Gammelrochen am Tag vor Weihnachten

Am Tag vor Weihnachten, Þorláksmessa, der Tag des Heiligen Þorlákur, duftet es in isländischen Städten nach einem Fischgericht, das ausländische Besucher die Nase rümpfen lässt: skata, fermentierter Rochen, einstmals ein Armeleuteessen, wird heute regelrecht zelebriert.
Im Reykjavíker Múlakaffi steht der Eigentümer und Koch Jóhannes Stefánsson schon seit drei Uhr morgens über den Kochtöpfen, in denen fermentierter Rochen köchelt. Seit 30 Jahren bietet er skata an, und jedes Jahr kommen mehr Gäste um sich die Leckerei schmecken zu lassen. Er kennt fast alle seine Gäste und hat Spass daran, neue Leute zu begrüssen.

Bei ihm gibt es heissgekochten Rochen, nicht zu stark, aber dennoch delikat, dazu tischt er isländisches Rübenmus auf, geschmolzenes Schafsfett und Kartoffeln. Als Dessert gibt Ris á la Mande, und Milchreis mit Rosinen und Zimt auf – also 100% isländisches Essen.
Wegen der Geruchsentwicklung wollen viele den Rochen nicht zuhause kochen, gehen ihn aber gerne in Gesellschaft mit anderen essen.

Die skata“-Tradition hat katholische Wurzeln, am Tag vor Weihnachten sollte gefastet werden und nur das einfachste Essen kam am Todestag des Heiligen auf den Tisch. Der Rochen war der einzige Fisch, der kurz vor Weihnachten in den Westfjorden zu fangen war. Die Leute in den Westfjorden schafften es, aus dem eigentlich ungeniessbaren Fisch eine Delikatesse zu gestalten, deren Genuss Jahrzehnte später in Reykjavík geradezu „chic“ geworden ist.
Rochen ist ählich wie der Grönlandhai ein Knorpelfisch, dessen Fleisch einen hohen Gehalt an Ammoniak enthält. Dieser Stoff zersetzt sich mit der Zeit, weswegen skata um die drei Wochen lagern muss, bevor sie für den Verzehr geniessbar ist.

“Volaða land” auf dem Weg zum Oskar

Der Spielfilm Volaða land von Hlynur Pálmasson ist als isländischer Beitrag auf die Auswahlliste in der Kategorie Bester ausländischer Film zur Oskar-Verleihung 2024 gesetzt worden, berichtet RÚV.
Auf der Liste befinden sich Vorschläge aus 88 Ländern, doch nur 15 Kandidaten werden es auf die Nominierungsliste schaffen. Am 23. Januar wird dann die endgültige Liste mit fünf Filmtiteln veröffentlicht.

Volaða land (dt. das elende Land) ist eine Geschichte vom Kampf des Menschen mit der Natur, mit seinem Glauben und seiner tierischen Natur. Gegen Ende des 19. Jahrhundert reist ein junger dänischer Priester nach Island, um dort eine Kirche zu errichten und die Inselbewohner zu fotografieren. Ein eigenwilliger Reiseleiter führt den Priester zusammen mit einer Gruppe Einheimischer auf dem Pferderücken durch das Land. Im Verlauf der Reise verliert der Priester den Bezug zur Wirklichkeit, seinen Plan und auch seine eigene Moral.
Hier gibt es den Trailer.

Spendenaktion auf altem Landpostweg übers Hochland

Hiker Einar Skúlason

Am Freitagabend ist der Wanderer Einar Skúlason aus Seyðisfjörður nach 280 Kilometern und elf Tagen zu Fuss über das östliche Hochland in Akureyri eingetroffen. Er hatte einen alten Postbotenweg benutzt und Weihnachtskarten ausgeliefert, eine vorweihnachtliche Spendenaktion für die isländische Krebshilfe.

