Blaue Lagune baut neue Lagune am Gletscher Hoffell im Hornafjörður

Das Unternehmen Blaue Lagune hat den Grossteil der Länderei Hoffell im Hornafjörður aufgekauft, berichtet RÚV. Dort soll in der Nähe der Gletscherlagune eine Badelagune und ein Hotel gebaut werden. Lagunenchef Grímur Sæmundsson sagt, der Aufbau werde im Einklang mit der Natur und der Geschichte der Region erfolgen.
Vertreter von Blauer Lagune, der Gemeinde Hornafjörður, des Elektrizitätsversorger RARIK und der Landbesitzer von Hoffell hatten sich gestern an der Gletscherlagune getroffen, um ihr Vorhaben zu feiern.

Vom Fischcontainer zur Luxuslagune
Von Hoffell aus hat man nicht nur eine grossartige Aussicht über den Gletscher, dort gibt es auch Erdwärme. Im Jahr 2000 hatte man heisses Wasser gefunden, und aus einem Fischcontainer für die Kinder des Hofes wurden schliesslich fünf in den Boden eingelassene Rundwannen samt Dusche und Umkleide, für grosszügige 1000 Kronen pro Mann. Mit dem geheimen Badetipp in der Abgeschiedenheit ist jetzt Schluss.

„Wir wollen hier in Hoffell eine Badelagune und Unterkünfte aller Art bauen. Unser Ziel ist es, dies im Einklang mit der Umwelt und der Natur zu tun,” erklärte Grímur Sæmundsson, der Direktor der Blauen Lagune. So solle es allen ermöglicht werden, die einzigartige Umgebung zu geniessen, den Gletscher und seine Geschichte kennenzulernen und zu erfahren, wie sich die Umwelt durch die Klimaveränderungen verändert.
Erst mal ist alles nur ein Plan, und gestern fand dazu im Hornafjörður eine erste Einwohnerversammlung statt.

Islandspatmine im Museum
In Hoffell gibt es nämlich mehr als nur den Gletscher und heisses Wasser. Der Hofbesitzer hat ein Museum über das Leben auf Hoffell, seine bemerkenswerte Geologie und die Islandspatmine zusammengestellt. Islandspat von Hoffell ist bis zum Jahr 1938 exportiert worden. Der durchsichtige Karbonatkristall, der sich nur in magmatischem Gestein findet, wurde wegen seiner Doppelbrechung berühmt und fand Verwendung in Prismen, später war er als Schmuckstein beliebt.
Hoffell-Vorbesitzer Þrúðmar Þrúðmarsson überreichte dem neuen Landbesitzer symbolisch solch einen Mineral, den einst sein Grossvater gefunden hatte, und der ihn zu der Spatmine geführt haben soll. Der neue Landeigentümer versprach, die Geschichte des Ortes werde in den Bauplänen einen festen Platz finden.

Walfang: Ministerielle Entscheidung steht bevor

Eine Entscheidung darüber, ob in diesem Sommer Wale kommerziell gejagt werden dürfen, steht nach Angaben von Fischereiministerin Bjarkey Olsen Gunnarsdóttir unmittelbar bevor. Vorwürfe, sie habe die Entscheidungsfindung künstlich in die Länge gezogen und auf nach die Präsidentenwahl am 1. Juni verzögert, wies die Ministerin zurück, berichtet Vísir.

Ministerwechsel im Amt
Bjarkey hatte das Ministeramt erst am 10. April übernommen, zuvor war die vormalige Premierministerin Katrin Jakobsdóttir als kommissarische Ministerin für die seit Januar aus Krankheitsgründen beurlaubte Amtsvorgängerin Svandís Svavarsdóttir tätig gewesen. Bjarkey sagte Vísir gegenüber, es habe solange gebraucht, um den Antrag von Islands einzigem kommerziellem Walfangunternehmen Hvalur hf. zu bearbeiten und notwendige Daten zusammenzutragen.
Eine Entscheidung könnte Ende kommender Woche vorliegen, und diese gründe dann nicht etwa auf ihrer politischen Anschauung, so Bjarkey, sondern vielmehr auf einer Fülle von Daten, die gerade gesammelt werden.

Warten auf Bewertungen
Um Einschätzung waren folgende Behörden und Institutionen gebeten worden: das Marineforschungsinstitut, (Hafró) das Fischereiamt, die Veterinäraufsichtsbehörde (MAST), der Tourismusverband, der Verband der Walbeobachtungsunternehmen, der Tierschutzbund, der Verband für Tierwohl in Island, der isländische Naturschutzbund, die Naturschutzorganisation Landvernd, der Verband der Filmemacher, der Verband der Unternehmen in der Fischereibranche, die Gewerkschaft in Akranes, der Verband der Schiffskapitäne, der Verband der Maschinisten und Metalltechniker, sowie die Gemeinden Akranes und Hvalfjarðarsveit.
Von diesen allen hatten bis einschliesslich heute der Unternehmerverband und das Marineforschungsinstitut ihre Einschätzung eingereicht.

