Neue Badelagune “Reykjaböðin” entsteht in Hveragerði

Hveragerði Reykjaböðin, hot river

Am Fuße des für seinen heissen Fluss bekannten Reykjadalur oberhalb der südisländischen Stadt Hveragerði soll im kommenden Jahr eine neue Badelagune mit touristischem Service wie einem Hotel und Restaurants gebaut werden. Im Stadtrat hält man das Grossprojekt für einen Aufschwungfaktor für die Gemeinde, berichtet RÚV.

Schaffung von Arbeitsplätzen
Die Stadt Hveragerði und die Gesellschaft Reykjadalsfélagið haben sich auf eine umfassende Entwicklung des Tourismus im Reykjadalur in den kommenden Jahren geeinigt. Der Vorstandsvorsitzende des Reykjadalsfélag, Brýnjólfur J. Baldursson, sagt, die Vereinbarung sei von großer Bedeutung für die Schaffung von Arbeitsplätzen.
Das Árholmi-Gebiet in Hveragerði, wo sich der heisse Badefluss in den Bergen oberhalb der Stadt befindet, ist bei den Einheimischen wie Touristen ein beliebter Ort. Eine gute Stunde ist man über steile Pfade zu der versteckten und komfortlosen Badestelle unterwegs, und so mancher hat sich bei schlechtem Wetter dort schon verirrt. Die neue Badelagune soll unten im Tal vor dem derzeitigen Parkplatz gebaut werden, wo sie für jedermann gut erreichbar ist. Brynjólfur kündigte an, dass die Lagune gleich im ersten Schritt entstehen soll, um auch Gästen ein heisses Bad zu ermöglichen, die nicht in die Berge wandern wollen oder können.
Für das Projekt müssen zunächst Grundstücke erschlossen und Baurechte erteilt werden. Der Umfang ist beträchtlich, und das Grossprojekt, das den Tourismus ankurbeln soll, wird sich daher über drei bis fünf Jahre ziehen. Die Kosten werden auf etwa 10 Mrd ISK veranschlagt, ein Drittel davon entfällt auf die Badelagune Reykjaböðin.

Projekt für alle
Brynjólfur hebt hervor, dass das Projekt nicht nur Arbeitsplätze schaffe, sondern auch einen Service für die Einheimischen darstelle, wobei er erst die Einheimischen nenne, und in zweiter Linie die Touristen, die das Gesamtbild der Kundschaft vervollständigten.
Bürgermeisterin Jóhanna Ýr Jóhannsdóttir begrüsst das Projekt, das sich gut in die neuen Ziele der Gemeinde einfüge, die eine florierende Arbeitswelt, Tourismus, Gesundheit und Gemeinschaftsleben anstrebten.

Lammfleisch: Hohe Nährwerte und keine Schwermetalle

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Eine neue Studie im Auftrag des Lebensmittelforschungsinstitutes Matís zu Nährwert und Nutzung von isländischem Lammfleisch bescheinigt der Fleischsorte einen guten Gehalt an Proteinen, Vitamin B12, Folsäure, Kalium und Zink. Sie bestätigte ausserdem, dass der Fettgehalt des Lammfleisches in den letzten Jahren gesunken ist.

Die Resultate sollen Bændablaðið zufolge bei Vermarktung und Preisgestaltung des Produktes helfen. Die Studie war mit finanzieller Unterstützung des Lebensmittelfonds für das Marketingbüro Icelandic Lamb angefertigt worden. Im Wesentlichen ging es um eine Bewertung der Verwertungsraten sowie um Nährstoffanalysen von Fleisch und Nebenprodukten.

