Flugverkehr zwischen Keflavík und den Färöerinseln aufgenommen

Nach 20 Jahren Pause bedient Icelandair seit heute wieder eine Linienflugverbindung zwischen Keflavík und den Färöerinseln, berichtet Vísir. Die Flugverbindung findet in Zusammenarbeit mit der Atlantic Airways statt, die bislang zwei bis drei mal pro Woche den Reykjavíker Inlandsflughafen angeflogen hatte.

Wichtige Verbindung zwischen den Inseln
Die ersten Flüge hatten im Jahr 1963 mit kleinen Fokker-Maschinen stattgefunden, später übernahmen die Färinger den Flugverkehr, gründeten Flugfélag Foröyja und dann Atlantic Airways, die seit 2004 Island anflog. Heute landete zur Feierstunde eine Dash8 Q400 aus Island, mit der isländischen Aussenministerin an Bord.
„Das ist natürlich ein grosses, tolles Zusatzangebot, sowohl für die Färöerinseln und seine Bewohner, als auch für uns. Wir haben hier gehört, dass grosses Interesse besteht, vor allem aus den USA, die Färöerinseln in die Reise einzufügen. Das kommt also beiden Ländern zugute,“ sagt Aussenministerin Þórdís Kolbrún Reykfjörð Gylfadóttir.
„Ich finde, das ist ein sehr wichtiger Schritt für die Verbindung zwischen den Färöerinseln und Island. Island hat uns immer schon mit der Welt verbunden. Erst in Europa, die Isländer waren ja die ersten, die zwischen den Färöerinseln und Glasgow, Kopenhagen und Europa geflogen sind,“ freut sich der Aussenminister der Färöerinseln, Høgni Hoydal. Seine Regierung sei über die neue Flugverbindung sehr erfreut.

Keflavík bedient vor allem den US-Markt
Und zum ersten Mal wird nun von Keflavík aus geflogen. Icelandair-Pressesprecher Guðni Sigurðsson erklärt den Grund.
„Wir wollen uns dem Flugplan in Keflavík anbinden. Und da besonders Nordamerika und Grönland. Das ist genau so aufgestellt, dass die Flugzeiten zusammenpassen, und wir sehen schon jetzt eine grosse Nachfrage aus Nordamerika,“ sagt Guðni. Damit bediene man die Färinger, Grönländer, Isländer und die Amerikaner, Flugzeuge seien besser ausgelastet, Flüge rentabler.
Alle 76 Plätze der heutigen ersten Maschine waren ausgebucht, rund die Hälfte der Passagiere kam aus den USA und Kanada.
Guðni betont, man befinde sich nicht im Wettbewerb mit Atlantic Airways, sondern in Zusammenarbeit, wie schon zuvor, man erhöhe jetzt aber die Flugverbindungen, um die Nachfrage aus den USA besser bedienen zu können. Geplant sind tägliche Flüge nach Island.

Lachszucht: Lizenzdauer geändert, vollendete Tatsachen vor Ort

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An dem umstrittenen Gesetzentwurf zur Fischzucht, der dem Parlament zur Debatte vorliegt, hat der parlamentarische Wirtschaftsausschuss nach harscher Kritik aus Politik und Öffentlichkeit eine Änderung vorgenommen: die Lizenzdauer ist von ‚dauerhaft’ zurück auf ‚zeitlich begrenzt‘ gesetzt worden., berichtet Vísir.
Zuvor hatte die neue Ministerin für Fischerei und Landwirtschaft, Bjarkey Olsen Gunnarsdóttir, per Gesetz zeitlich unbegrenzte Fischzuchtlizenzen in Islands Fjorden erteilen und ausserdem den Quotenverlust bei Zuwiderhandlung durch Geldstrafen ersetzen wollen.

Nutzungsdauer gehört in die Verfassung
Die Abgeordnete der Reformpartei, Hanna Katrin Friðriksdóttir, die auch im Wirtschaftsausschuss sitzt, betont, selbst mit dieser Änderung müsse sichergestellt werden, dass der Staat auf schwere Verstösse und Zuwiderhandlungen immer noch reagieren könne. Viel stehe auf dem Spiel – die Natur, und auch das Auskommen von Anwohnern und ganzen Siedlungen, die von diesem neuen, wachsenden Wirtschaftszweig leben.
Ihrer Ansicht nach zeige dass „dieser Unfall, der sich da gerade anbahnt – ich sage es so, wie es ist, weil wir das nicht geändert haben -, ein klares Zeichen dafür ist, dass wir Regelungen über die zeitlich begrenzte Nutzung natürlicher Ressourcen in die Verfassung aufnehmen müssen. Nur so kann sichergestellt werden, dass sowas nicht passiert. Das Parlament kann alle möglichen Entscheidungen treffen, auch falsche,“ sagt Hanna Katrin. Sie glaubt, die Änderung bei der Lizenzdauer reiche nicht aus, um einen Konsens über den Gesetzentwurf zu erzielen. Es gebe weitaus mehr zu beachten, und die Angelegenheit sei ausgesprochen kompliziert.

