Bessere psychologische Versorgung von Gefangenen Skip to content
Hólmsheiði prison Iceland
Photo: Hólmsheiði prison.

Bessere psychologische Versorgung von Gefangenen

Ein spezialisiertes interdisziplinäres Team für Psychogesundheit soll in Zukunft Gefangene im ganzen Land mit psychologischen Dienstleistungen versorgen. Dazu wurde im Gefängnis Hólmsheiði vorgestern von Vertretern der isländischen Krankenversicherung und dem Gesundheitszentrum der Hauptstadtregion ein Abkommen unterzeichnet. Die Initiative gilt als drastische Veränderung, denn isländische Gefängnisse hatten seit mehr als fünf Jahren keinen Psychiater mehr für ihre Insassen zur Verfügung gehabt.

Das neugegründete Team besteht aus Psychiatern, Psychologen, Krankenschwestern und anderen Fachleuten auf dem Gebiet. Das Team übt seine Tätigkeit von der Hauptstadt aus, wird jedoch mobil sein und ausserdem Technologie nutzen, um die abgelegenen Anstalten im Land versorgen zu können. Die Regierung hatte in diesem Jahr 55 Mio ISK (409.000 EUR) für die Bereitstellung von psychologischer Betreung in Gefängnissen zur Verfügung gstellt, im kommenden Jahr soll der Betrag auf 70 Mio ISK (520.000 EUR) aufgestockt werden.

Der Direktor der isländischen Justizvollzugsanstalten, Paul Winkel, drückte seine Zufriedenheit darüber aus, dass die Ministerien für Justiz und Soziales sich zu einer Zusammenarbeit gefunden hatten, um die Versorgung für Gefängnisse voranzubringen. Gesundheitsministerin Svandís Svavarsdóttir sagte, die Anstrengungen zielten darauf ab, “diesen Service zu einem Punkt zu bringen, der nicht nur akzeptabel ist, sondern auf den wir auch stolz sein können.”

Im vergangenen Sommer hatte der europäische CPT-Rat (der Ausschuss für die Verhinderung von Folter und inhumaner oder herabwürdigende Behandlung oder Bestrafung) isländische Gefängnisse besucht und einen Bericht über die Zustände dort verfasst. Kritisiert wurde in dem Bericht ein Manko an psychologischer und psychosizialer Versorgung in den Anstalten. Gefordert wird unter anderem, dass das psychologische Angebot für Insassen vergleichbar dem sein müsse, was alle anderen Einwohner nutzen können, wobei die besonderen Bedürfnisse von Gefangenen berücksichtigt werden müssen.

Anna Gunngildur Ólafsdóttir, die Leiterin des isländischen Verbandes für Psychogesundheit, gab an, dass der Anteil von Gefangenen mit psychiatrischen Erkrankungen zwischen 50 und 70 Prozent liege. In den vergangenen fünf Jahren war kein Psychiater in isländischen Gefängnissen tätig gewesen, wo zuvor ein Team aus vier Psychiatern für mehr als 1000 Insassen verantwortlich gewesen war.

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