Aktion gegen Lebensmittelverschwendung: ein FREEdge öffnet in Reykjavík Skip to content
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Photo: Kamila Walijewska and Marco Pizzolato.

Aktion gegen Lebensmittelverschwendung: ein FREEdge öffnet in Reykjavík

Ein neuer Gemeinschaftskühlschrank in Reykjavík hält Essen für jeden bereit, der Hunger hat, gleichzeitig ist er ein Ort, wo man Essenspenden abgeben kann. Gegründet wurde der Kühlschrank von den beiden Einwanderern Kamila Walijewska und Marco Pizzolato. Der “FREEdge” oder “Frískápur” auf isländisch befindet sich in Andrými, einem radikalen sozialen Zentrum in Reykjavík und hat in den ersten drei Wochen seines Betriebs bereits an die 500 Leute mit Essen versorgt.

Vor Beginn der Pandemie hatten Kamila und Marco sich mit den Themen rund um Nachhaltigkeit bei Lebensmitteln und Gemeinschaftsbildung befasst und in Andrými öffentliche Kochnächte veranstaltet. Die Pandemie stoppte alle Projekte, dann konnten sie einen offenen Markt für Lebensmittel an Freitagen ins Leben rufen, der ebenfalls der Lebensmittelverschwendung entgegenwirken sollte.
“Es gibt nicht viel Bewusstsein in unserer Gesellschaft dafür, “ sagten die beiden in einem Interview mit Iceland Review. “Wir nehmen Essen als selbstverständlich hin. Wir denken gar nicht über die ganze Lebensmittelkette nach.”
“Wir haben all die Reste zuhause, oder Lebensmittel, die wir eigentlich gar nicht mögen. Jetzt gibt es einen Ort, wo man das mit anderen teilen kann. Geschäfte und Restaurants haben am Ende des Tages Essen übrig, das ebenfalls in den Kühlschrank gestellt werden könnte. Es gibt immer jemanden, der das zu schätzen weiss.”

Internationale FREEdge-Bewegung
Der Namen Freedge stammt von einer internationalen Bewegung desselben Namens, die der Lebensmittelverschwendung entgegenwirken will und öffentliche Kühlschränke aufstellt. Die beiden Initiatoren in Island hatten die Idee dazu bei einem Hackathron in den Westfjorden bekommen.
“Ziel der Veranstaltung war es, Lösungen für Wasser, Energie oder Lebensmittelprobleme zu finden und der Umwelt in Island zu helfen. Wir haben uns auf die Lebensmittel konzentriert. Während des intensiven Wochenenendes haben wir an einem Projekt gearbeitet, wo ein Koch durch Island reist, und zusammen mit Einheimischen kocht und ein Bewusstsein für Lebensmittelverschwendung weckt.” erklären die beiden.
Kamila und Marco fanden das Projekt sehr spannend, doch hätte es langfristig mehr Geld und Energie benötigt als aufzubringen war. Stattdessen entschlossen sie sich, die Aktion auf lokaler Ebene durchzuziehen.

“Zuhause Gekochtes darf in den Kühlschrank gestellt werden, wenn es ausreichend gekennzeichnet ist, mit Datum, Spender und Inhaltsstoffen. Alle Lebensmittel, die gesundheitsgefährdend sein können, wenn die Kühlkette unterbrochen wird, wie Fleisch, Fisch, Eier oder Milchprodukte, werden von uns mit Misstrauen begutachtet und beim Saubermachen entfernt. Wir kontrollieren auch das Ablaufdatum.”
Die beiden glauben, der gesunde Menschenverstand helfe dem Verbraucher ohnehin zu entscheiden, ob etwas essbar ist oder nicht.

Photo courtesy of Kamila Walijewska and Marco Pizzolato

Der öffentliche Kühlschrank ist in seinen ersten Betriebswochen ein Riesenerfolg gewesen, und nicht nur die Mitglieder von Andrými nutzen ihn. “Die Leute schicken uns Nachrichten, stellen Fragen und sind auf verschiedene Art und Weise dabei. Die Mundpropaganda wirkt. An nur einem Tag hatten wir 200 neue Mitglieder in unserer Facebook-Gruppe, und es werden von Tag zu Tag mehr.”
Sie glauben, das Projekt habe Expansionpotential und versuchen nun, Kontakte zu Unternehmen herzustellen, die Lebensmittel vernichten, die sie nicht verkaufen können, die aber noch essbar sind. Indem diese Unternehmen Lebensmittel spenden, so der Hintergedanke, könnten sie sagen, dass sie mit FREEdge kooperieren und damit ein besseres Umweltimage für sich selber schaffen.

Auch Freiwillige sind dabei gefragt, denn die Lebensmittel müssen ja von Restaurants und Supermärkten abgeholt und zu dem Kühlschrank gebracht werden. Am Ende könnte es dann her FREEdges in Island geben, ein “wirtschaftlich gut dastehendes Land, das den Luxus von gutem, gesunden Essen für jedermann” geniesse. Dies jedoch schaffe auf direktem Wege die Verschwendung, weil die Versorgungskette immer mehr Lebensmittel liefern müsse als gebraucht werde. Auch der Einzelverbraucher habe die Tendenz, mehr zu kaufen als er benötige.

“Wir möchten Universitäten, Büros, Bibliotheken, Restaurants etc. ermutigen, ihre eigenen freien Kühlschränke zu schaffen,” sagen Kamila und Marco. Wir glauben, das wir dadurch dazu beitragen, Lebensmittel zu sparen und damit unsere Auswirkung auf die Umwelt.” Auch der soziale Effekt sei nicht zu unterschätzen, denn das Projekt könne Verbindungen innerhalb der Gemeinschaft schaffen. “Wir können alle ein gesünderes und glücklicheres Leben führen.”

Photo courtesy of Kamila Walijewska and Marco Pizzolato

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