Mit Zelt, Schlafsack und Winterausrüstung im Rucksack war der erfahrene Wanderer in Seyðisfjörður losgelaufen, so wie die Landpostboten es über Jahrzehnte gehalten hatten. Der Postweg von Seyðisfjörður nach Akureyri, den er vor sich hatte, war über einen Zeitraum von 40 bis 50 Jahren benutzt worden, so mbl.is, zu der Zeit ein eigener Postweg, denn damals wurde die Post über Land von Reykjavík nach Akureyri, von dort nach Seyðisfjörður und zurück geliefert. Im Süden hatte es vor dem Brückenbau über die grossen Gletscherflüsse nur berittene Postboten gegeben, die mehrmals im Jahr mit Pferdekarawanen durch die Flüsse schwommen.

An manchen Tagen schaffte Einar 30 Kilometer, an anderen, wie etwa über die Fellaheiði, ging es wegen Tiefschnee nicht so gut voran und er musste seine Schneeschuhe auspacken. An der Schlucht Stuðlagil wurde er eingeladen, im Hotel zu übernachten, was ihn freute, denn Zelten im Winter sei doch ein ziemliches Theater.

Eine weitere Nacht durfte er im Museumshof Sænautasel auf der Jökuldalsheiði verbringen, denn der Landpostbote, so Hüttenbetreiberin Lílja Óladóttir, müsse drinnen schlafen. Von Sænautasel ging es bei teilweise -17 Grad übers eisige Hochland nach Möðrudalur, wo ihm ebenfalls Unterkunft angeboten wurde. Am Mývatn übernachtete er bei -10 Grad im Zelt und erzählt auf seiner Facebookseite, dass die Landpostboten früher sich in den Schnee eingegraben hätten, wenn sie draussen schliefen. Entspannung gab es im heissen Pool am Mývatn, und auch ein Hotelbett für die Nacht, sodass er ausgeruht den Weg über die Fljótsheiði in Richtung Akureyri in Angriff nehmen konnte. Am Freitagabend nach weiteren Nächten im Zelt erreichte Einar Akureyri, mit leichterem Rucksack, denn auf seinem Weg hatte er ja allerhand Weihnachtskarten abgeliefert.

Einars Fotos und Eindrücke findet man auf der Facebookseite. Die Spendenaktion hatte über eine Million ISK (6600 EUR) für die isländische Krebshilfe eingebracht.

Rätsel um Schädelfund in Ministerresidenz gelöst

Das Rätsel um den Schädelfund in der isländischen Ministerresidenz ist gelöst: das Schädelfragment stammt von einer dänischen Frau aus dem 18. Jahrhundert, berichtet Vísir.
Im September war in der Residenz des Premierministers bei Bauarbeiten im Dachstuhl zwei Schädelfragmente gefunden worden. Vor allem die isländische Premierministerin Katrín Jakobsdóttir hatte den Fund gespannt mitverfolgt, immerhin schreibt sie neben ihrer Tätigkeit für den Staat auch Kriminalromane.
Mehr zum Schädelfund.

Dänin ohne Verwandte auf der Insel
Der Schädel war damals einer C14-Analyse unterzogen worden und nun steht auch das genetische Ergebnis fest: die sterblichen Überreste gehörten zu einer dänischen Frau mit braunen Augen und braunem Haar. Sie hatte hier in Island weder Verwandte noch Nachkommen und war im 18. Jahrhundert gestorben, so die beiden Genetiker Agnar Helgason und Sunna Ebenesersdóttir, die den Schädel beim Genforschungsinstitut DeCode auf Spuren von Erbgut untersucht hatten. Einfach war dies nicht, denn grundsätzlich erhalten sich am Schädel eher wenig DNA-Spuren, hinzu kam, so erklärte Sunna, dass dank der klimatischen Bedingungen in dem Gebäude viele Spuren bereits zerfallen sind.
In Dänemark hatte die Verstorbene offenbar jedoch weitläufig Verwandtschaft, und man könne die bis auf heute Lebende nachweisen, doch nach Angaben von DeCode-Geschäftsführer Kári Stefánsson erlaube die dänische Regierung keine weiteren Untersuchungen.
An dem Schädelfragment fand sich auch ein 15 prozentiger Anteil anderer DNA, sehr wahrscheinlich, so Agnar, stamme der von isländischen Männern, die sich nach dem Tod der Dänin in dem Dachgeschoss aufgehalten und die Fragmente in der Hand gehalten hatten, ebenfalls vor langer Zeit.