Fischflucht soll richtig Geld kosten
Auch zu den geplanten Geldstrafen bei Fischflucht gibt es nun konkretere Informationen: Für jeden geschlechtsreifen Fisch, der in Flüssen gefunden wird, in denen das Risiko genetischer Vermischung besteht, könnten Unternehmen mit einer Geldstrafe von bis 750 Millionen ISK (5 Mio EUR) belegt werden. Eine Million bis 750 Millionen kostet jeder Fisch, ob geschlechtsreif oder nicht, der in Flüssen außerhalb der Risikobewertung gefunden wird.
Die Geldstrafe für die 3500 im vergangenen Sommer entkommenen Lachse im Patreksfjörður würde demnach gar nicht auf das Display eines Taschenrechners passen.
Ausserdem muss jeder Fjord mindestens 90 Tage Ruhezeit zwischen zwei Fischgenerationen halten. Und natürlich kann ein Unternehmen auch weiterhin seine Lizenz verlieren, wenn es die Regeln nicht einhält. Bislang sind solche Fälle jedoch nicht vorgekommen.

Landbesitzer vor vollendeten Tatsachen
Derweil geht der Kampf um die Aufsetzung einzelner Meeresgehege weiter. Heute hat Gunnar Örn Hauksson, der Landbesitzer von Sandeyri in den Westfjorden, eine schwere Schlappe erlitten, als er die vom westfirdischen Landrat verlangte Bürgschaft zur Sicherung einer einstweiligen Verfügung nicht aufbringen konnte und nun tatenlos zusehen muss, wie der Fischkonzern Arctic Sea Farms Zuchtnetze auf seinem Strandgelände mit Jungfischen vollpumpt.
Gunnars Anwältin Katrín Oddsdóttir hatte für diese Meeresgehege eine einstweilige Verfügung erwirken wollen, weil Arctic Sea Farms nicht geprüft hatte, ob das Fischzuchtgebiet innerhalb von Gunnars Landgrenze liegt. An dem Küstenstreifen fällt der Tidenhub besonders gross aus, und sein Land reicht weit ins Meer hinein.

Sandeyri-Lachs: 100 Millionen für eine Bürgschaft
Der Landrat hatte für die einstweilige Verfügung eine Bürgschaft von 100 Mio Kronen (670.000 EUR) verlangt. Allerdings standen weder er noch seine Vertreterin für eine Antwort darauf zur Verfügung, woher diese Summe stammt. Katrin glaubt, dass es einzig darum geht, den Anspruch auf einstweilige Verfügung zunichte zu machen, die Summe sei unverständlich, und in der Regel handele es sich bei diesen Bürgschaften eher um eine Alibigebühr.
Möglicherweise stamme die Summe von Arctic Sea Farms, was merkwürdig sei, weil das Unternehmen ja bereits seinen Fisch in die Netze gepumpt habe. Sicher sei allerdings, dass die zuvor unberührte Natur dort jetzt zerstört sei.

„Ich hab keine 100 Millionen dafür,“ sagt Gunnar Vísir gegenüber. „Das wäre natürlich gut für die isländische Nation gewesen.“ Nun gebe es niemanden mehr, der die Fischzucht in dem Naturparadies noch stoppen könne.
 „Das war unser letzter Rettungsanker, und der ist jetzt weg. So sieht die Sache aus, man hat dafür gekämpft, man hat verloren. Man hat sein Bestes gegeben, und die haben gewonnen. Das war ein norwegischer Sieg heute,“ sagt Gunnar.

Rekordsommer am Flughafen Keflavík erwartet

Für diesen Sommer erwartet Islands Reisebranche 8,5 Millionen Gäste am internationalen Flughafen in Keflavík. Dazu zählen natürlich auch reiselustige Isländer, die über die Sommerferien das Land verlassen.

Die Passagierprognose des Flughafenbetreibers Isavia rechnet mit 2,4 Millionen ausländischen Besuchern, die Island bereisen. Sollten sich die Prognosen bewahrheiten, dürfte der Sommer 2024 der drittgrösste in der Geschichte des Flughafens sein und der grösste Touristensommer überhaupt, berichtet mbl.is.
Ganze 28 Fluggesellschaften fliegen Keflavík in diesem Sommer an, pro Tag sind durchschnittlich 178 Starts gebucht.

82 Destinationen im Ausland
In einer Mitteilung der Isavia heisst es dass man von Keflavík aus 82 Destinationen anfliegen kann, rekordverdächtige 28 Fluggesellschaften bieten Direktflüge an. Davon bieten 25 Fluggesellschaften Linienflüge, und drei haben eine begrenzte Anzahl an Verbindungen im Angebot. Und so manches Unternehmen hat speziell für diesen Sommer Destinationen ins Programm genommen.
„Wir freuen uns darauf, noch mehr Gäste in diesem Sommer begrüssen zu können. Die Passagierprognose sieht für die Sommermonate, April bis Oktober, einen Anstieg der Fahrgastzahlen um je 391.000, das sind 7,2% mehr als im Vorjahr,“ schreibt Greta Már Garðarsson, der Vorsitzende für Fluggesellschaften und Destinationsentwicklung bei der Isavia in der Mitteilung.

