Zwei kleine Windräder starten Energiewende auf Grímsey

Mit Zustimmung des Planungsrates in Akureyri werden in diesem Sommer zwei Windräder auf der Insel Grímsey aufgestellt. Dieses Versuchsprojekt ist ein erster Schritt in die Energiewende der Insel und hin zu echtem grünem Strom. Zur Zeit wird Grímseys gesamte Stromversorgung mit Dieselaggregaten gefahren. Eine Umstellung auf eine umweltfreundlichere Versorgung ist jedoch schon lange im Gespräch, nicht zuletzt weil der Dieselstrom hohe Kosten mit sich bringt.

Kleine robuste Windräder
Zunächst sollen zwei Windräder errichtet werden, ihre Zahl könnte sich dann auf sechs erhöhen. Die beiden Windräder befinden sich bereits in Akureyri, wo letzte Genehmigungen erteilt werden müssen. Es handelt sich um 12 Meter hohe Räder, die an Orten mit ähnlich harschen Witterungsbedingungen wie Grímsey bereits zum Einsatz kommen, wie etwa in Alaska oder Schottland. Das Projekt ist komplett rückbaubar.
Die beiden Windräder liefern etwa 10 Prozent des Energiebedarfs der Inselbewohner. Am Ende des Testlaufs soll im Idealfall jedoch die Verwendung des fossilen Brennstoffs zur Stromerzeugung auf der Insel ganz wegfallen.

Guðmundur Haukur Sigurðarson, der Geschäftsführer des Projektnehmers Vistorka erklärt, man habe sich ein Jahr gegeben, um nicht nur die Auswirkungen des Inselwetters auf die Windräder zu testen, sondern auch zu beobachten, was in der Vogelwelt passieren wird.
Insgesamt sollen maximal sechs Windräder auf Grímsey stehen, um die Energiewende für die Insel zu vollziehen.
“Das ist kompliziert, das ist gefährlich, dass ist teuer, daher wollen wir das eher langsam angehen. Wenn das beim ersten Test nicht funktioniert, ist es gut, nicht zuviel investiert zu haben,” sagt Guðmundur

Für die Zukunft wünscht man sich weitere umweltfreundliche Energielieferanten, um die Insulaner mit Strom zu versorgen. Ein Versuch, Biodiesel zu verbrennen, hat gute Erfolge gebracht. “Wir planen auch den Aufbau von Solarzellen, die genausoviel Energie erzeugen sollen wie die Windräder. Das wird dann so eine Art Wettbewerb,” meint Guðmundur. “In dem Zusammenhang möchten wir auch eine kleine Icewind-Turbine aufzustellen, die in Reykjavík produziert wird, sowie Batterien aus fahruntüchtigen Elektroautos.”

Vögel haben wenig zu befürchten
Stimmen, die negative Auswirkungen auf das Vogelleben befüchten, gibt es relativ wenige. Man habe, so sagt Guðmundur, den Naturschutz in die Planungen miteinbezogen, als die Standorte der Windräder beschlossen wurden. Sie werden an einem Ort aufgebaut, wo sich ohnehin nicht viele Vögel aufhalten. Dort stehen bereits hohe Telekomunikationsmaste. Die Windräder sind klein und werden dicht nebeneinander gesetzt, damit soll verhindert werden, dass sich Vögel zwischen ihnen verirren.
Aber eins der Ziele sei ja eben die Prüfung, welche Auswirkungen solche Räder auf die Fauna hätten und wie sie sich als Energielieferanten bewährten.

 

500 Erdbebensensoren im Hengill aufgestellt

reykjadalur iceland hveragerði

Der Energieversorger Orkuveita Reykjavíkur hat in Zusammenarbeit mit ausländischen Wissenschaftlern 500 Erdbebensensoren im Gebiet des Hengill oberhalb von Hveragerði installiert. Damit ist das Gebiet dichter mit Sensoren bestückt als jedes andere Erdbebengebiet, berichtet RÚV. Im Vergleich dazu befinden sich gerade mal 56 Sensoren auf der Halbinsel Reykjanes.