Vom Friedhof in die Residenz
Aller Wahrscheinlichkeit nach stamme der Schädel aus dem Friedhof Víkurkirkjugarður, der sich gleich neben dem Grundstück der ersten isländischen Telegraphenanstalt befand. Durch die Jahrhunderte sei dort viel gegraben worden, und immer wieder seien Knochen aufgetaucht, die in diesem speziellen Fall auf geheimnisvolle Weise ihren Weg in das Haus des Dichters Hannes Hafsteinn fanden. Hannes hatte das Haus aus den Westfjorden nach Reykjavík gebracht und dort während seiner Zeit als erster Islandminister residiert.

Komponistenverband verlangt RÚV-Rückzug aus Eurovision wegen Gazakrieg

Eurovision Söngvakeppnin 2020 Daði Freyr Dimma

Der isländische Verband der Komponisten und Songschreiber (FTT) hat die nationale Sendeanstalt RÚV aufgefordert, am Eurovision Song Contest nicht teilzunehmen, ausser Israel wird von dem Wettbewerb ausgeschlossen. RÚV-Intendant Stefán Eiríksson hatte zuletzt angekündigt, dass die Sendeanstalt an der Teilnahme festhalte.

Künstler könnten selber zurücktreten
In einer Erklärung des FTT-Vorstands an Stefán heißt es, der Verband halte Island für verpflichtet, gegen den Krieg im Gazastreifen Stellung zu beziehen, und zwar auf der gleichen Grundlage, nach der Russland im vergangenen Jahr wegen der Invasion in die Ukraine vom Wettbewerb ausgeschlossen worden war.
“Die Mitglieder unseres Verbandes drängen darauf, dass wir unsere Stimmen laut werden lassen,” sagte Verbandsleiter Bragi Valdimar Skúlason RÚV gegenüber gestern. Bragi betonte, dass sein Verband für Songschreiber spreche, und nicht für Musiker im Allgemeinen.
“So wie wir die Stimmung sehen, werden die Leute ziemlich unzufrieden sein und sich möglicherweise sogar selbst zurückziehen,” hat Bragi beobachtet. Mit seiner Erklärung will der Verband die Verantwortung auf die staatliche Sendeanstalt legen, die sich gestern zu einer Vorstandssitzung getroffen hatte.

Vorschlag gelangte nicht zur Abstimmung
Aus dieser Sitzung berichtete Vorstandsmitglied Mörður Áslaugarson, dass der von ihm eingebrachte Vorschlag, am kommenden Eurovision Song Contest nicht teilzunehmen, wenn Israel teilnimmt, nicht zur Abstimmung vorgelegt wurde. Mörðurs Vorstandskollegin Margrét Tryggvadóttir, die Einzige die den Vorschlag unterstützte, sagte RÚV gegenüber, die Angelegenheit sei hochkompliziert, und eigentlich sei es unfair, dass der Intendant alleine da stehe und eine Entscheidung in der Sache treffen soll. Die Forderung, Israel eine Teilnahme am Wettbewerb zu verwehren, sei schwieriger als seinerzeit bei den Russen, weil diese kurz zuvor aus dem Verband der Europäischen Sendeanstalten (EBU) ausgeschlossen worden waren.

Mehr Druck auf die EBU
Margrét und zwei weitere Vorstandsmitglieder äußerten im Protokoll ihre Besorgnis über die Teilnahme Islands am Eurovision Song Contest im kommenden Jahr und fordern den Sender auf, die Lage regelmäßig zu bewerten. Sie verlangten außerdem, dass mit allen Mitteln Druck auf die EBU ausgeübt wird, damit Staaten, die sich der Kriegsverbrechen schuldig gemacht haben, Beschränkungen auferlegt und sie von einer Teilnahme ausgeschlossen werden. Margrét ist ausserdem der Ansicht, dass diese Angelegenheit innerhalb des Sendevorstands weiter diskutiert werden müsse.
Das Sitzungsprotokoll ist RÚV zufolge erst im Januar einsehbar.

