Eurovision: die Hälfte aller Isländer ist gegen eine Teilnahme

Eurovision Söngvakeppnin 2020 Daði Freyr Dimma

Etwa die Hälfte aller Isländer ist einer Umfrage zufolge dagegen, dass Island beim Eurovision Song Contest 2024 teilnimmt, wenn Israel ebenfalls antritt, berichtet RÚV.

Die Teilnahme beim Eurovision Song Contest war in den letzten Woche Streitthema gewesen. In der Öffentlichkeit hatte es Kritik dafür gehagelt, dass Israel trotz des Krieges in Gaza an dem Gesangswettbewerb teilnehmen darf. Aus verschiedenen Richtungen war die Forderung gekommen, dass Island sich deshalb aus dem Wettbewerb zurückziehen sollte. Und in der Bevölkerung ist rund die Hälfte aller Befragten dieser Ansicht – nur drei von 10 Befragten finden, Island sollte teilnehmen. Ein Fünftel der Befragten äusserte keine Meinung.

80 und 76 Prozent wollen Ausschluss von Israel
Männer sprechen sich eher für eine Teilnahme aus als Frauen. Menschen über 50 sind ebenfalls eher für eine Teilnahme als jüngere Menschen. Bei den politischen Parteien sind es eher die Unterstützer der Unabhängigkeitspartei, die eine Teilnahme befürworten, am meisten dagegen sind Unterstützer der Piratenpartei. Etwa 80 Prozent der Befragten gaben an, sich für eine Teilnahme Islands auszusprechen, wenn Israel vom Wettbewerb ausgeschlossen werde.
Eine gleichlautende Umfrage von Prósent aus dem Dezember 2023 hatte ergeben, dass etwa 76 Prozent der Bevölkerung der Ansicht war, dass Israel vom Eurovision Song Contest ausgeschlossen werden sollte. Und rund 60 Prozent sprach sich dafür aus, dass Island sich aus dem Wettbewerb zurückziehen sollte, wenn Israel teilnehmen dürfe.

Druck aus der Musikerszene
Nicht nur in Island ist der diesjährige ECS ein heisses Eisen. Rund 1000 schwedische Musiker hatten in einem offenen Brief an den Verband der europäischen Sendeanstalten (EBU) darauf gedrängt, Israel von dem Wettbewerb auszuschliessen. Ihrer Ansicht nach verstosse Israels Teilnahme gegen das erklärte Ziel des Song Contest, Frieden und Vereinigung zu unterstüutzen. Trotz des Drucks deutet jedoch kaum etwas darauf hin, dass die EBU sich eines Besseren besinnt. Auch in Finnland, Grossbritannien, Irland und Spanien hatte sich Widerstand geregt.
In Norwegen hatte die Band Gåte den norwegischen Wettbewerb gewonnen und sich für Malmö qualifiziert. Die Bandmitglieder hatten angekündigt, beim ECS teilzunehmen. Sie wollten sich eher dort auf der grossen Bühne zum Krieg in Gaza äussern als den Wettbewerb boykottieren.

 

Laufey erhält Grammy Award 2024

Die isländische Musikerin Laufey hat den Grammy Award 2024 in der Kategorie Best Traditional Pop Vocal Album für ihr Album Bewitched erhalten. Neben Laufey waren in der Kategorie Bruce Springsteen und Pentatonix nominiert. Laufey ruht sich aber nicht auf ihren Lorbeeren aus, sondern ist schon auf dem Weg zu einer Europa-Tournee.
“In einer Million Jahren hätte ich nicht gedacht dass das passieren würde”, sagte Laufey gestern Abend in ihrer Dankesrede bei der 66. Verleihung der Grammy Awards in Los Angeles. Sie dankte ihrem Team, ihren Eltern, Grosseltern und der internationalen Klassik- und Jazzgemeinschaft. Ihr grösster Dank aber gehe an ihre Zwillingsschwester Junia, die sie ihre “grösste Unterstützerin” nennt.

Streaming-Rekorde gebrochen
Das Album Bewitched hat einen Rekord gesetzt für die meisten Streamings in der Kategorie Jazz bei Spotify an Tag der Veröffentlichung, insgesamt ist das Album am ersten Tag 5,7 Millionen mal gestreamt worden. Zuletzt hatten Lady Gaga und Tony Bennett im Jahr 2021 den Rekord mit 1,1 Millionen Streamings am ersten Tag für Love for Sale gehalten.
In einem Interview mit Billboard nach der Preisverleihung nannte Laufey die Ehre sehr wertvoll und spannend. Sie ist schon jetzt auf dem Weg nach Europa auf Tournee, im Frühjahr geht es dann in die USA.