Weniger Fett, keine Schwermetalle
Die letzte derartige Studie stammte aus den Jahren 2004 und 2005. Besonders der gesunkene Fettanteil im Fleisch ist bemerkenswert, heute liegt er bei 16 % für Lammfleisch insgesamt (10% für die Keule), vor 10 Jahren hatte er noch bei 19% (12% für die Keule) gelegen. Bei den Innereien sank der Fettgehalt von 28% auf 24%.
Der Vitamin B12 Gehalt war zuvor nicht gemessen worden, liegt der Studie nach jedoch höher als bei anderen Lebensmitteln. Insgesamt waren 63 Schlachtkörper aus allen Kategorien untersucht worden. Die Fleischnutzung lag bei 59%, die Gesamtnutzung des Schlachtkörpers bei 92%, es gab also kaum Abfall. Immer mehr isländische Startup Unternehmen nutzen Erzeugnisse aus der Fleischverarbeitung, um neue, hochwertige Produkte herzustellen. Hervorzuheben ist, dass neben dem hohen Gehalt an den oben genannten Nährstoffen Schwermetalle wie Quecksilber, Kadmium, Blei oder Arsen nicht messbar waren, und zwar weder im Fleisch noch in den Innereien.

Wertvolles Lebensmittel der Zukunft
Nicht nur Startups nutzen Innereien, Erzeugnisse wie Blut- und Leberwurst stellen im isländischen Alltag ein beliebtes und günstiges Lebensmittel dar. „Slátur“, Leberwurst, wird gerne mit warmem Milchreis oder Skyr verzehrt und gehört in isländischen Kindergärten und Schulen zum Speiseplan.
Ólafur Reykdal, der Projektleiter bei Matís, sieht vor allem in den nährstoffreichen Innereien einem steigenden Wert für die kommenden Jahre. Durch die Studienergebnisse könne dem Konsumenten zudem nun exakte Information zum Nährstoffgehalt vermittelt werden.
Besonders freuten Ólafur die Ergebnisse zum hohen Nutzungsanteil der Schlachtkörper, er liegt bei 92%, es gibt also kaum noch Abfall. Lammfleisch befinde sich damit auf einer Linie mit Erzeugnissen aus dem Fischfang. Immerhin werde ja auch die Entsorgung von Schlachtabfall immer kostspieliger.

Inlandsproduktion gesunken
Anfang Februar hatte das Statistische Amt Zahlen zu Fleischproduktion und Fleischimport veröffentlicht, demnach war die Schaffleischproduktion zwischen den Jahren 2020 und 2023 von 9,477 Tonnen auf 8,403 Tonnen gesunken. Gleichzeitig waren 20 Tonnen Lammfleisch importiert worden, der Export war um 43% gesunken. Der höchste Importzuwachs, fast 50%, war bei Rind, Geflügel und Schweinefleisch zu verzeichnen. Nach Aussage eines Schweinezüchters komme die gestiege Nachfrage nach Schweinefleisch vor allem aus dem Tourismus.

Reykjanes: Neuer Magmaeinschuss in Kürze zu erwarten

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Die Lage auf der Halbinsel Reykjanes hat sich nach dem gestrigen Magmaeinschuss wieder beruhigt. Gegen 16 Uhr hatte sich an der Kraterreihe Sundhnjuksgígaröð ein Erdbebenschwarm ereignet, kurz darauf wiesen Messdaten auf einen unterirdischen Magmaeinschuss hin. Die Magma erreichte jedoch nicht die Erdoberfläche und es kam zu keinem Ausbruch.

Nächster Einschuss in den Startlöchern
Es gilt jedoch als wahrscheinlich dass es in den kommenden Tagen zu einem weiteren Magmaeinschuss kommt, der dann zu einem Ausbruch führen könnte.
“Da der gestrige Einschuss es nicht an die Oberfläche geschafft hat, blieben Druckveränderungen und Verwerfungen geringer als vorher. Die seismische Aktivität war gegen 18 Uhr zurückgegangen, und es scheint, dass der Einschuss da zum Stillstand gekommen ist,“ erklärte der Geophysiker Benedikt Ófeigsson Vísir gegenüber. Der unterirdische Magmatunnel erstreckt sich vom Hagafell in nordöstliche Richtung zum Stóra-Skógfell.