Icelanda­ir bedient über die Hälfte aller Flüge
Starts und Landungen werden sich in diesem Sommer auf 37.000 belaufen, das sind 5% mehr als im Vorjahr und 36% mehr als im Jahr 2019. Dabei entfallen 58% aller Flugbewegungen auf die isländische Luftlinie Icelandair, Play betreibt 18,8% aller Starts und Landungen, auf andere Fluggesellschaften entfallen zusammen 23,3%.
Das Gesamtplatzangebot beträgt 6,7 Millionen, das sind 4% mehr als im Vorjahr und 26% mehr als im Jahr 2019.
Die isländische Fluggesellschaft Icelandair wird in diesem Sommer voraussichtlich alle Rekorde schlagen und ihre Flüge um 8% im Vergleich zum Vorjahr und um 20% im Vergleich zu 2019 steigern. Auch die Fluglinie Play hat ihr Angebot ausgeweitet und kann 5% mehr Flüge als im Vorjahr anbieten.

 

Lachszucht: 450.000 tote Lachse nach besonders kaltem Winter

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Rund 300.000 Zuchtlachse sind im März diesen Jahres in Meereszuchtgehegen des Lachskonzerns Arnarlax in den Westfjorden verendet. Unter anderem werden Wintergeschwüre für das Massensterben verantwortlich gemacht. Im gesamten Land verendeten im letzten Monat etwa 450.000 Zuchtlachse, das ist doppelt soviel wie im gleichen Zeitraum des letzten Jahres und etwas weniger als im Jahr 2022, berichtet Heimildin.

Qualvoller Tod in eisigem Wasser
Wintergeschwüre entstehen in besonders kalten Wintern mit entsprechend niedrigen Meerestemperaturen, die sich negativ auf den Zuchtlachs auswirken. Von den 450.000 verendeten Zuchtfischen im Land hatten sich zwei Drittel im Besitz des Arnarlax Konzerns befunden. Die meisten toten Lachse (290.000) verendeten im März im Arnarfjörður. Ende Februar schwammen 18 Millionen Zuchtlachse in den Meeresgehegen rund um die Insel, 2,5 Prozent des Gesamtbestandes sind im letzten Monat verendet.
Diese Zahlen stammen aus einer Mailantwort der Veterinäraufsichtsbehörde (MAST) an Heimildin. Der Behörde ist es nicht gestattet, die Verluste nach Unternehmen aufzuteilen. Allerdings sei das Massensterben besonders gross bei Arnarlax gewesen. „Hauptgrund des Verlustes sind Moritella viscosa, Parvicapsulose und Tenacibaculum.“
Moritella verursacht Wintergeschwüre und ist verursacht besonders schwere Schäden in der isländischen Fischzucht, weil das Meer hier so kalt ist. Parvicapsulose ist eine Parasitenerkrankung, die hierzulande zum ersten Mal im Jahr 2019 diagnostiziert wurde. Die Bakterie Tenacibaculum verursacht Geschwüre an den Flossen und führt zum Tod des Fisches.

Sensible Daten nicht kommentiert
Die Fischzuchtstatistiken bei MAST sind wegen eines Systemfehlers derzeit deaktiviert, daher hatte Heimildin die Informationen per Email direkt von der Behörde erhalten. Arnarlax Direktor Björn Hembre wollte sich auf Anfrage des Magazins nicht äussern, weil es sich um wirtschaftlich sensible Daten handle. Sein Unternehmen werde den Schaden im Vierteljahresbericht Mitte Mai behandeln, liess er wissen.

Bemerkenswert sei, so schreibt Heimildin, dass diese Zahlen verendeter Zuchtlachs in isländischen Meeresgehegen zwar hoch seien, doch trotz des bakteriellen Hintergrunds seien sie nicht ungewöhnlich hoch. Im März 2022 seien rund 470.000 Zuchtlachse in Meeresgehegen verendet, damals hatte sich der Gesamtbestand auf 15 Millionen Zuchtfische belaufen. Der Anteil verendeter Zuchtfische hatte demnach bei 3,1 Prozent gelegen.

Tierschutz: MAST kann während der Lammzeit nicht eingreifen

Die Nachrichten vom schlechten Zustand einer Schafherde im westisländischen Borgarfjörður beunruhigt nach Angaben des Bürgermeisters Bewohner und die Behörden des Borgarbyggð gleichermassen.  Es sei jedoch nicht die Aufgabe der Gemeinde, hier Maßnahmen zu ergreifen.

Die vernachlässigten Schafe des Hofes Höfði im Borgarfjörður sind mehr als einmal in den Nachrichten aufgetaucht. Steinunn Árnardóttir, eine Organistin und Tierschützerin aus Borgarnes, hat seit langem ein Auge auf die Zustände. Höfðis rund 1000 Schafe sind in der Region bekannt dafür, wild umherzustreifen, nicht geschoren zu werden und alljährlich ihre Lämmer unbeaufsichtigt unter freiem Himmel zu gebären. So auch in diesem Jahr. Zum Gesamtbild gehören über den Wiesen kreisende Rabenschwärme, verwaiste Lämmer und rottende Kadaver. Der isländische Tierschutzbund forderte in einem Brief einmal mehr sofortige Massnahmen.

