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Photo: View from Hallgrímskirkja in downtown Reykjavík.

Bewährungsstrafe für Unterbringung von Arbeitern in Schlafschränken

Der Eigentümer der Zeitarbeitsfirma 2findjob ist vom Reykjavíker Bezirksgericht zu einer fünfmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden, weil er Leben und Gesundheit von 24 ausländischen Arbeitskräften gefährdet hat, indem er sie in einem gefährlichen Gebäude im Reykjavíker Smiðshöfði unterbrachte.

Þorkell Kristján Guðgeirsson war wegen eines sogenannten Gefährdungsverbrechens und der Verletzung von Brandschutzregeln in einem Fall angeklagt worden, der in Island als Präzedenzfall bewertet wird. Er hatte für ausländische Arbeiter seiner Zeitarbeitsfirma Wohneinheiten bauen lassen, die Vertreter der Feuerwehr als “Schlafschränke” bezeichneten.
Vorgefunden wurden 16 vier Quadratmeter grosse Kästen, die auf zwei Stockwerke übereinander gestapelt waren, weitere solcher Kästen befanden sich in Arbeit. Im einem Protokoll der Feuerwehr wurden diese Kästen als leichtbrennbarer Müll bezeichnet, berichtet Vísir. Es hatte weder Brandmelder noch Notbeleuchtung oder Fluchtwege gegeben, und nur einen Wasserschlauch im Haus. Der Gruppenleiter der Feuerwehr hatte die Zustände damals als einen der hässlichsten Fälle bezeichnet, die er in seiner 30-jährigen Berufskarriere erlebt habe. Wenn dort nachts ein Brand entstanden wäre, hätte niemand entkommen können. Man habe das Rezept für einen Grossbrand vorgefunden, alle Zutaten hätten in der Schale gelegen, es hätte nur der Funke gefehlt.
Damals waren in zwei ähnlich gelagerten Fällen seitens der Feuerwehr Klagen gegen Vermieter eingereicht worden, die jedoch wegen diesem Fall zurückgestellt worden waren.

Macht Wohnungsmangel für die Notlösung verantwortlich
Die Feuerwehr hatte das Haus auf Bitten der Polizei im Februar 2018 besichtigt und auf die grosse Brandgefahr hingewiesen. Vor Gericht sagte der Reykjavíker Leiter der Feuerwehr, Jón Viðar Matthíasson, die Zustände seien mit denen im Bræðraborgarstígur gleichzusetzen, wo im letzten Sommer drei ausländische Arbeitskräfte bei einem verheerenden Brand ums Leben kamen. In dem Haus am Bræðraborgarstígur hatten mehr als 70 Personen illegal und unter unwürdigen Bedingungen gelebt.

In der Anklageschrift heisst es, Þorkell Kristján habe mit dieser Unterbringung seiner 24 Arbeiter deren Leben und Gesundheit auf skrupellose Weise in offensichtliche Gefahr gebracht, um von der Situation zu profitieren. Die Arbeiter hatten dort von Ende 2017 bis 2018 gelebt.

Der Angeklagte hat sich nicht direkt zu der Angelegenheit geäussert. Während der Verhandlung bezeichnete er die Sache als “zu kompliziert” als dass er mit ja oder nein antworten könne. Er verneinte, von dem Gebäude finanziell profitiert zu haben und machte den Wohnungsmangel für die Unterbringung verantwortlich. Die Wohnlösung sei nur vorübergehend gewesen und er habe die Leute anderweitig unterbringen wollen, genau an dem Tag als die Polizei vorbeischaute. “Wir haben das aus der totalen Not heraus gemacht,” sagte er.

Vertreter der Feuerwehr hatten zu Protokoll gegeben, dass die Arbeiter, die sich bei Eintreffen von Polizei und Feuerwehr im Haus befanden, angegeben hätten, es seien weitere Schlafschränke in Arbeit, und man erwarte weitere Arbeitskräfte, die diese Schränke dann beziehen sollten.

Die Zeitarbeitsfirma 2findjob ehf. ist im April 2019 in Konkurs gegangen, das Unternehmen Smíðaland, welches das Wohngebäude vermietete, folgte noch im gleichen Jahr. Firmeneigner Þorkell Kristján lebt in Norwegen und wohnte der Verhandlung per Internetverbindung bei. Þorkells Verteidiger gab an, zur Stunde sei nicht klar, ob in Berufung gegangen werde.

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