Geimpfte von ausserhalb des Schengenraumes dürfen nach Island einreisen

Islands Justizministerin Áslaug Arna Sigurbjörnsdóttir hat heute morgen angekündigt, dass alle geimpften Personen, die ausserhalb des Schengenraumes leben, nach Island einreisen dürfen. Sie müssen an der Grenze einen gültigen Impfausweis über die Impfung gegen COVID-19 vorlegen, berichtet RÚV. Testpflicht und Quarantäne entfallen für diese Personen.
Die Entscheidung war am Morgen nach der Kabinettssitzung gefällt worden.

Áslaug Arna sagte, einige Länder, wie etwa Zypern, hätten diesen Schritt bereits unternommen. “Und wir müssen das auch tun, Leute hierherholen, die geimpft sind oder Antikörper haben, und sie Island mit uns zusammen geniessen lassen.”

Sie sagt, gefälschte Dokumente hätten für diese Personen die gleichen Auswirkungen wie für jeden anderen Einreisenden, die Strafe beträgt mehrere 100.000 Kronen. Es liege jedoch eine grosse Chance in der Tatsache dass Länder wie Grossbritannien schon viel weiter in ihrer Durchimpfung gekommen seien als viele Länder in Europa.

Einen Zeitpunkt für die angekündigte Massnahme gab die Ministerin bislang nicht bekannt.

Chefepidemiologe hat eher wenig Vertrauen in Impfdokumente
Islands Chefepidemiologe Þórólfur Guðnason hatte zuvor kein Hehl daraus gemacht, dass er diese Dokumente anzweifle. Als die jetztige Regel mit dem negativen COVID-Test aus dem Herkunftsland, sowie der zweifachen Testung mit Quarantäne eingeführt wurde, hatte er vorgeschlagen, auch geimpfte Personen testen zu lassen. Die Gesundheitsministerin hatte sich auf den Vorschlag nicht eingelassen.
Gestern hatte er Vísir zufolge angegeben, er würde lieber zunächst einmal Impfatteste und Antikörperatteste aus dem Schengengebiet bei der Einreise akzeptieren.

Auf die Frage, ob die Regierung mit dieser Entscheidung auf Druck aus der Tourismusindustrie reagiere, antwortete Áslaug: “Die Gesundheitsministerin und ich sind der gleichen Ansicht dazu, dass das gleiche gültige Dokument akzeptiert wird, ganz gleich, ob es aus Europa oder von ausserhalb kommt.”

Tourismusindustrie profitiert von den jetzt zugelassenen Märkten
Tourismusministerin Þórdís Kolbrún Reykfjörð Gylfadóttir präzisierte die Entscheidung.
Sie sei wichtig für die Tourismusindustrie, vor allem wichtige Märkte wie Grossbritannien, wo die Durchimpfung gut verlaufe, könnten einen Aufschwung für Island bringen.

“Das ändert viel für die Tourismusindustrie. Das vergrössert viele Gelegenheiten dort, für bestimmte Gruppen zu investieren und sich zu vermarkten. Aber das ist auch eine Sache der Fairness gegenüber Leuten, die zwischen Ländern reisen, ob es nun Ausländer sind, die hierherkommen, oder Isländer, die ins Ausland reisen. Wenn du ein Attest hast, welches beweist dass du Antikörper hast oder geimpft worden bist, dann sollst du frei reisen können, und ich gehe davon aus, dass das die Lage bedeutend ändern wird,” sagte die Tourismusministerin.

Zunächst sollen nicht alle Impfatteste akzeptert werden, sondern nur solche, nach denen mit in Europa zugelassenen Impfstoffen behandelt wurde.
“Wir arbeiten mit der europäischen Arzneimittelbehörde zusammen, sodass die Impfstoffe, die in unserem Gebiet nicht zugelassen sind, auch noch nicht im Impfausweis gültig sind. Bislang sind wir an den gelben Impfausweis der WHO gebunden gewesen, und bislang war das nur Pfizer, und nun fügen wir die anderen Impfstoffe hinzu, die die europäische Arzneimittelbehörde zugelassen hat, sodass das jetzt eine grössere Gruppe von Leuten ist, und mehr Impfstoffe, aber sicher nicht die, welche von der Europäischen Arzneimittelbehörde noch nicht zugelassen worden sind, aber das ist natürlich auf dem Weg und wird kommen,” sagte Þórdís.

