Schutzzoll auf Pommes Frittes in Frage gestellt

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Nachdem das isländische Kartoffelunternehmen Þykkvabæjar seine Pommes frittes Produktion zu Beginn des Sommers niedergelegt hatte, gibt es in Island nun keinen einzigen Frittenhersteller mehr, und die beliebte Beilage muss aus dem Ausland importiert werden.
Der Mangel an inländischer Herstellung hat jedoch Fragen darüber aufgeworfen, was die weiterhin bestehenden Schutzzölle eigentlich schützen.

Einem kürzlich veröffentlichten Bericht des Arbeitgeberverbandes ist zu entnehmen, dass isländische Verbraucher in den vergangenen zwei Jahren insgesamt 800 Millionen ISK für Fritten ausgegeben haben. Fritten aus Kanada und der EU werden mit 46 Prozent besteuert, Fritten aus anderen Regionen gar mit 76 Prozent. In Anbetracht der steigenden Touristenzahlen ist dies eine stattliche Summe.
Der Arbeitgeberverband hat den Finanzminister aufgefordert, den Schutzzoll auf Fritten fallen zu lassen, da er nach Einstellung der inländischen Produktion nichts mehr schützt, und stattdessen den Verbraucher schädigt.

Frittenzoll ist unnötige Belastung
Ólafur Stephensen vom Arbeitgeberverband hat den Importzoll auf Pommes frittes als unnötige Belastung bezeichnet. Während einer Inflation sollten solche Belastungen so klein wie möglich gehalten werden. “Diese Zahlen zeigen ganz klar, dass da für den isländischen Verbraucher, den Handel und den Gastronomiesektor eine Menge auf dem Spiel steht, um diesen Schutzzoll abzuschaffen, der ja nichts mehr schützt. Es handelt sich da um 300 bis 400 Millionen Kronen pro Jahr. In einer Zeit wo die Lebensmittelpreise unablässig steigen, spielen solche Summen eine Rolle.”
Auch Verbraucherorganisationen haben den Finanzminister aufgefordert, den Importzoll auf Fritten abzuschaffen.

 

Gefischter Lachs in den Westfjorden könnte Zuchtlachs sein

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In den Westfjorden gefangene Lachse stehen im Verdacht, aus industriellen Lachsfarmen entkommende Fische zu sein. Das ist einer Mitteilung der isländischen Veterinäraufsichtsbehörde MAST zu entnehmen. Die Fische waren am 26. August gemeldet worden, daraufhin hatte die Behörde Proben entnommen, um die Herkunft der Lachse bestimmen zu können. Aus den Zuchtbecken entkommene Lachse stellen eine Gefahr für den Bestand der Wildlachse dar, weil Kreuzungen die Überlebenschancen der Wildlachse mindern.

Die isländische Fischzuchtindustrie ist in den vergangenen Jahren stark angewachsen, und kaum ein Fjord in den Westfjorden oder im Osten ist mehr ohne Zuchtanlagen. Die meisten Lachse werden in offenen Meeresbecken gezüchtet, einige wenige Unternehmen produzieren an Land in Meerwasserbecken. In den wenigsten Fällen befinden sich die Unternehmen in isländischer Hand. Die Kayakerin Veiga Grétarsdóttir hatte im vergangenen Jahr Unterwasseraufnahmen von zerrissenen Netzen, erkrankten Fischen und verschmutztem Meeresboden veröffentlicht.

Die Expansion der Industrie hat heftige Kritik von Umweltgruppen und Anwohnern auf sich gezogen. Im Jahr 2019 war dem isländischen Parlament eine Petition mit 18.000 Unterschriften gegen eine neue Zuchtanlage im Meer überreicht worden.
Entkommene Zuchtlachse hat es seit 2018 schon mehrfach gegeben. MAST will mehr Informationen zu dem Fisch veröffentlichen, sobald die DNA bestimmt worden ist.

 

Französische Croissants und isländische Kleinur sind oft importiert

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Immer mehr Gebäck und Teilchen werden fertig nach Island importiert, darunter Croissants, Kleinur und das süsse Blätterteiggebäck Vínarbrauð.
Im Jahr 29021 wurden 4.196 Tonnen Gebäck eingeführt, im Jahr zuvor waren es 3.268 Tonnen gewesen. Zum Vergleich, im Jahr 2013 wurden 2.178 Tonnen Kekse, Plätzchen, süsses Brot, Knoblauchbrot und andere Brotsorten importiert. Die Zahlen stammen vom Statistischen Amt.

