Autoren boykottieren Iceland Noir Festival wegen Hillary Clinton

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Rund 60 Schriftsteller werden das isländische Noir Literary Festival (Schwarze Literatur) boykottieren, um gegen Ehrengast Hillary Clinton und ihren Standpunkt im Palästina-Konflikt zu protestieren. In einem Brief verurteilen die Autoren Clintons Haltung und die zunehmende Politierung des Festivals und fordern Berufskollegen auf, ihnen gleichzutun. In der Gruppe befinden sich Autoren wie Hallgrímur Helgason, Guðrún Eva Mínervudóttir, Bragi Ólafsson, Kristín Ómarsdóttir, Kristín Eiríksdóttir, und Pedro Gunnlaugur Garcia.

Öffentlich gegen Waffenstillstand
“Hillary Clinton äussert sich in aller Öffentlichkeit gegen einen Waffenstillstand beim andauernden Genozid der israelischen Armee in Palästina. Jahrelang hat sie auch ihre breite öffentliche Plattform genutzt, um Propaganda der israelischen Regierung und Falschinformation zu verbreiten und hat damit den Menscchen Palästinas Schaden zugefügt,” heisst es in dem offenen Brief der Autoren.
“Mit ihrer Einladung hat das Iceland Noir Festival Stellung bezogen, mit dem Festhalten an ihrer Einladung hat das Festival seine politische Haltung unterstrichen, die mit Kriegsverbrechen und Genozid assoziiert wird,” heisst es weiter. “Wenn Kinder kämpfen und alle zehn Minuten ein Kind getötet wird, ist keine Zeit mehr um Ansichten auszutauschen oder eine Debatte anzustrengen. Nur die Haltung selbst zählt, und daher fordern wir dringend dazu auf:
– Beziehen Sie eine klare Haltung gegen Kriegsverbrechen und Genizid
– Hören Sie auf mit dem Reinwaschen der israelischen Regierung und ihrer Unterstützer
– Hören Sie auf, den Menschenrechtskampf der Menschen Palästinas zu unterminieren.
– Unterstützen Sie ein freies Palästina!

Die Erklärung stellt klar, dass der Boykott eine friedliche Methode sei, mit der moralische und politische Missbilligung der Aktionen von Personen oder Institutionen ausgedrückt wird, die anderen Schaden zufügen. Der Boykott sei nicht als persönlicher Angriff gegen Organisatoren oder Sponsoren des Festivals gemeint.

Sollte ein unpolitisches Festival sein
In einem Interview mit Vísir drückte die Autorin Yrsa Sigurðardóttir, die das Festival zusammen mit Ragnar Jónasson, Ólafur Darri Ólafsson und Sverrir Norland organisiert, ihr Bedauern und Verständnis für den Boykott aus.
“Wir dachten das wäre eine gute Gelegenheit, Hillary einzuladen, die bemerkenswert ist, aber nicht unumstritten. Daher hatten wir entschieden, diese besondere Veranstaltung zu organisieren. Sie wird nicht beim Festival selbst erscheinen, das wird eine separate Veranstaltung. Aber das ist schrecklich. Es tut uns sehr leid, dass unsere Initiative eines Literaturfestivals in solche Konflikte hineingezogen worden ist, die wir natürlich alle sofort deeskaliert sehen wollen.”

Sie verstehe die Haltung der protestierenden Autoren voll und ganz. “Man versteht, dass Leute etwas tun wollen. Aber ich bin nicht sicher, ob unsere kleine Initiative eine Plattform sein kann, um in dieser Angelegenheit eine Änderung herbeizuführen. Aber da ist vielleicht nicht jeder dieser Meinung.” sagte Yrsa. “Das soll ein unpolitisches Festival sein. Und ich glaube, die meisten Teilnehmer sind nicht ihrer (Hillarys) Meinung in Bezug auf den Waffenstillstand, ebenso wie die Besucher. Wir fragen die Leute nicht nach ihrer politischen Haltung, wenn wir Teilnehmer für das Festival auswählen.”