Im vergangenen Juni hatte Island sich, obwohl kein EU-Mitgliedsstaat, der EU-Bestimmung angeschlossen und keine Reisenden von ausserhalb des Schengenraumes ins Land gelassen. Im Verlauf des Jahres 2020 waren einige Länder von ausserhalb Schengens zur Einreise zugelassen worden, weil die Bekämpfung der Pandemie dort besonders gute Erfolge gezeigt hatte. Auch für Einreisen nach Island hatte es Ausnahmegenehmigungen gegeben, etwa für Experten und Fachleute, aber auch für Filmcrews, sowie für Partner und Familienangehörige von in Island gemeldeten Personen. Für Touristen von ausserhalb des Schengenraumes, ganz gleich ob geimpft oder mit Antikörperdokument, war die Einreise nicht gestattet.

Buckelwal in Sandgerði angetrieben worden

Ein Buckelwal ist vor einigen Tagen bei stürmischem Wetter tot am Strand von Sandgerði auf der Halbinsel Reykjanes angetrieben worden. Vorgestern hatten sich Wissenschaftler des Marineforschungsinstituts zu dem Kadaver begeben, um ihn näher zu untersuchen. Der Wal gilt mit 16 Metern Länge als relativ klein.

Nun liegt der tote Wal seit vier Tagen unterhalb des Leuchtturms, und es besteht die Gefahr, dass er durch die Gasentwicklung im Inneren ohne Vorwarnung platzt, daher werden Schaulustige gebeten, dem Kadaver fernzubleiben.

Beim Regionalmagazin Vikufréttir gibt es Nahaufnahmen von dem Buckelwal sowie ein Video von den Färöerinseln, bei Vísir kann man kurze Drohnenvideos anschauen.

 

Reykjanes: Ausbruch kann jederzeit ohne Vorwarnung beginnen

Die Lage im Erdbebengebiet von Reykjanes hält die Insel auch weiter in Atem. Die Bebentätigkeit ist von der Stärke her etwas zurückgegangen, doch zwischen den Bergen Keilir und Fagradalsfjall hat sich ein Magmagang gebildet, der in den vergangenen Tagen immer grösser geworden ist. Die dort einströmende Magma enspricht Berechnungen zufolge der vierfachen Menge an Wasser im Reykjavíker Fluss Elliðará.

Magma strömt nach oben
Der Magmagang, der von den Wissenschaftlern genaustens überwacht wird, hat eine Länge von sieben Kilometern und eine Breite von einem Meter. In den vergangenen zwei Wochen hat er sich unter dem Magmazustrom zwei bis drei Kilometer nach Süden verschoben. Am Boden des Ganges, in etwa fünf Kilometern Tiefe, befindet sich eine Magmakammer, aus der 15 bis 20 Kubikmeter Magma pro Sekunde nach oben strömen, wie schon erwähnt, die vierfache Menge der durch schnittlichen Wassermenge in der Elliðará. Inzwischen soll der Gang im südlichen Teil in der Nähe des Berges Keilir nur noch einen Kilometer von der Erdoberfläche entfernt sein. Die Magma im Südteil ist auch heisser, daher ist es wahrscheinlicher, dass sie dort an die Oberfläche gelangt.

Südende ist aktiver
Wenn die Magma auch weiterhin in den Gang strömt, wird dieser weiter voraussichtlich nach Süden wachsen, und Magma wird sich dahinwenden, wo der Widerstand am geringsten ausfällt. “Die meiste Aktivität wurde am Südende gemessen,” erklärte der Geophyisker Freysteinn Sigmundsson vom Geowissenschaftlichen Institut der Universität Islands. “Es könnte sein dass die Magma im Nordteil des Ganges sich verfestigt, und da ist es unwahrscheinlicher dass sie dort an die Oberfläche strebt. Sodass es das Südende des Ganges ist, welches wir betrachten, wegen der seismischen Aktivität, und auch die Bewegungen in der Erdkruste zeigen, dass dort die meisten Veränderungen in den vergangenen Tagen stattgefunden haben,” sagt Freysteinn.