Auch einige Grossbäckereien importieren inzwischen Croissants und Vínarbrauð, wie etwa Bakarameistarinn, die Mosfellsbakarí und die Árbæjarbakarí. Ein Insider argumentiert, der Wettbewerb mit Lebensmittelketten, Restaurants und Hotels sei sehr gross und die Lage schwierig.
Kleinere Handwerksbäckereien wie die Bernhöftsbakarí, Brauð og co., Bæjarbakarí und die Biobäckerei Brauðhúsið stellen ihr Gebäck und Brot jedoch auch weiterhin noch selbst her.

Croissants mit Butter, die nicht importiert werden darf
Sigurður Bergsson, der Vorsitzende der Bäckerinnung, sagte mbl.is gegenüber, er sei doch erstaunt, dass Bäckereien ihr Gebäck gefroren bei Grosshändlern kauften. Die ersten Grossimporte habe es vor etwa 25 Jahren gegeben. Damals habe er dafür plädiert, dass die Bäckerinnung eine eigene Importgesellschaft gründet. “Ich finde es seltsam, dass wir Bäckereirohstoffe bei den gleichen Importeuren kaufen, die diese gefrorenen Waren importieren.” Seiner Ansicht nach schadet die Zollpolitik der Handwerksbranche.
“Da werden zum Beispiel Croissants aus Frankreich importiert, mit französischer Butter gemacht. Wir dürfen diese gleiche Butter nicht kaufen. Das importierte Croissant ist zollfrei, mit importierter Butter, aber wir dürfen keine importierte Butter kaufen. Da liegt ein Riegel aus Schutzzöllen vor, sodass wir nie mit diesen Waren konkurrieren können.” erklärt Sigurður.
Ein Grund für die vielen Importe sei der Fachkräftemangel bzw. die hohen Lohnkosten in Island. Im Ausland würden die Waren in grossen Fabriken am Fliessband hergestellt.

Gefrorenen Backwaren im Discounter
Die Einfuhr von Backmischungen und Teigen ist Zahlen des Statistischen Amtes zufolge seit 2016 zurückgegangen. Damals waren es noch 1.533,8 Tonnen, im Jahr 2021 ar die Menge auf 1.261,7 Tonnen gesunken.
Grossimporteur Danól beliefert Bäckereien und Lebensmittelgeschäfte. Man importiere täglich mehr als 100 Tonnen Mehl, so Geschäftsführer Gunnar Níels Ellertsson. Die gefrorenen Backwaren würden alle an die Lebensmittelketten geliefert.
ÍSAM ist ein weiterer Grossimporteur, der Bäckereien und Pflegeheime beliefert. Dritter im Bunde ist Garri, der in grossem Stil Muffins, Kuchen, Waffeln und Kleinur importiert.
Kürzlich war bekannt geworden, dass es in Imbissen und an Tankstellen Sandwiches aus Lithauen gibt, diese Waren werden ebenfalls fertig zuberetet und gefroren nachCroissa Island importiert.

Waljagd: Erlegter Wal musste viermal beschossen werden

Das Walfangschiff Hvalur 8 hat gestern zwei erlegte Wale in der Zerteilstation im Hvalfjörður angelandet, wobei einer von ihnen, ein Bulle, vier Harpunen in seinem Körper trug. Das bedeutet, dass er viermal beschossen werden musste, bis er verendete.

Entsprechende Fotos der Anlandung lieferte die Walschutzorganisation Hard to Port. Arne Feuerhahn von Hard to Port sagte Kjarninn gegenüber, der Wal habe einen langen Todeskampf hinter sich. Einer Studie der Fischereibehörde aus dem Jahr 2014 (in englischer Sprache verfasst) zufolge dauert nur das Nachladen der Harpunen um die acht Minuten, bevor man dann möglicherweise merkt, dass der Schuss nicht sitzt und das Tier immer noch lebt. In der genannten Studie waren 50 Wale verfolgt worden, 42 von ihnen starben gleich nach dem Einschuss, acht von ihnen kämpften bis zu 20 Minuten lang mit dem Tod. In diesem Sommer hatte Hard to Port von gleich mehreren Fällen Beweisfotos geliefert, wo Wale mehrfach beschossen werden mussten, weil der erste Schuss nicht sass.
Drei Harpunen sind auf Feuerhahns aktuellen Fotos deutlich zu sehen, die vierte kam bei der Zerteilung des Kadavers zum Vorschein. Zwei der Sprengladungen waren nicht explodiert und mussten entschäft werden, Feuerhahn berichtet von verärgerten Arbeitern.