Vala Hjörleifsdóttir, die Leiterin des Innovations- und Zukunftsteams der Orkuveita sagt, das dichte Sensorennetz sei notwendig, um den besten Platz für neue Erdwärmebohrlöcher zu lokalisieren.
Die Entwicklung kleinerer und leichterer Messgeräte, die weniger Strom verbräuchten, schaffe die Möglichkeit, statt einem grossen Sensor viele kleine Geräte aufzustellen und damit eine bessere Auflösung zu erhalten.
Dabei gehe es nicht darum, die Erdbeben anzuschauen. Die Messergebnisse werden dazu benutzt, das Erdwärmesystem besser zu verstehen und die Suche nach Erdwärme zu erleichtern. Damit könnten Erdwärmekraftwerke eine längere Lebensdauer erhalten, ohne dass man neue Gebiete erschliessen müsse.

“Erdbebensensoren werden oft doppelt verwendet. Einmal misst man damit das Erdbebenaufkommen, und dann nutzt man die Erdbeben als eine Art Hilfsmittel um die Erdkruste zu durchleuchten. Wir machen uns die Wellen zunutze, um zu erfahren, was da unten ist. Darum geht es bei diesem Projekt,” erklärt Vala.
Die Aufstellung der Sensoren ist Teil des DEEPEN-Projektes, welches von der Geothermica, einem internationalen Fonds zur Erforschung von Erdwärme, durch das isländische Forschungsinstitut Rannís gefördert wurde. Das Projekt befasst sich mit den Wurzeln des Erdwärmesystems. Mit den gewonnenen Erkenntnissen hofft man dann, tiefere Löcher zur Förderung von Erdwärme für das Energieversorgungsnetz bohren zu können.

Bewährungsstrafe für Unterbringung von Arbeitern in Schlafschränken

hallgrímskirkja reykjavík

Der Eigentümer der Zeitarbeitsfirma 2findjob ist vom Reykjavíker Bezirksgericht zu einer fünfmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden, weil er Leben und Gesundheit von 24 ausländischen Arbeitskräften gefährdet hat, indem er sie in einem gefährlichen Gebäude im Reykjavíker Smiðshöfði unterbrachte.

Þorkell Kristján Guðgeirsson war wegen eines sogenannten Gefährdungsverbrechens und der Verletzung von Brandschutzregeln in einem Fall angeklagt worden, der in Island als Präzedenzfall bewertet wird. Er hatte für ausländische Arbeiter seiner Zeitarbeitsfirma Wohneinheiten bauen lassen, die Vertreter der Feuerwehr als “Schlafschränke” bezeichneten.
Vorgefunden wurden 16 vier Quadratmeter grosse Kästen, die auf zwei Stockwerke übereinander gestapelt waren, weitere solcher Kästen befanden sich in Arbeit. Im einem Protokoll der Feuerwehr wurden diese Kästen als leichtbrennbarer Müll bezeichnet, berichtet Vísir. Es hatte weder Brandmelder noch Notbeleuchtung oder Fluchtwege gegeben, und nur einen Wasserschlauch im Haus. Der Gruppenleiter der Feuerwehr hatte die Zustände damals als einen der hässlichsten Fälle bezeichnet, die er in seiner 30-jährigen Berufskarriere erlebt habe. Wenn dort nachts ein Brand entstanden wäre, hätte niemand entkommen können. Man habe das Rezept für einen Grossbrand vorgefunden, alle Zutaten hätten in der Schale gelegen, es hätte nur der Funke gefehlt.
Damals waren in zwei ähnlich gelagerten Fällen seitens der Feuerwehr Klagen gegen Vermieter eingereicht worden, die jedoch wegen diesem Fall zurückgestellt worden waren.

Macht Wohnungsmangel für die Notlösung verantwortlich
Die Feuerwehr hatte das Haus auf Bitten der Polizei im Februar 2018 besichtigt und auf die grosse Brandgefahr hingewiesen. Vor Gericht sagte der Reykjavíker Leiter der Feuerwehr, Jón Viðar Matthíasson, die Zustände seien mit denen im Bræðraborgarstígur gleichzusetzen, wo im letzten Sommer drei ausländische Arbeitskräfte bei einem verheerenden Brand ums Leben kamen. In dem Haus am Bræðraborgarstígur hatten mehr als 70 Personen illegal und unter unwürdigen Bedingungen gelebt.

In der Anklageschrift heisst es, Þorkell Kristján habe mit dieser Unterbringung seiner 24 Arbeiter deren Leben und Gesundheit auf skrupellose Weise in offensichtliche Gefahr gebracht, um von der Situation zu profitieren. Die Arbeiter hatten dort von Ende 2017 bis 2018 gelebt.