 

 

Baltasar Kormákur setzt Wilhelm den Eroberer in Szene

Katla Netflix

Baltasar Kormákurs Produktionsfirma RVK Studios arbeitet zusammen mit CBS Studios an der Serie King and Conqueror, die von Wilhelm dem Eroberer und der berühmten Schlacht von Hastings in 1066 erzählt. Das ehrgeizige Projekt soll im Reykjavíker Naherholungs- und Naturschutzgebiet Heiðmörk und in Studios gedreht werden.
In den Hauptrollen werden James Norton und Nikolaj Coster-Waldau zu sehen sein. Für das Drehbuch zeichnet Michael Robert Johnsson verantwortlich, der auch die TV-Serie Sherlock Holmes geschrieben hat.
“Das ist eins der grössten Projekte, die hier unternommen worden sind, und es ist besonders komplex, weil es im mittelalterlichen Britannien spielt, zum grössten Teil,” sagte Baltasar RÚV in der vergangenen Woche.

Aufwendige Filmarbeiten
Gefilmt wird von Februar bis Juli kommenden Jahres. Die RKV Studios haben eine Filmlizenz für Dreharbeiten in der Heiðmörk beantragt, denn das Gelände steht unter Naturschutz und ist als Naherholungsgebiet bei Wanderern, Radfahrern, Joggern und Reitern gleichermassen beliebt. Die Produktionsfirma will auf dem Parkplatz in Hjallaflatir ein kleines Dorf aufbauen, über dessen Grösse noch entschieden werden muss.
Als Vorbereitungszeit sind zwei bis drei Monate geplant, die Dreharbeiten selber sollen innerhalb von zwei Wochen erfolgen, für den Abbau der Infrastrukturen sind ebenfalls um die zwei Wochen angesetzt. Während dieser Zeit wäre der Parkplatz nicht benutzbar.

50-70 Pferde für die Schlacht
RVK Studios hat auch um eine Drehgenehmigung ersucht, um die berühmte Schlacht von Hastings auf dem Feld in Hjallaflatir drehen zu dürfen. Dazu müssten Verteidigungsmauern errichtet werden, für die Darstellung der Kampfhandlungen würden 180 Personen und 50 bis 70 Pferde benötigt. Für diese Szene veranschlagt man zwei bis vier Wochen Vorbereitung, fünf Tage Dreharbeiten, sowie eine Woche, um alles wieder in den Originalzustand zu versetzen.

Lindsey Martin, die Vizepräsidentin der CBS, bezeichnete die Serie in einem Interview mit Deadline als innovativ und trete mit Weltklassebesetzung an.
“Wir sind unglaublich stolz darauf, was das Produktionsteam schon alles erreicht hat, und wir können es kaum erwarten, das Endprodukt auf der Leinwand zu sehen.”

 

Hallormsstaðaschule lehrt bald auf Universitätsniveau

Wenn alles nach Plan verläuft, dürfte ein Studium an der Hallormsstaðskóli demnächst als Universitätsstudium anerkannt werden. Eine entsprechende Absichtserklärung ist nun unterzeichnet worden und könnte die Schul- und Hochschularbeit im Osten des Landes revolutionieren, berichtet RÚV.

Alte Hausfrauenschule in neuem Gewand
Hallormsstaðir ist eine alte Hausfrauenschule, doch das Lehrprogramm hat sich der Moderne angepasst. Heute wird in dem ehrwürdigen Gebäude kreative Nachhaltigkeit gelehrt. Der Fokus liegt dabei auf Innovation, der Nutzung von Rohstoffen aus der Region, und der Wissenschaft um Nachhaltigkeit.
Die Schule hatte sich in einer Grauzone befunden, der sogenannten vierten Qualifikationsstufe – die liegt oberhalb der Sekundarstufe, aber bislang war der Studiengang nicht als Universitätsstudiengang anerkannt. Daher war es gestern Abend ein großer Moment, als die Ministerin für Hochschulen und Bildung und der Kanzler der Universität in den Osten kamen und eine Vereinbarung unterzeichneten, wonach die Universität das Programm der Schule auf Universitätsebene anerkennen will.