Tierschutzbeauftragter soll an Bord die Tötung filmen
Die zuständige Ministerin für Fischerei Landwirtschaft und Lebensmittel, Svandís Svavarsdóttir, hatte Kjarninn gegenüber kürzlich angegeben, es sei vollkommen klar, dass wenn eine Branche, die auf Tierhaltung oder Jagd basiere, das Töten der Tiere nicht auf humane Art und Weise durchführen könne, sie “keine Zukunft in der modernen Gesellschaft” habe.
Eine von ihr vorgelegte Bestimmungsänderung sieht vor, dass der Kapitän eines Walfängers einen Mann aus der Mannschaft als Tierschutzbeauftragten ernennen muss, der nach einem absolvierten Kursus Jagd und Tötung sämtlicher Wale filmisch dokumentieren muss. Das Filmmaterial geht zur Überprüfung an die Veterinäraufsichtsbehörde. Ab dem kommenden Jahr soll sich dann ein Amtstierarzt an Bord befinden.
Sowohl das Walfangunternehmen Hvalur ehf als auch die Interessenverbände der Seeleute hatten sich scharf gegen diesen Plan ausgesprochen und argumentiert, dass es für eine solche Bestimmung keine rechliche Grundlage gebe und man keiner Privatperson eine Verantwortung aufbürden könne, die eigentlich eine Behörde zu tragen hat.

Kontrollmechanismen in Planung
In der vergangenen Woche hatte es zu den Vorkommnisse des Sommers ein Treffen der Behörden gegeben. Auf Nachfrage von Kjarninn hatte die Leiterin der Veterinäraufsichtsbehörde, Sigurborg Daðadóttir, angegeben, MAST prüfe, ob und wie offizielle Personen “noch strenger” kontrollieren könnten, ob die Tierschutzgesetze beim Töten der Wale befolgt würden.
Dem Gesetz zufolge muss MAST die Jagd auf wilde Tiere nicht kontrollieren, sie ist lediglich zuständig für das Tierwohl, und in Bezug auf die Jagd muss sie kontrollieren, dass Tiere so rasch und schmerzlos wie möglich getötet werden. Jägern widerum ist es dem Tierschutzgesetz nach verboten, einem erlegten Wildtier unnötige Verstümmelungen und Qualen zuzufügen.
Von der Walschutzorganisation Hard to Port verlautete, die Jagd auf einen Wal, der viermal beschossen werden muss, bevor er verendet, stehe in klarem Gegensatz zu diesem Gesetz.

“Dieser neue und gruselige Vorfall zeigt doch, wie wichtig es ist, diese Jagd dort auf hoher See mitzuverfolgen, wo sie auch stattfindet. Wenn Hvalur ehf grundsätzliche Richtlinien des Tierschutzes bei der Jagd nicht einhalten kann, was sie ja offenbar nicht können, dann sollten sie auch keine Lizenz zum Walfang bekommen,” sagte Arne Feuerhahn von Hard to Port.

Deutscher Zementriese plant Grossindustrie in Þorlákshöfn

Die deutsche HeidelbergCement-Werke beabsichtigen, in der südisländischen Hafenstadt Þorlákshöfn jährlich mindestens eine Million Tonnen Zumischmaterial für die Zementherstellung zu produzieren und haben dafür 12 Gewerbegebiete in einer Grössenordnung von 49.000 Quadratmetern in Aussicht gestellt bekommen, berichtet Kjarninn.
Das Planungsbüro der Gemeinde Ölfus hatte das Ersuchen wohlwollend entgegengenommen. Die ein bis 1,5 Millionen Tonnen sollen für den Export verarbeitet werden und einen Jahresumsatz von 10 bis 15 Mrd ISK erwirtschaften. In der Region enstehen 60 bis 80 Arbeitsplätze, bei Vergrösserung des Industriekomplexes auch mehr.
Der Energiebedarf für das Projekt wird als “ähnlich wie bei einer kleinen Schwerindustrie” bezeichnet.

Umweltausschuss fordert Verbesserungen
Haupteigentümer der HeidelbergCement ist der Deutsche Ludwig Merckle, der in der Forbes-Liste der Reichsten mit einem Vermögen von 5,1 Mrd US-Dollar auf Platz 504 sitzt. Das Unternehmen ist in über 60 Ländern aktiv und beschäftigte im Jahr 2020 weltweit 53.000 Mitarbeiter. Auch in Island ist die HeidelbergCement in die Baubranche eingebunden, sie verfügt über die Aktienmehrheit bei Hornsteinn ehf. welches die Bauunternehmen BM Vallá, Björgun und Sem­ents­verk­smiðj­an betreibt.