Der Angeklagte hat sich nicht direkt zu der Angelegenheit geäussert. Während der Verhandlung bezeichnete er die Sache als “zu kompliziert” als dass er mit ja oder nein antworten könne. Er verneinte, von dem Gebäude finanziell profitiert zu haben und machte den Wohnungsmangel für die Unterbringung verantwortlich. Die Wohnlösung sei nur vorübergehend gewesen und er habe die Leute anderweitig unterbringen wollen, genau an dem Tag als die Polizei vorbeischaute. “Wir haben das aus der totalen Not heraus gemacht,” sagte er.

Vertreter der Feuerwehr hatten zu Protokoll gegeben, dass die Arbeiter, die sich bei Eintreffen von Polizei und Feuerwehr im Haus befanden, angegeben hätten, es seien weitere Schlafschränke in Arbeit, und man erwarte weitere Arbeitskräfte, die diese Schränke dann beziehen sollten.

Die Zeitarbeitsfirma 2findjob ehf. ist im April 2019 in Konkurs gegangen, das Unternehmen Smíðaland, welches das Wohngebäude vermietete, folgte noch im gleichen Jahr. Firmeneigner Þorkell Kristján lebt in Norwegen und wohnte der Verhandlung per Internetverbindung bei. Þorkells Verteidiger gab an, zur Stunde sei nicht klar, ob in Berufung gegangen werde.

Britisches Unternehmen will Windparks in isländischen Gewässern errichten

Das britische Unternehmen Hecate Independent Power Limited (HIP Atlantic) will Windparks vor den Küsten Süd- und Ostislands errichten, welche Grossbritannien per Seekabel mit Strom versorgen sollen. Mit dem isländischen Stromnetz sollen diese Windparks nicht verbunden werden. Das Unternehmen hat jedoch noch keinen Kontakt zu Islands Energiebehörde aufgenommen, welche das Projekt genehmigen müsste.

Einer Pressemitteilung des Unternehmens zufolge wären die Windparks um das Jahr 2025 fertiggestellt. “Entscheidend ist, dass die HIP Atlantic HVDC Übertragungskabel niemals an das isländische Übertragungsnetz anschliessen würde: die hochverfügbare Windkapazität wird ausschliesslich mit dem Vereinigten Königreich verbunden und über das nationale Netz verteilt.” heisst es in der Meldung. HIP betreibt bereits Windparks in der Irischen See und in der Nordsee.
Die Windparks in Island würden in unterschiedlichen meteorologischen Einzugsgebieten errichtet, um eine Stromversorgung zu gewährleisten, wenn die anderen Windkraftanlagen des Unternehmens mangels Wind still stehen.

Isländische Investition und 500 Arbeitsplätze
Die anfängliche Investition von isländischer Seite für die ersten 2000 MW der Pilotphase belaufen sich auf 2,9 Mio Pfund (3,3 Mio EUR) im Jahr 2021. Sie sollen dann bis 2025 auf 144 Mio. Pfund (166,6 Mio EUR) anwachsen. Das Unternehmen erwartet, dass das Projekt bis zu 500 Arbeitsplätze im Süden und Osten der Insel während der Pilotphase schaffen würde, und bis zu 15.000 Jobs in Grossbritannien.
Durchgeführt wird das Projekt durch Hecate Wind LLC, ein Tochterunternehmen des US-Unternehmens Hecate Holdings LLC, welches für die Entwicklung von erneuerbaren Energien steht. Unternehmensleiter ist Sir Tony Baldry, ein ehemaliger britischer Energieminister.

Beispielloser Plan in isländischem Hoheitsgebiet
Bislang hat es in der Geschichte keinen Fall gegeben, wo ein ausländischer Staat in isländischem Hoheitsgebiet Energie produziert und diese in sein eigenes Energienetz einspeist. Jónas Ketilsson, der Stellvertretende Leiter der isländischen Energiebehörde gab an, erst ein Unternehmen, die isländische North Tech Energy, habe in der Vergangenheit um eine Forschungslizenz ersucht, um auf dem Meer Energie zu produzieren, doch diese Lizenz sei im Jahr 2017 ausgelaufen.
“Verwaltungstechnisch kommt alles in Frage, und wir prüfen die Anträge so wie sie eingehen,” sagte Jónas dem Fréttablaðið auf die Frage, wie durchführbar solch ein Windpark in Island wäre. “Aber wir haben noch nie zuvor eine vergleichbare Anfrage erhalten. Da gäbe es allerhand zu prüfen.”