Ausbruch könnte ähnlich wie Fimmvörðuháls ausfallen
Sollte es zu einem Vulkanausbruch kommen, könnte dieser ähnlich gross werden wie der Ausbruch am Fimmvörðuháls, und er wird gespeist durch die Magma, die in den Magmagang strömt. Dies könne eigentlich jederzeit und ohne grosse Vorwarnung geschehen.
“Da die Magma bereits so nah ist, vielleicht einen Kilometer bis zur Oberfläche, da kann man damit rechnen, dass es keine klaren Anzeichen geben wird, keine klaren Vorboten für die Veränderung, an die Oberfläche zu kommen. Kleine Beben, etwas Tremor und dann kann der Ausbruch mit sehr kurzer Vorwarnzeit kommen,” erklärte Freysteinn.
Im Nachrichtenlink gibt es eine Animation der unterirdischen Aktivität. Die Erdbebentätigkeit kann man auf dieser Karte betrachten.

Reinigungsarbeiten in Seyðisfjörður gehen voran

Die Reinigungsarbeiten nach den grossen Schlammlawinen, die um Weihnachten herum auf das Städtchen Seyðisfjörður niedergegangen waren, sind gut vorangekommen und können bald abgeschlossen werden, hiess es bei einer Informationsveranstaltung der ostisländischen Polizei in der vergangenen Woche. Björn Ingimarsson, der Gemeindedirektor von Múlaþing, gab an, das Gebiet sehe besser aus als unmittelbar nach den Lawinen, doch immer noch müsse viel getan werden.

“Ich denke, das Gebiet kommt in Ordnung, aber natürlich wird es nicht mehr so werden wie es einmal war. Wir müssen uns bewusst machen, dass ein Teil des Gebietes unter den Schlammmassen liegt und nicht ganz befreit wird. Wenn wir uns das Gebiet anschauen, wo die Lawinen abgegangen sind, da ist das so.” sagte Björn im Gespräch mit RÚV.
Beteiligt an den Arbeiten sind Mitarbeiter der Gemeinde, sowie Experten des Amtes für Denkmalschutz und des Nationalmuseums, die damit befasst sind, Artefakte zu sichern.
Es sei gelungen, sehr viel zu reinigen, trotzdem sei ein grosser Sachschaden an den Häusern zu beklagen, und manche Gebäude könnten nicht wiederaufgebaut werden. In manchen Fällen warte man noch auf ein Gutachten der Versicherung. Zumindest bewegliches Eigentum könne in Sicherheit gebracht werden.

In der vergangenen Woche hatte das isländische Wetteramt Modelle erstellt, um die Gefahr weiterer Schlammlawinen zu berechnen. Ausserdem sollen sechs zusätzliche GPS-Geräte an den Hängen installiert werden, bislang befinden sich dort nur drei. Danach soll sich die Überwachung des Geländes einfacher gestalten, vor allem bei heftigen Niederschlägen und schlechter Sicht.

Der Sozialdienst des Múlaþing bietet den Bewohnern von Seyðisfjörður im Gesundheitszentrum Gespräche und psychologische Betreuung an. Björn zufolge haben viele von ihnen immer noch mit den Folgen der Lawinenkatastrophe zu kämpfen.
“Die Leute nehmen das mit viel Ruhe, aber das ist ein Langzeitprojekt, darüber hinwegzukommen und sich von den Auswirkungen zu erholen. Und wir werden den Leuten auch weiterhin dabei helfen. Man hat ja vollstes Verständnis dafür, dass das eine Katastrophe ist, und es dauert, sich da rauszuarbeiten. Aber ich denke, man kann guten Gewissens sagen, dass die Einwohner von Seyðisfjörður das ganz prima machen.” sagt Björn.

Stuðlagil erhält Finanzanschub für Infrastrukturverbesserung

Die Ministerin für Tourismus, Industrie und Innovation Þórdís Kolbrún Reykfjörð Gylfadóttir will den Aufbau einer touristischen Infrastruktur an der Schlucht Stuðlagil im unteren Jökuldalur mit 15 Millionen Kronen unterstützen. Den Landbesitzern der Region steht bei dem Aufbauprojekt die Stiftung Austurbrú zur Seite.