Der Umweltauschuss pocht auf Umweltschutzaspekte, unter anderem komme es überhaupt nicht in Frage, dass da riesige Haufen von losem Material unter freiem Himmel gelagert würden. Auch die bevorstehende Verschmutzung durch Staub, Lärm und andere Unannehmlichkeiten steht zur Debatte.
Wichtig sei es zudem, die Kapazitäten der Infrastruktur von Þorlákshöfn und Umgebung im Auge zu behalten, welche die Industrie benutzen will. Vor allem in Bezug auf den Strassenverkehr müsse die Gemeinde sich erst einmal mit der Strassenverwaltung treffen und Strassenverbreiterungen und neue Kreuzungen besprechen, die für den durch die Fabrik entstehenden Schwerlastverkehr notwendig werden.

Lítla-Sandfell wird für Zement verschwinden
Entnommen wird das Material durch die Eden Mining ehf. aus dem Berg Lítla-Sandfell auf dem Þrengsli-Pass oberhalb von Þorlákshöfn. Im Laufe des Abbaus von 15 Millionen Kubikmetern über einen Zeitraum von 30 Jahren wird der Berg dann am Ende vollständig verschwunden sein.
Im Februar berichtete Kjarninn, dass das oben bereits genannte Unternehmen Hornsteinn ehf. sich verpflichtet habe, das abgebaute Material aufzukaufen. Damals war offensichtlich noch nicht bekannt, dass die HeidelbergCement hinter der geplanten Industrieanlage in Þorlákshöfn steht.

 

Hvalur hf. erlegt trächtige Walkuh

In einem der beiden gestern erlegten Wale fanden sich zwei Harpunen in Körper, berichtet Kjarninn. Bei dem erlegten Tier handelte es sich um eine Kuh, die ein ungeborenes Kalb im Leib trug. Die eine Sprengladung war in der Flosse gelandet und nicht explodiert, die andere hatte ihren Weg in den Unterleib des Wals gefunden. Der Geschäftsführer der Walschutzorganisation Hard to Port, Arne Feuerhahn, glaubt, der Wal habe vor seinem Tod zweifellos stark gelitten.

Elf trächtige Walkühe in 2018 erlegt
Gleich nachdem der Finnwal an Land gezogen worden war, habe man die Harpune entfernt und den Wal aufgeschnitten, heisst es in einer Presemitteilung von Hard to Port. Auf Verlangen zweier Inspektoren, wurde auch der Uterus des Wals eröffnet, und dort kam ein etwa ein Meter langer Embry zum Vorschein. Hard to Port gibt an, dass man den Embryo sofort entfernt habe, wohl um zu verhindern, dass noch mehr Fotos an die Öffentlichkeit gelangen.
Nicht zum ersten Mal hat das Walfangunternehmen Hvalur hf. einen trächtigen Wal erlegt. In der Fangsaison 2018 ist dies mindestens elfmal vorgekommen. “Das ist sehr wahrscheinlich, dass trächtige Walkühe erlegt werden,” erklärt die Meeresbiologin Edda Elísa­bet Magn­ús­dótt­ir. “Die sind dann in der Halbzeit ihrer Trächtigkeit, oder länger, wenn sie erlegt werden.”
Ein Finnwal bringt alle zwei bis drei Jahre ein Kalb zur Welt. Im Dezember paaren sich die Wale, elf Monate später kommt das Kalb zur Welt und säugt etwa sechs Monate bei seiner Mutter.
Das Gesetz zur Waljagd verbietet die Jagd und Tötung von Walkälbern, von säugenden Kälbern, und von Walkühen mit einem säugenden Kalb. Nicht verboten ist die Jagd auf trächtige Walkühe. Edda Elísabet sagt, es gebe bei der Jagd keine Möglichkeit, das Geschlecht oder Alter eines Tieres auszumachen.