Hvalur-Chef Kristján Loftsson beschwerte sich beim Morgunblaðið über das Schneckentempo des Ministeriums, und eigentlich hätte die Einschätzung von Hafró völlig ausgereicht, alle anderen Institutionen hätten nichts mit der Angelegenheit ohnehin zu tun. Ohne grünes Licht können weder Leute eingestellt noch Material für die Fangsaison eingekauft werden. Auch die Dauer einer möglichen Fanglizenz spielt da eine Rolle, im Ministerium erwägte man eine Lizenzdauer von einem Jahr, die Kristján aus betriebswirtschaftlichen Gründen für viel zu kurz hält. Er hatte eine Lizenzdauer von fünf Jahren beantragt.

Hafró legt Quote fest
Das Marineforschungsinstitut hatte eine Fangquote von 161 Finnwalen für die Fangperioden zwischen 2018 und 2025 festgelegt und bleibt auch in diesem Jahr bei dieser Zahl.
“Für diesen Sommer sind umfangreiche Walzählungen geplant. ” erklärt Hafró-Leiter Þorsteinn Sigurðsson Vísir gegenüber. “Sie beginnen kurz nach dem Wochenende in Zusammenarbeit mit den Nachbarstaaten im Nordatlantik.” Die Ergebnisse sowie neue Forschungsergebnisse werde man dann im Herbst in Zusammenarbeit mit der Internationalen Walfangkommission (IWC) und dem Nordatlantischen Rat für Meeressäuger (NAMMCO) evaluieren. Seine Institution, so Þorsteinn, stelle im gesetzlichen Rahmen sicher, dass die Nutzung der Ressource im Einklang mit Vorsorgeprinzipien erfolge, und dies sei die Grundlage für Ratschläge, und am Ende eine Quotenzahl.

Icelandair kündigt 82 Mitarbeitern

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Die Fluggesellschaft Icelandair hat heute 82 Mitarbeitern gekündigt. In einer Mitteilung des Unternehmens heisst es, Mitarbeiter in verschiedenen Bürobereichen und Stützpunkten seien betroffen.
Hauptschwerpunkt liege jetzt darauf, die Effizienz des Betriebs zu steigern, nach einer langen Entwicklungsphase, in der sich das Unternehmen nach der Pandemie schnell wieder aufbauen konnte. Die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens solle nun weiter gestärkt werden. Dazu gehöre auch die Reduzierung von Mitarbeitern.

In der Mitteilung wird Icelandair-Chef Bogi Nils Bogason zitiert, es sei schade, gute Leute gehen zu sehen. Unternehmen in Island stünden jedoch vor einem herausfordernden Betriebsumfeld, gleichzeitig gebe es Unsicherheit darüber, wie sich die Marktbedingungen entwickeln.
„Es gilt daher, alle Hebel in Bewegung zu setzen, um Kosten zu senken und Erträge zu steigern, um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und die Leistungsfähigkeit des Unternehmens für die Zukunft zu verbessern.“

Das erste Quartal der Icelandair ist wirtschaftlich schwer gewesen, es gab einen Verlust von 9,7 Mrd ISK zu beklagen, im Vorjahr waren es noch 8,7 Mrd ISK gewesen. Auch der Aktienkurs des Unternehmen ist in den letzten 12 Monaten um 43% gesunken.

Þorlákshöfn: Lachszucht gegen Sandmühle

In der südisländischen Küstenstadt Þorlákshöfn, wo zur Zeit ein beispielloses industrielles Wachstum stattfindet, zeichnet sich ein Machtkampf zwischen Interessenvertretern der Industrie, Gemeindeverwaltung und Behörden ab, berichtet Heimildin.

Brief mit neuen Fakten

Am 17. Mai hatte eine Abstimmung der Einwohner darüber stattfinden sollen, ob der deutsche Zementhersteller Heidelberg Cement seine umstrittene Sandmühle in Þorlákshöfn bauen darf. Der Gemeinderat entschied überraschend kurzfristig, die Abstimmung zu verschieben, ein in Island nie dagewesener Vorgang.
Vísir berichtet, bei Bürgermeister Elliði Vignisson sei am Vortag ein Brief des Landfischzuchtunternehmens First Water eingegangen, in welchem dieser seiner Besorgnis Ausdruck verleihe, dass Sandmühlenbetrieb und Lebensmittelproduktion nicht nebeneinander existieren könnten. Ausserdem sei eine Hafenanlage genau dort geplant, wo First Water geothermales Meerwasser für seine Fische an Land pumpe.

Der Brief war an den Bürgermeister und die Gemeinderatsmitglieder persönlich verschickt, dann aber angeblich an die Medien “geleakt” worden. Aus der Opposition verlautete, es habe sich nicht um ein Geheimdokument gehandelt, vielmehr zeige die Diskussion um den Brief klar, dass die Mehrheit im Gemeinderat offenbar doch Geheimhaltung praktiziere, um Bürgern wichtige Daten vorzuenthalten und eine demokratische Debatte zu verhindern.
Möglicherweise ist die Abstimmung verschoben worden, weil der Brief die Haltung der Einwohner in Bezug auf die Sandmühle negativ hätte beeinflussen können.