In einer schriftlichen Antwort des Ministeriums an RÚV heisst es, die Finanzierungshilfe sei dafür gedacht, Aufbaumassnahmen unter einen Hut zu bringen. Stuðlagil sei ein von alleine entstandenes Touristenziel, das äusserst beliebt geworden sei und weiteren Ausbaus bedürfe, damit sowohl sensible Natur geschützt als auch Sicherheit der Besucher gesichert werden könne.
Im vergangenen Sommer hatt sich Stuðagil zu einem beliebten Reiseziel entwickelt, und am Hof Grund gab es ein kleineres touristisches Angebot, nachdem immer mehr Besucher den Pfad an den Fluss herunterliefen.

Insgesamt hat die für ihre Basaltsäulen berühmte Schlucht im Jahr 2018 vier Zuschüsse aus dem Projektfonds für Touristenziele erhalten, darunter für den Bau eines Parkplatzes, für Schilder und für Sicherheitsseile an den steilen Abschnitten des Pfades
Stuðlagil ist erst nach Schaffung der im Hochland am Kraftwerk Kárahnjúkarvirkjun gelegenen Talsperre zum Vorschein gekommen, die Wassernutzung hatte den Flusspegel der Jökulsá á Dal dauerhaft gesenkt. Vor dem Kraftwerksbau hatte die Schlucht unter der Wasseroberfläche gelegen.

 

Risiko einer unmittelbar bevorstehenden Eruption sinkt weiter

Die Wahrscheinlichkeit eines vulkanischen Ausbruchs auf der Halbinsel Reykjanes innerhalb der nächsten Stunden schwindet immer mehr, heisst es von Seiten des isländischen Zivilschutzes. Die Abteilung für Erdbeben und Naturkatatrophen beim isländischen Wetteramt hatte fünf mögliche Szenarien für die Halbinsel vorgestellt, die unverändert bestehen bleiben. Eins der Szenarien beschreibt einen vulkanischen Ausbruch, der jedoch weder bewohnte Gebiete noch den Luftverkehr bedroht.

Gestern hatten sich seit Mitternacht mehr als 3000 Erdbeben in der Region ereignet, insgesamt wurden seit Beginn der Ereignisse vor einer Woche 20.000 Beben aufgezeichnet. Zur Zeit gibt es keinen Tremor, allerdings wird immer noch nicht unerhebliche seismische Unruhe aufgezeichnet. Experten weisen darauf hin, dass ein Tremor, wie er sich vorgestern gegen 14 Uhr ereignet hatte, sehr ernstgenommen werden muss, weil er auf eine kurz bevorstehende Eruption hindeuten kann.

Zivilschutz und wissenschaftlicher Beirat hatten gestern bei einem Treffen die Erdbebenlage auf der Halbinsel thematisiert. Ihrer Einschätzung nach weisen aktuelle Daten nicht darauf hin, dass sich in den kommenden Stunden ein Vulkanausbruch ereignen wird. Die Seismographen zeichnen immer noch Unruhe in dem Gebiet auf, diese hat sich jedoch nach dem Tremor am Mittwoch verringert. Die seismische Aktivität hat sich auch geografisch leicht verlagert.
Der wissenschaftliche Beirat prüfte die neusten InSAR Satellitenbilder aus dem Zeitraum zwischen dem 25. Februar und dem 3. März. Auf ihnen sind immer noch Hinweise zu finden, dass sich zwischen den Bergen Fagradalsfjall und Keilir eine Magmapassage bildet. GPS Daten stützen diese Theorie, sie zeigen eine relativ konstante Bewegung, auch wenn die sich in den vergangenen Tagen offenbar verlangsamt hat.