“Und da besteht immer noch die Möglichkeit, dass Magma dort an die Erdoberfläche kommt, aber wir sehen dafür jetzt keinen Hinweis. Wahrscheinlich ist das erst mal vorbei, das bedeutet jedoch, dass sich die Spannung in Svartsengi nicht hat lösen können, sodass wir recht bald mit einem weiteren Einschuss zu rechnen haben.” Die Verwerfungsdaten zeigten bei Svartsengi so gut wie keine Veränderungen. Benedikt hält es daher für hochwahrscheinlich, dass sich der Prozess fortsetzt – mit oder ohne Lavaausbruch.
Die Magmakammer liegt unter dem Kraftwerk Svartsengi. Auch wenn die Magma sich bislang immer in Richtung der alten Kraterreihe in Bewegung gesetzt hatte, kann nach Angaben des Vulkanologen Þorvaldur Þórðarson nicht ausgeschlossen werden, dass sich bei Svartsengi und damit an der Blauen Lagune eine neue Spalte bildet, aus der Magma an die Erdoberfläche bricht.

Neue Satellitendaten am Abend
Gegen Abend erwarten die Experten beim Wetterdienst aktuelle Satelitenbilder, die deutlich zeigen, ob die Magma im unterirdischen Tunnel immer noch in Bewegung ist oder nicht, so Benedikt. Je mehr Zeit vergehe, desto unwahrscheinlicher sei es, dass sie noch strömt. Benedikt sagt, das gestrige Ereignis habe die Ungewissheit über die Zukunft nur noch weiter erhöht.

Heute um 15 Uhr wird entschieden, ob der Ort Grindavík für Anwohner wieder geöffnet wird. Grindavík und die Blaue Lagune waren gestern mit Einsetzen der Erdbeben evakuiert worden. Einer neuen Risikobewertung von 13.00 Uhr zufolge besteht für Grindavík und die Kraterreihe Sundhnúksgígaröð immer noch erhebliche Eruptionsgefahr. Die Bewertung gilt bis zum 5. März.

 

Reykjanes: Bebenschwarm und Warten auf den Ausbruch

Thorbjorn, Þorbjörn, efitr Pálmi Erlendsson Veðurstofan

Gegen 16 Uhr hat auf der Halbinsel Reykjanes ein Erdbebenschwarm zwischen den Bergen Stóra-Skógfell und Sýlingarfell eingesetzt, berichtet RÚV. Bei den letzten Lavaausbrüchen waren Ereignisse wie dieses die Vorboten der Ausbrüche gewesen.

Nach Angaben der wachthabenden Vulkanologen hat der Magmaeinschuss bereits eingesetzt. Das hätten Druckveränderungen an den Bohrlöchern des Kraftwerks in Svartsengi gezeigt. Nun müsse man abwarten, ob die Magma es an die Erdoberfläche schaffe, und vor allem, wo sie hervorbreche. Als Ausbruchsort wird die schon bekannte Kraterreihe Sundhnjúkargígaröð vermutet, wobei es aktuell Hinweise darauf gibt, dass sich die seismische Aktivitat nach Süden verschiebt.

Der Küstenort Grindavík ist geräumt worden. Polizeistellenleiter Úlfur Lúðvíksson sagte in einem Radiointerview, nur wenige Personen hätten sich in dem von Erdbeben zerstörten Ort aufgehalten.
Auch im Touristenbad Blaue Lagune haben die Sirenen geheult, alle Bade- und Hotelgäste sind evakuiert worden. Nach Angaben der Unternehmensleitung dauerte die Räumung 40 Minuten und verlief ruhig und ohne Zwischenfälle. Zwischen 600 und 800 Personen (Gäste und Personal) hatten sich in der Lagune befunden.
Wir halten unsere Leser auf dem Laufenden.

Lachszucht: MAST erteilt Lizenz, Baugenehmigung fehlt

Bíldudalur Arnarfjörður

Die isländische Veterinär- und Lebensmittelaufsichtsbehörde (MAST) hat dem Fischzuchtunternehmen Arctic Sea Farms ehf. (Arctic Fish) eine erweiterte Betriebsgenehmigung für die Meeresfischzucht bei Sandeyri im Ísfjarðardjúp erteilt. Damit wächst die erlaubte Menge an Zuchtlachs und Regenbogenforelle von 5,300 Tonnen auf 8000 Tonnen im Fjord.