Schafe sind Behördensache
Bürgermeister Stefán Broddi Guðjónsson sorgt sich wegen der Angelegenheit, aber man müsse da auch auf die Behörde vertrauen, der Islands Tierwohl obliege.  „Weder die Gemeinde noch ihre Bewohner nehmen solche Nachrichten von vernachlässigten Tieren auf die leichte Schulter. Das Borgarbyggð ist eine der grössten landwirtschaftlichen Gemeinden des Landes, hier haben viele Höfe starke Interessen und grossen Ehrgeiz, vorbildliche Landwirtschaft zu betreiben, und sowas kommt selten vor. Natürlich berührt uns so eine Sache.“
Aber es sei nicht an der Gemeinde, Massnahmen zu ergreifen. Die Angelegenheit liege bei der Veterinäraufsichtsbehörde (MAST), die den betreffenden Hof in den vergangenen Jahren oft kontrolliert hat.  Wenn MAST zuwenig Befugnisse habe, um einzugreifen, dann müsse man eben Gesetze und Verordnungen ändern, fordert Stefán Broddi.

Kein Eingriff während der Lammzeit möglich
Die Direktorin der Veterinäraufsichtsbehörde MAST, Hrönn Ólina Jörundsdóttir, sagt RÚV gegenüber, man sei sich der Zustände bewusst, Massnahmen seien auch in Vorbereitung, die Tierhaltung des Hofes werde kontrolliert, und die Landwirte erhielten Unterstützung. Es sei jedoch schwierig, mitten in der Lammsaison Massnahmen zu ergreifen. Der nächste Schritt werde entschieden, sobald die Lammzeit beendet sei.

Im Mai vergangenen Jahres hatte Vísir sich mit Steinunn Árnardóttir unterhalten. Der Anlass war der gleiche, schlecht gefütterte Schafe, die nicht geschoren werden, die halbwild den ganzen Winter über und auch zur Lammzeit draussen unterwegs sind, und ihre Lämmer in Gesellschaft von hungrigen Raben und Hunden gebaren, dazu Tierkadaver. Niemand hatte eingegriffen.  Damals hatte Steinunn angegeben, diese Zustände seien schon seit vielen Jahren so, und obwohl der Inspektor von MAST regelmässig vorbeischaue, habe er gegen diese spezielle Schafhaltung nichts einzuwenden.

In einem Artikel der Tageszeitung Vísir aus dem Jahr 2004 steht zu lesen, dass die Höfði-Bauern schon damals regelmässig Besuch vom Bezirkstierarzt hatten, der den Zustand der über 2000 halbwild lebenden Schafe monierte.  Da hatte der Bauer auf Höfði die Nachbarländereien beschuldigt, sich nicht am Schaftrieb zu beteiligen, weswegen er seine Schafe nicht einsammeln und nicht zur Schlachtung bringen könne. Ausserem habe er gar nicht genug Stallplatz für die vielen Tiere. Der Hof hatte damals einen behördlichen Betreuer erhalten, der sich um das Tierwohl kümmern sollte.

Gesetz schreibt Kümmern und Einfangen vor
Das Tierschutzgesetz schreibt konkret vor, dass sich um hilflose oder verletzte Tiere sachgerecht gekümmert werden muss, dass Tiere ausserhalb der Weidesaison mindestens einmal am Tag mit Futter und Wasser versorgt werden müssen. Dazu gehört auch, sie vor Schaden, Krankheiten und anderen Gefahren zu bewahren und sie so zu halten, dass sie jederzeit versorgt werden können.
Die Gemeinde ist gesetzlich verpflichtet, entkommene Tiere einzufangen und aufzustallen, bis der Besitzer sie abholt. Hat der Besitzer sich nach zwei Wochen nicht gemeldet, darf die Gemeinde über den Verbleib der Tiere entscheiden. Zum Ende des Herbstes müssen dem Gesetz nach sämtliche Schafe zusammengetrieben und aufgestallt oder in sichere Einzäunungen verbracht werden. Islands Schafe dürfen nur den Sommer über in bestimmten Regionen frei umherstreifen.

Kommune der Tierschutzfälle
Borgarbyggð hat in den vergangenen Jahren einige der schlimmsten Tierschutzfälle der letzten Jahrzehnte erlebt. Im Oktober 2022 hatten im Einzugsbereich des auch für Höfði zuständigen Tierschutzinspektors von MAST 13 halbverhungerte Pferde euthanasiert werden müssen. Die Veterinäraufsichtsbehörde war seinerzeit erst eingeschritten, als isländische Nachrichtenmagazine und der Tierschutzverein (SDÍ) mit den katastrophalen Zuständen an die Öffentlichkeit getreten waren. Auf Hinweise aus der Bevölkerung war nicht reagiert worden.
Der letzte Tierschutzfall im Land stammt vom 19.4,2024, als im Nordwesten in einem Kuhstall 29 verendete Kühe aufgefunden wurden, 21 mussten vor Ort euthanasiert werden, weitere wurden ins Schlachthaus transportiert. Nicht klar ist, wie und wann zuletzt dieser betreffende Hof von MAST kontrolliert worden ist.

