Mehr standesamtliche als kirchliche Trauungen in 2023

Hallgrímskirkja lutheran church in Iceland

Im vergangenen Jahr, 2023, sind Daten des Statistischen Amtes zufolge mehr Isländer auf dem Standesamt der Präfektur getraut worden (43%) als von einem Priester der isländischen Staatskirche (33,9%). Damit haben die standesamtlichen Trauungen zum ersten Mal die kirchlichen Trauungen zahlenmässig übertroffen, berichtet Vísir.

Ostisland mit den meisten Trauungen
Von den 4870 Personen, die im Jahr 2023 in den Stand der Ehe getreten sind, wurden 2095 vom sýslumaður (Präfekt) getraut, 1650 Personen wurden von einem Priester der Staatskirche getraut. 12% der Eheschliessungen sind durch andere religiöse Gruppierungen vorgenommen worden, 11% haben sich im Ausland trauen lassen. Interessanterweise hat es per 1000 Einwohner die meisten Trauungen im Osten des Landes gegeben, gefolgt vom Nordwesten und Nordosten.
Die Zahlen beziehen sich nur auf Personen mit einem gemeldeten Wohnsitz in Island und einer Personenkennziffer, nicht auf Besucher, die nach Island kommen um sich trauen zu lassen.

Isländische Trauregeln in Kürze
In Island darf der Präfekt (sýslumaður) Trauungen vornehmen, sowie Priester der Nationalkirche, Oberhäupter von offiziell registrierten Glaubensgemeinschaften, sowie säkulare philosophische Organisationen. Für eine Trauung in der Präfektur sind 11.000 ISK (73 EUR) an Gebühren fällig, das jeweilige Standesamt entscheidet, wo die Gebühr entrichtet wird.

Bei Trauungen durch den Präfekten muss kein Ringtausch vorgenommen werden. Gäste können natürlich mitgebracht werden, jenachdem wieviel Platz am gewählten Trauungsort vorhanden ist. Auf Wunsch kann das Standesamt auch Trauzeugen einbestellen.

Ehewillige müssen nach isländischem Gesetz mindestens 18 Jahre alt und mündig sein. Ausserdem müssen alle finanziellen Vergleiche, Scheidungen oder Nachlassangelegenheiten abgeschlossen sein, wenn sie zuvor verheiratet waren. Darüber hinaus darf ein zukünftiger Ehegatte kein Nachkomme des anderen sein, auch Geschwisterehe ist verboten. Das Gleiche gilt für Stiefeltern und Stiefkinder, sofern die Adoption nicht rechtskräftig aufgehoben wurde
In der App Íslendingabók können Isländer nachschlagen, in wieweit sie mit einer Person verwandt sind, auf die ihr Auge gefallen ist.

Zuwenig Köche für den hohen Bedarf der Gastronomiebranche

Der Geschäftsführer der Hotel- und Lebensmittelschule am Gymnasium in Kópavogur sagt, die geringe Zahl an Kochschülern sei besorgniserregend für die Gastronomiebranche. Vor der COVID Pandemie seien 400 Schüler im Kurs gewesen, jetzt zählte man nur noch 200. Sieben Kochschüler haben in diesem Frühjahr ihre Ausbildung beendet, benötigt würden aber 40, um die Nachfrage der Branche zu befriedigen, berichtet RÚV.

Zu wenig Köche für zuviele Restaurants
Haraldur Sæmundsson, der Geschäftsführer der Hotel- und Lebensmittelschule am Gymnasium in Kópavogur erklärt: „Die Schule hat nach COVID wieder geöffnet und wir haben soviel Schüler aufgenommen wie wir nur konnten, obwohl die Ausbildung vielleicht nicht für jeden gepasst hat. Und natürlich sind einige ausgefallen und nicht zurückgekommen. Das ist natürlich eine Sache die untersucht werden muss, was ist der Grund dafür, dass Leute ausfallen und nicht zurückkehren.“
Mit dem Anstieg der Restaurantzahlen in den letzten Jahren ist auch die Nachfrage nach ausgebildetem Fachpersonal gestiegen. Es bereite ihm Sorge, dass so wenige ihre Ausbildung beendeten, während gleichzeitig die Nachfrage so gross sei.