Immer mehr Hörbücher, immer mehr Nichtleser

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Immer mehr Leser in Island lassen sich von Hörbüchern in andere Welten entführen, seit dem Jahr 2018 ist der Anteil stark angestiegen, als noch 11% der Bevölkerung einmal wöchentlich oder einem öfter einem Hörbuch lauschte. Heute liegt der Anteil bei 27%. Im gleichen Zeitraum ist die wöchentliche Lektüre von normalen Büchern aus Papier um 17% zurückgegangen, im Jahr 2018 waren es noch 36% gewesen, in diesem Jahr liegt der Anteil bei 30%.

Mehr junge Leser, mehr Nichtleser
Umfragedaten des Zentrums für isländische Literatur in Zusammenarbeit mit sechs weiteren Beteiligten aus dem Herbst brachten zutage, dass das Hörbuch am eifrigsten von der Gruppe der 35 bis 54-Jährigen genutzt wird. Die durchschnittliche Zahl der gelesenen Bücher pro Monat liegt derzeit bei 2,4 Titeln, und daran hat sich in den vergangenen Jahren nur wenig geändert. Die jüngste Gruppe der Befragten liest mehr als letztes Jahr, die älteste Gruppe liest weniger.
Im gleichen Zeitraum wuchs die Gruppe der Isländer, die wenig bis gar nichts lesen, um die 14 % aller Landsleute verbringt weder Zeit mit Lesen noch mit dem Hören von Hörbüchern.
Ein Drittel der Landsleute verbringt 30 bis 60 Minuten pro Tag mit einem Buch, 24% widmen ihm zwei Stunden pro Tag oder mehr. Frauen lesen oder hören mehr als Männer.

Beliebtester Lesestoff ist der Roman, bei allen Altersgruppen. Die überwiegende Mehrheit der Isländer (77%) hält es für wichtig, dass die isländische Literatur Zugang zu öffentlicher Unterstützung erhält, das sind drei Prozent mehr als noch im vergangenen Jahr.
Zwischen dem 10. und dem 27. Oktober waren 2500 Personen über 18 Jahren befragt worden, 51% waren zu einer Antwort bereit gewesen. Ähnliche Befragungen werden seit dem Jahr 2017 jährlich durchgeführt.

Hörbuch bringt geringeres Autorenhonorar
Auf der anderen Seite der Hörbuchmedaille stehen die geringeren Einnahmen für Autoren. Vor einigen Tagen berichtete mbl.is, dass isländische Schriftsteller mit den vom Streamingdienst Storytel ausgezahlten Honoraren ausgesprochen unzufrieden sind. Ausserdem hätten die Hörbücher Auswirkungen auf den Verkauf von normalen Büchern. Sie verlangen daher Vertragsänderungen, unter anderem möchten sie, dass die Hörfassung von Büchern noch später erscheint als bisher.

50 Kronen für ein Hörbuch
Der Autor und Leiter des isländischen Schriftstellerverbandes, Sverr­ir Nor­land, meinte, die Hörbuchrevolution sei durchaus zu begrüssen, allerdings seien die Einnahmemöglichkeiten in den letzten Jahren dadurch gesunken. Der Hörbuchriese Storytel habe in der gleichen Zeit seinen Marktanteil ausbauen können.
“Wenn ich meinen Roman im Laden verkaufe, erhalte ich 1000 Kronen,” erklärt Sverrir. “Wenn du das Buch als Hörbuch bei Storytel kaufst, bekomme ich nur 50 Kronen. Es müssen als 20 Leute das Buch hören, damit ich die gleiche Summe wie für das gedruckte Buch erhalte.”
Er halte die Summen für lächerlich, niemand könne davon leben, falls so die Zukunft aussehen solle. Eine gesamte Branche werde da in Grund und Boden gerichtet, und am Ende habe niemand was davon. Nicht mal der Hörbuchriese, so Sverrir, denn der bekäme auch keine Bücher mehr.

 

Grosser Fischtag in Dalvík wegen Sicherheitsbedenken abgeschafft

Der „Grosse Fischtag“ im nordisländischen Dalvík gehört der Vergangenheit an. Seit dem Jahr 2001 hatte das beliebte Volksfest mit einer Unterbrechung während der COVID-Pandemie alljährlich in dem Fischerort stattgefunden, mit einem spannenden Kulturprogramm und gesponsortem, freien Essen – Fischgerichte natürlich.
In einer Ankündigung der Organisationsleitung hiess es, Hauptgrund für diese Entscheidung sei die gestiegene Verantwortung für die Freiwilligen, die das Fest seit 2005 organisierten.