5200 Tonnen fortpflanzungsfähiger Lachs
In einer Mitteilung von MAST heisst es, dass von diesen 8000 Tonnen maximaler Biomasse höchstens 5.200 Tonnen fortpflanzungsfähiger Lachs sein dürfen. Dem Unternehmen waren im August letzten Jahren mehr als 3500 fortpflanzungsfähige Zuchtlachse in die Natur entkommen. In der Folge hatten norwegische Spezialtaucher ins Land gebracht werden müssen, um die Zuchtlachse aus den Angelflüssen zu entnehmen, damit die Zuchtfische sich nicht mit den Wildlachsen paaren.
„Das Ministerium für Fischerei und Landwirtschaft hat ein Belastungsgutachten und eine Risikobewertung für die Erbgutvermischung in der Fischzucht in Island erstellt. Das Belastungsgutachten sieht für das Ísafjarðardjúp 30.000 Tonnen vor, und die Riskobewertung für die Erbgutvermischung erlaubt eine maximale Biomasse von 12.000 Tonnen fortpflanzungsfähigem Lachs im Djúpið,“ heisst es weiter in der Mitteilung. Auch das Umweltgutachten fiel positiv aus. Gegen die Lizenzerteilung von MAST kann beim Berufungsausschuss für Umwelt- und Resoucenangelegenheiten bis Ende März Einspruch eingelegt werden.

Baugenehmigung für Meeresgehege
Allerdings muss seit dem 15. Februar eine Baugenehmigung für jegliche Fischzuchtanlagen auf dem Meer beantragt werden, nachdem die Behörde diese Einrichtungen als „Bauwerke“ klassifiziert hatte.  Eine solche Baugenehmigung ist für die Zuchtanlage im Djúpið bislang nicht erteilt worden.

Die Rechtsanwältin und Naturschutzaktivistin Katrín Oddsdóttir hatte die Ankündigung, dass Fischzuchtanlagen auf dem Meer eine Baugenehmigung benötigen, als „grosse Nachricht“ bezeichnet und verlangt, die kommerzielle Fischzucht im ganzen Land sofort auszusetzen, weil kein Unternehmen in Island eine solche Baugenehmigung halte. Sie verwies auf Paragraf 13 im Baugesetz, wonach bei Ungewissheit darüber, ob das geplante Vorhaben, für das eine Baugenehmigung erforderlich ist, schwerwiegende oder irreversible Auswirkungen auf das Ökosystem hat, der Antragsteller ein Gutachten über die potenziellen und erheblichen Auswirkungen des Bauvorhabens auf das Ökosystem beibringen muss.

In einem Facebookbeitrag von gestern verweist die Anwältin nicht nur auf das geltende Naturschutzgesetz, sondern auch darauf, dass die bereits vorhandenen Zuchtgehege die Schiffahrtsroute in den Fjord behindern und gefährden und rein rechtlich durch die Verkehrswegsbehörde entfernt werden könnten.

Lachslausbefall im Tálknafjörður
Arctic Fish hatte im letzten Jahr nicht nur mit fortpflanzungsfähigen Lachsflüchtlingen zu tun, sondern auch mit der Lachslaus, einem Parasiten, der Zuchtfische verstümmelt und tötet. Einen Massivbefall mit Lachsläusen hat MAST in der Arctic Fish-Zuchtanlage im Tálknafjörður kritisiert. In der Studie, die Ende Februar veröffentlicht worden war, heisst es dass das Unternehmen schlecht vorbereitet war und den Lachsbefall unterschätzt habe. Im Herbst waren rund zwei Millionen Zuchtlachse verendet oder hatten gekeult werden müssen. Bei Zählungen hatten bis zu 100 Lächsläuse auf einzelnen Fischen gesessen. In die Öffentlichkeit geraten war der Befall durch Drohnenvideos der Kajakerin Veiga Grétarsdóttir.
Die Autoren der MAST-Studie empfehlen die Schaffung eines gesetzlichen Rahmenwerks für die kommerzielle Fischzucht in Island, um zu verhindern, dass sich derartige Fälle wiederholen.

 

Bei Strandwanderung vom Wasser eingeschlossen

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Rettungsleute der freiwilligen Ortsgruppe Lífsbjörg in Snæfellsbær haben gestern Abend einen Mann von einer Schäre am Südstrand der Halbinsel geholt. Der Tourist sass bei Ytri Tunga fest und wurde buchstäblich im letzten Moment gerettet, berichtet Vísir.
Ein Notruf war kurz vor 18 Uhr eingegangen. Der Tourist hatte sich auf einer Strandwanderung befunden, um Seehunde zu beobachten. Die Flut schnitt ihm dem Rückweg ab, und er sass auf der Schäre fest, hiess es in einer Mitteilung von Landsbjörg.