Er selbst hege Zweifel zur Wirtschaftlichkeit des von HIP angekündigten Projektes, vor allem in Anbetracht der Entfernung. “Windparks draussen auf dem Meer bergen versteckte Kosten, weil die Transportkosten an Land vom Stromverteilernetz getragen werden, und nicht vom Produzenten,” erklärt Jónas.
Das Unternehmen habe mit der isländischen Energiebehörde noch keinen Kontakt aufgenommen. Eine isländische Genehmigung ist Voraussetzung für die Durchführung des Projektes.

Seekabel nach Grossbritannien schon lange in Planung
Ein Seekabel, welches Strom von Island nach Grossbritannien transportiert, ist schon seit Jahren immer wieder Gegenstand von Verhandlungen gewesen. Zuletzt hatte im Jahr 20216 der damalige Premierminister Sigmund Davíð Gunnlaugsson mit seinem Amtskollegen David Cameron entsprechende Pläne besprochen, und der damalige Staatspräsident Ólafur Ragnar Grímsson hatte sich in Verhandlungen eingeschaltet. Auch der staatliche Energieversorger Landsvirkjun zeigte grosses Interesse an einem Seekabel, um in Island produzierten Strom im Ausland teurer verkaufen zu können. Bei diesem Seekabel würden jedoch stets isländische Unternehmen in isländischem Hoheitsgebiet als Stromproduzenten agieren.

 

Hofschlachtung von Schafen und Ziegen legalisiert

Der Minister für Fischerei und Landwirtschaft, Kristján Þór Júlíusson, hat heute ein Gesetz unterzeichnet, welches den Betrieb von kleinen Schlachthäusern für Schafe und Ziegen gestattet, berichtet das Fréttablaðið. Damit können Landwirte ihre Tiere in den lizensierten Einrichtungen selber schlachten und das Fleisch zum Verkauf verarbeiten. Eine solche Produktion und Vermarktung war bislang ungesetztlich gewesen.

Die oberste Lebensmittel- und Veterinäraufsichtsbehörde MAST hat dazu ein Infoblatt veröffentlicht, welchem man Voraussetzungen und Bestimmungen zur Hofschlachtung entnehmen kann.
Dabei stehen Tier- und Fleischbeschau durch einen Tierarzt vor Ort an erster Stelle, die Kosten dafür trägt der Staat.

“Schon lange war danach gerufen worden, dass Bauern ihre Schafe und Ziegen auf den Höfen selber schlachten und ihre Erzeugnisse verkaufen dürfen. In den vergangenen zwei Jahren war ein grosses Arbeitsprojekt zusammen mit Bauern und der Lebensmittelaufsichtsbehörde in Gang gesetzt worden, um Wege zu finden, diese Produktion derart zu gestatten, dass die gesetzlichen Voraussetzungen zur Lebensmittelsicherheit sowie zum Tierschutz und Tierwohl eingehalten werden. Die Änderungen, die wir heute vornehmen, markieren eine Zeitenwende, denn sie bergen wichtige Möglichkeiten, die Wertschöpfung und das Auskommen der Bauern in der Zukunft zu stärken,” schreibt der Minister in einer Regierungsmitteilung.

Im letzten Sommer hatte sein Ministerium zusammen mit dem Verband der isländischen Schafszüchter ein Testprojekt zur Hausschlachtung in die Wege geleitetet. Insgesamt war dieses Projekt positiv verlaufen, und auch die Stichproben zur Fleischqualität, die die Bauern selbst entnahmen, waren gut ausgefallen. Das einzige was Schwerigkeiten bereitete, war die tierärztliche Aufsicht per Internet, da vielerorts die Internetverbindung mangels Netzverfügbarkeit nicht ausreichte. Daher muss nun ein Tierarzt zur Schlachttier- und Fleischbeschau persönlich anwesend sein, die Kosten dafür übernimmt jedoch der Staat.

Aktionsplan zur Förderung der Landwirtschaft
Das neue Gesetzt ist der Regierungsmitteilung zufolge Teil eines Aktionsplans zur Förderung der isländischen Landwirtschaft, die unter den Folgen der COVID_19 Pandemie gelitten hat.
Im vergangenen Herbst war es zu Verzögerungen in der Schlachtung gekommen, weil das Saisonpersonal aus Neuseeland nicht hatte anreisen können. So mancher Landwirt hatte wochenlang auf die Schlachtung seiner Tiere warten müssen. Insgesamt haben der dramatische Preisverfall beim Lammfleisch und die geänderten Essgewohnheiten der Bevölkerung den Schafzüchtern zu schaffen gemacht. Mit 400,724 Tieren im Winterfutter hatte die Zahl der Schafe im Jahr 2020 den niedrigsten Stand sei dem Jahr 1861 erreicht, als eine Seuche den Bestand auf 327,000 Tiere reduzierte.