Mehr Sicherheit, mehr Aufwand
„Diese Verantwortung hat in den letzten Jahren erheblich zugenommen, mit den damit verbundenen Forderungen nach mehr Sicherheit und Strafverfolgung. In diesem Jahr hatte viel mehr Sicherheitsdienst eingesetzt werden müssen als je zuvor, und damit stiegen auch die Kosten für die Erfüllung verschiedener, aber legitimer Anforderungen an Sicherheitsangelegenheiten unterschiedlicher Art.”
Es sei klar, dass die Kosten für Sicherheit und Strafverfolgung in den kommenden Jahren auch weiterhin hoch sein werden, und vermutlich stärker wachsen als andere Kosten. „Die isländische Gesellschaft hat sich in den letzten Jahren erheblich verändert, und in einer härter werdenden Welt liegt eine große Verantwortung darin, ein Treffen von dieser Größenordnung zu organisieren“, heißt es in der Ankündigung.

Lebensmittel verteuert
Auch andere Kosten sind in die Höhe geschossen, etwa der Preis für Lebensmittel und andere Dinge, die für ein Festival notwendig sind. Das macht es für die Organisatoren nicht leichter, denn traditionell werden keine Eintrittskarten verkauft, und Essen wie Veranstaltungen sind für alle Besucher frei.
„Die treibende Kraft des Festes ist der gute Wille und die Unterstützung der Gemeinde Dalvík, sowie von Unternehmen vor Ort und im ganzen Land, ausserdem umfangreicher ehrenamtlicher Arbeit,“ heisst es in der Bekanntmachung.
In diesem August hatte man nach der Covid-Pause noch einmal einen Grossen Fischtag organisiert, und Schätzungen zufolge waren um die 600.000 Gäste dem Ruf gefolgt. Mehr als 6000 Freiwillige hatten um die 1000 Arbeitsstunden zum Gelingen des Festes zur Verfügung gestellt.

 

 

Rán Flygenrings Kinderbuch über einen Vulkanausbruch wird preisgekrönt

Rán Flygenring Nordic Council Prize

Die isländische Autorin und Illustratorin Rán Flygenring hat den Kinder- und Jugendbuchpreis des nordischen Rates 2023 für ihr Bilderbuch Eldgos (Vulkanausbruch) erhalten. Rán hatte den Preis zu Beginn der Woche in Oslo in Empfang genommen. Die Jury nannte Eldgos ein “brisant visuelles Bilderbuch darüber, wie wild und unkontrollierbar die Natur auf den Menschen wirkt“.

In ihrer Begründung formulierte die Jury, dass Rán „Bild und Text gekonnt zu einer spielerisch-humorvollen Geschichte über eine bunte Touristenschar verwebt, die auf einen Vulkanausbruch trifft. Die Geschichte strotzt vor Kraft, fängt unsere Faszination für extreme Naturphänomene ein und treibt sie zugleich voran. Sie berührt aber auch widersprüchliche Gefühle, die entstehen, wenn das Land einstürzt, wenn Lava strömt und neue Berge auftauchen, sowie Gefühle, die mit weitaus banaleren Dingen einhergehen, wie einer Läuseepidemie oder zu sehen, wie deine unmittelbare Umgebung von Touristen überschwemmt wird“.
Die Jury lobte auch Ráns Illustrationen für ihre feinen Details, die junge Leser fesseln werden.“

Der Kinder- und Jugendliteraturpreis des Nordic Council wird seit 2013 verliehen, um Kinder- und Jugendliteratur in der nordischen Region zu fördern. Für den diesjährigen Preis waren 14 nordische Bilderbücher, Kinderbücher und Jugendromane nominiert worden.