Lange Arbeitstage und hohe Belastung
Auch fertige Köche mit Berufserfahrung verliessen die Branche. Die langen Arbeitstage spielen Haraldur zufolge da durchaus eine grosse Rolle. „Das sind nicht viele Erwachsene, die den Job jeden Tag machen. Wir können ruhig sagen, da sind kaum ältere Köche, die den Job immer noch machen. Das ist eine hohe Belastung, richtig schwere Arbeit. Aber das ist auch eine tolle Arbeit, die ohne Ende Türen öffnet, hier im Land wie im Ausland.“

Haraldur spricht sich dafür aus, nachzuforschen, was die junge Generation eigentlich will, wenn es um Bildung geht. Ausserdem müsse man die Qualität der Kochausbildung besser bewerben. „Was können wir tun, damit die Ausbildung und der Job einladender werde, damit die Leute länger bleiben? Muss man über veränderte Arbeitszeiten nachdenken? Muss man sich die Belastung mal näher anschauen?“ Sinniert er. „Wir müssen prüfen, was wir tun können, um junge Menschen länger in der Ausbildung zu halten und sie einladender gestalten, damit die Leute bleiben.“

Schülerin lanciert Petition “Weniger Eltern auf Klassenfahrt”

Borgarfjörður eystri

Eine Schülerin der 10. Klasse in der Laugalækjaschule sagt, Lehrer hielten die schulischen Zügel jeden Tag in der Hand, daher spreche nichts dagegen, dass sie auch alleine mit den Schülern auf Klassenfahrt gehen. Die Schülerin hat daher eine Unterschriftenliste ins Leben gerufen, mit der gegen die grosse Zahl an Eltern auf Klassenfahrten protestiert wird.

Petition begann als Scherz
Unterschriftenlisten sind dieser Tage in aller Munde, nicht zuletzt seit inzwischen über 40.000 Isländer eine Petition unterzeichnet haben, um gegen den frisch eingesetzten Premierminister Bjarni Benediktsson zu protestieren. Auf der Webseite Island.is, die nur für in Island gemeldete Bewohner zugänglich ist, finden sich so allerlei Petitionen – unter anderem diese: „Weniger Eltern auf Klassenfahrt“.
Geschaffen wurde diese Liste von Saga Davíðsdóttir, der die vielen Eltern auf der Abschlussklassenfahrt in den Skagafjörður ein Dorn im Auge waren.
„Das fing alles damit an, dass ich von sehr vielen Kindern gehört habe, was da unnötig viele Eltern mitfahren wollten. Da wurden dann Witze gerissen, „sollen wir nicht eine Unterschriftenliste beginnen“, und da hab ich beschlossen, mich da dran zu geben,“ erzählt Saga.
Bislang haben rund 20 Leute unterschrieben, und Saga findet das erstaunlich, weil sie die Liste nirgendwo öffentlich gemacht hat.

Netter Jahrgang braucht keine Eltern
Interessant ist, wer auf Sagas Liste unterzeichnet hat. „Das sind Leute, die gar nicht in der Schule sind, das finde ich echt lustig. Ich weiss gar nicht wie die diese Liste gefunden haben, aber das ist wirklich witzig. Sehr lustig, dass die Leute meine Liste vielleicht gefunden haben, als sie sich in der Bjarni-Liste eintragen wollten.“
Der Jahrgang ist reich an Schülern, und auf zehn Schüler war ein Elternteil gekommen, das gerne mit auf Klassenfahrt gehen wollte.
„Ich finde das zuviel, und die anderen sind da meiner Meinung. Ich habe auch von Lehrern gehört, die das unnötig findet, weil wir als sehr netter Jahrgang gelten. Wir waren im Winter auf Klassenfahrt, mit nur fünf Lehrern und es gab keine Probleme.“

