Kälteeinbruch verursacht grosse Probleme

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Der schwere Kälteeinbruch, der einen grossen Teil des Landes seit Montagabend in Atem hält, bleibt noch ein paar Tage erhalten. Im gesamten Norden und Osten bereiten winterliche Verhältnisse vor allem dem Güterverkehr Probleme. Im Osten klagt die Tourismusbranche über Umsatzeinbussen.

Güterverkehr sitzt in Sperrungen fest
Nur wenig erinnert im Norden daran, dass eigentlich Sommer ist. Die Wetterprognosen ändern sich kaum, Sturm aus Nord/Nordost, Regen, Graupel, Schneefall und Schneematsch, und auch weiterhin gilt die orangefarbene Warnstufe für den Norden und Osten des Landes.
Seit Montagabend ist die Ringstrasse zwischen dem Norden und dem Ostland gesperrt, mit dem Effekt dass sich in den Lagern Warenlieferungen ansammeln, weil die LKWs im Osten festsitzen. Zum Beispiel müsste Fisch aus dem Norden zur Fähre nach Seyðisfjörður gebracht werden. Nachdem aus dem Transport auch heute nichts wurde, überlegt man nun, den Fisch nach Þorlákshöfn zu bringen und dort auf einen Frachter des Unternehmens zu verladen.

Heute Morgen musste am Flughafen von Akureyri ein Flug nach Portugal wetterbedingt abgesagt werden. Rund 170 Passagiere wurden mit dem Bus nach Keflavík gefahren, von wo aus sie dann heute Abend abfliegen. Am Mittag rückten Rettungsmitglieder aus, um Touristen aus dem Schnee auf der Mývatnsheiði am See Másvatn zu befreien. Dieser Teil der Ringstrasse ist derzeit nur für Geländewagen befahrbar. Auch die Badelagune Jarðböðin am Mývatn blieb heute wetterbedingt geschlossen. Und nicht mal seinen Frust konnte man am Mývatn ertränken, denn der staatliche Alkoholladen blieb ebenfalls geschlossen.

Wald und Vögel leiden unter dem Schnee
Immer noch liegt vielerorts teilweise tiefer Schnee. Im Staatsforst Vaglaskógur östlich von Akureyri sind heute morgen 40 Zentimeter Schnee gemessen worden, und dort schneit es auch weiter. Förster Rúnar Ísleifsson sagt, gestern habe es 25 Zentimeter geschneit, und heute noch mal soviel, und wie es aussehe, gehe das bis zum Freitag so weiter. Die ersten Bäume hätten unter der Schneelast nachgegeben.
Die grösste Sorge mache er sich um die Vögel, sagt Rúnar. Da sei nicht mehr viel zu retten für die Brutsaison, die in Island ja nur sehr kurz ist. Der Schnee sei so nass und bedecke die gesamte Region. Zumindest ist der Boden nicht gefroren, sodass Sumpfvögel wie Schnepfen mit ihren langen Schnäbeln noch Nahrung im Boden finden, aber für alle Fliegenfänger etwa sieht die Lage düster aus.

Umsatzeinbussen im Osten
Ostisland ist seit Montagabend auf dem Landweg vom Rest der Insel abgeschnitten. Viele Touristen, die in diesen Tagen auf der Ringstrasse die Insel umrunden wollten, haben ihre Reise abgebrochen und sind umgekehrt. Das führte zu einem Umsatzeinbruch in der Hotelbranche, die jetzt eigentlich Hochsaison hat.
Natürlich sitzen auch viele Touristen im Osten fest, denen etwa die Weiterfahrt nach Akureyri versperrt ist. Aber Gunnlaugur Jónasson, ein Gästehausbetreiber in Egilsstaðir erklärt, das Problem seien vor allem die Touristen, die jetzt ihre Reiseroute ändern, und gar nicht erst nach Osten fahren.
Manche hätten auch auf die Schnelle einen Flug nach Egilsstaðir gebucht und verbrächten dadurch aber weniger Nächte im Osten, das habe er gleich am Montag gesehen, als die Wetterwarnung und ihre lange Dauer veröffentlicht wurde.