Sandige Pläne
Das Projekt der Heidelberg Cement hat eine lange Vorgeschichte. Vulkansand kann als Ersatz für Flugasche in der Zementproduktion verwendet werden. Die Heidelberg hat die Genehmigung, einen Berg westlich des Þrengsli-Passes zu Exportzwecken abzubaggern, ausserdem sollen vom Meeresgrund der Strandlinie zwischen Landeyjar und Eyjafjöll, direkt gegenüber von den Westmännerinseln, 75 Millionen Tonnen Sand ausgegraben und per Pumpschiff nach Þorlákshöfn gebracht werden. Dort soll der Sand in der Sandmühle gemahlen und anschliessend exportiert werden.

Einwohner einseitig informiert
Informationen über negative Auswirkungen auf das Leben und die Lebensqualität in Þorlákshöfn selbst seien den Einwohnern hingegen niemals so wirklich präsentiert worden, wirft das oppositionelle Gemeinderatsmitglied Ása Berglind Hjálmarsdóttir dem Bürgermeister vor. Vielmehr habe der dem antragstellenden Unternehmen die Projektdarstellung einseitig überlassen, wie etwa bei einer offenen Bürgerversammlung am 15. Mai.

Nun kommt der oben genannte Brief ins Spiel: Bürgermeister Elliði wirft dem Lachszuchtunternehmen First Water vor, kurz vor Toresschluss mit Bedenken über Staubbelastung und negative Auswirkungen auf die Fische aufzuwarten. Ása Berglind wirft der Gemeinde Ölfus hingegen Fahrlässigkeit vor, weil diese die Umweltauswirkungen der Sandmühle nicht angemessen berücksichtigt habe, die offenbar mit diesem Brief aufgetaucht sind. Mit anderen Worten: eigentlich hätte die Gemeinde diese Informationen beibringen müssen, damit der Bürger umfänglich informiert zur Abstimmung schreiten kann.

Die beiden anderen Lachszuchtkonzerne vor Ort hatten bislang keine mögliche Umweltbelastungen befürchtet. Der Brief von First Water allerdings hat sie aufgescheucht, nun macht sich auch dort Sorge breit, der Heidelbergstaub aus der unmittelbaren Nachbarschaft könnte sich negativ auf den Produktionsbetrieb auswirken.
Bürgermeister Elliði war selbst wegen seiner engen Verbindungen zu Heidelberg und angeblicher Vergünstigungen schon mehrfach Gegenstand der öffentlichen Kritik gewesen.

Sandabbau nicht nachhaltig
Sämtliche Einschätzungen der beteiligten Kommunen, der Fischereibehörde, sowie Meeresforschungsinstitut, Naturkundeinstitute, Gesundheitsbehörden, Wasser- und Stromversorger, Küstenwache, Verkehrsbehörde, Umweltbehörde, Strassenverwaltung und Kommunikationsunternehmen etc zu dem Sandprojekt waren negativ ausgefallen. Unter anderem wurde kritisiert, dass in dem Küstenabschnitt alle Versorgungsleitungen für die Westmännerinseln liegen, die durch das Abgraben gefährdet werden. Ausserdem befindet sich südlich von Island das grösste Ablaichgebiet isländischer Nutzfischarten, eine massive Abgrabung von Meeresboden verursacht Wassertrübung und spült mit dem Sand alles marine Leben in die Pumpschiffe. Das Marineforschungsinstitut (Hafró) hatte das Sandprojekt gar als „beispiellos“ bezeichnet.
Es könne schon allein deshalb nicht als nachhaltig gelten, weil Heidelberg 10-27 mal mehr Sand entnehme als der grösste Gletscher Südislands über den Markarfljót nachliefere. Man könne überdies nicht ausschliessen, dass die Abgrabung am Ende zu einer Stranderosion an der Südküste führen werde.

Einflussnahme per Anwalt
Heimildin berichtet, dass die Heidelberg versucht habe, per Anwalt die Teilnahme eines Hafró-Mitarbeiters an der Bürgerversammlung zu verhindern. Dabei handelte es sich um den Mitarbeiter, der die Auswirkungen der Sandabgrabung bei Landeyjar untersucht hatte und zu dem Ergebnis gekommen war, dass dies den Nutzfischbestand und die Küstenlinie gefährde. Er hatte in seinem Bericht auch festgehalten, dass mit den Ressourcen des Landes vorsorglich und nachhaltig umgegangen werden solle.
Das Marineforschungsinstitut habe die Email des Anwalts ignoriert, den Mitarbeiter zur Versammlung geschickt, und dem Anwalt später erklärt, dass eine staatliche Institution gesetzlich verpflichtet sei, über ihre Forschungsergebnisse zu informieren. Bei Hafró hiess es, es komme nicht jeden Tag vor, dass ein privatwirtschaftliches Unternehmen auf diese Weise versuche, Druck auf eine staatliche Insttution auszuüben.