Schüler zahlen für die Eltern
Auch die Kosten für die Abschlussfahrt hätten eine Rolle gespielt, als sie die Liste startete, denn Eltern zahlen nicht für die Teilnahme, und damit steigen die Kosten für alle. Nicht jeder haben mal eben 60.000 Kronen für so eine Fahrt. In Island sammeln Schüler Geld mit dem Verkauf von zB Lakritz oder Toilettenpapier im Familien- und Freundeskreis, oder jobben in ihrer Freizeit, um die Reisekosten zusammenzusparen.
Saga hofft, dass ihre Unterschriftenliste ihr Ziel erreicht. „Und wenn nicht, dann kommen die Eltern halt mit und wir haben trotzdem viel Spass.“ sagt sie brav. Aber sie hat auch eine Botschaft an die Eltern, die sich vielleicht schon auf die Reise in den Skagafjörður freuen, und vielleicht noch einmal darüber nachdenken:
„Ihr seid sicher auch auf Abschlussklassenfahrt gegangen, als ihr in der 10. Klasse wart. Das würde sicher ganz viel Spass machen, euch dabei zu haben, aber am liebsten möchten wir es geniessen, einfach Teenager zu sein. Die Lehrer haben uns jeden Tag an der Leine, die werden es schon hinkriegen, das noch zwei weitere Tage zu tun.“

Erste Papageitaucher auf Grímsey gelandet

Die ersten Papageitaucher sind in Island an Land gegangen. Sie wurden in Hafnarhólmi im Borgerfjörður eystri und auf der Insel Grímsey gesichtet, berichtet RÚV.
Halla Ingólfsdóttir, die auf Grímsey ein Tourismusunternehmen betreibt, sagt, sie warte jedes Jahr gespannt auf die bunten Vögel. In diesem Jahr habe sie sich Sorgen gemacht, dass die Papageitaucher später kämen, weil das Wetter so schlecht gewesen sei, doch die Vögel hätten sich pünktlich am Abend des 10. April eingestellt. Im vergangenen Jahr war der Vogel einen Tag zu spät gekommen, weil es am 10. april zu windig zum Landen gewesen war.

Tagebucheinträge zur Vogellandung
Wie pünktlich der Papageitaucher war, weiss man, weil die Leute auf Grímsey über Jahrzehnte Tagebuch geführt hatten, und dort kann man nachlesen dass der Papageitaucher stets am 10. April auf die Insel kommt.
Seit sie vor 20 Jahren auf die Insel zog, habe sich der Bestand der Papageitaucher stark vermehrt, und die Felsen seien so voll, dass die Vögel inzwischen immer weiter auf die Insel hochwandern, um ihre Nester zu bauen. Halla sagt, es gebe jetzt eine Papageitaucherkolonie, die einmal um die ganze Insel reiche.
Der Papageitaucher und der arktische Zirkel sind es, was die Touristen zur Insel lockt. Und im Sommer, so Halla, sei das Vogelleben fast wie im Hitchcockfilm Die Vögel, da seien einfach überall Vögel. Es gebe sogar Papageitauchernester bei ihr unter der Veranda.

Bunter Touristenliebling
Papageitaucher gehören zur Familie der Alkvögel und sind auf der Liste der IUCN als gefährdet aufgeführt. Der bunte Vogel kommt ausschliesslich zur Brut an Land, er legt seine Eier in selbst gegrabene Höhlen auf exponierten Felsen ab, wo er in riesigen Kolonien brütet. Den Rest des Jahres verbringt er auf dem Meer, wobei trotz Beringung und Besenderung nicht ganz geklärt ist, wo sich eigentlich sein Winterquarter befindet.
Die Brut zieht er hauptsächlich mit Sandaal auf, und diese spezialisierte Mahlzeit ist den Küken in manchen Jahren beinahe zum Verhängnis geworden, weil der Sandaal in Island auf dem Rückzug war und tausende von Jungvögeln verhungerten. In den vergangenen Jahren konnte die Papageitaucherpopulation sich jedoch wieder erholen – eine sehr positive Entwicklung, auch weil der Vogel im isländischen Tourismus eine grosse Rolle als Besuchermagnet spielt.