“Durch Herstellung und den Verkauf der Erzeugnisse ab Hof werden Wertschöpfung und Auskommen der Bauern für die kommende Schlachtsaison gestärkt. Damit soll auch eine weitere Verarbeitung, Warenentwicklung, die Bewahrung von handwerklichem Können und kulturellem Erbe bei der Verarbeitung von Lebensmitteln unterstützt werden,” heisst es in der Mitteilung des Landwirtschaftsministeriums.

Angestossen war das Projekt der legalen Hausschlachtung durch den ehemaligen Direktors von Matís, Sveinn Margeirsson, der im Jahr 2018 einen durch das Institut wissenschaftlich betreuten Testlauf gestartet und eine Studie dazu verfasst hatte. Wegen Formfehlern hatte Sveinn sich vor Gericht verantworten müssen, wurde in der Folge jedoch vom Vorwurf der ungesetzlichen Schlachtung und Verkauf von illegalem Fleisch freigesprochen. Seinen Posten bei Matís verlor er, die Studie zur Fleischqualität wurde nie veröffentlicht.

CCS-Endlagerung für Kohlendioxid in Straumsvík geplant

Die Firma Carbfix, ein Tochterunternehmen des Energieversorgers Orkuveitu Reykjavíkur, will im Straumsvík auf der Halbinsel Reykjanes eine Annahme- und Entsorgungsstelle für Kohlendioxid  (CO2) bauen, berichtet RÚV. Ziel ist es, dort bis zu drei Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr zu entsorgen, die per Schiff aus Nordeuropa gebracht werden.
Carbfix war im Jahr 2007 gegründet worden und hatte seine Betriebsstätte die ersten Jahre in der Bergregion der Hellisheiði, zwischen der Hauptstadt und dem Südland. In dem Betrieb wurden im CCS-Verfahren (Carbon capture and storage) jährlich etwa 4000 Tonnen Kohlendioxid aus der Atmosphäre abgeschieden und endgelagert.

In einer Pressemitteilung des Unternehmens hiess es, dass mit dem Aufbau des neuen Betriebs in Straumsvík 600 direkt und indirekte Arbeitsplätze in Aussicht stünden. Im Fréttablaðið stand von Kosten im Rahmen von 30 bis 35 Mrd ISK zu lesen.
Begonnen wird das Projekt mit Entwürfen und der Einholung von Betriebsgenehmigungen. Im kommenden Jahr soll es dann Probebohrungen geben. Mit einem Anlaufen des Betriebs wird für das Jahr 2025 gerechnet, um 2030 herum soll dieser dann auf vollen Touren laufen

Gefahr von ausgelösten Erdbeben eher unwahrscheinlich
Bei der Entsorgung von Kohlendioxid wird das klimaschädliche Gas antransportiert, in Wasser aufgelöst und dann tief ins Gestein gepumpt, wo es innerhalb von etwa zwei Jahren versteinert. Nur so kann es langfristig gebunden werden. Hier wird die CCS-Technologie auf deutsch näher beschrieben und erläutert, wie die Lage in Europa dazu aussieht.
Rund um das Kraftwerk auf der Hellisheiði, und nicht nur dort, hatten sich aufgrund der Pumpaktionen zahlreiche zum Teil heftige Erdbeben ereignet, die mit einer Stärke von bis zu 3 bis in die Hauptstadt und nach Hveragerði zu spüren gewesen waren.
Die Unternehmensleiter von Carbfix gaben an, die Erdbebenwahrscheinlichkeit in der Region um Straumsvík untersucht zu haben. Man habe herausgefunden, dass dort eine eher geringe Gefahr von Erdbebentätigkeit bestehe, die die Anwohner wahrnehmen würden.

Straumsvík liegt etwa 15-20 Kilometer vom jetztigen Vulkanausbruchsgebiet entfernt. Vor dem Ausbruch in den Geldingadalir hatten Beben bis zu einer Stärke von 5,7 die Halbinsel erschüttert und waren bis Reykjavík und ins Südland zu spüren gewesen. Vorgestern hatte sich in der Nähe des Berges Þorbjörn ein Beben der Stärke 4,1 ereignet, welches bis nach Hella im Südland und nach Grundarfjörður im Westen bemerkt worden war.