Details über Tötung liegen dem Ministerium nicht vor
Islands Ministerin für Fischerei und Landwirtschaft, Svandís Svavarsdóttir, hatte gestern Abend auf die Frage nach den zwei nicht-detonierten Sprengladungen geantwortet, ihrer Ansicht nach sei es klar, dass wenn ein Wirtschaftszweig, der auf Tierhaltung oder Jagd basiert, keine humane Tötung der Tiere gewährleisten könne, dieser keine Zukunft in der Gesellschaft habe.
Die humane Tötung bei der Jagd erfahre nicht genügend Gewicht, wohingehend die Tötung in den Schlachthäusern klaren Regeln folge: die Tiere müssen so rasch und schmerzlos wie nur irgend möglich getötet werden. “Zur Tötung der Wale liegen jedoch keine Informationen vor, ob sie human ist oder nicht.” sagte Svandís.
Bei der Jagd könne man niemals eine Tötung beim ersten Schuss garantieren, egal ob es sich um einen Wal, einen Vogel oder ein Rentier handle. Für die Waljagd gebe es die klare Regel, dass bei einem nicht sitzenden Schuss der Wal ans Schiff gezogen und mit einem Schuss ins Gehirn getötet werden müsse.
“Weder das Ministerium noch Behörden verfügen über Informationen, ob dies auch passiert. Das muss geändert werden.”

MAST muss Gesetzesverstösse zur Anzeige bringen
Svandís gab an, aus dem Grund die Jagdbestimmungen geändert und im Beratungsportal der Regierung vorgelegt zu haben, nach denen zukünftig ein Mitglied aus der Mannschaft zum Tierschutzbeauftragten ernannt werde und Jagd und Tötung eines Wals filmisch dokumentieren müsse. Diese Videos sollen dann von einem kontrollführenden Tierarzt bei MAST auf Verstösse hin geprüft werden. Bei einem Verstoss gegen das Gesetz liegt es in den Händen der Veterinäraufsichtsbehörde, den Fall bei der Polizei zur Anzeige zu bringen.

“Ich glaube, wir haben genügend Beweismaterial gesammelt,” schreibt Hard to Port in seinem Facebookbeitrag zu dem Vorfall. “Es gibt keinen Zweifel, dass die Jagd auf diese grossen Meeressäuger gegen Gesetze und Bestimmungen zum Tierschutz verstossen. Unser Bildmaterial spricht für sich selbst, und wir sind bereit, es auf Verlangen den verantwortlichen Behörden zu übergeben.”

Kontroverser Verkauf der Míla hängt in der Luft

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Das französische Unternehmen Ardian ist nicht bereit, seinen Kauf des isländischen Telekommunikationsunternehmens Míla durchzuziehen, sollten die Verkaufsvereinbarung nicht angepasst werden, berichtet RÚV. Die Wettbewerbsbehörde hatte nach einem Treffen mit Vertretern der Ardian in der letzten Woche mehrere Bedingungen für die Transaktion aufgesetzt und das Unternehmen darüber informiert, dass der Deal nicht genehmigt werden würde, wenn die Bedingungen nicht akzeptiert würden. Sprecher der Ardian gaben an, eine der Bedingungen verlaufe dem Vertragsbedingungen zuwider.

Schlüsselinfrastruktur für 78 Mrd ISK
Die Míla besitzt und betreibt sämtliche Telekommunkationskanäle und -systeme in Privathäusern, Betrieben und Institutionen des Landes, darunter sämtliche Kupferkabel, Glasfaserkabel und Mikrowellensysteme. Das Unternehmen war im letzten Winter für geschätzte 78 Mrd ISK (562 Mio EUR) an die französische Investmentgroup Ardian verkauft worden.
Zahlreiche Parteien hatten damals ihre Besorgnis über den Verkauf einer solch wichtigen Infrastruktur an ein ausländisches Unternehmen Ausdruck verliehen. Die isländische Regierung hatte Bedingungen für den Verkauf aufgesetzt und die Bestimmungen für eine solche Transaktion verschärft, um sicherzustellen, dass die nationale Sicherheit durch die Eigentümerschaft der Ardian nicht gefährdet wird.

Weitere Verhandlungen nötig
In einer Nachricht von Síminn an die isländische Börse heisst es, dass die Bedingungen der Wettbewerbsbehörde schwerwiegend seien und für Ardian einen negativen Einfluss auf die Verkaufsvereinbarung hätten. Weiter heisst es, dass weitere Verhandlungen zwischen Síminn und Ardian notwendig seien, sowie Gespräche zwischen Ardian und der Wettbewerbsbehörde.
Vertreter des Investment-Unternehmens hatten zuvor angegeben, dass es sich beim Kauf der Míla um eine Langzeitinvestition handle.
Zu den strittigen Bedingungen der Wettbewerbsbehörde machte keiner der Transaktionpartner nähere Angaben.