In den Ostfjorden hat der Sturm erhebliche Schäden angerichtet, und er dauert immer noch an. Hörður Guðmundsson, ein Schreiner im Fljótsdalur, hat gestern seine Werkstatt als Ruine vorgefunden. Nach einem Brand im vergangenen Jahr hatte er eine starke Plane über die stehengebliebenen Wände gespannt, die dem Sturm nicht standhielt, dazu stürzte eine der Wände ein, der Wind drang unter die Plane und zerfetzte sie von unten. Die Eingangstür fand Hörður in einem nahegelegenen See.
Der Meteorologe Trausti Jónsson sagte mbl.is, ein solches Wetter komme durchaus öfter vor als man denke, aber man tendiere dazu, diese Ereignisse zu vergessen. Seinen Recherchen nach sei mit derartigen Wetterkapriolen alle acht bis 14 Jahre zu rechnen.

 

 

Zwei Tage altes mutterloses Rentierkalb im Rentierpark bei Egilsstaðir

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Ein zwei Tage altes Rentierkalb ist der neuste Bewohner des Rentierparks auf dem Hof Vínland in der Nähe von Egilsstaðir, berichtet Vísir. Der Neuzugang beglückt dort seine Menschen, obwohl es sehr viel Arbeit ist, ein mutterloses Rentierkalb aufzuziehen.

Für weitere Findelkälber vorbereitet
Kolbrún Edda weiss ein Lied davon zu singen, sie ist eine der Tierpflegerinnen, die sich in den Park um solche Fälle kümmern. Vor rund zwei Wochen war ein Telefonanruf eingegangen, dass das Kälbchen alleine am Berg in der Nähe von Ormsstaðir gefunden worden war. Eddas Grossvater, Björn Magnússon, war sofort ins Auto gesprungen. Er hatte im Jahr 2021 bereits zwei männliche Kälber aufgezogen, die nur wenige Tage alt waren, und Björn hatte die Mutterrolle für Mosi und Garpur übernommen. So wird es auch diesmal laufen, weiss Edda.
„Mein Grossvater hat im letzten Jahr den Park vergrössert und verbessert, und die Besucherzahlen haben all unsere Erwartungen übertroffen,“ sagt Edda. „Während er sich um unsere zwei Jungs gekümmert hat, hat er die Hütte und weitere Paddocks gebaut, falls weitere Kälber gefunden werden, und dort hat er die letzten Wochen auch gewohnt, mit der kleinen Rentierfärse.“

reindeercalf, hreindýrakálfur, Hreindýragarðurinn
Screenshot Instagram, Hreindýragarðurinn

Tag und Nacht-Job
Die Kleine war höchstens zwei Tage alt, als sie in den Park kam. „Sie hat sich sehr gut entwickelt, und ist heute zwei Wochen alt. Das ist unglaublich viel Arbeit, ein mutterloses Rentierkalb zu betreuen, mein Grossvater ist Tag und Nacht bei ihr, und kümmert sich und passt auf, dass sie alles bekommt was sie braucht.“ Da gebe es nicht viel Unterschied zu einem Säugling: alle zwei Stunden gibt es Milch, dann schläft man, dann geht es raus zum Herumtollen.

Der Rentierpark ist eine Attraktion im Osten, der nicht einmal besonders Werbung machen muss. Selbst im vergangenen Winter kamen Besucher, und im letzten Sommer besuchten rund 4000 Touristen den Park.
Das Kälbchen hat bislang noch keinen Namen, aber auf der Instagram-Seite des Rentierparks kann man einen Namensvorschlag abgeben.

Juni-Unwetter und erste Strassensperrungen im Norden

Die isländische Wetterbehörde hat die Warnstufe für den grössten Teil des Landes auf orangefarben erhöht. Für heute Abend wird ein Sturm aus Nord/Ost erwartet, der grosse Mengen Niederschläge mit sich bringt, aufgrund sinkender Temperaturen muss im Norden und Nordosten der Insel mit Schnee bis in die Niederungen gerechnet werden. Das Unwetter könnte sich bis zum Ende der Woche hinziehen.

Daher stehen schon jetzt folgende Strassensperrungen fest:
Ab heute Abend 20.00 Uhr wird die Ringstrasse am Mývatn und im Möðrudalsöræfi gesperrt. Morgen früh um 9.00 Uhr gibt es da dann neuen Informationen.
Ab 22.00 Uhr wird die Öxnadalsheiði gesperrt.