Der Pferdequälerfall von Borgarnes hatte seinerzeit dazu geführt, dass der nationale Rechnungshof eine Initiativprüfung der Tierschutzüberwachung bei MAST einleitete. Anlass für die Überprüfung war nach Angaben von Rechnungshofleiter Guðmundur Björgvin Helgason die Tatsache, dass die Tierschutzüberwachung der Behörde immer wieder in die öffentliche Kritik geraten sei.
Im November letzten Jahres erschien dann der Bericht, der MAST in Bezug auf die Tierwohlkontrolle ein vernichtendes Urteil beschied. Icelandreview hatte ausführlich berichtet.

 

Reykjanes: Polizei warnt vor Kraterwanderungen, Lage ungewiss

crater

Die Polizeidirektion in Suðurnes bittet inständig darum, nicht zum Ausbruchsgebiet an den Sundhnúksgígar zu wandern. Jederzeit können sich dort neue lavafördernde Spalten öffnen, oder mehr Lava aus dem aktiven Krater strömen.
Seit letztem November hat sich jedesmal dann ein Ausbruch ereignet, wenn die Magmamenge in der Kammer unter Svartsengi acht bis 13 Millionen Kubikmeter erreicht hatte. Gemessen daran ist die derzeitige Magmamenge mit 10 Millionen Kubikmetern an der Grenze zu einem neuen Ausbruch angelangt.

Lage ist ungewiss
Benedikt Ófeigsson, der Fachleiter für Verwerfungsmessungen beim isländischen Wetterdienst, sagte gestern in den Abendnachrichten, die Lage sei ausgesprochen ungewiss.
„Wir haben das bislang noch nicht erlebt, dass es einen Ausbruch und eine Landhebung zur gleichen Zeit gibt. Daher herrscht nun grosse Ungewissheit darüber, was als nächstes passiert. Am meisten bereitet uns wohl Sorge dass aus dem bestehenden Ausbruch ein weiterer so entsteht wie es begonnen hat,“ erklärte Benedikt. „Dass sich also mit geringer Vorwarnzeit eine zwei bis drei Kilometer lange Spalte öffnet, die erheblich Gefahr mit sich bringt.“ Vor solch einem Geschehen könne man nicht rechtzeitig warnen.
Auch der Professor für Geophysik, Páll Einarsson, äusserte sich besorgt. “Wenn der Druck in der magmagespeisten Kammer zunimmt, würde man erwarten, dass die Eruption nach und nach zunimmt, aber das ist nicht der Fall.“ Weder bei den Vulkangeschehen auf der Halbinsel Reykjanes noch an der Krafla in den Achtzigerjahren habe man dergleichen beobachtet. Auch Páll warnt davor, dass hier ohne Vorwarnung eine gefährliche Situation entstehen kann. „Dann besteht die Möglichkeit einer neuen Spalteneruption, und der Beginn von Spalteneruptionen ist am gefährlichsten, wenn in kurzer Zeit eine große Menge Magma entsteht, die sich über ein großes Gebiet ausbreitet und mit hoher Geschwindigkeit fliessen kann.”

Keine Rettung vor Lavastrom
Schon in der vergangenen Woche war davor gewarnt worden, sich auf den Weg zum Krater zu machen, weil ein möglicher Lavastrom so schnell unterwegs sein kann, dass es keine Rettung gibt. Auch die Wand des aktiven Kraters kann unter verstärktem Lavastrom jederzeit brechen und Lavafluten unter hohem Tempo in alle Richtungen entlassen. Hinzu kommt die Gefahr durch plötzlich ansteigende Gasentwicklung. Bislang hat die Gasverschmutzung durch den Vulkanausbruch nicht abgenommen, und empfindliche Personen sind angehalten, sich unter loftgaedi.is zur Luftqualität auf dem Laufenden zu halten.

Kläranlage in Selfoss ab 2026 in Betrieb

Selfoss - Suðurland - Ölfusá

Die südisländische Stadt Selfoss plant, eine Kläranlage zu bauen, berichtet Vísir. Bislang wird das Abwasser der 11.656 Einwohner ungereinigt und ungeklärt in den Fluss Ölfusá eingeleitet, zusätzlich zu den Abwässern des Schlachthauses, wenn dort zwischen September und November Schlachtsaison ist.

Vísir schreibt, dass die Zustände in der Gemeinde Árborg in den letzten Jahren nicht gerade vorbildlich gewesen seien, zumal das Abwasser ohne jede Klärung in den Fluss geleitet worden sei. Auch wenn die Ölfusá zu den wasserreichsten Flüssen Islands gehört, so sind nicht nur Einwohnerzahl, sondern auch Siedlungsbereiche und Wohnviertel in den letzten Jahren stark gewachsen. Doch nun soll sich alles zum Besseren wenden.