 

 

Isländischer Samherji-Whistleblower erhält schwedischen Nachhaltigkeitspreis

Jóhannes Stefánsson, ein ehemaliger Mitarbeiter des Fischereikonzerns Samherji in Namibia, und Whistleblower über einen internationalen Schmiergeldskandal, ist der WIN WIN 2021 Nachhaltigkeitspreis der Stadt Göteborg verliehen worden, berichtet RÚV. In diesem Jahr war der renommierte Preis im Kampf gegen die Korruption vergeben worden.

Im Text der Jury steht zu lesen:
“In den Jahren 2011 bis 2016 hatte Jóhannes Stefánsson eine leitende Position des isländischen Fischereikonzerns Samherji inne. Nach einiger Zeit wurde ihm klar, dass das Unternehmen in Bestechungsaktionen im Zusammenhang mit der Fischereiquote in Namibia verwickelt war. Mit tausenden von Daten in seinem Computer kündigte er aus Protest seine Stellung. Im Jahr 2019 veröffentlichte WikiLeaks die ersten Dokumente zu “The Fishrod Files”, eine Offenlegung von Aktionen, die Wirtschaft und politische Elite in den Grundfesten erschütterte. Obwohl Jóhannes belästigt, bedroht und vergiftet worden ist, demonstrierte er, dass eine einzelne Person gegen Korruption in der Unternehmenswelt kämpfen kann.”
Weiter schreibt die Jury: “Jó­hannes Stef­áns­son hat grossen Mut und Selbstlosigkeit in seinem Kampf gegen Machtmissbrauch und Korruption gezeigt.”

Direktor zeigt ehemaligen Mitarbeiter an
Jóhannes hat angegeben, dass er zu Beginn des Jahres 2017 in Südafrika Opfer eines versuchten Anschlags gewesen sei und dass sein Arbeitgeber davon gewusst habe. Um die Kosten seiner Genesung decken zu können, hatte er eine Spendensammelaktion gestartet.

Þorsteinn Már Baldvinsson, der Direktor von Samherji, hatte Jóhannes im März bei der Polizei in Reykjavík wegen falscher Anschuldigungen im Zusammenhang mit der Behauptung angezeigt, es sei ein Mordanschlag auf ihn verübt worden, weil er damit angedeutet haben könnte, dass der Direktor von Samherji in irgendeiner Weise in Verbindung zu dem versuchten Giftanschlag und Mordversuch stehen könne.

Staatsanwalt, Korruptionsaktivisten und Journalisten nominiert
Das Preisgeld beträgt um die 15 Millionen ISK, etwa eine Million schwedische Kronen, und wird im Oktober ausgezahlt. Die Stadt Göteborg verleiht diesen Preis seit dem Jahr 2000.

Weitere Nominierte für den WIN WIN Preis waren der italienische Staatsanwalt Nicola Gratteri, der 350 Personen wegen ihrer Verbindung zur Mafiaorganisation Ndrangheta in Süditalien angeklagt hatte, der nigerianische Aktivist Hamzat Lawal für die Gründung der Antikorrupionsvereine Connected Development und Follow the Money in Nigeria, die Vereinigung Integrity Watch in Afghanistan und das International Consortium of Investigative Journalists.
Unter den bisherigen Preisträgern befinden sich auch der ehemalige UN-Generalsekretär Kofi Annan und Ex-Vizepräsident Al Gore.

 

Grösste Lachszuchtanlage Islands soll in Þorlákshöfn entstehen

In der Region um Þorlákshöfn an der Südküste Islands soll eine so grosse Fischzuchtanlage gebaut werden, dass die Gemeinde Ölfus überlegt, ein neues Energievesorgungsunternehmen zu gründen, um die bevorstehende Nachfrage nach Strom decken zu können, berichtet RÚV.
Vier Projekte im Bereich der Aquazucht sind in Vorbereitung, insgesamt geht es um eine Menge von 80.000 Tonnen Zuchtlachs, mit einem Exportwert von 70 Mrd ISK. Unterschrieben worden waren die Vereinbarungen bereits im vorletzten und letzten Herbst.