Die Behörden bitten alle darum, heute Abend und Nacht nicht unnötig unterwegs zu sein, weil ein Räumdienst nicht garantiert werden kann.
Im Südosten gilt eine Sperrung der Ringstrasse zwischen Skaftafell und Djúpavogur als wahrscheinlich, für den Abschnitt zwischen Höfn im Hornafjörður und Djúpavogur wird Orkan erwartet, zwischen den Eyjafjöll und Reyðarfjörður, also der ganzen Südküste entlang muss mit einer Windgeschwindigkeit von 30 m/s gerechnet werden.
Aktuelle Informationen zu Strassenzustand und Wetter findet man auf umferdin.is, die neue englischsprachige Webseite wet.is bietet ausführliche Wetterprognosen.

Reykjanes: Drei Krater, Unwetterwarnung, Blaue Lagune geöfffnet

Blue Lagoon, bláa lónið

An der Kraterreihe Sundhnúksgígaröð sprudelt Lava weiterhin aus drei Schloten und strömt in zwei Richtungen. Von den südlichen Kratern aus ist Lava nach Süden und Südwesten unterwegs, aus dem nördlichen Krater strömt sie nach Osten, berichtet Vísir.
In der vergangenen Nacht hat sich eine Spalte am Schutzwall von Grindavík geöffnet, und Dampf war beobachtet worden. Bislang ist dort nach Angaben der diensthabenden Expertin beim Wetterdienst, Brýndís Ýr Gísladóttir, jedoch kein Lavafluss zu verzeichnen.

Schlechtwetterwarnung für ganz Island
Für die gesamte Insel besteht schon heute wegen Unwetters die gelbe Warnstufe, der Wind dreht auf West, damit zieht die Gaswolke nach Osten, auf die Städte Hveragerði, Selfoss und die Gemeinde Ölfus zu. Informationen gibt es auf loftgaedi.is. Die Gaszusammensetzung aus der Eruption ist allerdings bislang weitgehend unbekannt, schreibt Vísir.
Die Bergregionen der Halbinsel Reykjanes sind wie Hochland zu betrachten, bei schlechtem Wetter kann das Wandern dort lebensgefährlich sein.

Blaue Lagune öffnet Betrieb
Heute öffnet nach Erlaubnis der Behörden die Blaue Lagune ihre Tore wieder für Badegäste, nachdem am 29. Mai evakuiert worden war. In einer Mitteilung der Polizei von Suðurnes heisst es, man habe alle Sicherheitsvorkehrungen überprüft.

Um ausreichend Fluchtwege sicherzustellen, haben Polizei, der Energieversorger HS Orka und die Blaue Lagune einen einstreifigen Schotterweg von Svartsengi aus angelegt, der an den Nesvegur westlich von Grindavík anschliesst. Die Zufahrtsstrasse zur Lagune sowie der Nesvegur waren von Lava überrollt worden.
Die Schotterpiste ist nicht für den Allgemeinverkehr, sondern ausschließlich für Badegäste der Lagune zugänglich.
Es ist auch weiterhin nicht gestattet, vom Parkplatz der Blauen Lagune in Richtung Ausbruchsgebiet zu laufen. Zugang zu dem Gebiet haben nur Einsatzkräfte, sowie Wissenschaftler und Mitglieder des Journalistenverbandes, jeweils mit einer behördlichen Genehmigung.

Sturm und Schnee aus dem Osten für die erste Juniwoche

Der isländische Wetterdienst warnt vor einer massiven Schlechtwetterfront, die am Montagnachmittag von Osten her heranzieht. Gegen Abend ist mit Sturm und Windgeschwindigkeit in Orkanstärke zu rechnen, im Westteil des Landes soll der Sturm nicht ganz so heftig ausfallen. Schon jetzt gilt die gelbe Warnstufe, zum wochenanfang könnte sie sich in einigen Landesteilen auf orangefarben erhöhen.

Schneefall bis zur Küste
Der kalte Nordwind bringt erhebliche Niederschläge für den Norden und das Ostland, die sich im Tiefland und den Küstenregionen als Starkregen zeigen, weiter ins Land hinein als Schnee. Bislang ist bei Temperaturen stellenweise um den Gefrierpunkt ungewiss, wie tief die Schneelinie reichen könnte, aber es kann zeitweise durchaus bis an die Küstenregionen schneien. Niederschläge und Sturm dauern bis Freitag an.
Wenn die Prognose eintrifft, dann ist dies ein für die Jahreszeit ungewöhnliches Unwetter, sowohl was Windgeschwindigkeit als auch das Zusammenspiel von niedrigen Temperaturen und Niederschlägen angeht.