Ausschreibung: niemand wollte bauen
Sveinn Ægir Birgisson, der Vorsitzende des Árborger Versorgungsausschusses, kündigte an, man sei dabei, eine neue Kläranlage zu bauen. Die Ausschreibung dazu sei bereits im Jahr 2020 veröffentlicht worden, doch habe man kein Angebot erhalten. Derweil habe man schon mal mit den Erdarbeiten begonnen. Jetzt sei die Errichtung des Fundaments ausgeschrieben, gleichzeitig sei man dabei, eine Anlage auszuwählen, die das gesamte Klärwasser reinigt. Die Kläranlage soll im Jahr 2026 in Betrieb genommen werden.
„Wir beginnen mit einer Klärstufe eins, und werden die ein Jahr beibehalten, um zu sehen, was wir als nächstes in der Anlage benötigen, um das Abwasser von Selfoss zu reinigen, und dann werden wir bis zur dritten Klärstufe gehen.“ erklärt Sveinn. „Das ist natürlich das grösste Umweltprojekt, das die Gemeinde in den letzten Jahren angegangen ist. Das wird sicher 600.00 bis 800.000 ISK kosten, die mechanische Klärphase, die wir derzeit planen,“ sagt Sveinn.

Kaum gelöste Abwasserproblematik
Die Abwasserreinigung in Island ist vor allem angesichts des rasanten Bevölkerungswachstums, des Tourismus und der zunehmenden Industrieansiedlung ein bislang unzureichend bewältigtes Problem.
Dem Gesetz nach sind die Kommunen für Bau und Betrieb der Kläranlagen verantwortlich. Als aufsichtsführende und beratende Behörde zeichnet das Umweltamt verantwortlich. Die zweistufige Klärung von Abwässern ist ebenfalls im Gesetz vorgeschrieben.
Im Zwischenbericht zur Abwasserlage 2022 wird von einer Einwohnerzahl von rund 350.000 Menschen ausgegangen. Nicht enthalten sind die 1,7 Millionen Touristen des Jahres 2022 mit ihren rund neun Millionen Übernachtungen in Hotels und Gästehäusern.

Grosse Städte ohne Kläranlage
Dem Zwischenbericht zufolge sind 83% aller Einwohner einer Kläreinrichtung mit Grobreinigung angeschlossen, 14% der Einwohner sind keiner Kläranlage angeschlossen. Eine einstufige Abwasserreinigung gibt es für einen Prozent der Einwohner, zwei Prozent sind einer zweistufigen Abwasserreinigung angeschlossen.
Vollkommen ungeklärt läuft das Abwasser in den Orten Stykkishólmur, Ólafsvík, Ísafjörður, Hvammstangi, Sauðárkrókur, Húsavík, Þórshöfn, Neskaupstaðir, Höfn í Hornafjörður, Þorlákshöfn, Selfoss, Grindavík, Sandgerði und Garður ins Meer. Manche lebensmittelherstellende Betriebe grobreinigen ihre Abwässer ab Werk.
Eine nicht ausreichende Stufe zwei der Abwasserreinigung gibt es in Egilsstaðir, Hveragerði und Hvolsvöllur.
Der Grossraum Reykjavík verfügt über eine Grobreinigungsstufe vor der Einleitung ins Meer.

Klärschlamm ohne Daten
Zum Klärschlamm fehlen dem Zwischenbericht zufolge Daten über Aufkommen und Behandlung des Klärschlamms. In den meisten Fällen wird der Klärschlamm entweder im Meer entsorgt oder mit Wasser verdünnt. Die einzigen vorhandenen Zahlen stammen aus drei Gemeinden, in denen die Klärschlammmenge von 171 Tonnen im Jahr 2018 auf 373 Tonnen im Jahr 2022 angestiegen war. Der Klärschlamm wurde auf Deponien entsorgt.
Im Wasserplan 2022-2027 ist Abwasser als Hauptbelastungsfaktor für das Wasser in Island definiert.

 

Petition gegen Ammoniak-Fabrik im Hvalfjörður

Hvalfjörður

Einwohner im westisländischen Hvalfjarðarsveit haben eine Unterschriftensammlung organisiert, um gegen die geplante Wasserstoff- und Ammoniakanlage im Hvalfjörður zu protestieren, berichtet RÚV. Der Energiekonzern Qair Ísland will die Anlage in Grundartangi errichten, wo sich in einem sogenannten grünen Industriepark an die 20 Unternehmen angesiedelt haben, darunter ein Aluminiumschmelzwerk und ein Siliziummetallwerk. Im ersten von drei Schritten werden 280 MW Strom benötigt. Läuft das Werk einmal auf Vollbetrieb, benötigt es mit 820 MW mehr Energie als das Hochlandkraftwerk Kárahnjúkarvirkjun produziert.