 

Vier unbekannte Manuskripte in Nationalbibliothek aufgetaucht

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In der isländischen Nationalbibliothek sind vier bislang unbekannte Manuskripte mit einer rätselhaften Vorgeschichte aufgetaucht, berichtet RÚV.
Der amerikanische Archivar und Gelehrte Willard Fiske (1831-194) war bekannt für seine Kenntnis nordischer Sprachen und Literatur. Bei seinem Tod im Jahr 1904 hinterliess er der Cornell University um die 32.000 Bücher. Die Fiske Icelandic Collection at Cornell gehört international zu den grössten Sammlungen isländischer Manuskripte und Schriften. Fiske war aber auch ein früher Gönner der isländischen Nationalbibliothek, und schenkte ihr um die 1500 Bücher, dazu weitere 2500 als Vermächtnis nach seinem Tod.
Die vier kürzlich entdeckten Manuskripte waren Teil dieser Schenkung und hatten über 100 Jahre unentdeckt im Archiv geschlummert.

Kein Zusammenhang mit isländischer Literaturgeschichte
Eines der vier Manuskripte, Lbs 5338 8vo, enthält ein türkisch-persisches Wörterbuch aus ottomanischer Zeit, im 16. Jh von dem Gelehrten Ibrahim Sahidi zusammengestellt. Der Text, der als poetisches Wörterbuch und als Lesebuch diente, war Gelehrten durch anderen Kopien wohlbekannt. Die 28 Oktavblätter sollen im 17. Jh beschrieben worden sein. Der Text enthält auch seitlich notierte Kommentare. Ausserdem wurden ein weiteres ottomanisches Manuskript sowie ein armenisches Gebetbuch entdeckt.
Alle drei Manuskripte sind auf Papier geschrieben, das vierte, ein Stundenbuch, ist auf Pergament niedergeschrieben worden. Stundenbücher sind christliche Gebetbücher aus dem Mittelalter, die oft reich illustriert waren. Das aufgetauchte Stundenbuch, Lbs 5336 8vo (oben abgebildet) ist so ein reich verziertes Prachtwerk. Woher es stammt, bevor es zu Fiske kam, ist nicht bekannt. Und da keins der Manuskripte in Verbindung zur isländischen Literaturgeschichte steht, bleibt es ein Rätsel, warum diese Werke der Bibliothek geschenkt wurden.

Der berühmte Zufallsfund im Regal
Doch so ganz unüblich sind solche Schenkungen offenbar nicht. Halldóra Kristínsdóttir, eine Expertin für Manuskripte an der Nationalbibliothek sagt, immer wieder tauchten Manuskripte in Bibliotheken auf. “Dies sind unglaublich schöne Manuskripte, und viel Energie ist in ihre Erschaffung geflossen. Es ist eine grosse Frage, warum die jetzt gefunden wurden. Aber sowas passiert in Museen auf der ganzen Welt, dass etwas auftaucht, von dem die Leute nicht wussten dass es existiert. Diese Manuskripte hatten zwischen gedruckten Büchern gesteckt, die zu Beginn des 20. Jh an die Bibliothek geliefert worden waren, und dort waren sie verblieben und nicht etwa in der Manuskriptabteilung der Bibliothek gelandet. Bis kürzlich eine Bibliothekarin bemerkte, dass sich in dem Regal Manuskripte befanden, und nicht etwa nur gedruckte Bücher.”
“Für uns in Island ist das sehr spannend, diese Manuskripte zu finden, weil es davon hier nicht viele gibt. Zum Beispiel das Gebetbuch in Latein, ein solches Buch gibt es sonst nicht in Island.”
Die Manuskripte sind nun digitalisiert worden und können auf der Webseite handrit.is angeschaut werden. Sie sollen in den kommenden Tagen auch in der Eingangshalle der Nationalbibliothek ausgestellt werden.

 

Isländer wollen ihre Knochen zurück

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Totenschädel von einem Friedhof auf der Insel Haffarðarey im Westen Islands sind im Harvard Peabody Museum für Archäologie und Ethnologie aufgetaucht. Die Schädel waren einst Teil einer Forschung zur Rassenhygiene und repräsentierten die nordisch-isländische Rasse. Jetzt möchten Forscher in Island und den USA diese Schädel wieder mit den dazugehörigen knöchernen Überresten vereinigen, die Gebeine befinden sich zur Zeit im Nationalmuseum in Reykjavík.