Rückgang von 70% seit 1995
Im letzten Jahr hatte sich der Biologe und Vogelexperte Erpur Snær Hansen recht besorgt über den Zustand der Gesamtpopulation geäussert. Daten aus 2023 hatten auf einen Rückgang von etwa 70% seit 1995 hingewiesen. Zuvor war man von einem Rückgang von nur 40% ausgegangen. Verantwortlich dafür sei eine kontinuierliche Verzögerung beim Nisten und die schlechten Jahre für Jungvögel, die es in den 140 untersuchten Jahren so nicht gegeben habe. Dahinter stehe sei vor allem der Nahrungmangel, der auf die Meereserwärmung zurückzuführen sei. Die Jagd auf Papageitaucher, die immer noch erlaubt ist – der Vogel gilt als Delikatesse in teuren Restaurants – mache rund 10% beim Bestandsrückgang aus.
Man darf gespannt sein, wie Erpur Snær in diesem Jahr die Situation des Papageitaucherbestandes beurteilt.

Ärztinnen entdecken ungleiche Bezahlung in der Kinderklinik

Landspítali national hospital

Drei Kinderärztinnen im Universitätskrankenhaus Landspítali haben einen geschlechtsgebundenen Gehaltsunterschied in der Kinderabteilung festgestellt, berichtet Vísir. Daraufhin ist das Gehalt der Kinderärztinnen auch rückwirkend angepasst worden, um die Ungerechtigkeit zu korrigieren.

Berufliche Erfahrung nicht gewürdigt
Die drei Kinderärztinnen hatten nach dem landesweiten Frauenstreik im vergangenen Oktober begonnen, ihre und andere Gehaltszettel zu prüfen. Dafür nutzten sie eine Klausel im Gesetz, die ihnen erlaubte, die Gehälter aller Spezialisten in der Kinderabteilung und der Gynäkologie einzusehen, und sie entdeckten, dass die männlichen Kollegen ungeachtet von Qualifikationen höhere Gehälter ausgezahlt bekamen.
Tarifvereinbarungen zufolge wird die Bezahlung von Ärzten vor allem durch Ausbildung und die Länge ihrer beruflichen Laufbahn bestimmt. Ausserdem können Arbeitgeber eigenständig zusätzliche Zahlungen vereinbaren, etwa für eine Subspezialisierung, für administrative Erfahrung, oder Erfahrung in Forschung und Lehre. Ein entsprechendes Memo dazu war im Jahr 2016 veröffentlicht worden, kam aber nicht zur Anwendung, als Frauen in dem Jahr eingestellt wurden.

Ungleichbezahlung bleibt in einigen Fällen
Die Ärztinnen hatten einen Artikel im Icelandic Medical Journal veröffentlicht und die Gehaltslücke offengelegt, nachdem sie ihren Fall vor einem Gleichberechtigungsausschuss vorgelegt hatten.
Die Gehaltsabteilung der Klinik korrigierte nicht nur diesen Fehler, sondern prüfte gleich auch die Gehälter aller Fachärzte im Haus, und fand eine Gehaltslücke von 1,4%. Seit dem Jahr 2020 hat die Klinik ein Zertifikat für gleichen Lohn und verfolgt das Ziel, die Ungleichbezahlung zu allen Zeiten auf unter 2,5% zu halten.
„Ich werde nie mehr glauben, dass eine Gehaltsfestsetzung gerecht ist,“ sagte Helga Elídóttir, „Ich werde mir das selber anschauen müssen.“