Grammy-Nation Island
Laufey ist in diesem Jahr nicht die einzige Isländerin, die für einen Grammy nominiert worden war. Ebenfalls zur Debatte stand der Musiker Ólafur Arnalds für sein Album Some Kind of Peace (Piano Reworks) in der Kategorie Best New Age, Ambient or Chant Album. Ólafur war zuvor schon zweimal nominiert worden.
Auch unter den Grammy-Gewinnern befinden sich Isländerinnen, darunter die Komponistin Hildur Guðnadóttir, die den Preis gleich zweimal erhielt, die Sopranistin Dísella Lárusdóttir, und natürlich Björk.

Birnir und Emília sind beliebteste Vornamen in 2023

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Birnir ist der beliebteste Jungenname des Jahres 2023 gewesen. Bei den Mädchen führt Emília die Liste an. Diese Daten zum Beliebtheitsgrad von Vornamen hat heute das Statistische Amt veröffentlicht.

Neugeborene erst mal namenlos
Insgesamt 30 Kinder haben im vergangenen Jahr den Namen Birnir erhalten, auf Platz zwei und drei lagen Emil und Elmar, dann folgen Jón und Óliver.
Bei den Mädchen erfreute sich in 2023 Emíla grosser Beliebtheit, gefolgt von Sara, Sóley, Embla, und Aþena (Athena).
In Island folgt die Namenskultur anderen Traditionen. Neugeborene erhalten nicht gleich nach der Geburt einen Vornamen, sondern erst bei ihrer Taufe oder bei einer nicht-religiösen Zeremonie im Alter von etwa zwei Monaten. Viele Eltern halten den geplanten Namen sogar bis zur Taufe geheim. Dem Gesetz nach muss ein Kind spätestens nach sechs Monaten auf einen Vornamen registriert sein, sonst droht den Eltern oder dem Vormund eine Geldstrafe. Auch heute noch werden Kinder oft nach ihren Grosseltern benannt, doch zeigen die Einträge beim Statistischen Amt, dass sich Namenstrends mit der Zeit ändern.

Namensausschuss entscheidet
In früheren Zeiten kümmerte sich der Priester darum, dass der Täufling einen gesellschaftlich akzeptablen Namen erhielt. Heute ist es Sache des Namensausschusses, der alle Namensanträge auf den Tisch bekommt und nach festgesetzten Regeln neue Namen zulässt oder ablehnt, überdies pflegt der Ausschuss eine Liste aller bewilligten Namen, aus der man wählen kann.
Die Existenz dieses Ausschusses ist in den vergangenen Jahren immer wieder Gegenstand der öffentlichen Kritik gewesen, unter anderem hatte die damalige Justizministerin Áslaug Arna Sigurbjörnsdóttir seine Abschaffung gefordert.

Anders als in Deutschland sind in Island traditionelle Vornamen immer noch voll im Trend. Die beiden beliebtesten Namen in Island sind Anna (6,272 Personen) und Jón (5,599 Personen), gefolgt von Guðrún (4,923 Personen), Sigurður (4,445) und Guðmundur (4,208).

Islandspatmine in Helgustaðir als 3D-Animation verfügbar

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Die alte Islandspatmine Helgustaðanáma im Reyðarfjörður ist vielen Islandkennern ein Begriff, vor allem, dass sie nichts für Leute ist, die sich in engen Räumen unwohl fühlen. So mancher hat nach einem Besuch Beulen am Kopf davongetragen, oder kam mit durchgewetzten Knien wieder ans Tageslicht.
Alle jene können aufatmen, denn nun kann man die Mine in einer 3D-Animation vom Sofa aus bewundern.

Überwachung und Sicherheit
Lára Björnsdóttir von der isländischen Umweltagentur und Hafþór Snjólfur Helgason, ein Multimedia-Experte vom Ingenieurbüro Efla haben die Mine kartiert, eingescannt und in eine animierte 3D Form gebracht, die einen beinahe live unter den Fels bringt. Hafþór sagte Austurfrétt, dieses Projekt sei das anspruchsvollste, das er je auf dem Tisch gehabt hat.

Es hat gleich mehrere Gründe gegeben, warum die Umweltbehörde die Mine mit modernster Technik hat einscannen lassen. Man wolle sich ein klares Bild der Mine verschaffen, um den Kristalldiebstahl besser überwachen zu können, es gehe aber auch um die Sicherheit von Besuchern. Nicht zuletzt ermögliche die Animation all jenen einen Besuch, die die Mine aus verschiedenen Gründen nicht selbst erkunden können. Helgustaðanáma ist etwa für körperbehinderte Besucher oder Rollstuhlfahrer nicht erreichbar, erklärte Lára.