Auswirkungen für alle
Das Unwetter dürfte sich auf Mensch und Tier im ganzen Land auswirken. Die ersten Gartenmöbel und Grills stehen bereits draussen stehen, und die Behörden drängen darauf, alles zu sichern was wegfliegen und Schaden verursachen könnte.
Auf den Höfen sind Schafe und Lämmer inzwischen draussen unterwegs, und auch die ersten Fohlen wurden geboren. Tierhalter sollten ihre Tiere geschützt unterbringen.

Jeder der in der kommenden Woche draussen unterwegs sein will, sei es als Wanderer oder als Radfahrer, sollte seine Pläne überdenken und prüfen, ob die Ausrüstung einem solchen Unwetter standhält, und wo man das Unwetter abwarten könnte. Touristen, die mit dem Auto reisen, sollten daran denken, dass die Fahrzeuge keine Winterreifen mehr haben, und ihre Reisepläne entsprechend flexibel gestalten, denn vor allem im Norden und Osten muss mit Behinderungen durch Schnee und Schneematsch gerechnet werden.

Reykjanes: Wenig Veränderung, aber grösster Ausbruch der Serie

eruption volcano lava

Der Vulkanausbruch auf der Halbinsel Reykjanes hat sich seit gestern kaum verändert. Die meiste Lava scheint im Osten der Kraterreihe Sundhnúksgígaröð zu fliessen und kommt aus mehreren Schloten. Nur wenig seismische Aktivität ist in der vergangenen Nacht aufgezeichnet worden.

Gesamtsystem entlastet
Einar Hjörleifsson, ein Experte für Naturkatastrophen beim isländischen Wetteramt, sagte RÚV, aktuellen Drohnenaufnahmen zufolge scheine sich der grösste Lavastrom in östlicher Richtung von Hagafell und Sýlingarfell zu befinden. Bei Tageslicht und aufklarendem Wetter könne man die Lage besser beurteilen.
Die seismische Unruhe in der Region habe sich gelegt. „Jetzt, wo die Eruption begonnen hat, ist es so, als ob das gesamte System entlastet ist und es weniger Spannungen in dem Gebiet gibt, die sich als kleine Erdbeben lösen würden,“ erklärte Einar RÚV gegenüber. Er warnt vor Gasverschmutzung im Hauptstadtbereich, Informationen dazu findet man auf der Karte von loftgaedi.is.

Grösste Eruption der Serie
Die wissenschaftliche Vulkangruppe Südisland schreibt auf ihrer Seite, der aktuelle Ausbruch sei der stärkste in der Serie, gleich am ersten Ausbruchstag seien 24 Millionen Kubikmeter Lava geflossen, pro Sekunde um die 1500 Kubikmeter. In den ersten vier Stunden bedeckte der Lavastrom eine Fläche von 8,7 Quadratkilometern, das ist zweimal soviel wie in den sechs Monaten des Ausbruchs in den Geldingadalir im Jahr 2021.
Mit Stand heute liegt die ausgetretene Lavamenge bei mehr als 30 Millionen Kubikmetern. Der letzte, bislang stärkste Ausbruch an der Kraterreihe Sundhnúksgígaröð förderte 34 Millionen Kubikmeter Lava.

Bereitschaftstufe gesenkt
Da der Ausbruch zur Zeit weder Infrastrukturen noch Menschen bedroht, hat die isländische Landespolizei in Absprache mit den Einsatzkräften ihre Bereitschaftsstufe für das betroffene Ausbruchsgebiet auf der Halbinsel Reykjanes von Notfall- auf Gefahrenstufe herabgestuft. Eine Fehlinterpretation dieser Begriffe durch ausländische Medien hatte offenbar zu Buchungsrückgängen im Tourismus geführt. Seitdem wird in den isländischen Medien zurückhaltender berichtet, auf manchen Seiten sind die Vulkannachrichten nur nach einiger Suche zu finden.