Fahrraddiebstahl in Reykjavíks Innenstadt

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In den Jahren zwischen 2021 und 2023 sind der Hauptstadtpolizei insgesamt 1660 Fahrraddiebstähle angezeigt worden, berichtet Heimildin.
Dabei kamen die meisten Anzeigen aus zwei Bereichen der Hauptstadt: rund 63 Prozent aller gestohlenen Fahrräder waren im Aufsichtsgebiet 1 der Polizei gemeldet worden, dazu gehört die Innenstadt, Laugardalur, Háaleiti, Hlíðar, Vesturbær und Seltjarnarnes.
Rund 37 Prozent der Diebstahlmeldungen stammten aus anderen Stadtvierteln.

„Diese Statistiken stehen im Einklang mit der allgemein bekannten Tatsache, dass Fahrraddiebstähle in städtischen Gebieten und in den Innenstadtbereichen tendenziell am häufigsten vorkommen.“ heisst es in einem aktuellen Bericht einer Arbeitsgruppe, die Massnahmen gegen den Fahrraddiebstahl erarbeitet. Daten der Polizei zufolge werden die meisten Fahrräder an Wohnhäusern, Institutionen, Unternehmen und Geschäften gestohlen.

Weiträumige Strassensperrungen wegen Schneesturms

Auch an diesem Wochenende hat der Winter den Norden und Osten des Landes fest im Griff. Für die gesamte Osthälfte des Landes, von den Ostfjorden bis auf die Halbinsel Tröllaskagi, gilt auch am Abend immer noch die gelbe Warnstufe, der Zivilschutz hat für die Regionen die Ungewissheitsstufe verkündet. Die Ringstrasse ist ab Egilsstaðir bis zum Mývatn durchgehend gesperrt, ausserdem sind Öxnadalsheiði und Holtavörðuheiði gesperrt, und bleiben dies voraussichtlich bis morgen. In weiten Teilen herrscht Schneesturm mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 20 m/s, ausserdem Lawinengefahr.

Grosse Lawinengefahr
In der Fährhafenstadt Seyðisfjörður und in Neskaupstaður sind gestern Abend ganze Strassenzüge wegen Lawinengefahr vorsichtshalber geräumt worden. Das Küstenwachtschiff Þór befindet sich im Hafen von Seyðisfjörður, um im Notfall zur Verfügung zu stehen.
Vor jeglichen Autofahrten war wetterbedingt im Vorfeld abgeraten worden.
Morgen soll sich das Wetter beruhigen, doch die Schneelawinengefahr bleibt nach Angaben der Wetterbehörde auch weiterhin hoch.

Zwei Motorschlittenunfälle
In den Kerlingarjöll, einer bei Wintersportlern beliebten vulkanischen Bergregion im südlichen Hochland, wo diesen Winter ein Luxushotel eröffnete, haben sich an diesem Wochenende gleich zwei Unfälle mit dem Motorschlitten ereignet, der eine passierte gestern Abend, der andere heute am Mittag. Bei beiden Verletzten handelte es sich um Frauen. Sie wurden von Rettungsmannschaften aus dem Bergmassiv geholt und vom Hubschrauber abgeholt, der sie ins Krankenhaus nach Reykjavík brachte.
Wer morgen mit dem Auto unterwegs sein muss, sollte vorher Wetter und Strassenbedingungen prüfen.

Reykjanes: Formschöner Krater erhebt sich 25 Meter aus der Lava

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An der Spalte Sundhnjúksgígarröð, aus der seit fast zwei Wochen Lava quillt, hat sich erstmals ein formschöner Krater gebildet, berichtet Vísir. Zu Beginn des Ausbruchs strömte die Lava auf einer Länge von etwa vier Kilometern an die Erdoberfläche, in den darauffolgenden Tagen war diese Förderstrecke auf einzelne Krater zusammengeschrumpft. Dem Dronenfotograf Ísak Finnbogason gelangen nun Aufnahmen des Kraters. Das Eruptionsgebiet liegt in unzugänglichem Gelände.