Drei freiwillige Rettungsleute in wassertauglichen Überlebensanzügen machten sich daran, den Mann von seiner Insel zu holen. Sie banden sich zusammen und wurde mit einem Seil vom Land aus gesichert, als sie zu dem Mann hinausschwammen. Landsbjörg zufolge gab es an dem Strand starke Sneakerwellen, die einen Menschen ohne weiteres hinaus aufs Meer ziehen können.
Der Mann wurde an die Retter festgebunden, und alle vier von der Mannschaft an Land gezogen, wo sich Sanitäter um ihn kümmerten. Er war ausgekühlt und nass, aber unverletzt.
Direkt nach seiner Rettung verschwand die Schäre unter den Wellen. In der Mitteilung von Landsbjörg heisst es, die Rettung hätte keinen Moment später stattfinden dürfen.

Reykjanes: Nächster Lavaausbruch steht bevor

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Der nächste Lavaausbruch auf der Halbinsel Reykjanes könnte sich mit einer Vorwarnzeit von weniger als 30 Minuten ereignen. Die Anzeichen im Vorfeld werden mit jedem Ausbruch in der Region schwächer, berichtet Vísir.

Drei potentielle Ausbruchsorte
Unter dem Gebiet von Svartsengi hat sich wieder eine vergleichbare Magmamenge wie vor dem letzten Ausbruch angesammelt. Wenn Magma im gleichen Tempo in die unterirdische Magmakammer strömt, rechnen Experten mit einem neuen Ausbruch in der kommenden Woche. Die Vorwarnzeit könnte dann sehr kurz ausfallen.
„Das hängt ganz davon ab, wo der Ausbruch beginnt. Wenn er am Berg Sýingarfell beginnt, dann kann das sehr kurz sein. Weniger als eine halbe Stunde, und bei schlechtem Wetter überdies kaum zu sehen,“ gibt der Geophysiker beim isländischen Wetterdienst, Benedikt Ófeigsson, zu bedenken.
Drei potentielle Ausbruchsorte werden derzeit für am wahrscheinlichten gehandelt: am Sýlingarfell, am Hagafell, oder innerhalb des Schutzwalls, der den Küstenort Grindavík umgibt.
Benedikt hält es für unwahrscheinlich, dass es in Svartengi selbst zu einem Ausbruch kommt, ausschliessen könne man dies jedoch nicht. Allerdings benötige die Magma dort vier bis sieben Stunden, bis sie die Erdoberfläche aus fünf Kilometern Tiefe erreicht habe.

Immer schwächere Anzeichen
Die gesamte Region wird permanent überwacht, aber die Anzeichen für einen Ausbruch schwächten sich ab, so Benedikt. “Da hat sich soviel Spannung gelöst, dass wir keine schweren Erdbeben mehr haben. Vielmehr handelt es sich um eine intensive Aktivität, bei der es in kurzer Zeit zu vielen Erdbeben kommt und diese sich so verschieben, wie die Magma sich verschiebt.“ hat er beobachtet.
„Wir sehen das auch auf den GPS Instrumenten und bei den Druckmessungen in den Bohrlöchern bei HS Orka. Das sind Anzeichen, die wir als Vorwarnung interpretieren, bevor etwas passiert, aber die werden mit jedem Ausbruch schwächer.“

Informationsabend für Einwohner
Am vergangenen Montag hatten die Behörden Bewohnern und Beschäftigten von Grindavík erlaubt, sich dauerhaft in Gebäuden aufzuhalten. Allerdings war darauf hingewiesen worden, dass ein jeder sich dort auf eigene Gefahr aufhalte, dass es weder kaltes Wasser noch eine funktionierende Kanalisation gebe, und dass der Aufenthalt im Freien wegen der zahlreichen sichtbaren und unsichtbaren Spalten nicht sicher sei. Immer noch wird an der Wiederherstellung der Wasserleitungen durch die frische Lava gearbeitet. Eine neue Strasse war vor einigen Tagen quer durch die Lava gelegt worden, um den Weg nach Grindavík zu verkürzen und die Zufahrt zur Blauen Lagune zu ermöglichen, die für Besucher wieder geöffnet ist.
Am kommenden Montag lädt der isländischen Zivilschutz zu einer Einwohnerversammlung, um über die Gefahrenlage und den Zustand der Infrastuktur von Grindavík zu informieren.