Gebeine aus dem 16. Jahrhundert
Um das Jahr 1945 herum drohte Brandung die kleine Insel Haffarðarey komplett zu zerstören, und Archäologen machten sich daran, unlängst entdeckte Gräber einer Siedlung aus dem 16. Jahrhundert freizulegen, um die Gebeine vor dem Meer zu retten. Dabei stellte sich heraus, dass allen Skeletten der Schädel fehlte.
Gesammelt worden waren die Schädel von dem Anthropologen Vilhjálmur Stefánsson, der sie als Teil seiner Forschung zur Rassenhygiene verwenden wollte, zu einer Zeit, als Island als bewahrtes Beispiel des sogenannten nordischen “goldenen Zeitalters” galt.

Der kanadische Polarforscher isländischer Herkunft interessierte sich vor allem für Zähne, denn aufgrund der fischlastigen Ernährung gab es so gut wie keine Karies auf der Insel. Allerdings waren solche Forschungen damals mit kruden rassistischen Theorien durchsetzt, wie etwa der, dass die Isländer eine Art Überbleibsel einer original germanischen Kultur gewesen sein sollen.
Vilhjálmur hatte sich seinerzeit für die wissenschaftliche Grabräuberei, die im dänischen Gesetz nicht erlaubt war, die Genehmigung eines isländischen Politikers besorgt.

Isländische Akademiker wie Gísli Pálsson setzen sich nun dafür eingesetzt, die knöchernen Überreste nach Island zu überführen.
Zur Zeit verpflichtet das US-Recht Museen dazu, die Überreste von indigenen Gruppen innerhalb der Vereinigten Staaten zurückzugeben, solche Bestimmungen existieren allerdings nicht für die Repatriierung von ausländischen Staatsbürgern.
Harpa Þórsdóttir, die Direktorin des Nationalmuseums, sagte National Geographic gegenüber: “Das Nationalmuseum begrüsst ein Gespräch über die Repatriierung der sterblichen Überreste aus Haffarðarey. Wir möchte vor allem eine Lösung, die ethisch am besten für die Sammlung ist, während natürlich auch die Bedeutung der Langzeitkonservierung beachtet werden muss.”

 

Ásatrú-Gemeinschaft von Rechtsextremisten bedroht

Der isländische Gode Hilmar Örn Hilmarsson hat schon mehrere Morddrohungen von Rechtsextremisten erhalten, die versuchen, heidnische Traditionen zu missbrauchen. Er sieht auch heilige Zeichen wie das Sonnenkreuz und den Thorshammer in Missbrauchsgefahr und bezeichnet ihre Benutzung als feindliche Übernahme heiliger Symbole, die die Gemeinschaft der Heiden als unangebracht und abstossend empfinde, berichtet Vísir.

Hilmar Örn ist der geistliche Führer des Ásatrú-Vereins, der vor gut einem halben Jahrhundert gegründet worden war. Die Zusammenkünfte der Leute, die sich mit Sonnenkreuz und Thorshammer fremdschmückten, seien nicht immer friedlich. Er nennt als Beispiele die Heathen Front und die Asatru Folk Assembly, die sich heidnisch nennen, aber Rechtsextremismus predigten. Die meisten von ihnen seien in den USA beheimatet, aber auch in Deutschland und Spanien, und Hilmar sagt, sie hätten auch in Island Gefolgsleute, die ihn übel beschimpften. Bislang sei es seiner Gemeinschaft gelungen, sich von diesen Extremisten abzugrenzen.

Nächtliche Morddrohungen
„Ich habe vier oder fünf Jahre keine Morddohungen mehr erhalten, was ich vermisse“ sagt Hilmar. Jetzt sei das anders. Da sei mitten in der Nacht angerufen und gedroht worden, doch er habe sich schliesslich darüber lustig gemacht, und da hätten die Anrufer aufgegeben.
Hilmar zufolge missverstünden Rassisten die Ásatrú, willentlich oder unwillentlich, denn die Idee einer Volkszugehörigkeit habe es zur Zeit der Landnahme ja gar nicht gegeben.
“Die Isländer haben sich als nordisch betrachtet und sprachen dänisch. Das steht in unseren ältesten schriftlichen Quellen. Als der Alte Vertrag 1262 aufgesetzt wurde, waren wir immer noch nordische Leute.” erklärt der Gode. Die nordische Idee der Extremisten stamme aus der Denkwelt der deutschen Romantik des 19. Jh und sei alle andere als wissenschaftlich, denn eigentlich sei Skandinavien im Mittelalter ein kultureller Schmelztiegel gewesen.
„Hier sind alle möglichen Leute hingekommen. Es gab viele Sami, es gab Kelten und möglicherweise Leute aus der Mongolei, wie Guðmundur heljarskinn, über den das Buch Der schwarze Wikinger berichtet. Auch aus dem Süden kamen Leute hierher. Das sei alles per DNA belegt. “Den blonden, blauäugigen Wikinger hat es quasi gar nicht gegeben. Das ist eine Fantasie des 19. Jahrhunderts.”