GPS Daten und die Satellitenbilder lassen jedoch darauf schliessen, dass es keine verstärkte Magmabewegung seit der seismischen Aktivität vom Mittwoch gegeben hat. Der Beirat bewertet die Daten dahingehend, dass sich die unmittelbare Gefahr einer Eruption in den kommenden Stunden bedeutend verringert hat. Seismische Unruhe und Magmabewegung sollen der Einschätzung nach jedoch weiter anhalten, und eine mögliche Eruption bleibt nach wie vor eins der fünf Szenarien.

In einer Mitteilung des Wetteramtes heisst es, dass Tremor wie der am Mittwoch aufgezeichnete sehr ernstgenommen werden müsste. Solche Phänomene tauchten häufig als Vorläufer von Vulkanausbrüchen auf. Ein Tremor unterscheidet sich von seismischer Unruhe, er erscheint als konstantes Summen in niedriger Frequenz in einer Stärker niedriger als M2, anstatt einer eher unregelmässigen Frequenz und einem plötzlichen Spannungsabfall. Die andauernde Entwicklung müsse intensiv überwacht werden, man müsse auf einen erneuten Tremor wie den vom Mittwoch vorbereitet sein, heisst es in dem Schreiben.

Wissenschaftler vergleichen die Geschehnisse mit den Ausbrüchen des Kraflasystems in den Jahren zwischen 1975 bis 1985, wo die Aktivität aus starker seismischer Unruhe und Magmabewegung bestand, aber auch Tremor wurde damals aufgezeichnet. In einigen Fällen führte dies zu Ausbrüchen, in anderen endete es nicht mit einem Ausbruch.
Heute trifft sich der Beirat erneut, um aktuell vorliegende Daten zu besprechen.

 

Erdbeben auf Reykjanes: Warten auf einen möglichen Vulkanausbruch

Bei einer Informationsveranstaltung der Behörden zu einem potentiellen Vulkanausbruch auf der Halbinsel Reykjanes haben Zivilschutzchef Víðir Reynisson, die Leiterin der Abteilung für Naturkatastrophen beim Wetterdienst, Kristín Jónsdóttir, und der Geophysiker Freysteinn Sæmundsson die möglichen Szenarien einer vulkanischen Erupotion diskutiert, nachdem seit einer Woche schwere Erdbeben die Halbinsel erschüttert hatten. Ein Ausbruch hat noch nicht stattgefunden, doch glauben Wissenschaftler, dass Magma sich der Erdoberfläche nähert. Sollte sich ein Ausbruch ereignen ist bebautes Land nicht in Gefahr, und ein Aschefall wird als verschwindend gering eingeschätzt.

Gegen Mittag war in der überwachten Region eine Reihe von kleineren Beben und ein darauf folgender pulsartiger Tremor zu spüren gewesen.
Experten hatten die Region mit dem Hubschrauber überflogen, um zu prüfen, ob sich an der Erdoberfläche etwas finden lässt, doch ohne Ergebnis. Die seismische Unruhe ereignet sich auf einer Linie, die vom Berg Keilir zum Berg Lítli Hrútur reicht. In der Region ist eine Art Graben sichtbar, Risse konnten jedoch nicht festgestellt werden. Entsprechende Daten werden noch ausgewertet.

Zu Beginn der Woche war festgestellt worden, dass Magma in Richtung Oberfläche drückt. Der Tremorpuls weist darauf hin, dass die Magma die Oberfläche erreicht hat, man kann jedoch nicht sagen, ob sie an der betreffenden Stelle hindurchbrechen wird, oder anderswo. Diese Annahme beruht auf zu Anfang der Woche erstellten Modellen.
Víðir fordert die Bürger auf, der Region fernzubleiben. Zur Zeit gibt es dort nichts zu sehen, und die Wetterbedingungen sind ungünstig. Ausserdem müssen die Wissenschaftler in Ruhe ihrer Arbeit nachgehen.

Einen Zeitrahmen für eine mögliche Eruption gibt es nicht. Die Experten gaben an, es könne sich um Stunden handeln, oder um Tage. Eine mögliche Gasexposition bewohnter Gebiete hängt stark von der Windrichtung ab, an entsprechenden Wettermodellen wird gearbeitet.