Landhebung schwer zu interpretieren
Die Vulkanologin Lovísa Mjöll Guðmundsdóttir geht davon aus, dass der Ausbruch noch eine Weile erhalten bleibt, berichtete RÚV gestern. Drei Krater sind noch aktiv, und in Svartsengi hebt sich das Land bereits wieder, wenn auch weitaus langsamer als vor dem derzeitigen Magmaeinschuss. Es sei schwer zu sagen, ob die Landhebung den Ausbruch mit Magma füttere, oder ob sich unter Svartsengi wieder Magma ansammle.
Der Lavafluss stehe unter ständiger Beobachtung, erklärt Lovísa Mjöll. Jeden Tag prüfe man die Entwicklung, um entscheiden zu können, wo und wie die Schutzwälle erhöht werden müssen.

Begrenzter Zugang zum Eruptionsgebiet
Das Kratervideo und das obige Foto stammt vom 24. März, und ist eins der besten, die vorliegen. „Solches Bildmaterial ist sehr willkommen, um sich zu orientieren, immerhin gibt es nur sehr begrenzten Zugang zum Eruptionsgebiet, und die Aufnahmen aus den Webcams sind eigentlich die einzigen verfügbaren,“ schrieb die Vulkan- und Naturkatastrophengruppe Südisland gestern auf ihrer Facebookseite. Ísaks Video zeige gut, wie der formschöne grösste Krater enstanden sei. Seine Lage ähnelt bekannten älteren Kratern auf der Halbunsel Reykjanes, wie etwa der im Lavafeld Stampa am Kraftwerk Reykjanesvirkjun.

Der Krater erhebt sich 20 bis 25 Meter hoch über das Lavafeld und rund 40 Meter über dem Land vor dem Ausbruch, heisst es in dem Beitrag.

Hier gibt es das Dronenvideo von Ísak Finnbogason:

 

 

Bankraub in Island: auch beim aktuellen Raub keine Spur

Die beiden Diebe, die am Montagmorgen vermutlich rund 30 Millionen Kronen aus einer Spielhölle gestohlen haben, befinden sich immer noch auf freiem Fuss. Die sieben Taschen, in denen das Geld aufbewahrt wurde, sind aufgefunden worden, das Geld bleibt verschwunden. Der Raub gehört zu den am besten organisierten, die jemals in Island ausgeführt wurden, und er hat auch so einige Vorbilder.

30 Millionen in 40 Sekunden
Für eine ausgesprochen professionelle Tat spricht, dass die Täter nicht einmal 40 Sekunden dafür benötigten. Videoaufnahmen der Sicherheitskameras zeigen, dass die beiden einen Toyota Yaris rückwärts an das Fahrzeug der Securityfirma vor dem Spielsalon Catalina heranfuhren. Die Mitarbeiter der Securityfirma befanden sich im Spielsalon, um das Geld abzuholen. Zuvor hatte sie im Videomarkt in Hamraborg Geld abgeholt. Die Diebe schlugen dann das Rückfenster des Geldtransporters ein und griffen sich die Geldtaschen, bevor sie davon fuhren.
Die leeren Taschen waren in der Nähe der Esja gefunden worden, in einigen Taschen fanden sich Farbspritzer, die darauf hinweisen, dass das Geld farbverschmutzt ist, weil diese Taschen mit Gewalt geöffnet wurden. Auch nach dem Yaris wird noch gefahndet. Nach Angaben der Polizei trägt das Fahrzeug zwei unterschiedliche gestohlene Nummernschilder.