Drei Wale mit nicht detonierter Sprengladung dokumentiert

Am 4. Juli diesen Jahres lief das Walfangschiff Hvalur 9 in den Hafen der Zerteilstation im Hvalfjörður ein, mit zwei erlegten Finnwalen, die man längs des Schiffs vertäut hatte. Die Wale waren am Vortag erlegt worden, wo sie getötet wurden, ist jedoch nicht bekannt, denn das Walfangunternehmen Hvalur hf. kommt in den Genuss einer Ausnahmegenehmigung: die Walfangschiffe fahren unter dem Radar, ihr Aufenthaltsort auf hoher See ist nicht einsehbar.
Als das eine tote Tier an Land gezogen wird, um mit Messern, Sägen und schwerem Gerät zerteilt zu werden, gelingt Tierschützern hinter dem Zaun des Betriebs ein folgenschwerer Schnappschnuss: in dem Wal steckt nämlich eine nicht-detonierte Harpune, berichtet Kjarninn.

Tierwohl beim Walfang immer fraglicher
Die Frage nach dem Tierwohl beim Walfang – wie lange ein Wal leiden muss bis er durch die Detonation des Sprengstoffs in seinem Leib den Verletzungen erliegt – steht damit wieder im Vordergrund der umstrittenen Unternehmung. Die Harpune samt Sprengsatz war schnell entfernt und der Sprengsatz entschärft. Der Vorgang wurde jedoch von der Walschutzorganisation Hard to Port auf Bild gebannt.
Die Leitende Amtstierärztin der Veterinäraufsichtsbehörde MAST, Sigurborg Daðadóttir, bestätigte Kjarninn gegenüber, die Angelegenheit sei so verlaufen wie Hard to Port sie beschreibe. “Den Informationen des Amtstierarztes vor Ort zufolge, der sich jeden einzelnen Wal anschaut, der an Land gezogen wird, hat dieser Schuss bei der Jagd auf diesen Wal nicht getroffen,” sagt Sigurborg. “Die Sprengladung traf auf Knochen, auf den Schädel, wie man auf dem Foto sieht, und deswegen explodierte sie nicht. Die Sprengladung muss in weiches Gewebe treffen, damit sie detoniert.”
Hard to Port hatte die Fotos an Kjarninn geschickt, das Magazin hatte sie an die Veterinäraufsichtsbehörde und das Amt für Fischerei mit einer Bitte um Kommentierung weitergeleitet. Beiden Behörden obliegt die Kontrolle beim Fang.
Der Wal war durch den misslungenen Schuss nur verletzt worden. Sigurborg sagt, die Zeit des Todeskampfes habe sich um die Zeit verlängert, die es dauere, eine weitere Harpune mit Sprengsatz abzufeuern. Das kann bis zu acht Minuten dauern. Es gibt keine Informationen darüber, wie lange dieser betreffende Wal um sein Leben hat kämpfen müssen.

Todeskampf dauert bis zu 15 Minuten
Einer Studie aus dem Jahr 2015 zufolge, die zunächst nicht veröffentlicht worden war, kann der Todeskampf eines Wals bis zu 15 Minuten andauern. Kjarninn schreibt, das sei etwa die Zeit, die ein Fahrzeug in erlaubtem Tempo von Litla Kaffistofa nach Hveragerði benötigt. Der Studie zufolge starben 42 Wale (84 Prozent) gleich nach dem Schuss. Acht starben nicht sofort und mussten erneut geschossen werden. Der längste bei der Studie beobachtete Todeskampf hatte 15 Minuten gedauert.
Die Waljäger hatten alle vor Beginn der Saison einen Kurs zum Töten von Walen besuchen müssen. Dort war ihnen empfohlen worden, auf den Leib des Tieres zu zielen, wo sich alle lebenswichtigen Organe befinden. Bei der Studie von 2014/15 waren die acht Wale an anderen Körperstellen getroffen worden und hatten erneut beschossen werden müssen.
Aktuell gültigen Bestimmungen zufolge muss der Wal mit einer Sprengladung namens Hvalgranat99 erlegt werden und das in kürzest möglicher Zeit. Im Tierschutzgesetz ist Artikel 27 speziell der Jagd gewidmet, wonach durch Jäger erlegte Tiere so wenig wie möglich leiden sollen. Verboten ist es, den Tieren zusätzliche Schmerzen durch Verstümmelungen zuzufügen.