Begleitend zu dem Prozess wird auch die seismische Aktivität weiter andauern. Die Forscher halten es für möglich, dass sich in der Region Erdbeben der Stärke M6 oder M6,5 ereignen können.
Reykjanes sei bedingt durch die tektonische Plattensituation eine komplizierte Region. Im Fall eines “normalen” Vulkans würden die Beben möglicherweise abebben, wenn der Ausbruch beginnt, doch in dieser Region könnte es anders verlaufen. Dort wo die Erdbeben am häufigsten auftreten, hat sich ein Graben, eine lineare Absenkung des Landes, gebildet, Risse konnte man jedoch nicht entdecken. Die Fachabteilung des Wetterdienstes geht davon aus, dass sich diese Risse noch bilden werden.

Auch ein Zeitrahmen für die Dauer eines möglichen Ausbruchs ist schwer abzustecken. Man geht von einer möglichen Dauer von einer bis zwei Wochen aus. Víðir gab an, die Region werde nicht abgesperrt, weil die Behörden die Absperrung nicht überwachen könnten. Die Öffentlichkeit wird jedoch dringend gebeten, sich aus dem Gebiet fernzuhalten. Auch Dronenflüge sind bis auf weiteres polizeilich untersagt.
Momentan gilt die orangefarbene Stufe für den Luftverkehr. Sobald der Ausbruch beginnt, wird sie in Rot geändert. Der Flugverkehr wird vermutlich nicht lange gestoppt werden müssen. Vor allem warte man dann auf die Ascheprognose des Wetterdienstes, die Erstellung dauere um die 40 Minuten. Modellen zufolge könnte die Flugwarnstufe recht schnell wieder auf orangefarben geändert werden.

Informationen der Behörden zufolge sollen im Fall einer Gefährdung durch zB Gasentwicklung Textnachrichten an die Anwohner gesendet werden.
Am Abend betonte Víðir bei einem Interview noch einmal, dass nicht sicher sei, ob und wann es einen Ausbruch gebe, dass es sich dabei aber nicht um eine Naturkatastrophe handle. Bebauung oder Menschenleben seien nicht in Gefahr. Sollte sich etwas ereignen, werden alle Anwohner mit Textnachrichten in ihre Mobiltelefone benachrichtigt.

Látrabjarg in den Westfjorden unter Naturschutz gestellt

Der isländische Umweltminister Guðmundur Ingi Guðbrandsson hat gestern mit seiner Unterschrift den Felsen Látrabjarg in den Westfjorden unter Naturschutz gestellt. Látrabjarg ist einer der grössten Vogelfelsen in Europa. Ziel des neuen Schutzstatus für den Felsen ist es, die besondere und vielseitige Fauna des Gebietes und den Lebensraum der Vögel zu schützen, berichtet Vísir.

Im Jahr 2004 hatte das Parlament den Naturschutzplan 2004 bis 2008 beschlossen, seitdem war der Schutzstatus von Látrabjarg in Arbeit gewesen. Guðmundur Ingi unterzeichnete das Dokument zusammen mit den Vertretern von Bjargtangi, einem Verein der Land und Sommerhausbesitzer von Hvallátra in der Nähe des Felsens.

In einer Mitteilung des Umweltministeriums hiess es, dass sich am Látrabjarg ein breites Spektrum an Vögeln findet, welches unter anderem an dem vielseitigen Nahrungsangebot liegt. In dem Gebiet befindet sich das grösste Seevogelbrutgebiet des Landes und das grösste Brutgebiet der Tordalken weltweit. Sehr viele Arten brüten am und um den Felsen herum, die auf der Liste der bedrohten Arten stehen, wie der Papageitaucher und der Tordalk. Ausserdem befinden sich am Látrabjarg schützenswerte Siedlungsreste und Kulturdenkmäler. Auch die geologische Geschichte der Westfjorde spiegle sich in dem Felsen.

Minister und Vertreter von Bjargtangi unterschrieben ebenfalls eine Absichtserklärung zu Sachfragen rund um den neuen Naturschutzstatus und zur Zukunftsentwicklung der Region.