Erste Hengststation für Exportsperma geplant

Die erste Pferdebesamungsstation unter Quarantänebedingungen soll im kommenden Frühjahr in Island eröffnen. Wenn der Betrieb läuft, wird es möglich sein, Pferdesperma für die Zucht ins Ausland zu verkaufen, berichtet RÚV. Bis dahin müssen auch weiterhin tragende Stuten oder der Hengst selbst exportiert werden, diese dürfen jedoch aus Seuchenschutzgründen nicht mehr nach Island zurückgebracht werden.

Besamung nach britischen Vorbild
Guðmundur Jón Viðarsson und seine Ehefrau, Pferdezüchter auf Skálakot bei Hvolsvöllur, sind dieser Tage dabei, die Hengststation auf der Länderei Efra-Holt zu errichten. Schon jetzt werde im Frühjahr an einigen Orten in Island die Besamung von Stuten angeboten, auf ihrem Hof sollen dann aber mehrere Zuchthengste über längere Zeit zur Absamung in Quarantäne gehalten und ihr Sperma eingefroren werden, damit dieser dann ins Ausland exportiert werden kann.
„Wir stehen in Zusammenarbeit mit einem britischen Unternehmen, das seit 30 Jahren in der Branche tätig ist und bemerkenswerten Erfolg bei ausländischen Pferderassen erzielt hat, und meine Kollegen auf dem Kontinent haben bereits Sperma von Islandhengsten eingefroren, und das hat gut geklappt,“ sagt Guðmundur. Das Sperma wird in Flüssigstickstoff eingefroren und für den Gebrauch aufgetaut. Erfahrungsgemäss seien nach Auftauen 80 bis 90 Prozent der Spermien noch am Leben, weiss Guðmundur.

Dritte Option könnte einträglicher werden
Zur Zeit haben Besitzer von überragenden Pferden eigentlich nur zwei Möglichkeiten, diese zur Zucht einzusetzen – entweder auf übliche Weise hierzulande, wo Interessenten sich dann um die 3000 bis 4000 verfügbaren Decksprünge pro Jahr schlagen, oder sie können ihr Zuchtpferd für teuer Geld ins Ausland verkaufen, doch dann ist es für die inländische Zucht verloren.
„Jetzt gibt es da diese dritte Option, du kannst dein Pferd hier absamen lassen und das Sperma in die ganze Welt verkaufen.“
Die fruchtbare Zeit der Pferde liege zwischen Mitte Mai und Anfang August, danach gebe es keine Stuten mehr, doch mit der Gefriermethode könne man bis zu acht Monate pro Jahr Sperma produzieren.
Und offenbar kann das tiefgefrorene Sperma auch zeitlich unbegrenzt gelagert werden. Guðmundurs zitiert seinen britischen Kollegen, wonach es keinen Unterschied zwischen 30 Jahre altem Sperma und frisch produziertem Sperma gebe.

Antrag auf Betriebsgenehmigung läuft
Zur Zeit wird der Genehmigungsantrag für die Quarantänestation ausgearbeitet, und wenn alles gut geht, kann der Betrieb im kommenden Frühjahr losgehen.
Zu den Voraussetzungen und Bedingungen, unter denen Hengste für diese Export-Besamung vorbereitet und in Quarantäne gehalten werden müssen, liegen bislang keine Informationen vor. Eine bestehendes Regelwerk gibt nur für Quarantänebesamungsstationen, wo isländische Kühe mit importiertem Spermamaterial besamt werden, deren Bullenkälber für die spätere Bedienung im Inland vorgesehen sind.
Aufsichtsführend und verantwortlich für das Tierwohl solcher Stationen ist die isländische Veterinäraufsichtsbehörde MAST.

Lachszucht: Jungfische aus Landzuchtanlage entkommen

two farmed salmon of a Norwegian breed and one wild salmon, native to Fífustaðadalsá river.

Der Lebensmittel- und Veterinäraufsichtsbehörde MAST ist ein Zwischenfall in der landgestützten Lachszuchtanlage des Fischereikonzerns Samherji im Öxarfjörður gemeldet worden. Dabei sind offenbar Jungfische ins Meer entkommen, berichtet Vísir. Der Zwischenfall hat sich am Montag den 6. Mai ereignet. In einer Mitteilung von MAST heisst es, der Zwischenfall sei bemerkt worden, als Fischbrut im Absetzteich der Anlage gesehen wurde.

Jungfische über den Teich entkommen
„Die Fischbrut war zwischen 70 und 80 Gramm schwer und noch nicht geschlüpft,“ schreibt MAST, aber man könne nicht ausschliessen dass sie in dem Absetzteich dann doch geschlüpft und ins Meer entkommen sei.
„Geschätzte 868 Jungfische sind aus einem Container entkommen, zu diesem Zeitpunkt ist die Anzahl der Jungfische unbekannt, die in das Absetzbecken gelangt sind. Der Lizenzinhaber arbeitet daran, die Fische aus dem Absetzbecken herauszuholen und sie zu zählen, um den Umfang der Fischflucht schätzen zu können.“
MAST hat nach eigenen Angaben weitere Daten und Informationen von dem Unternehmen angefordert. Der Fall werde bei der Behörde näher untersucht.
Der Fischereikonzern Samherji macht in einer Bekanntmachung einen Fehler im Steuerungssystem der Zuchtanlage für die Fischflucht verantwortlich. Die entkommene Fischbrut sei noch nicht meerestauglich gewesen. Der Vorfall sei noch am gleichen Tag an die Behörden gemeldet worden.