Industrie mit hohem Stromverlust
Der Vorsitzende von Qair Ísland, Tryggvi Þór Herbertsson, gab an, die benötigte Energie werde aus Wasserkraftwerken, Erdwärmekraftwerken und Windparks gezogen. Diese Kraftwerke müssen erst noch gebaut werden.
Qairs Pläne sind auf heftigen Widerstand in der Bevölkerung gestossen. In der Unterschriftenliste wird vor der Sicht- und Lärmverschmutzung und vor Auswirkungen auf Flora und Fauna gewarnt, und auch auf den immens hohen Wasser- und Energiebedarf hingewiesen. Am Ende wird auch nur ein Viertel der Energie in sogenannte E-fuels umgewandelt.
„Ich denke, ein Viertel ist nicht die richtige Zahl,“ meint Tryggvi. „Aber es ist klar, dass bei der Herstellung von synthetischen Kraftstoffen viel Energie verloren geht.“ Er glaubt, die Zahl liege eher bei einem Drittel, aber der Energiewandel in verschiedenen Industrien benötige nun mal irgendeine Art von Kraftstoff. „Am besten wäre es, den Strom direkt nutzen zu können, etwa in der Schifffahrt, in Flugzeugen und ähnliches, aber leider ist das technisch nicht möglich, sodass die nächstbeste Option die Herstellung von synthetischen Kraftstoffen ist.“

Export als notwendiges Übel
Der Energiebedarf sei hoch, und um wettbewerbsfähig anbieten zu können, seien Skaleneffekte erforderlich, also Massenproduktion. Der synthetische Kraftstoff, der im Inland nicht abzusetzen ist, wird exportiert. Tryggvi sagt, die Energiewende sei in Island noch nicht weit genug vorangeschritten, um die gesamte Produktion im Land nutzen zu können. „Erstmal wird in grossem Stil exportiert. Hoffentlich gegen die Exporte dann mit dem Fortschritt der Technologie und mit der Energiewende stetig zurück.“

Grüner Kraftstoff mit Risiken
Einer Kurzeinschätzung des deutschen Umweltbundesamtes ist zu entnehmen, dass Ammoniak auch als Trägermedium für Wasserstoff genutzt wird, und in Flüssigform per Schiff einfacher transportiert werden kann.
Es handelt sich um ein farbloses, stechend riechendes Gas, das als giftig, korrosiv und umweltgefährdend beschrieben wird. Im Falle von Leckagen an und in Gewässern kann Ammoniak pH-Veränderungen verursachen, die das Leben im aquatischen Ökosystem stören bzw. abtöten. Ebenfalls wird darauf hin hingewiesen, dass durch die Nutzung von NH3 in den globalen noch nicht komplett erforschten Stickstoffkreislauf eingegriffen wird. Gebundener Stickstoff sammelt sich etwa als Nitrat in Gewässern und sorgt hier für Eutrophierungseffekte.

Walfang: Tierschutz im EWR-Vertrag gilt nicht für Jagd auf Meeressäuger

Whale

Die EFTA-Überwachungsbehörde hat eine Beschwerde der isländischen Naturschutzvereinigung bezüglich der Lizenzerteilung zum Walfang zu den Akten gelegt und den Fall abgeschlossen. Die Naturschutzvereinigung hatte die Ansicht vertreten, die Entscheidung, eine Lizenz für den Walfang zu erteilen, entspreche nicht europäischem Recht.

Tierschutzgesetz betrifft nicht Wale
Laut ESA ist es aber so, dass die Jagd auf Meeressäuger nicht unter das Tierschutzgesetz fällt, so wie es im Regelwerk des EWR-Vertrags für den europäischen Wirtschaftsraum steht. Die isländische Naturschutzvereinigung hatte im Mai 2023 ihre Beschwerde an die ESA geschickt, nachdem die Veterinäraufsichtsbehörde in einer Studie zu dem Ergebnis gekommen war, dass der Walfang nicht mit dem isländischen Tierschutzgesetz zu vereinbaren ist. Die Naturschutzvereinigung war der Meinung, die isländische Regierung habe mit der Lizenzerteilung gegen die Verpflichtungen Islands auf Grundlage des EWR-Vertrags verstossen.

Die Regulierungsbehörde weist darauf hin, dass das Regelwerk des EWR-Vertrags zum Tierschutz nicht für die Jagd auf Meeressäuger gelte, also auch nicht für Wale. Daher liege dieser Fall ausserhalb des vertraglichen Geltungsbereichs, und es gebe keine Voraussetzung dafür, den Fall weiter zu untersuchen. Nur drei Länder im europäischen Wirtschaftsraum betreiben noch Jagd auf Meeressäuger: Island, Norwegen und die Färöerinseln.

Hygiene ist Ländersache
Bezüglich der Beschwerde über mangelnde Hygiene aufgrund der Arbeit im Freien (die Walschlachtkörper werden bei Hvalur hf. unter freiem Himmel zerteilt) erklärt die ESA, dass es in der Verantwortung der zuständigen Behörden liege, sicherzustellen, dass Verarbeitungsbetriebe jederzeit die Bedingungen des EWR-Abkommens und die einschlägigen Vorschriften einhalten. Die ESA überwache öffentliche Institutionen und stelle sicher, dass diese im Einklang mit den EWR-Vorschriften arbeiten.

Wie das Dach verschwand
Islands einziges kommerzielles Walfangunternehmen Hvalur hf. zerteilt seine erlegten Wale in der Anlage im Hvalfjörður unter freiem Himmel. Das Fleisch ist für den menschlichen Verzehr vorgesehen. Im Jahr 2009 war eine Verordnung erlassen worden, nach der die Zerteilung von Walfleisch unter einem Dach zu erfolgen hat. Diese Verordnung war von Hvalur hf. aber nie in die Tat umgesetzt worden.