Blaue Lagune baut neue Lagune am Gletscher Hoffell im Hornafjörður

Das Unternehmen Blaue Lagune hat den Grossteil der Länderei Hoffell im Hornafjörður aufgekauft, berichtet RÚV. Dort soll in der Nähe der Gletscherlagune eine Badelagune und ein Hotel gebaut werden. Lagunenchef Grímur Sæmundsson sagt, der Aufbau werde im Einklang mit der Natur und der Geschichte der Region erfolgen.
Vertreter von Blauer Lagune, der Gemeinde Hornafjörður, des Elektrizitätsversorger RARIK und der Landbesitzer von Hoffell hatten sich gestern an der Gletscherlagune getroffen, um ihr Vorhaben zu feiern.

Vom Fischcontainer zur Luxuslagune
Von Hoffell aus hat man nicht nur eine grossartige Aussicht über den Gletscher, dort gibt es auch Erdwärme. Im Jahr 2000 hatte man heisses Wasser gefunden, und aus einem Fischcontainer für die Kinder des Hofes wurden schliesslich fünf in den Boden eingelassene Rundwannen samt Dusche und Umkleide, für grosszügige 1000 Kronen pro Mann. Mit dem geheimen Badetipp in der Abgeschiedenheit ist jetzt Schluss.

„Wir wollen hier in Hoffell eine Badelagune und Unterkünfte aller Art bauen. Unser Ziel ist es, dies im Einklang mit der Umwelt und der Natur zu tun,” erklärte Grímur Sæmundsson, der Direktor der Blauen Lagune. So solle es allen ermöglicht werden, die einzigartige Umgebung zu geniessen, den Gletscher und seine Geschichte kennenzulernen und zu erfahren, wie sich die Umwelt durch die Klimaveränderungen verändert.
Erst mal ist alles nur ein Plan, und gestern fand dazu im Hornafjörður eine erste Einwohnerversammlung statt.

Islandspatmine im Museum
In Hoffell gibt es nämlich mehr als nur den Gletscher und heisses Wasser. Der Hofbesitzer hat ein Museum über das Leben auf Hoffell, seine bemerkenswerte Geologie und die Islandspatmine zusammengestellt. Islandspat von Hoffell ist bis zum Jahr 1938 exportiert worden. Der durchsichtige Karbonatkristall, der sich nur in magmatischem Gestein findet, wurde wegen seiner Doppelbrechung berühmt und fand Verwendung in Prismen, später war er als Schmuckstein beliebt.
Hoffell-Vorbesitzer Þrúðmar Þrúðmarsson überreichte dem neuen Landbesitzer symbolisch solch einen Mineral, den einst sein Grossvater gefunden hatte, und der ihn zu der Spatmine geführt haben soll. Der neue Landeigentümer versprach, die Geschichte des Ortes werde in den Bauplänen einen festen Platz finden.

Reykjanes: Ausbruch deutlich vermindert, erste Aufräumpläne

eruption lava volcano

Der Lavaausbruch, der gestern Mittag an der Kraterreihe Sundhnúksgígaröð fulminant begonnen hatte und aus einer Spalte von zeitweise bis zu vier Kilometern Länge kräftig sprudelte, hat erheblich an Kraft verloren. Zwar ist der vulkanische Tremor seit gestern Abend gleichbleibend, aber die Lavaförderung ist stark zurückgegangen. Auch explosive Episoden wie gestern, als Lava in Kontakt mit Grundwasser am Hagafell kam, sind nicht mehr beobachtet worden.

Entwarnung für Strassen und den Ort
Die meiste Aktivität ist an dem Krater zu verzeichnen, der beim letzten Ausbruch übriggeblieben war, sowie nördlich davon. Lavafluss wird nur noch am Hagafell beobachtet. Der Lavastrom, der gestern noch in Richtung Grindavík unterwegs und die Schutzwälle entlang geflossen war, hat sich verlangsamt, daher ist die nach Osten führende Küstenstrasse Suðurstrandavegur auch weiterhin befahrbar. RÚV berichtet, das Land bei Svartsengi habe sich seit Beginn der Eruption um 15 Zentimeter abgesenkt. Neusten Schätzungen zufolge sind 15 Millionen Kubikmeter der vermutlich vorhandenen 20 Millionen aus der Magmakammer an die Erdoberfläche gestiegen.
Der Vulkanologe Magnús Tumi Guðmundsson hatte in einem Radiointerview am Mittag gesagt, die Lava kühle sich sehr schnell ab, daher fliesse sie gar nicht mehr so weit.
Gestern nachmittag hatte Icelandreview dem Vulkanausbruch einen Besuch abgestattet, hier sehen Sie das Video.