„Es ist einfach wichtig, dass wir landesweit Hochschulbildung anbieten und allen den Zugang zur Hochschule ermöglichen. Die Tatsache, dass die Hallormstaðaschule in Zusammenarbeit mit der Universität Studiengänge im Ostland anbieten kann, ist eine große Veränderung und trägt hoffentlich dazu bei, Studenten in ländlichen Gebieten den Zugang zu Universitätsstudien zu erleichtern“, sagte Ministerin Áslaug Arna Sigurbjörnsdóttir.
Auch Studenten der Universität könnten dann dort studienrelevante Veranstaltungen besuchen. Momentan prüft man, wie die in der Schule gelehrte kreative Nachhaltigkeit Eingang in die universitäre Gemeinschaft finden könnte, erklärte Schulleiterin Bryndís Fiona Ford,

Offen für alle Studierenden
Jón Atli Benediktsson, der Rektor der isländischen Universität, ist der Ansicht, dass sich das Studium der Nachhaltigkeit in vielen Bereichen als Teil der Ausbildung eignet. „Wir haben bislang vor allem die Studenten der Kulturwissenschaften im Auge gehabt. Aber wir wollen dennoch auch für Studenten anderer Fakultäten offen sein, wir haben ja fünf Fakultäten und eine breitgefächerte Hochschule, und die sollten auch hierher kommen können. In der Universität haben wir in unserem Ansatz mehr Wert auf Nachhaltigkeit gelegt. Und genau das wollen wir gerne weiterentwickeln, das ist auf jeden Fall zeitgemäss,“ sagte Jón Atli.

 

Höhlen in Hella: Rätsel um Alter und Nutzung bald gelöst?

Eine Gruppe amerikanischer Wissenschaftler ist derzeit damit befasst, die Höhlen in Ægissíða im südisländischen Rangárþing ytra auf ihr Alter und mögliche Funktion bei der Besiedlung zu untersuchen, berichtet mbl.is. Dabei benutzen die Geochemikerin Laura Haynes und die Kunsthistorikern Elizabeth Lastra vom Vassar College neue Methoden, die bislang hierzulande noch nicht zur Anwendung gekommen war.
Das Höhlensystem vor den Toren der Ortschaft Hella ist seit 2021 ein beliebter Besuchsort für Höhlenfreunde. Der Webseite zufolge gibt es 12 Höhlen auf der Gemarkung, vier von ihnen sind Besuchern zugänglich, in allen finden sich Einritzungen und verzierte steinerne Sitzgelegenheiten.

Felsritzungen im Fokus
Im Jahr 2017 hatte der Historiker Árni Freyr Magnússon einen wissenschaftlichen Aufsatz über die vier Methoden zur Altersbestimmung dieser Höhlen veröffentlicht: schriftliche Quellen, Felsritzungen, menschliche Hinterlassenschaften sowie Gegenstände, die in einer der Höhlen gefunden worden waren.
„Die Methode der amerikanischen Experten ist ausgesprochen bemerkenswert. Sie konzentriert sich auf die Untersuchung der Felsritzungen an den Wänden.“ erklärt Árni Freyr. „Als ich mir das vor fünf Jahren anschaute, war mir nicht klar, dass ausländische Experten so schnell mit der Untersuchung beginnen würden, mit modernsten technischen Mitteln. Das ist Technik, über die isländische Wissenschaftler in der Regel nicht verfügen. Aber es ist ist grossartig, dass ausländische Experten auf dem Gebiet der Kunstgeschichte und Geochemie sich ausgerechnet die Höhlen von Hella für ihre Forschungen aussuchen.“

Staub und Sediment unter der Lupe
Die beiden Wissenschaftlerinnen nutzen die Reflectance Transformation Imaging (RTI) Technologie, sowie die Röntgen-Fluoreszenzanalyse. Dazu wird mit einer Kamera Licht aus verschiedenen Winkeln auf die Felsritzungen gerichtet, um die Zeichnungen auf allen Ebenen in 3D zu kartieren.
Bei der Fluoreszenzanalyse wird der mineralische Staub auf den Felswänden röntgenologisch untersucht. Da sich dieser Staub auch in den Einritzungen findet, gibt er Hinweise auf das Alter der Ritzung, und damit auf Höhlenalter, Klima und Vegetation. Die mineralische Zusammensetzung des Staubs bietet Einsicht in die Zeit, als die Höhlen geschaffen und genutzt wurden. Auch die Sedimentschichten am Boden der Höhle werden analysiert, in der Hoffnung auf Hinweise, wann und wofür die geheimnisvollen Höhlen einst geschaffen wurden.
Árni Freyr wartet nun gespannt auf die Ergebnisse. Es sei kein Geheimnis, dass die Altersbestimmung von menschengemachten Höhlen isländischen Wissenschaftlern bislang Probleme bereitet hätten, aber mit der neuen Technologie könne man der Wahrheit um diese bemerkenswerten Bauwerke nun näherrücken.