Genetische Vermischung vernichtet wildes Erbgut
In die Natur entkommene Zuchtfische richten dort grossen Schaden an. Wenn der Zuchtlachs in die Flüsse hochschwimmt und sich mit dem dortigen Wildlachs paart, gelangt sein Erbgut in den wilden Bestand und vernichtet diesen langfristig. Dabei ist es inzwischen möglich, die Geschlechtsreife des Industrielachses mit einer genetischen Manipulation zu verhindern. Der sogenannte triploide Lachs hat einen zusätzlichen Satz an Chromosomen. Diese Fische bilden keine Keimzellen aus und werden nicht geschlechtsreif. Die Methode wird im Dokumentarfilm Laxaþjóð erwähnt und dort als tierschutzrelevant bezeichnet, weil die Fische durch die Temperaturbehandlung körperlichem Stress ausgesetzt sind.

Triploider Lachs kostet Umsatz
Gunnar Örn Petersen, der Vorsitzende des isländischen Angeldachverbandes, hatte Vísir gegenüber angegeben, die Technik (des Sterilisieren) sei vorhanden, und in Island sei auch eine Lizenz dafür erteilt worden, das einzige was fehle sei die Bereitschaft der Konzerne, ihre wirtschaftlichen Erwartungen ein wenig zurückzuschrauben, weil die triploiden Lachse nicht so schnell wachsen wie die geschlechtsfähigen, und weil sie sensibler auf Umweltreise wie etwa volle Zuchtbecken reagierten. Am Ende drehe sich alles ums Geld, und wie man am billigsten produziere, so Gunnar Örn.

Ein Entwurf für ein Rahmengesetz zur industriellen Fischzucht liegt derzeit dem Parlament zur Debatte und Abstimmung vor. Einzelheiten des Rahmengesetzes, wie der Wegfall des Quotenverlustes bei Zuchtunfällen oder die Erteilung einer dauerhaften Betriebslizenz sorgen in Politik und Öffentlichkeit für heftige Kritik. Icelandreview hatte berichtet.

Ausbeutung in der Pferdebranche immer noch Thema

Menschenhandel und Ausbeutung sind wachsende Probleme in der isländischen Gesellschaft, und liegen oft näher als man denkt.
Ein Radiobeitrag über die moderne Sklaverei beschreibt, wie Unternehmer aller Art sich in den Wintermonaten sozialer Medien bedient haben, um Arbeitskräfte aus dem Ausland anzuwerben. Was da so romantisch, nett und familiär rüberkam, endete für so manchen mit Tränen. RÚV berichtet, die größte Gruppe, die dieser Gewaltform zum Opfer fällt, seien Ausländer.

Traumjob Pferd
Das dänische Pferdemädchen Metta hatte einen Traumjob bei einem Pferdeverleih im Süden des Landes erhalten, leider erwies der Traum sich als Albtraum.
„Ich hab mindestens zehn Stunden am Tag gearbeitet, sechs Tage die Woche. Der Arbeitgeber hatte nicht erwähnt, dass wir von morgens um 7 oder 8 bis 17.30 Uhr arbeiten mussten, und nach der Heimkehr dann noch Pferde füttern. Frei hatten wir nie,“ erzählt Metta von ihrem ehemaligen Job. „Wir waren quasi in einem Gefängnis auf dem Hof, wo wir mit den Pferden lebten.“ Menschenhandel wird oft als Sklaverei ohne Ketten beschrieben. Auch wenn allein die Idee weit hergeholt scheint, so existiert diese Form der Ausbeutung, und sie wächst im Ausland wie auch in Island. Sie kann wo auch immer, wann auch immer, und mit wem auch immer betrieben werden, denn die Opfer befinden sich in einer schwierigen und sensiblen Lage, die von den Tätern weidlich ausgenutzt wird.