Stromleitung zerstört
Fannar Jónsson, der Bürgermeister von Grindavík, zeigte sich mit der aktuellen Lage zufrieden. Zwar sei der Strom ausgefallen, nachdem die erst kürzlich neu verlegte oberirdische Stromleitung der Lava zum Opfer gefallen war, aber die Kalt- und Heisswasserversorgung des Ortes funktioniere. Schon jetzt prüfe man, wo die Möglichkeit einer neuen Strasse bestehe, und was als erstes repariert werde. Das Elektrizitätswerk HS Orka ist über den Verlust der Stromleitung nicht glücklich, der Schaden wird als sehr hoch beziffert. Aber das Kraftwerk in Svartsengi sei nicht von der Lava bedroht.
Die Gaswolke, die in der Nacht über der Halbinsel und dem Hauptstadtbereich gelegen hatte, war mit westlichen Winden nach Osten getrieben. Der Reyðarfjörður und die nordisländische Stadt Húsavík erwachten mit mit Vulkannebel. Für heute besteht keine Gefahr, alle Messstandorte der Umweltbehörde zeigen grüne Farbe.

Fisch und Schafe
Kaum war heute Vormittag Entwarnung gegeben worden, erhielten die ortsansässigen Fischereibetriebe die Erlaubnis, rund 20 Tonnen frischen Fisch aus ihren Hallen am Hafen zu holen. Einhamar-Chef Stefan Kristjánsson sagte Vísir gegenüber, man sei erwachsen und habe nun so einige Vulkanausbrüche hinter sich, man lasse sich jetzt nichts mehr von den Behörden sagen. Alle befänden sich in einem Lernprozess, auch die Einsatzzentrale, die gelernt habe, den Unternehmen Zugang zum Ort zu gewähren, wenn dies nötig sei und sie dort wirklich was zu erledigen hätten.
Ähnlich abgeklärt beurteilt Stefán auch die Lage seiner Schafe, die er gestern noch innerorts in Sicherheit gebracht hatte. In Grindavík befanden sich zum Zeitpunkt der Evakuierung rund 70 Schafe und Lämmer. Auch ein anderer Schafhalter macht sich nicht soviel Sorgen um seine Tiere wie der isländische Tierschutzverband, der gestern forderte, alle Schafe sofort aus dem Ort zu holen. Theodor hatte die Weidetore geöffnet und seine Schafe freigelassen. Er sagt, er wisse von zahlreichen Fällen, in denen Auen durch die Evakuierungstransporte unter Zeitdruck verlammt hätten. Viele Schafhalter hätten auch gar keine Ausweichmöglichkeit. Schafe aus Grindavík dürfen den Bezirk Suðurnes aus Seuchenschutzgründen nicht verlassen.

Walfang: Ministerielle Entscheidung steht bevor

Eine Entscheidung darüber, ob in diesem Sommer Wale kommerziell gejagt werden dürfen, steht nach Angaben von Fischereiministerin Bjarkey Olsen Gunnarsdóttir unmittelbar bevor. Vorwürfe, sie habe die Entscheidungsfindung künstlich in die Länge gezogen und auf nach die Präsidentenwahl am 1. Juni verzögert, wies die Ministerin zurück, berichtet Vísir.

Ministerwechsel im Amt
Bjarkey hatte das Ministeramt erst am 10. April übernommen, zuvor war die vormalige Premierministerin Katrin Jakobsdóttir als kommissarische Ministerin für die seit Januar aus Krankheitsgründen beurlaubte Amtsvorgängerin Svandís Svavarsdóttir tätig gewesen. Bjarkey sagte Vísir gegenüber, es habe solange gebraucht, um den Antrag von Islands einzigem kommerziellem Walfangunternehmen Hvalur hf. zu bearbeiten und notwendige Daten zusammenzutragen.
Eine Entscheidung könnte Ende kommender Woche vorliegen, und diese gründe dann nicht etwa auf ihrer politischen Anschauung, so Bjarkey, sondern vielmehr auf einer Fülle von Daten, die gerade gesammelt werden.

