gleich letzten Freitag gehört, dass sie auf Antwort der Lebensmittelkontrolleure warten. Heute habe ich Antwort von denen bekommen, und ATVR hat die Verkaufsgenehmigung erteilt.”
Und die Lösung des Problems war ganz einfach: die Brauer verbrachten den Tag damit, rote Aufkleber mit der Aufschrift “Zensiert!” (ritskoðað) über die verbotene Zigarette zu kleben.
Hätte man ganz neue Etiketten drucken müssen, wäre dafür wohl der Erlös für die Obdachlosen draufgegangen. Da habe man eine billige Lösung gefunden.

Obendrein auch noch gute Werbung, die ihm so keine Werbeagentur hätte liefern können, sagt der Braumeister mit einem Grinsen.
“Ich denke, das trägt sowohl dem Fonds als auch der Debatte um die Obdachlosen ordentlich was ein und bringt die Sache voran, wenn man das öffentliche Interesse mal betrachtet. Das führt dann hoffentlich dazu, dass die ganze Charge verkauft wird, und alles Geld, was wir dafür vorgesehen hatten, kann ohne Verluste in den Fonds gehen.”

 

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