Metta hatte beschlossen, eine Pause zwischen Studium und Arbeitsleben einzulegen und den Sommer mit Pferden in Island zu verbringen, immerhin ritt sie schon seit vielen Jahren. „Ich dachte, das wäre eine tolle Gelegenheit, einen Sommerjob in Island zu bekommen, mit Pferden zu arbeiten, viele neue Leute kennenzulernen und als Reiter mehr Erfahrung zu sammeln.“

Facebookinserate unter dem Radar
Ihren Job fand sie in einer Facebookgruppe, in der Sommerjobs für Pferdeleute und Rittführer inseriert waren. Im Einstellungsgespräch via Internet versprach der zukünftige Arbeitgeber ihr 400.000 ISK Bruttomonatslohn und eine 40-Stundenwoche, ausserdem freie Unterkunft. Metta fand das ganz in Ordnung.
Schnell stellte sich heraus, dass der Pferdetraum etwas anders ablief als sie gedacht hatte, und das obwohl sie wusste dass die Arbeit mit Pferden anstrengend und arbeitsreich ist. „Ich hätte nie gedacht dass ich so schlecht bezahlt werde. Ich hab meinen Stundenlohn ausgerechnet und kam auf 750 Kronen pro Stunde,“ sagt sie. „Das ist Wahnsinn. Der helle Wahnsinn.“
„Ich hab mindestens zehn Stunden pro Tag gearbeitet, sechs Tage die Woche, und keinen freien Tag,“ beschreibt sie das „Gefängnis“ wo sie nach eigener Aussage lebte. Von den versprochenen 400.000 ISK vor Steuern erhielt sie alle zwei Wochen 100.000 ISK. Als sie sich nach der fehlenden Summe beim Arbeitgeber erkundigten, sagte der, 100.000 seien für die Miete und den Autogebrauch berechnet worden, die anderen 100.000 seien an das Finanzamt gegangen. Allerdings fand Metta durch eigene Recherchen heraus, dass der Fiskus nicht eine einzige Krone erhalten hat.
Das Unternehmen habe nur junge Mädchen unter 20 Jahren eingestellt, Metta war die älteste unter ihnen. Der Chef sei ein furchteinflössender Typ gewesen, der mit schlechten Umgangsformen und Kommunikationsproblemen glänzte. Ausserdem seien überall Kameras angebracht gewesen, nicht nur im Stall sondern auch im Wohnhaus, angeblich aus Sicherheitsgründen.

Kein sicheres Land für solche Jobs
Viereinhalb Monate hielt sie es dort aus. „Die Pferde und wir wurden schlecht behandelt,“ sagt sie. Als eine verängstigte Kollegin, der es sehr schlecht ging, fristlos vor die Tür gesetzt wurde, war das Mass für Metta voll. Sie kündigte zu gleichen Bedingungen wie der Kollegin gekündigt worden war – eine Woche. Der Chef sei ausgeflippt, erzählt sie, er habe alle Pferdemädchen gleichsam bedroht. Daraufhin sei sie auf Empfehlung von wohlmeinenden Isländern zur Gewerkschaft gegangen. Obwohl sie längst wieder nach Dänemark zurückgekehrt ist, liegen dem Unternehmen immer noch die Lohnforderungen der Angestellten des letzten Sommers vor. Metta sagt, der Mann bedrohe nun sie und ihre Familie. „Ich will sagen, dass das nicht richtig ist, dass Island ein sicheres Land ist, jedenfalls nicht in der Tourismusbranche,“ erklärt Mette RÚV gegenüber. „Ich bin von meinem früheren Arbeitgeber bedroht worden, weil er wegen dieser Sache wütend ist, weil wir viel Geld von ihm verlangen. Ich habe versucht, die isländische Polizei zu kontaktieren, aber die nehmen die Drohungen nicht ernst, weil ich in Dänemark bin.“

Mettas Fall fällt unter Ausbeutung und schlechte Behandlung. RÚV schreibt, dieser Pferdeverleih sei kein Einzelfall, immer wieder gebe es Hinweise auf Ausbeutung in der Branche, doch bis heute arbeiten zahlreiche junge Mädchen schwarz für ein Taschengeld und ohne jede Absicherung in den sogenannten Traumjobs der Pferdebranche.

Icelandreview hatte 2018 über das Thema eingehend berichtet.

Hier und hier findet man Gehaltstabellen für Jobs in Landwirtschaft und Tourismus.

 

Lachszucht: Lizenzdauer geändert, vollendete Tatsachen vor Ort

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An dem umstrittenen Gesetzentwurf zur Fischzucht, der dem Parlament zur Debatte vorliegt, hat der parlamentarische Wirtschaftsausschuss nach harscher Kritik aus Politik und Öffentlichkeit eine Änderung vorgenommen: die Lizenzdauer ist von ‚dauerhaft’ zurück auf ‚zeitlich begrenzt‘ gesetzt worden., berichtet Vísir.
Zuvor hatte die neue Ministerin für Fischerei und Landwirtschaft, Bjarkey Olsen Gunnarsdóttir, per Gesetz zeitlich unbegrenzte Fischzuchtlizenzen in Islands Fjorden erteilen und ausserdem den Quotenverlust bei Zuwiderhandlung durch Geldstrafen ersetzen wollen.