Warten auf Bewertungen
Um Einschätzung waren folgende Behörden und Institutionen gebeten worden: das Marineforschungsinstitut, (Hafró) das Fischereiamt, die Veterinäraufsichtsbehörde (MAST), der Tourismusverband, der Verband der Walbeobachtungsunternehmen, der Tierschutzbund, der Verband für Tierwohl in Island, der isländische Naturschutzbund, die Naturschutzorganisation Landvernd, der Verband der Filmemacher, der Verband der Unternehmen in der Fischereibranche, die Gewerkschaft in Akranes, der Verband der Schiffskapitäne, der Verband der Maschinisten und Metalltechniker, sowie die Gemeinden Akranes und Hvalfjarðarsveit.
Von diesen allen hatten bis einschliesslich heute der Unternehmerverband und das Marineforschungsinstitut ihre Einschätzung eingereicht.

Hvalur-Chef Kristján Loftsson beschwerte sich beim Morgunblaðið über das Schneckentempo des Ministeriums, und eigentlich hätte die Einschätzung von Hafró völlig ausgereicht, alle anderen Institutionen hätten nichts mit der Angelegenheit ohnehin zu tun. Ohne grünes Licht können weder Leute eingestellt noch Material für die Fangsaison eingekauft werden. Auch die Dauer einer möglichen Fanglizenz spielt da eine Rolle, im Ministerium erwägte man eine Lizenzdauer von einem Jahr, die Kristján aus betriebswirtschaftlichen Gründen für viel zu kurz hält. Er hatte eine Lizenzdauer von fünf Jahren beantragt.

Hafró legt Quote fest
Das Marineforschungsinstitut hatte eine Fangquote von 161 Finnwalen für die Fangperioden zwischen 2018 und 2025 festgelegt und bleibt auch in diesem Jahr bei dieser Zahl.
“Für diesen Sommer sind umfangreiche Walzählungen geplant. ” erklärt Hafró-Leiter Þorsteinn Sigurðsson Vísir gegenüber. “Sie beginnen kurz nach dem Wochenende in Zusammenarbeit mit den Nachbarstaaten im Nordatlantik.” Die Ergebnisse sowie neue Forschungsergebnisse werde man dann im Herbst in Zusammenarbeit mit der Internationalen Walfangkommission (IWC) und dem Nordatlantischen Rat für Meeressäuger (NAMMCO) evaluieren. Seine Institution, so Þorsteinn, stelle im gesetzlichen Rahmen sicher, dass die Nutzung der Ressource im Einklang mit Vorsorgeprinzipien erfolge, und dies sei die Grundlage für Ratschläge, und am Ende eine Quotenzahl.

Icelandair kündigt 82 Mitarbeitern

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Die Fluggesellschaft Icelandair hat heute 82 Mitarbeitern gekündigt. In einer Mitteilung des Unternehmens heisst es, Mitarbeiter in verschiedenen Bürobereichen und Stützpunkten seien betroffen.
Hauptschwerpunkt liege jetzt darauf, die Effizienz des Betriebs zu steigern, nach einer langen Entwicklungsphase, in der sich das Unternehmen nach der Pandemie schnell wieder aufbauen konnte. Die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens solle nun weiter gestärkt werden. Dazu gehöre auch die Reduzierung von Mitarbeitern.

In der Mitteilung wird Icelandair-Chef Bogi Nils Bogason zitiert, es sei schade, gute Leute gehen zu sehen. Unternehmen in Island stünden jedoch vor einem herausfordernden Betriebsumfeld, gleichzeitig gebe es Unsicherheit darüber, wie sich die Marktbedingungen entwickeln.
„Es gilt daher, alle Hebel in Bewegung zu setzen, um Kosten zu senken und Erträge zu steigern, um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und die Leistungsfähigkeit des Unternehmens für die Zukunft zu verbessern.“

Das erste Quartal der Icelandair ist wirtschaftlich schwer gewesen, es gab einen Verlust von 9,7 Mrd ISK zu beklagen, im Vorjahr waren es noch 8,7 Mrd ISK gewesen. Auch der Aktienkurs des Unternehmen ist in den letzten 12 Monaten um 43% gesunken.