Bislang, so Hilmar, sei es den Rechtsextremisten nicht gelungen, Sonnenkreuz und Thorshammer zu “stehlen”, auch wenn sie es versucht hätten.
Und die Mitglieder der Glaubensgemeinschaft sind auch nicht die einzigen, die sich von Rechtsextremisten abgrenzen müssen – davon könnten Hardrockbands wie Sororocide oder Skálmöld ein Lied singen.
“Diese Bands haben diese Typen weggebissen, was ich sehr schön finde,” sagt Hilmar, der selbst Musiker ist und mit einigen der Bands zusammengearbeitet hat. “Das beste was man da machen kann, ist das mit Humor zu nehmen, weil diese Typen keinen Humor haben.”

 

Reykjavík Bear Festival ausverkauft, Rekordzahl an Gästen erwartet

Reykjavík Bear Festival

Das jährliche Reykjavík Bear Festival, das in Zusammenarbeit mit der Nationalen Queer Organisation (Samtökin ’78) abgehalten wird, ist komplett ausverkauft. Im diesem Jahr sind doppelt soviele Eintrittskarten verkauft worden wie im letzten Jahr. Die Veranstaltung will Diversität und positives Körperbewusstsein innerhalb der Bärengemeinschaft voranbringen.

Das von der non-profit Organisation Bears of Iceland veranstaltete Festival läuft vom 31. August bis 3. September und ist bereits seit Juni ausverkauft. Es steht allen Menschen offen, immerhin betont es die Vielseitigkeit und ein positives Körperbewusstsein.
„Lass dass body-shaming an der Tür zurück,“ heisst es in einer Pressemitteilung von Bears of Iceland. Stattdessen solle man sich auf Empathie, Solidarität und Lebensfreude konzentrieren. „Bären haben normalerweise nur eins gemeinsam: sie sind süss, freudig, lustig und nett zu ihren Nachbarn,“ schreiben die zweibeinigen Bären.

Auf dem Programm stehen ein Besuch in der Blauen Lagune, eine Fahrt zum Goldenen Kreis, Brunch und natürlich Parties. Am Freitag findet in der Kneipe Gaukurinn in Downtown Reykjavík eine grosse Veranstaltung statt, die Samstagabendparty findet in der Sunset Bar im Reykjavík EDITION Hotel statt. Mit dabei sind DJ Mighty Bear; DJ Neo Scott aus Spanien and DJ Joff aus Frankreich.

Bears of Iceland war im Jahr 2019 gegründet worden und steht hinter zahlreichen Veranstaltungen rund um das Jahr, um Sichtbarkeit und Kameradschaft innerhalb der Bärengemeinschaft zu fördern.
Ein Bär ist ein subkultureller Begriff, der vor allem von homosexuellen Männern benutzt wird. Er bezieht sich auf Männer, die traditionelle Männlichkeit bevorzugen und gegen die Stereotypen ankämpfen, die homosexuellen Männern gerne angehängt werden.

“Unterwegs mit Mama” für den Preis des Nordischen Rates nominiert

Þröstur Leó Gunnarsson

Der isländische Spielfilm Á ferð með mömmu (Unterwegs mit Mama) ist für den diesjährigen Preis des Nordischen Rates nominiert worden. Der Gewinner wird am 31. Oktober in Oslo bekanntgegeben.
Der Preis des Nordischen Rates wird seit 2002 vergeben und ehrt herausragende Spielfilme, die ihre Wurzeln in der nordischen Kultur haben. Für den Wettbewerb sind alle Spielfilme zugelassen, die zwischen dem 1. Juli 2022 und dem 30. Juni 2023 produziert wurden. Jedes der fünf nordischen Länder kann einen künstlerisch bedeutsamen Spielfilm nominieren, der bereits im Kino gezeigt wurde.
Dem Gewinner winken 300.000 dänische Kronen, umgerechnet etwa 40.000 Euro, wobei das Preisgeld zu gleichen Teilen zwischen Drehbuchautor, Regisseur und Produzent aufgeteilt werden muss. Bei der Preisverleihungszeremonie am 31. Oktober werden die Gewinner verkündet.