 

 

 

Gewerkschaftsführer kritisiert Öffnung von Grindavík

Grindavík

Der Vorsitzende der Grindavíker Gewerkschaft hat die Zutrittserlaubnis nach Grindavík wegen fehlender Infrastruktur, und Sicherheitsbedenken scharf kritisiert. Er sprach sich dafür aus, die Kauf- und Verkaufsbedingungen für die Leute, die sich vom Staat für eine unbewohnbare Immobilie auszahlen lassen, rechtlich zu verbessern und damit mehr Fairness und finanzielle Sicherheit zu schaffen.

Hörður sagt, so manche Mitarbeiter hätten Angst, zur Arbeit in die Stadt zurückzukehren. Einige Unternehmen seien zwar in der Lage, den Betrieb aufzunehmen, wenn die Bedingungen dies zulassen, insgesamt müsste die Lage aber besser untersucht und die Sicherheit der Menschen vor Ort gewährleistet werden. Vor der Entscheidung, den Ort für Bewohner und Arbeitende zu öffnen, habe es keine Konsultation mit der Gewerkschaft gegeben. Die Gewerkschaft war jedoch heute zu einem Treffen mit dem Minister eingeladen worden.
“Ich finde es vollkommen unverantwortlich, den Leuten zu erlauben, hier zu bleiben. Das ist so als ob wir vorschlagen, die Verkehrsregeln abzuschaffen und den Leuten stattdessen zu sagen: das ist gefährlich, aber lasst uns einfach vorsichtig und auf der Hut sein.”

Hörður fordert auch Änderungen am Gesetzesentwurf zum Aufkauf von Immobilien durch den Staat.
„Kein Einwohner von Grindavík wird danach so gestellt sein wie vorher, wenn er verkauft hat. Er wird ein Haus in teureren Gegenden kaufen, er wird in ein kleineres Haus ziehen, er wird aus einem Einfamilienhaus in ein Mehrfamilienhaus ziehen, er verschuldet sich mehr und dergleichen.“
Hörður möchte, dass die 95-Prozent-Grenze für den Feuerversicherungswert erhöht wird und die Menschen für die Verkaufs- und Rückkaufentscheidung mehr Zeit erhalten als im Beschluss vorgesehen.

 

Reynisfjara: Riesenwellen rollen über den Parkplatz

Am Strandabschnitt Reynisfjara im Süden Islands hat gestern extremer Wellengang geherrscht. Die Wellen rollten nicht nur über den gesamten Strand, sie erreichten auch den Parkplatz oberhalb des Strandes, sowie die für Fotos so beliebten Basaltsäulen, berichtet Vísir.

Wellen prügeln auf den Strand ein
“Ich bin jetzt acht Jahre in der Branche und oft dort gewesen, aber sowas hab ich noch nicht gesehen,” sagt die Reiseleiterin Ásta Margrét Magnúsdóttir. “Die Felsen, die Säulen. Das ist alles von Wellen regelrecht geprügelt worden.”
Sie sagt, die Leute hätten wegen des Wellengangs in Gefahr geschwebt. Als sie am Strand ankam, hätten sich fünf Personen weit draussen im Wasser befunden.
“Da wirkst du wie ein Idiot, wenn du schimpfst und schreist, weil das keiner hört, weil die See so laut ist. Aber sie haben es noch an Land geschafft, und gleich danach kam eine riesige Welle, und die waren ziemlich geschockt, als sie die sahen und merkten, dass sie da keine Chance mehr gehabt hätten, wenn sie nicht den Strand hochgelaufen wären.” berichtet die Reiseleiterin.