 

Bannkreis um mögliches Ausbruchsgebiet könnte Flugverkehr stören

Kleifarvatn - Krísuvík -  Reykjanes

Ein möglicher Lavafluss auf der Halbinsel Reykjanes hätte Auswirkungen auf den Betrieb des internationalen Flughafens. Lavafluss ist eins der Szenarien, die gestern vom wissenschaftlichen Beirat des Zivilschutzes vorgestellt worden waren.

Bei Beginn eines Vulkanausbruchs wird ein Kreis von 120 Seemeilen (220 Kilometer) um die Ausbruchsstelle gezogen, innerhalb dessen jeglicher Flugverkehr untersagt ist. Wenn der Flughafen innerhalb dieses Gebietes liegt, kann es keine Starts und Landungen auf dem Flugplatz geben. Diese Information gab der Pressesprecher des Flughafenbetreibers Isavia gegenüber mbl.is auf die Nachfrage nach möglichen Auswirkungen eines Vulkanausbruchs auf den Flughafen an.
Der Flughafen Leifstöð liegt etwa 40 Kilometer vom Berg Keilir entfernt, wo die Bebentätigkeit zuletzt sehr hoch gewesen ist.
Flugesellschaften würden, sollte es zu einem Ausbruch kommen, aufgefordert werden, Entscheidungen für ihren Betrieb zu fällen, wie etwa das Verbringen von Flugzeugen auf andere Flugplätze und ähnliches.

“Gleichzeitig geben Wetterdienst und andere beteiligte Institutionen Voraussagen für ein Aschefallgebiet heraus. Sobald diese Vorausschau veröffentlicht ist, wird der Bannkreis aufgehoben und Fluggesellschaften können selber entscheiden, ob sie das Aschefallgebiet durchfliegen. Der Flughafen in Keflavík wird geöffnet bleiben, wenn die Bedingungen es zulassen. Der Flughafen selbst könnte durch Aschefall auf Start- und Landebahnen betroffen sein,” hiess es von der Isavia.
Der Flughafen verfüge über einen guten Standort in Bezug auf einen möglichen Lavafluss, denn er liegt höher, daher bestehe nur eine geringe Wahrscheinlichkeit, dass Lava ihn vom umliegenden Gelände abschneiden würde. Es könnte jedoch dazu kommen, dass Zufahrtstrassen durch Lavafluss abgeschnitten würden. Der Flughafen selber ist mit Notstromaggregat gut ausgerüstet, alle wichtigen elektronischen Datenwege wurden verdoppelt.

Möglicher Ausbruch könnte Kraflafeuern ähneln
Der letzte Ausbruch auf der Halbinsel liegt 800 Jahr zurück, Experten können daher nur spekulieren, wie ein möglicher Ausbruch ablaufen könne. Der Vulkanologe Magnús Tumi Guðmundsson hält es Vísir zufolge für eher unwahrscheinlich, dass sich in dem Gebiet eine Eruption ereignen wird, und wenn doch, dann würde sie eher den Kraflafeuern ähneln und keine Explosionen mit sich bringen. Die Satellitenbilder zeigten jedoch ein Auseinanderdriften der Erdkrusten. Durch diesen Spalt könnte Lava an die Erdoberfläche dringen.

Zivilschutzleiter Víðir Reynisson sagte in einem Morgeninterview auf K100, zur Zeit werde die Infrastruktur der Halbinsel wie etwa die Stromleitung zum Flughafen hin, auf eine mögliche Gefährdung geprüft. Man müsse sich auf alles vorbereiten. Sollte sich den Modellen und Vorhersagen nach tatsächlich ein Ausbruch ereignen, gehe man jedoch davon aus, dass dieser eher klein ausfallen werde und weder Bebauung noch Sicherheit der Bevölkerung gefährde.
Ein Problem sehe er in der Windrichtung, die bei ungünstigen Verhältnissen der Lava entweichende Gase in Richtung Hauptstadt wehen könne. Für eine Gefahrenbeurteilung und für Warnungen seien die Umweltbehörde und der Chefepidemiologe zuständig.

In Grindavík hat das örtliche Rettungsteam gestern anlässlich einer Routineübung die Evakuierungszelte im Ortsinneren aufgebaut. Die 30 Mitglieder konnten die Zelte innerhalb von 30 Minuten errichten. Auch der Ort Grindavík verfügt über ein Notstromaggregat, für den Fall eines weiträumigen Stromausfalls.
Die Bebentätigkeit kann man auf der Karte des Wetterdienstes mitverfolgen.