Bank in der Fischfabrik
Der Fall hat berühmt Vorbilder, auch wenn die schon etwas länger zurückliegen. Drei von ihnen konnten bis heute nicht aufgeklärt werden. Einer davon ereignete sich am Kaufmannswochenende des Jahres 1991 in der Landsbanki im Borgarfjörður eystra. Die Bankfiliale befand sich im gleichen Gebäude wie die Fischfabrik. Der Dieb betrat das Haus durch die Fischfabrik und brach einen 200 Kilogramm schweren Safe auf.
Für die Tat hatte es keine Zeugen gegeben, obwohl im Nachbarhaus eine Feier stattgefunden hatte. Der Dieb entkam unerkannt mit einer Millionen Kronen, heute sind das rund 3,9 Mio Kronen.

Skeljungsraub: 21,5 Millionen
Im Jahr 1995 gab es gleich zwei weitere Fälle, die grosse Ähnlichkeit mit dem Catalina-Raub tragen: der Skeljungsraub und der Raub der Bauernbank. In beiden Fällen wurden gestohlene Autos und Autonummern verwendet. Die Skeljungsdiebe entledigten sich der Geldkoffer und anderer Beweise im Kjós, die Catalinadiebe warfen die Tasche am Fuss der Esja aus dem Wagen.

Der Skeljungsraub fand am Montagmorgen den 27. Februar, als die Mineralölfirma ihre Wochenendkasse mit sechs Mio Kronen (heute 21,5 Mio) in der Íslandsbanki abgab. Drei Vermummte in blauen Arbeitsoveralls griffen die Bankmitarbeiter an, einer von ihnen wurde mit einem Feuerwehrlöscher niedergeschlagen.
Die Täter flohen mitsamt den Geldkoffern in einem weissen Saab, der in der Vonarstræti auf sie gewartet hatte. Das Fluchtfahrzeug wurde später in der Ásvallagata gefunden, offenbar hatte man dort versucht, das Auto in Brand zu setzen. Später am Tag wurde ein Feuer bei Hvammsvík im Kjós gemeldet. Dort brannten die leeren Geldkoffer, Kleidung, Schuhe und anderes Beweismaterial der Diebe.

Die Polizei widmete dem Fall keine grosse Energie, und erst im Jahr 2003 gab es Hinweise durch die ehemalige Lebensgefährtin eines der Diebe, die die Polizei auf die richtige Spur führte. Stefán Aðalsteinn Sigmundsson wurde zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Der zweite Dieb war bereits verstorben, der dritte wurde nie gefunden. Vor Gericht stellte sich heraus, dass diese Tat hervorragend vorbereitet war. Die Diebe waren von der Ásvallagata aus per Fahrrad in alle Himmelsrichtungen geflüchtet, und hatten sich an einem verabredeten Ort getroffen, wo ein neues Fluchtauto bereitstand, das sie zu der Brandstelle im Kjós brachte.

Bauernbankraub: sieben Millionen
Am Morgen des 18. Dezember 1995 drangen drei Vermummte in die damalige Bauernbank in der Vesturgata ein. Der Raub ähnelte dem Skeljungsraub, und lange ging man davon aus, dass es sich um die gleichen Diebe handelte. Letztere waren jedoch bewaffnet. Der Bankraub hat rund eine Minute gedauert. Die Diebe entkamen mit etwa zwei Millionen Kronen Bargeld (heute sieben Mio.) Zeugenberichten zufolge rannten sie auf die Nýlendugata, Spürhunde konnten die Spur bis zur Garðastræti verfolgen, wo sich die Spur verlor.
Beide Fahrzeuge, das Fluchtfahrzeug sowie das Auto, welches die Diebe zur Hinfahrt benutzt hatten, waren gestohlen gewesen, die Autonummern stammten aus einem Autohandel in Selfoss.

Erdbeben an der Askja

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Gestern Morgen hat sich im Vulkan Askja im Norden Islands eine Erdbebenserie mit Ursprung nordwestlich der Bergkette Dyngjufjöll ereignet. Das stärkste Beben wurde gegen 10.40 Uhr mit einer Stärke von M3,5 aufgezeichnet.