Autoren boykottieren Iceland Noir Festival wegen Hillary Clinton

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Rund 60 Schriftsteller werden das isländische Noir Literary Festival (Schwarze Literatur) boykottieren, um gegen Ehrengast Hillary Clinton und ihren Standpunkt im Palästina-Konflikt zu protestieren. In einem Brief verurteilen die Autoren Clintons Haltung und die zunehmende Politierung des Festivals und fordern Berufskollegen auf, ihnen gleichzutun. In der Gruppe befinden sich Autoren wie Hallgrímur Helgason, Guðrún Eva Mínervudóttir, Bragi Ólafsson, Kristín Ómarsdóttir, Kristín Eiríksdóttir, und Pedro Gunnlaugur Garcia.

Öffentlich gegen Waffenstillstand
“Hillary Clinton äussert sich in aller Öffentlichkeit gegen einen Waffenstillstand beim andauernden Genozid der israelischen Armee in Palästina. Jahrelang hat sie auch ihre breite öffentliche Plattform genutzt, um Propaganda der israelischen Regierung und Falschinformation zu verbreiten und hat damit den Menscchen Palästinas Schaden zugefügt,” heisst es in dem offenen Brief der Autoren.
“Mit ihrer Einladung hat das Iceland Noir Festival Stellung bezogen, mit dem Festhalten an ihrer Einladung hat das Festival seine politische Haltung unterstrichen, die mit Kriegsverbrechen und Genozid assoziiert wird,” heisst es weiter. “Wenn Kinder kämpfen und alle zehn Minuten ein Kind getötet wird, ist keine Zeit mehr um Ansichten auszutauschen oder eine Debatte anzustrengen. Nur die Haltung selbst zählt, und daher fordern wir dringend dazu auf:
– Beziehen Sie eine klare Haltung gegen Kriegsverbrechen und Genizid
– Hören Sie auf mit dem Reinwaschen der israelischen Regierung und ihrer Unterstützer
– Hören Sie auf, den Menschenrechtskampf der Menschen Palästinas zu unterminieren.
– Unterstützen Sie ein freies Palästina!

Die Erklärung stellt klar, dass der Boykott eine friedliche Methode sei, mit der moralische und politische Missbilligung der Aktionen von Personen oder Institutionen ausgedrückt wird, die anderen Schaden zufügen. Der Boykott sei nicht als persönlicher Angriff gegen Organisatoren oder Sponsoren des Festivals gemeint.

Sollte ein unpolitisches Festival sein
In einem Interview mit Vísir drückte die Autorin Yrsa Sigurðardóttir, die das Festival zusammen mit Ragnar Jónasson, Ólafur Darri Ólafsson und Sverrir Norland organisiert, ihr Bedauern und Verständnis für den Boykott aus.
“Wir dachten das wäre eine gute Gelegenheit, Hillary einzuladen, die bemerkenswert ist, aber nicht unumstritten. Daher hatten wir entschieden, diese besondere Veranstaltung zu organisieren. Sie wird nicht beim Festival selbst erscheinen, das wird eine separate Veranstaltung. Aber das ist schrecklich. Es tut uns sehr leid, dass unsere Initiative eines Literaturfestivals in solche Konflikte hineingezogen worden ist, die wir natürlich alle sofort deeskaliert sehen wollen.”

Sie verstehe die Haltung der protestierenden Autoren voll und ganz. “Man versteht, dass Leute etwas tun wollen. Aber ich bin nicht sicher, ob unsere kleine Initiative eine Plattform sein kann, um in dieser Angelegenheit eine Änderung herbeizuführen. Aber da ist vielleicht nicht jeder dieser Meinung.” sagte Yrsa. “Das soll ein unpolitisches Festival sein. Und ich glaube, die meisten Teilnehmer sind nicht ihrer (Hillarys) Meinung in Bezug auf den Waffenstillstand, ebenso wie die Besucher. Wir fragen die Leute nicht nach ihrer politischen Haltung, wenn wir Teilnehmer für das Festival auswählen.”

