Abwassereinleitung in Reykjavík verärgert Anrainer Skip to content
Photo: Women heading for winter sea bath in Nauthólsvík beach.

Abwassereinleitung in Reykjavík verärgert Anrainer

In den vergangenen Tagen sind mehrere Millionen Tonnen ungereinigtes Abwasser bei Faxaskjól in Reykjavík in die Meeresbucht eingeleitet worden, nachdem die Kläranlage repariert werden musste. Es gab kein Schild, welches vor der Verunreinigung warnte, berichtet RÚV.
Vor allem der Küstenstreifen Ægissíða ist betroffen, und Anwohner, die den Strandabschnitt als Naherholungsgebiet nutzen, etwa Meeresschwimmen, zeigen sich verärgert.
Guðrún Tinna Thorlacius geht oft in Nauthólsvík im Meer schwimmen. “Ich war heute Mittag dort, und es gab keine Informationen darüber, was eigentlich los ist, oder dass sie da soviel Abwasser ins Meer einleiten, so dicht bei Nauthólsvík. Das ist nicht gut, davon nichts zu wissen,” klagt Guðrún.

Kläranlage in die Jahre gekommen
Der Wasserversorger Veitur gab an, man erneuere Teile der Anlage am Faxaskjól, weil das Abwassersystem schon 30 Jahre alt sei. Im August seien über 30 Stunden lang um die 700 Liter pro Sekunde ungeklärtes Abwasser eingeleitet worden, im September waren es 150 Stunden. Das Schmutzwasser stammt aus den Stadtteilen Vesturbær, Breiðholt, Árbær, Norðlingaholt, Garðabær und Kópavogur. Nach Angaben von Presssprecherin Ólöf Snæhólm Baldursdóttir sei dies der einzige Weg, der dem Unternehmen offenstehe: den Betrieb der Kläranlage anzuhalten, weil das Abwasser sonst durch die Rohre wieder hochsteige. Am Donnerstag sollen die Reparaturarbeiten abeschlossen sein. Veitur zufolge habe man die Bürger informiert.
Ein Schild am Strand hätte eigentlich auch dazugehört. Doch die Bakterien im Abwasser lebten ohnehin nur wenige Stunden. Der Müll aus den Toiletten sei schlimmer, weil der im Meer verbleibe.
Das heute genutzte System erlaube nur, ungereinigtes Abwasser ins Meer zu leiten.
“Ein neues System auf zubauen ist eine grosse Sache, die viele Jahre dauert und Milliarden kostet. Dafür braucht es politischen Konsens und Geld, und das ist nicht diskutiert worden.” sagt Ólöf.

Keine Messungen an der Ægissíða
Die beiden Meeresschwimmerinnen Guðrun Tinna und Margrét sind mit den Erklärungen nicht zufrieden und kritisieren einen Informationsmangel, sowie das Fehlen von Wasserproben. Der Strandabschnitt werde von vielen zum Baden, Kayak fahren, Surfen oder auch nur zum Hundespaziergang genutzt. “Das ist nicht appetitlich und gesundheitsgefährdend. Jetzt sind die Rohre einige Tage offen gewesen und es gab keine Messungen hier am Strand, nach denen man weiss, ob die Bakterien wirklich absterben und ob wir ins Wasser können. Das muss geändert werden.” Es sei auch niemandem zuzmuten, Hygieneartikel aus dem Wasser zu fischen.
Islands Abwassersystem befindet sich in keinem guten Zustand, in vielen Städten wird nur eine Grobreinigung des Abwassers vorgenommen und der Rest ungeklärt in Flüsse oder ins Meer eingeleitet.

 

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