Zum ersten Mal ist mit Alanngutt Killinganni auch ein grönländischer Beitrag dabei, eine Regiearbeit von Malik Kleist.
Island schickt in diesem Jahr den Film Á ferð með mömmu (Unterwegs mit Mama) ins Rennen, eine Regiearbeit von Hilmar Oddson. Die schwarze, surreale Komödie spielt im Jahr 1980 und begleitet Jón, der sich nach dem Tod seiner Mutter mit ihren sterblichen Überresten und ihrem Hund Breschnjew auf den Weg nach Eyrarbakki macht, um dort ihrem Begräbniswunsch nachzukommen. In der Produktion von Hlín Jóhannesdóttir und Marianne Ostra sind Þröstur Leó Gunnarsson, Kristbjörg Kjeld, Hera Hilmarsdóttir, und Tómas Lemarquis zu sehen.

Schon ein paar Mal ist der Preis des Nordischen Rates an einen isländischen Spielfilm gegangen, darunter an Lambið von Valdimar Jóhannsson, Hross í oss und Konan fer í stríð von Benedikt Erlingsson, sowie Fúsi von Dagur Kári.
Die Nominierungen findet man hier.

Regierung will das isländische Opernhaus nicht mehr finanzieren

Scene from the Icelandic Opera's 2017 staging of Tosca

Die isländische Regierung plant derzeit, das Opernhaus in eine Volksoper umzuwandeln, die ab dem Jahr 2025 betrieben und nicht mehr vom Staat finanziert werden soll. Die Intendantin des Opernhauses bezeichnete die Entscheidung als kulturelle Katastrophe und meint, ohne staatliche Finanzierung müsse das Opernhaus seinen Betrieb einstellen. Von der Kultusministerin verlautete, diese Entscheidung sei schon lange fällig gewesen.

Das isländische Opernhaus war im Jahr 1970 gegründet worden und ist das einzige seiner Art in Island. Mehr als 85 Opern sind dort seit der Gründung aufgeführt worden, und seit 2011 läuft der Betrieb in der Konferenz- und Konzerthalle Harpa. Die Oper läuft derzeit als non-profit-Unternehmen und erhält seine finanziellen Mittel vom Staat und von privaten Sponsoren. Im vergangenen Jahr sind dies insgesamt 216 Mio ISK (1,5 Mio EUR) gewesen.

Drei von der Kultusministerin eingesetzte Arbeitsgruppen schaffen derzeit den Rahmen für eine Volksoper, die als Unternehmen geführt werden soll. Ab 2014 sollen die staatlichen Mittel dann wegfallen. Nach Angaben von Kultusministerin Lilja Alfreðsdóttir könne diese Entscheidung keinesfalls überraschend kommen, wo die Regierung doch schon lange angekündigt hatte, das bestehende Übereinkommen zu prüfen und eine Oper auf Betriebsbasis zu schaffen. Die noch bestehende Oper würde in diesem und im kommenden Jahr noch einmal 334 Mio ISK (2,3 Mio EUR) erhalten, um ihren finanziellen Verpflichtungen nachkommen zu können.
In der vergangenen Spielzeit hatte die Oper Negativschlagzeilen eingefahren, nachdem die Madame Butterfly-Inszenierung sich dem Vorwurf rassistischer Stereotypen ausgesetzt sah. Im Jahr 2020 hatte die Opernsängerin Þóra Einarsdóttir die Oper verklagt, weil sie sich und andere Sänger für eine Produktion aus dem Jahr 2019 als unterbezahlt betrachtete. Die Möglichkeit einer veränderten Betriebsform für das Opernhaus steht seit 2020 zur Debatte.