Immer mehr Hörbücher, immer mehr Nichtleser

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Immer mehr Leser in Island lassen sich von Hörbüchern in andere Welten entführen, seit dem Jahr 2018 ist der Anteil stark angestiegen, als noch 11% der Bevölkerung einmal wöchentlich oder einem öfter einem Hörbuch lauschte. Heute liegt der Anteil bei 27%. Im gleichen Zeitraum ist die wöchentliche Lektüre von normalen Büchern aus Papier um 17% zurückgegangen, im Jahr 2018 waren es noch 36% gewesen, in diesem Jahr liegt der Anteil bei 30%.

Mehr junge Leser, mehr Nichtleser
Umfragedaten des Zentrums für isländische Literatur in Zusammenarbeit mit sechs weiteren Beteiligten aus dem Herbst brachten zutage, dass das Hörbuch am eifrigsten von der Gruppe der 35 bis 54-Jährigen genutzt wird. Die durchschnittliche Zahl der gelesenen Bücher pro Monat liegt derzeit bei 2,4 Titeln, und daran hat sich in den vergangenen Jahren nur wenig geändert. Die jüngste Gruppe der Befragten liest mehr als letztes Jahr, die älteste Gruppe liest weniger.
Im gleichen Zeitraum wuchs die Gruppe der Isländer, die wenig bis gar nichts lesen, um die 14 % aller Landsleute verbringt weder Zeit mit Lesen noch mit dem Hören von Hörbüchern.
Ein Drittel der Landsleute verbringt 30 bis 60 Minuten pro Tag mit einem Buch, 24% widmen ihm zwei Stunden pro Tag oder mehr. Frauen lesen oder hören mehr als Männer.

Beliebtester Lesestoff ist der Roman, bei allen Altersgruppen. Die überwiegende Mehrheit der Isländer (77%) hält es für wichtig, dass die isländische Literatur Zugang zu öffentlicher Unterstützung erhält, das sind drei Prozent mehr als noch im vergangenen Jahr.
Zwischen dem 10. und dem 27. Oktober waren 2500 Personen über 18 Jahren befragt worden, 51% waren zu einer Antwort bereit gewesen. Ähnliche Befragungen werden seit dem Jahr 2017 jährlich durchgeführt.

Hörbuch bringt geringeres Autorenhonorar
Auf der anderen Seite der Hörbuchmedaille stehen die geringeren Einnahmen für Autoren. Vor einigen Tagen berichtete mbl.is, dass isländische Schriftsteller mit den vom Streamingdienst Storytel ausgezahlten Honoraren ausgesprochen unzufrieden sind. Ausserdem hätten die Hörbücher Auswirkungen auf den Verkauf von normalen Büchern. Sie verlangen daher Vertragsänderungen, unter anderem möchten sie, dass die Hörfassung von Büchern noch später erscheint als bisher.

50 Kronen für ein Hörbuch
Der Autor und Leiter des isländischen Schriftstellerverbandes, Sverr­ir Nor­land, meinte, die Hörbuchrevolution sei durchaus zu begrüssen, allerdings seien die Einnahmemöglichkeiten in den letzten Jahren dadurch gesunken. Der Hörbuchriese Storytel habe in der gleichen Zeit seinen Marktanteil ausbauen können.
“Wenn ich meinen Roman im Laden verkaufe, erhalte ich 1000 Kronen,” erklärt Sverrir. “Wenn du das Buch als Hörbuch bei Storytel kaufst, bekomme ich nur 50 Kronen. Es müssen als 20 Leute das Buch hören, damit ich die gleiche Summe wie für das gedruckte Buch erhalte.”
Er halte die Summen für lächerlich, niemand könne davon leben, falls so die Zukunft aussehen solle. Eine gesamte Branche werde da in Grund und Boden gerichtet, und am Ende habe niemand was davon. Nicht mal der Hörbuchriese, so Sverrir, denn der bekäme auch keine Bücher mehr.