Wissenschaftsrat stellt vier mögliche Szenarien im Erdbebengebiet vor

Der wissenschaftliche Rat des Zivilschutzes, der sich am Abend getroffen hatte, um mögliche Szenarien im Erdbebengebiet zu diskutieren, hält es für am wahrscheinlichsten, dass sich ein Magmagang unterhalb des Gebietes gebildet hat, in dem in den vergangenen Tagen die schwersten Erdbeben gemessen worden waren. Dies sei auch die wahrscheinlichste Erklärung für die Erdbebentätigkeit auf der Halbinsel Reykjanes. Der Wissenschaftsrat hatte sich aktuelle Satellitenbilder angesehen und bestätigt, dass auf diesen Bildern eine weiträumigere Verschiebung festzustellen sei als man bislang angenommen hatte, berichtet Vísir.

In einer Mitteilung des Rates heisst es, dass es aller Wahrscheinlichkeit nach einen Magmaeinschuss unter dem Berg Fagradalsfjall gebe. Für die Entwicklung der kommenden Tage gebe es vier mögliche Szenarien:
– Die Erdbebentätigkeit lässt in den kommenden Tagen und Wochen nach.
– Der Erdbebenschwarm verlagert sich, es gibt stärkere Beben, mit einer Stärke von bis zu 6 in der Nähe des Fagradalsfjall.
– Ein Beben der Stärke 6,5 ereignet sich, mit dem Zentrum in den Brennisteinsfjöll
– Ein Magmaeinschuss ereignet sich in der Nähe des Fagradalsfjall. Der Magmaeinschuss kann sich verringern und die Magma zur Ruhe kommen, oder als Lavastrom an die Erdoberfläche treten, jedoch in einer Region, wo er höchstwahrscheinlich keine Bebauung bedroht.

“Die derzeitige Aktivität auf der Halbinsel Reykjanesskagi ist eine Wende, und es ist schwer, die nächsten Ereignisse vorrauszusagen. Wir erwarten Mitte der Woche neue Daten, die ein besseres Licht auf die Bedingungen dieses Bebenschwarmes werfen,” heisst es in der Mitteilung des Rates.
Morgen will man sich wieder treffen und die vorliegenden Daten näher betrachten.

Seit Mitternacht haben sich 1800 Erdbeben in der Region ereignet, die allermeisten waren auf das Gebiet südwestlich des Berges Keilir und der Trölladyngja beschränkt. Von diesen 1800 Beben waren 23 Beben stärker als 3 und drei Beben waren stärker als 4. Das schwerste Beben ereignete sich gegen 17 Uhr und wurde mit 5,1 gemessen. Seinen Ursprung hatte es etwa einem Kilometer ostsüdöstlich des Keilir.

Livestreamkamera auf den Berg Keilir
Die Mitarbeiter der Regionalzeitung Vikufréttir erlebten das Geschaukel heute den ganzen Tag über, die Büroräume der Zeitschrift liegen im 4. Stock eines Bürohauses in Reykjanes. Chefredakteur Páll Hilmar Ketlisson sagte Vísir gegenüber, der ganze Tag sei in Bewegung gewesen.

“Das war das gleiche vor dem Wochenende, am Mittwoch,” sagte Páll. “Man war richtig seekrank nach diesem Tag, nachdem man die meiste Zeit dieses Tages hier verbracht hatte. Das ist ein hohes Haus und es bewegt sich ganz ordentlich.” Am Mittwoch hatte die Erdbebenserie begonnen und ein Beben der Stärke 5,7 geliefert, welches fast überall im Südwesten verspürt worden war.
Seine Mitarbeiter hätten keine Angst, aber die meisten hätten die Nase voll. Es sei jetzt langsam doch ein bisschen viel, und heute habe es ungewöhnlich lange gebebt.
Er hat nun ins Fenster der Redaktion eine Livestreamkamera installiert, die auf den Berg Keilir gerichtet ist. Hier gibt es den Link zur Livekamera.