Eins der vier Projekte, Laxeldis ehf. ist bereits weit in seiner Entwicklung gekommen. Das Unternehmen hat drei Grundstücke in Þorlákshöfn angemietet und will dort mit einem Produktionsumfang von 20.000 Tonnen Lachs die grösste Landzucht in Island aufbauen.
Dafür braucht es Energie. Etwa 120 Megawattstunden werden benötigt, und der Bürgermeister von Ölfus, Elliði Vignisson, prüft derzeit mit dem Gemeinderat die Gründung eines neuen Energieversorgers, um dem Unternehmen günstigen Strom anbieten zu können.

Auch der Hafen von Þorlákshöfn soll ausgebaut werden, damit Schiffe von der Grösse der neue Norröna und Frachtschiffe von 180 Metern Länge ankern können. Die Gemeinde hofft, damit nicht nur den internationalen Warentransport anzukurbeln und ökologischer zu gestalten, sondern auch, den Tourismus durch die Hafenanbindung ins Südland zu lenken.

65 Anträge auf Onlinearbeit in Island eingegangen

Seit vergangenen Oktober ist es für per Internet tätige Personen von ausserhalb der EU möglich, in Island eine sechsmonatige Arbeitserlaubnis zu erhalten. Kjarninn berichtet, dass insgesamt 65 Anträge auf Aufstellung eines solchen Visums eingegangen sind, vor allem von Bürgern der USA. Zehn Personen sind mit derartigem Arbeitsvisum bereits in Island angekommen, mehr als 50 weitere Visa wurden bewilligt.

Das Amt für Einwanderung hat 65 Anträge von Leuten ausserhalb der EU erhalten, die für die Dauer von sechs Monaten für ein ausländisches Unternehmen online in Island arbeiten möchten. Die seit Oktober zur Verfügung stehende Arbeitsmöglichkeit hatte einiges Interesse geweckt, auch wenn die Voraussetzungen für den Aufenthalt strengen Bestimmungen unterliegen. Der Antragsteller muss ein Monatsgehalt von mindestens einer Million ISK nachweisen, oder Nachweise über ein entsprechendes Einkommen vorlegen, wenn er selbstständig tätig ist.
Nach Auskunft der Behörde kamen die Anträge sowohl von Personen, die von Island aus online arbeiten möchten, als auch von Ehepartnern und Kindern. Zehn Personen haben bereits ein solches Visum ausgestellt bekommen. Die Ausstellung erfolgt erst bei der Ankunft in Island.
Dazu sind 50 weitere Visa bewilligt worden, fünf sind in Bearbeitung. Die meisten, oder 95 Prozent, kommen aus den USA, die restlichen fünf Prozent aus Kanada und Grossbritannien.

Die Möglichkeit war im vergangenen Oktober geschaffen worden, doch da die Onlinearbeiter in Island keine Steuern zahlen, haben sie auch keine Rechte auf staatliche Leistungen. Wenn der Visainhaber Kinder im Schulalter mitbringt, muss der Nachweis erbracht werden, dass die Kinder online oder zuhause unterrichtet werden, oder die Erlaubnis vorliegt, sie in einer isländischen Schule anzugemelden.

Ausweitung des sechsmonatigen Visums wird geprüft
Die Initiative soll es für Onlinearbeiter einfacher machen, Island als zeitweiligen Wohnort zu nutzen. Die Behörden prüfen, ob die derzeit gültige sechs Monate Regelung ausgedehnt werden kann, allerdings verlangt dies eine Änderung von Gesetzen und Bestimmungen.
Das Ministerium für Tourismus und Innovation sagte Kjarninn, Ministerin Þórdís Kolbrún Reykfjörð Gylfadóttir habe die Angelegenheit in einer Kabinettsbesprechung vorgelegt. Ihr Ministerium prüfe derzeit, wie man eine Visaverlängerung durchführen könne und wolle notwendige Gesetzesänderungen noch vor dem 7. Mai präsentieren.

Visit Iceland hat die Nachfrage für Onlinearbeit in Island untersucht und herausgefunden, dass eine hohe Nachfrage für solche Jobs im Ausland besteht. Viele können jedoch die derzeitigen Anforderungen für die Beantragung des Visums nicht erfüllen. Auch der Bearbeitungsvorgang müsse Visit Iceland zufolge vereinfacht werden, die Ehepartner müssten eine Arbeitserlaubnis in Island bekommen und die steuerliche Situation müsse geprüft werden.