Am gestrigen 17. Juli konnte die Walschutzorganisation Hard to Port erneut fotografisch nachweisen, dass ein erlegter Wal zweimal geschossen wurde. Das an Land gezogene Tier wies einen Durchschuss unterhalb der Flosse auf, die Sprengladung hatte den Wal offensichtlich nur in die Speckschicht getroffen und war kurz darauf wieder aus dem Körper ausgetreten, ohne zu detonieren.
Für die diesjährige Jagdsaison sind damit innerhalb von drei Wochen drei Wale dokumentiert, die zur Tötung zweifach geschossen werden mussten.

Tierschutzbeauftragter an Bord muss filmen
Im Januar hatte die Ministerin für Fischerei, Landwirtschaft und Lebensmittel, Svandís Svavarsdóttir, in einem Artikel im Morgeunblaðið geschrieben, unverändert spreche nur wenig dafür, die Waljagd nach dem Jahr 2024 noch zu erlauben. Bis dahin müsse ein wirtschaftlicher Nutzen nachgewiesen werden, um die Lizenz zu erneuern. Anfang Juni hatte sie die Bestimmungen dahingehend geändert, dass an Bord der Walfänger demnächst ein aus der Mannschaft aufgestellter Tierschutzbeauftragter die Jagd und das Töten der Wale filmisch dokumentieren muss, diese Videos sollen dann an die Veterinäraufsichtsbehörde gehen. Ab der kommenden Saison hat sich auch ein Amtstierarzt an Bord zu befinden.

Sævar Guðmundsson, Abteilungsleiter der Küsteninspektion beim Amt für Fischerei, sagte Kjarninn gegenüber, der Walschütze müsse einen Kursus mit den genannten Waffen absolvieren, um die Wale sachgerecht töten zu dürfen. Die Vorgänge vom 4. Juli kommentierte er dahingehend, dass seine Behörde sämtliche Meldungen überprüfe und bei Verstössen den Kapitän und die Reederei befrage. Solche Verstösse seien jedoch gegenüber der Fischereibehörde nicht meldepflichtig. Die Aufsicht in Bezug auf das Tierwohl führe die Veterinäraufsichtsbehörde.

 

Fusion zweier Fischereiriesen weckt Besorgnis

Fish unloaded Skagaströnd

Der Fischereimulti Síldarvinnslan in Neskaupstaðir hat vor zwei Tagen per gemeinschaftlichem Vertrag das gesamte Aktienvermögen des Fischereiunternehmens Vísir in Grindavík aufgekauft, berichtet Vísir. Der Kaufwert des Aktienpaketes beträgt 20 Milliarden ISK, plus 11 Mrd. für verzinsliche Schulden der Vísir. Bezahlt wird die Summe mit Bargeld (30%) und mit Aktien der Síldarvinnslan (70%). Die Fusion muss von der Wettbewerbsbehörde noch genehmigt werden.
Nach Bekanntwerden des Geschäfts war der Aktienwert von Síldarvinnslan, die sich zum grössten Teil im Besitz von Fischereimultis Samherji und der Investmentgroup Kjálkanes befindet, um 65 Prozent im Vergleich zum Wert vom Mai 2021 gestiegen.
Nur wenige Wochen zuvor hatte die Síldarvinnslan 34 Prozent des norwegischen Lachszuchtunternehmens Arctic Fish Holding AS erworben und für den Anteil 15 Milliarden ISK teilweise mit Bargeld und teilweise mit Krediten bezahlt.

Quotenhochzeit zweier Fischereiriesen
Gunnþór Ingvason, der Direktor der Síldarvinnslan, gab an, das Geschäft stärke beide Unternehmen für die Zukunft. Síldavinnslan werde sein Hauptquartier für die Verarbeitung von Nutzfisch in die Räumlichkeiten von Vísir nach Grindavík verlegen, weil dort modernste Technik, Wissen und Mannschaft vorhanden seien. Für die Vísir fahren sechs Schiffe, ausserdem betreibt das Unternehmen eine Salzfischfabrik und eine Nutzfischschmelze in Grindavík. Im Fischereijahr 2022/23 beträgt die Fangquote 15.000 Tonnen Kabeljauäquivalent.
Diese Tonnen kann die Síldarvinnslan nun ihrer Quote von 36.000 Tonnen Kabeljauäquivalent hinzufügen. Beide Fischereiunternehmen gehören zu den Quotenriesen in Island.
Sollten Aktionärsversammlung und Wettbewerbsbehörde der Fusion zustimmen, würde die Síldarvinnslan mit ihrer Fangquote über der Referenzgrenze liegen.