Nutzungsdauer gehört in die Verfassung
Die Abgeordnete der Reformpartei, Hanna Katrin Friðriksdóttir, die auch im Wirtschaftsausschuss sitzt, betont, selbst mit dieser Änderung müsse sichergestellt werden, dass der Staat auf schwere Verstösse und Zuwiderhandlungen immer noch reagieren könne. Viel stehe auf dem Spiel – die Natur, und auch das Auskommen von Anwohnern und ganzen Siedlungen, die von diesem neuen, wachsenden Wirtschaftszweig leben.
Ihrer Ansicht nach zeige dass „dieser Unfall, der sich da gerade anbahnt – ich sage es so, wie es ist, weil wir das nicht geändert haben -, ein klares Zeichen dafür ist, dass wir Regelungen über die zeitlich begrenzte Nutzung natürlicher Ressourcen in die Verfassung aufnehmen müssen. Nur so kann sichergestellt werden, dass sowas nicht passiert. Das Parlament kann alle möglichen Entscheidungen treffen, auch falsche,“ sagt Hanna Katrin. Sie glaubt, die Änderung bei der Lizenzdauer reiche nicht aus, um einen Konsens über den Gesetzentwurf zu erzielen. Es gebe weitaus mehr zu beachten, und die Angelegenheit sei ausgesprochen kompliziert.

Fischflucht soll richtig Geld kosten
Auch zu den geplanten Geldstrafen bei Fischflucht gibt es nun konkretere Informationen: Für jeden geschlechtsreifen Fisch, der in Flüssen gefunden wird, in denen das Risiko genetischer Vermischung besteht, könnten Unternehmen mit einer Geldstrafe von bis 750 Millionen ISK (5 Mio EUR) belegt werden. Eine Million bis 750 Millionen kostet jeder Fisch, ob geschlechtsreif oder nicht, der in Flüssen außerhalb der Risikobewertung gefunden wird.
Die Geldstrafe für die 3500 im vergangenen Sommer entkommenen Lachse im Patreksfjörður würde demnach gar nicht auf das Display eines Taschenrechners passen.
Ausserdem muss jeder Fjord mindestens 90 Tage Ruhezeit zwischen zwei Fischgenerationen halten. Und natürlich kann ein Unternehmen auch weiterhin seine Lizenz verlieren, wenn es die Regeln nicht einhält. Bislang sind solche Fälle jedoch nicht vorgekommen.

Landbesitzer vor vollendeten Tatsachen
Derweil geht der Kampf um die Aufsetzung einzelner Meeresgehege weiter. Heute hat Gunnar Örn Hauksson, der Landbesitzer von Sandeyri in den Westfjorden, eine schwere Schlappe erlitten, als er die vom westfirdischen Landrat verlangte Bürgschaft zur Sicherung einer einstweiligen Verfügung nicht aufbringen konnte und nun tatenlos zusehen muss, wie der Fischkonzern Arctic Sea Farms Zuchtnetze auf seinem Strandgelände mit Jungfischen vollpumpt.
Gunnars Anwältin Katrín Oddsdóttir hatte für diese Meeresgehege eine einstweilige Verfügung erwirken wollen, weil Arctic Sea Farms nicht geprüft hatte, ob das Fischzuchtgebiet innerhalb von Gunnars Landgrenze liegt. An dem Küstenstreifen fällt der Tidenhub besonders gross aus, und sein Land reicht weit ins Meer hinein.

Sandeyri-Lachs: 100 Millionen für eine Bürgschaft
Der Landrat hatte für die einstweilige Verfügung eine Bürgschaft von 100 Mio Kronen (670.000 EUR) verlangt. Allerdings standen weder er noch seine Vertreterin für eine Antwort darauf zur Verfügung, woher diese Summe stammt. Katrin glaubt, dass es einzig darum geht, den Anspruch auf einstweilige Verfügung zunichte zu machen, die Summe sei unverständlich, und in der Regel handele es sich bei diesen Bürgschaften eher um eine Alibigebühr.
Möglicherweise stamme die Summe von Arctic Sea Farms, was merkwürdig sei, weil das Unternehmen ja bereits seinen Fisch in die Netze gepumpt habe. Sicher sei allerdings, dass die zuvor unberührte Natur dort jetzt zerstört sei.

„Ich hab keine 100 Millionen dafür,“ sagt Gunnar Vísir gegenüber. „Das wäre natürlich gut für die isländische Nation gewesen.“ Nun gebe es niemanden mehr, der die Fischzucht in dem Naturparadies noch stoppen könne.
 „Das war unser letzter Rettungsanker, und der ist jetzt weg. So sieht die Sache aus, man hat dafür gekämpft, man hat verloren. Man hat sein Bestes gegeben, und die haben gewonnen. Das war ein norwegischer Sieg heute,“ sagt Gunnar.

Rekordsommer am Flughafen Keflavík erwartet

Für diesen Sommer erwartet Islands Reisebranche 8,5 Millionen Gäste am internationalen Flughafen in Keflavík. Dazu zählen natürlich auch reiselustige Isländer, die über die Sommerferien das Land verlassen.

Die Passagierprognose des Flughafenbetreibers Isavia rechnet mit 2,4 Millionen ausländischen Besuchern, die Island bereisen. Sollten sich die Prognosen bewahrheiten, dürfte der Sommer 2024 der drittgrösste in der Geschichte des Flughafens sein und der grösste Touristensommer überhaupt, berichtet mbl.is.
Ganze 28 Fluggesellschaften fliegen Keflavík in diesem Sommer an, pro Tag sind durchschnittlich 178 Starts gebucht.