Als die Initiative im vergangenen Oktober präsentiert wurde, hatte Þórdís Kolbrún angegeben, es sei nötig, eine Umgebung zu schaffen, wo Menschen mit Ideen und Fähigkeiten sich kennenlernen, voneinander lernen und Zukunftsoptionen kreieren zu können, damit eine auf Innovation basierende Exportwirtschaft in Island entwickelt werden könne.
Die grösste Schwäche der isländischen Innovationsbranche ist ihr Mangel an Verbindung zum internationalen Markt. Indem man sogenannte “remote worker”, also Personen, die online für ausländische Unternehmen tätig sind, nach Island holt, schafft man neue Geschäftsverbindungen.

Þórdís Kolbrún sagte Kjarninn, sie glaube, die Bereitstellung von Arbeitsvisa für Onlinearbeiter sei nur ein Schritt. Der ganze Prozess müsse vereinfacht werden, und Island müsse als Standortoption für die Onlinearbeit vermarktet werden.
“Für Experten in internationalen Technikunternehmen können wir eine hohe Lebensqualität bieten. Es gibt natürlich die Natur, aber auch guten Zugang zu Kindergärten und Grundschulen, was oft ein grösserer Vorteil für Familien mit Kindern ist als wir uns vorstellen. Dann ist da unser grossartiges Gesndheitssystem, das aktive kulturelle Leben, Frieden und Stille,” sagte Þórdís Kolbrún.

Ehemaliger “COVID-Kapitän” ohne Wissen der Besatzung als Steuermann angeheuert

Júlíus Geirmundsson

Drei Mannschaftsmitglieder des Gefriertrawlers Júlíus Geirmundsson haben ihre Stellung gekündigt, und weitere denken über eine Kündigung nach. Die Kündigungen gingen ein, nachdem der Mann, dem das Kapitänspatent zeitweilig entzogen worden war, für die nächste Fangfahrt als Steuermann angeheuert worden ist, berichtet RÚV.

Die Júlíus Germundsson liegt derzeit am Kai in Ísafjörður. Sie war gestern vor Anker gegangen und soll am Mittwoch zur nächsten Fangtour in See stechen. Für diese Tour ist Sveinn Geir Arnarsson als Steuermann verpflichtet worden. Er war Kapitän an Bord des Trawlers gewesen, auf dem sich im Oktober 2020 eine Clusterinfektion der COVID-19 Krankheit ereignete, bei dem 22 von 25 Besatzungsmitglieder mehr oder weniger schwer erkrankten. Das Schiff wurde trotz der vielen Krankheitsfälle erst zum Auftanken in den Hafen verbracht.

Der ehemalige Kapitän gestand vor dem Bezirksgericht der Westfjorde, dass er das Seemannsgesetz gebrochen habe, als er entschied, die kranken Seeleute nicht an Land zu bringen. Daraufhin wurde ihm das Kapitänspatent für vier Monate entzogen, dazu musste er eine Strafe von 750.000 ISK zahlen. Trotz Verlust seines Kapitänspatentes darf er jedoch andere Tätigkeiten an Bord ausüben, unter anderem den Job des Steuermanns. Als solcher, der zweite Mann nach dem Kapitän, wird er am Mittwoch auf dem gleichen Schiff mit der gleichen Mannschaft in See stechen.

In einer Pressemitteilung hatte das Gefrierhaus Gunnvör im Oktober wissen lassen, dass man alles tun wolle, um das Vertrauen wieder aufzubauen, welches zwischen Besatzung und Reederei verloren gegangen sei. In einem Brief an die Unternehmensleitung im November hatten viele Matrosen ihren Vertrauensverlust in den Kapitän geäussert und klargemacht, dass sie Sveinn Geir nicht als Mitarbeiter an Bord haben wollten.

Drei Männer der Besatzung haben nun ihren Job auf dem Trawler gekündigt, weiter überlegen noch, es ihnen gleichzutun. Einer äusserte seine Unzufriedenheit mit dem Mangel an Informationsfluss zwischen Reederei und Besatzung, und gab an, dass die mangelnde Kommunikation geradezu unglaublich sei. Der Besatzung sei von der Reederei nicht mitgeteilt worden, dass Sveinn Geir auf dem Weg an Bord sei, sie seien nur durch Nachfragen dahinter gekommen.
Die Besatzung hatte sich gestern auf Eigeninitiative getroffen, um die Lage zu besprechen. Von der Unternehmensleitung gab es keinen Kommentar zu der Angelegenheit.