Der Vulkanologe Ármann Hösk­ulds­son kommentierte, die Zeit bis zum nächsten Ausbruch der Askja habe sich lange hingezogen, und nun gebe es klare Hinweise auf Vorgänge, die mit einem Ausbruch enden würden. „Das kann gar nicht anders enden,“ sagt Ármann. „Wir warten natürlich schon lange auf sie. Sie hat sich eigentlich schon seit 2012 ausgedehnt, denn damals hat sie mitten im Winter das Eis geschmolzen, was eigentlich nicht möglich ist, ausser du erhitzt das Wasser.“

Leichte Magma endet explosiv
Auch im Winter 2023 hatten steigende Temperaturen an der Askja Fachleuten Rätsel aufgegeben. Im letzten Sommer hatte sich das Gebiet rund um die Askja angehoben, und man war auf allerlei gefasst gewesen, dann verlangsamte der Prozess sich und kam schliesslich im Herbst zum Stillstand.
Die Briten betreiben ein dichtes und exaktes Messgerätenetz in der Region und hatten schon seit einigen Jahren darauf hingewiesen, dass sich unter der Askja Magma befindet, die leichter sei als andere Magma. Wenn diese Magma sich nach oben in Bewegung setzt, endet dies mit einer explosiven Eruption, ob gross oder klein, das sei unmöglich zu sagen, so Ármann.

Ungewöhnlicher Vulkan
Eins der drei Messgeräte zeigt keine Landhebung an, was Wissenschaftlern trotz der Tatsache, dass es in Askjas Geschichte schon mehrfach Landhebungen- und senkungen ohne folgenden Ausbruch gegeben hat, Kopfzerbrechen bereitete. Doch das findet Ármann nun weniger merkwürdig, immerhin handle es sich bei der Askja auch um einen ungewöhnlichen Vulkan.

„Weil es da diese riesige Spalte gibt, die die Caldera bildet, da sieht man natürlich andere Dinge, je nachdem, ob man sich innerhalb der Caldera befindet, oder ausserhalb. Und besser macht es die Lage nicht, dass wir da oben einen ganzen See in der Caldera haben, und am Boden des Sees gibt es keine Messgeräte. Wir wissen also eigentlich nicht, was sich dort am Boden der Askja tut.“

Öskjuvatn erstreckt sich über 11 Quadratkilometer, die Caldera misst  45 Quadratkilometer.

Tephra bis in die Westfjorde und Polen
Der Hauptvulkan Askja ist bis zum schweren Ausbruch im Jahr 1875 unbekannt gewesen. Am 29. März schleuderte eine subplinianische Eruption eine zerstörerische Wolke aus Tephra und Asche über die Insel und vergiftete bis in die Westfjorde Weideland und Vieh. Die Aschewolke schaffte es bis nach Schweden, Deutschland und Polen. In der Folge fand eine der grössten Auswandererwellen in der isländischen Geschichte statt. Die am weitesten gereiste Tephra aus der Askja wurde in Rumänien gefunden und stammte aus einem Ausbruch von vor 11000 Jahren. In den Jahren 1921 bis 1930 hatten sich rund neun Lavaausbrüche an der Askja ereignet. Zum letzten Mal war Lava im Jahr 1961 an die Erdoberfläche gestiegen. Erdbeben in der Herðubreið und an der Bergkette Upptyppingar weisen darauf hin, dass sich das gesamte Gebiet in Bewegung befindet.

Die Askja und ihr Umland gehört zu den beliebtesten touristischen Gebieten im Nordteil des zentralen Hochlands. Im vergangenen Sommer hatten Experten Sorge über die Tatsache geäussert, dass es im Fall einer Eruption keinen Fluchtweg aus der Caldera gibt, und auch keine normale Mobilfunkverbindung.