82 Destinationen im Ausland
In einer Mitteilung der Isavia heisst es dass man von Keflavík aus 82 Destinationen anfliegen kann, rekordverdächtige 28 Fluggesellschaften bieten Direktflüge an. Davon bieten 25 Fluggesellschaften Linienflüge, und drei haben eine begrenzte Anzahl an Verbindungen im Angebot. Und so manches Unternehmen hat speziell für diesen Sommer Destinationen ins Programm genommen.
„Wir freuen uns darauf, noch mehr Gäste in diesem Sommer begrüssen zu können. Die Passagierprognose sieht für die Sommermonate, April bis Oktober, einen Anstieg der Fahrgastzahlen um je 391.000, das sind 7,2% mehr als im Vorjahr,“ schreibt Greta Már Garðarsson, der Vorsitzende für Fluggesellschaften und Destinationsentwicklung bei der Isavia in der Mitteilung.

Icelanda­ir bedient über die Hälfte aller Flüge
Starts und Landungen werden sich in diesem Sommer auf 37.000 belaufen, das sind 5% mehr als im Vorjahr und 36% mehr als im Jahr 2019. Dabei entfallen 58% aller Flugbewegungen auf die isländische Luftlinie Icelandair, Play betreibt 18,8% aller Starts und Landungen, auf andere Fluggesellschaften entfallen zusammen 23,3%.
Das Gesamtplatzangebot beträgt 6,7 Millionen, das sind 4% mehr als im Vorjahr und 26% mehr als im Jahr 2019.
Die isländische Fluggesellschaft Icelandair wird in diesem Sommer voraussichtlich alle Rekorde schlagen und ihre Flüge um 8% im Vergleich zum Vorjahr und um 20% im Vergleich zu 2019 steigern. Auch die Fluglinie Play hat ihr Angebot ausgeweitet und kann 5% mehr Flüge als im Vorjahr anbieten.

 

Lachszucht: 450.000 tote Lachse nach besonders kaltem Winter

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Rund 300.000 Zuchtlachse sind im März diesen Jahres in Meereszuchtgehegen des Lachskonzerns Arnarlax in den Westfjorden verendet. Unter anderem werden Wintergeschwüre für das Massensterben verantwortlich gemacht. Im gesamten Land verendeten im letzten Monat etwa 450.000 Zuchtlachse, das ist doppelt soviel wie im gleichen Zeitraum des letzten Jahres und etwas weniger als im Jahr 2022, berichtet Heimildin.

Qualvoller Tod in eisigem Wasser
Wintergeschwüre entstehen in besonders kalten Wintern mit entsprechend niedrigen Meerestemperaturen, die sich negativ auf den Zuchtlachs auswirken. Von den 450.000 verendeten Zuchtfischen im Land hatten sich zwei Drittel im Besitz des Arnarlax Konzerns befunden. Die meisten toten Lachse (290.000) verendeten im März im Arnarfjörður. Ende Februar schwammen 18 Millionen Zuchtlachse in den Meeresgehegen rund um die Insel, 2,5 Prozent des Gesamtbestandes sind im letzten Monat verendet.
Diese Zahlen stammen aus einer Mailantwort der Veterinäraufsichtsbehörde (MAST) an Heimildin. Der Behörde ist es nicht gestattet, die Verluste nach Unternehmen aufzuteilen. Allerdings sei das Massensterben besonders gross bei Arnarlax gewesen. „Hauptgrund des Verlustes sind Moritella viscosa, Parvicapsulose und Tenacibaculum.“
Moritella verursacht Wintergeschwüre und ist verursacht besonders schwere Schäden in der isländischen Fischzucht, weil das Meer hier so kalt ist. Parvicapsulose ist eine Parasitenerkrankung, die hierzulande zum ersten Mal im Jahr 2019 diagnostiziert wurde. Die Bakterie Tenacibaculum verursacht Geschwüre an den Flossen und führt zum Tod des Fisches.

Sensible Daten nicht kommentiert
Die Fischzuchtstatistiken bei MAST sind wegen eines Systemfehlers derzeit deaktiviert, daher hatte Heimildin die Informationen per Email direkt von der Behörde erhalten. Arnarlax Direktor Björn Hembre wollte sich auf Anfrage des Magazins nicht äussern, weil es sich um wirtschaftlich sensible Daten handle. Sein Unternehmen werde den Schaden im Vierteljahresbericht Mitte Mai behandeln, liess er wissen.

Bemerkenswert sei, so schreibt Heimildin, dass diese Zahlen verendeter Zuchtlachs in isländischen Meeresgehegen zwar hoch seien, doch trotz des bakteriellen Hintergrunds seien sie nicht ungewöhnlich hoch. Im März 2022 seien rund 470.000 Zuchtlachse in Meeresgehegen verendet, damals hatte sich der Gesamtbestand auf 15 Millionen Zuchtfische belaufen. Der Anteil verendeter Zuchtfische hatte demnach bei 3,1 Prozent gelegen.