Den Parkplatz überschwemmt
In Ástas Gruppe sei eine Person am Auto zurückgeblieben, während die Gruppe am Strand unterwegs war. Die Person habe erzählt, dass sich das Auto bewegt habe und im Sand eingesunken sei, als die Welle über den Parkplatz schlug. Er habe auch gesehen, wie Touristen gestürzt seien.
“Das waren gigantische Wellen. Normalerweise dürfen die Leute nicht aufs Gras, aber da mussten alle auf dem Gras stehen, bis den Hügel hinauf, weil man weiter unten gar nicht stehen konnte.”
Bei solch einem Wellengang könne man nichts anderes tun. Es gehöre zur Schönheit der Reynisfjara, dass der Strand so unberechenbar sei, sagt Ásta. Sie fühle sich an die Geschichte von den Meerjungfrauen erinnert, die das Meer zu sich locken. Reynisfjara sei solch ein Ort.

Warnsignale werden ignoriert
Nach mehreren tödlichen Unfällen war an dem bei Touristen so beliebten Strand ein Warnsystem mit grünem, orangefarbenem und roten Blinklichtern installiert worden. Auf Informationstafeln wird die Gefahr der Sneakerwellen bildlich dargestellt und vor der grossen Gefahr für Leib und Leben gewarnt. Reiseleiter berichten allerdings immer wieder, dass die Leute sämtliche Warnungen ignorieren, und für ein Foto ihr Leben aufs Spiel setzen.

Grindavík: Bewohner dürfen auf eigene Gefahr nach Hause

grindavík evacuation

Den Bewohnern von Grindavík ist es seit heute erlaubt, sich rund um die Uhr in der Stadt aufzuhalten. Allerdings geschieht dies auf eigene Gefahr. Die Behörden weisen einmal mehr darauf hin, dass die Infrastruktur baufällig und beschädigt ist und dass weiterhin Gefahr besteht, berichtet RÚV.

Auf eigene Gefahr
Die Entscheidung, ob oder ob die Grindavíker nicht in ihren Heimatort zurückkehren dürfen, hatte auf den Schultern von Polizeistellenleiter Úlfur Lúðvíksson gelegen, nachdem die Landespolizei die Evakuierungsanordnung vom 10. November 2023 gestern Abend nicht verlängert hatte. Nun dürfen also alle Einwohner heimkehren, und die ansässigen Betriebe wieder öffnen, allerdings jeder auf eigene Gefahr.
Úlfur weist in einer Mitteilung darauf hin, dass die Infrastruktur des Ortes schwere Schäden aufweist. Vielerorts sei ein dauerhafter Aufenthalt in den Wohnhäusern nicht zumutbar.
Alle, die sich dennoch für eine Rückkehr entscheiden, müssten sich darüber im Klaren sein, dass sie auf eigene Gefahr in Grindavík unterwegs sind. Jeder trage die Verantwortung für sein eigenes Handeln.

Kein Ort für Familien
Grindavík sei kein Ort für Familien mit Kindern und auch kein Spielplatz. Es gibt keine Schulen und keinen Kindergarten, und keinen sicheren Ort zum Spielen.
Die Hauptleitung für heisses Wasser hat ein Leck, möglicherweise metertief unter der Lava, nach dem Schaden wird seit Tagen erfolglos gesucht. Die Kaltwasserleitung ist zerstört, und daher fliesst auch kein Brauchwasser in Küche und Badezimmer.
Überall im Ort lauern Erdspalten, und die Gefahr, dass das Erdreich urplötzlich einbricht, wird als erheblich eingeschätzt. Die Spalten innerorts werden derzeit kartiert, im freien Gelände ist jedoch noch nichts untersucht worden, daher sollten Fussgänger sich auf dem Bürgersteig halten und keineswegs auf Grundstücken oder Wiesen herumlaufen.
Ausschliesslich Bewohnern, Mitarbeitern von Betrieben und Einsatzkräften ist das Betreten des Ortes erlaubt.

Úlfur glaubt nicht, dass unter diesen Bedingungen viele Einwohner zurückkehren werden. Die Entscheidung, den Ort für Bewohner und Mitarbeiter zu öffnen, wird am 29. Februar erneut geprüft.
Der Stadtrat hat am Abend zu einer Informationsveranstaltung für die Einwohner geladen.