Im Mai 2018 erreichte den damaligen Fischereiminister Kristján Þór Júlíusson eine Email von Hvalur-Chef Kristján Loftsson, in der letzterer die Verordnung als uralt bezeichnete und darauf hinwies, dass sein Unternehmen Methoden entwickelt habe, die viel besser seien als das was in der Verordnung verlangt werde. Er bat den Minister darum, das Dach aus der Verordnung herauszunehmen. Beide Amtsvorgänger hätten die Idee gut gefunden, aber nicht weiter verfolgt. Es sei zudem sinnlos, eine neue Jagdlizenz zu beantragen, wenn die Verordnung diesbezüglich nicht geändert werde. Der Email folgte ein Änderungsentwurf für die Verordnung. Der Minister übernahm Heimildin zufolge Kristjáns Änderungsentwurf, holte das Dach aus der Verordnung heraus, und seither darf Walfleisch in Island unter freiem Himmel produziert werden.

 

Kreuzfahrtschiff in 2023 vor Viðey fast auf Grund gelaufen

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Nur etwa 10 Meter war im vergangenen Jahr ein 140.000 Tonnen schweres und 300 Meter langes Kreuzfahrtschiff mit 4.600 Passagieren an Bord davon entfernt, vor der Insel Viðey auf Grund zu laufen. Das Schiff war im Sturm vom Kurs abgekommen, und der Kapitän hatte die Situation offenbar unterschätzt. Die Besatzung des Schleppers Magni habe alles in ihrer Macht Stehende getan, um einen Grossunfall zu verhindern, berichtet RÚV.

Der Beinaheunfall war vom Untersuchungsausschuss für Verkehrsunfälle unter die Lupe genommen worden. Videoausschnitte der Sicherheitskamera zeigen die Zeitspanne von der Abfahrt aus dem Hafen bis zum Erreichen der Schifffahrtsrinne, sowie den Kampf der Schlepperbesatzung, das Kreuzfahrtschiff von den Untiefen fernzuhalten.

Rekonstruktion des Fast-Unfalls
Dem Bericht des Untersuchungsausschusses zufolge war die Norwegian Prima, unter der Flagge von Bahama segelnd, am Abend des 26. Mai mit Unterstützung des Schleppers Magni aus dem Kreuzfahrthafen Sundahöfn in Reykjavík gefahren. Aus Südwest wehte ein starker Wind. Der Lotse empfahl dem Kapitän, die Abfahrt zu verzögern. Der Kapitän entschied, sich an den Fahrplan zu halten, trotz des Wetters und gegen die Empfehlung des Lotsen. Das Schiff musste gedreht werden, bevor es aufs offene Meer fahren konnte. Kurz nach erfolgter Drehung fegten heftige Böen mit 50 Knoten aus West heran. Gleichzeitig erhöhte der Kapitän die Geschwindigkeit. Das Schiff trieb mit dem Wind nach Osten in Richtung der Untiefen, während der Schlepper mit voller Kraft dagegen hielt.

An der Aussengrenze der Schiffahrtsrinne trieb die Norwegian Prima über die Boje, und es war grosses Glück, dass sich eine von der Boje herabhängende Kette nicht in der Schiffsschraube verhedderte.  Da war bereits klar, dass die 140.000 Bruttoregistertonnen schwere Norwegian Prima mit 4600 Mann an Bord weit vom Kurs abgekommen war und sich in grösster Gefahr befand, in den Untiefen zu stranden. Der Kapitän, der zum ersten Mal den Reykjavíker Hafen befuhr, versuchte, mit den Schiffsschrauben gegenzusteuern, doch das reichte nicht aus. Im dem Ermittlungsausschuss vorliegenden Video ist zu sehen, wie die Magni unter Volldampf versucht, das Schiff wieder auf Kurs in die Rinne zu drücken.

Kommunikation für alle verständlich
Im Bericht des Untersuchungsausschusses heisst es, nur noch zehn Meter hätten das Schiff von Untiefen getrennt, die dem Kiel weniger als einen halben Meter Platz gelassen hätten. Der Schlepper musste nach der Aktion repariert werden, das Kreuzfahrtschiff blieb unbeschädigt. Die Ermittlungen waren auf Betreiben der isländischen Behörden aufgenommen worden, berichtet Vísir.

Im Bericht finden sich Empfehlungen, wie solche Vorfälle verhindert werden können. Unter anderem gibt es eine Empfehlung an die Reederei, alle Informationen auszuwerten, um ihre eigene Risikobewertung zu ergänzen. Empfohlen wird ebenfalls, dass der Hafen Faxaflói seine Arbeitsabläufe aktualisiert, um eine gute Kommunikation von Schlepper und Lotsen sicherzustellen. Diese Kommunikation muss in englischer Sprache und für jedermann verständlich erfolgen. Die Regierung wird aufgefordert, die Befugnisse der Lotsen dergestalt zu erweitern, dass diese unter bestimmten Umständen Schiffen die Ausfahrt verweigern können. Schließlich schlägt der Bericht eine Risikobewertung für alle Häfen vor, in denen Passagierschiffe vor Anker gehen.