Fusion verlangt nach anderem Tarif für die Resource
In der Politik ist der Deal mit wenig Begeisterung aufgenommen worden, auch sei die Fusion überraschend gekommen. Der ehemalige Fischereiminister und jetztige Infrastrukturminister Sigurður Ingi Jóhannsson kommentierte die Neuigkeit, dass das Klopfen sehr weniger sehr grosser Unternehmen an das Quotendach offensichtlich nach einem ganz anderen Tarif für die Nutzung der Resource verlange.

Ein Wirtschaftswissenschaftler wunderte sich über die Fusion zweier so unterschiedlicher Branchenriesen. “Mir scheint, dass es hier in erster Linie um eine gewisse Risikostreuung geht“, kommentierte Professor Sveinn Agnarsson von der Universität Íslands. “Ein großes Unternehmen für Hochseefischerei fusioniert mit einem anderen großen Unternehmen, das Grundfischfang und -verarbeitung betreibt.” Die Erreichung der Quotenobergrenze sei in Island kein Einzelfall mehr.

Besitzverdichtung besorgniserregend
Auch Premierministerin Katrín Jakobsdóttir hatte ihre Sorge über eine Besitzverdichtung im isländischen Fischereisektor zum Ausdruck gebracht. Sie befürchtet, dass der Rationalisierung mehr Gewicht beigemessen wird als der sozialen Verantwortung als Arbeitgeber. Island habe da ja eine gewisse Vorgeschichte, wo man erleben musste, wie Rationalisierung die Marschroute vorgab, auf Kosten von sozialer Verantwortung und Stabilität der Gesellschaft.
Noch sei die Transaktion nicht durchgewunken, sowohl Wettbewerbsbehörde als auch das Amt für Fischerei prüften den Kauf und hier vor allem die Fangquotenfrage. “Meiner Ansicht nach muss man dieses ganze Regelwerk auf den Prüfstand stellen, sowohl was die Quotenobergrenze angeht als auch die Verbindungen zwischen Eigentümern.” sagte die Premierministerin.

Anfang Juni hatte die Ministerin für Fischerei, Landwirtschaft und Lebensmittel ein Beratungsgremium eingesetzt, welches die Besitzverdichtung in der Fischereibranche prüfen soll. In dem Gremium sitzen Parlamentarier, Interessensvertreter und Experten ohne parteipolitischen Bezug.

 

Reykjavíker Hafen stellt auf Strom für Schiffe um

Im Reykjavíker Faxaflói-Hafen ist die Energiewende bereits voll im Gange, denn dort plant man die Bereitstellung von Strom sowohl für anlegende Schiffe während ihres Aufenthaltes, als auch für Schiffe, die Strom auf hoher See nutzen. Nach Angaben von Hafenmeister Gunnar Tryggvasson steht seine Direktion mit drei ausländischen Unternehmen in Verhandlungen für den Bau einer Elektrotreibstofffabrik in Grundartangi, welcher in der Schifffahrt zum Einsatz kommen soll.

Auch stärkere Stromanschlüsse in den Häfen werden erwogen. Im kommenden Monat gehe der grösste Anschluss im Hafenbereich Sundabakki ans Netz, der für das grösste Containerschiff des Landes gedacht sei. Der Landanschluss für kleinere Kreuzfahrtschiffe soll dann im kommenden Sommer im alten Hafen in Betrieb genommen werden.
„Danach prüfen wir Anschlüsse für die grössten Schiffe, aber da sprechen wir von Investitionen in einer Grössenordnung von einer Milliarde Kronen samt ausgedehnter Bauarbeiten. Da muss der Strom zum Hafen gebracht werden. Das sind riesige Schiffe, und da steht dann quasi ein ganzes Dorf an der Kaimauer, was fünf bis zehn Megawatt an Strom benötigt.“

Und noch mehr sei in Vorbereitung. Unter anderem will man die Gebührenliste für ankommnde Schiffe ändern, sodass umweltfreundliche Schiffe weniger zahlen als schwarze Schlote.
Angedacht sei auch, den Hauptkai in Akranes zu verlängern, damit kleinere Kreuzfahrtschiffe die Stadt in Westisland als attraktives Ziel nutzten, denn das würde auch die Belastung durch die vielen Kreuzfahrtschiffe während der Saison besser verteilen.