Berühmte Mine, berühmte Kristalle
Die alte Islandspatmine in der Länderei Helgustaðir im Fjarðarbyggð war im Jahr 1975 als Naturdenkmal unter Schutz gestellt worden. Sie gehört zu den berühmtesten Islandspatminen weltweit. Zwischen den Jahren 1855 und 1925 war in der Mine Islandspat abgebaut worden.
Der besonders klare Kristall hat lange Verwendung in der Polarisationsmikroskopie gefunden und war als Schmuckstein und Sammlerstück begehrt.
Islandspat findet sich auch an anderen Orten der Welt, aber die Mine von Helgustaðir lieferte einige der reinsten und grössten Kristalle, die in Sammlungen aufbewahrt werden.
Aus der Mine sind in den letzten Jahren immer wieder Kristalle gestohlen worden, obwohl dies streng verboten ist.

Hier findet sich die 3D Animation.

Ausgrabung: Im Stöðvarfjörður lebten Saisonjäger und Siedler Tür an Tür

Bei den Ausgrabungen in Stöð im Stöðvarfjörður mehren sich Hinweise darauf, dass das ältere der beiden Gebäude nicht etwa ein Wohnhaus von Siedlern gewesen ist, sondern ein Saisonstützpunkt. berichtet austurfrett. Sollte sich das bestätigen, würde es beweisen, dass solche Saisonstützpunkte noch betrieben wurden, als die Besiedlung Islands längst im Gange war. Anders gesagt – Saisonstützpunkte und dauerhafte Niederlassungen haben zu Beginn der Besiedlung eine ganze Weile nebeneinander existiert.

Jäger lebten neben Siedlern
Aus dem Grabungsbericht des Archäologen Dr. Bjarni F. Einarsson geht hervor, dass das jüngere Gebäude C14 Untersuchungen zufolge um das Jahr 950 entstanden ist und bis nach 1000 gestanden hat, das ältere ist zu Beginn der Besiedlung um 870 herum entstanden. Unter den Fundamenten fanden sich jedoch Spuren, die älter als 870 sind.
Gefundene Artefakte weisen auf eine unterschiedliche Nutzung der Gebäude hin. Das jüngere Gebäude sei demnach das typische Wohnhaus eines niedergelassenen Anführers gewesen. Die Gegenstände, die man in dem älteren Gebäude fand, dienten anderen Zwecken als für eine bäuerliche Siedlung mit ihren typischen Tätigkeiten typisch sind. Das lässt darauf schliessen, dass das ältere Gebäude weiter als Saisonstützpunkt genutzt und dann als Wohngebäude umgenutzt wurde.

Expats der alten Welt
Die Saisonstützpunkte sind ein in der nordischen Kultur bekanntes Phänomen. König, Anführer und Grossbauern schickten ihre Leute an solche Stützpunkte, weit von der Heimat entfernt, um dort die an dem jeweiligen Ort vorhandenen Tiere zu jagen und zu verarbeiten. Im Osten Islands waren das Fisch, Seehund, Vögel, möglicherweise Wale und Haie. Fleisch und Speck wurden vor Ort verarbeitet und etwa Öl aus dem Speck gewonnen. Die Erzeugnisse sind dann zum Herbst hin nach Hause verschifft und dort genutzt oder vermarktet worden.

Keine Nutztiere am Stützpunkt
Einer der Haupthinweise auf die nicht-bäuerliche Nutzung des älteren Gebäudes ist das völlige Fehlen von Nutztieren und Wollverarbeitung. Letztere findet sich in dem jüngeren Gebäude, wo sie wie auf allen bäuerlichen Höfen der Siedler ein wichtiger Teil der landwirtschaftlichen und häuslichen Arbeit war.
Eine grosse Menge an Funden im jüngeren Gebäude hingegen kann andere Gründe haben. Dort wurden nämlich mehr Gegenstände gefunden als in vielen anderen Anführerhallen in Island. „Man kommt nicht um den Gedanken herum, dass die Anzahl der Artefakte in Stöð nicht nur auf den Reichtum des Hofes zurückzuführen ist, sondern auch darauf, dass die Gegenstände eine Art endgültige Opferung des Gebäudes darstellen, als es verlassen wurde und man neue Wohnhäuser auf dem Hügel errichtete, wo seitdem der Bauernhof steht.“ heisst es im Grabungsbericht.
Dieser Schritt könnte auch mit der Übernahme des Christentums zusammenhängen, das sich langsam im Land durchsetzte und von Anführern als erstes übernommen wurde.

Eurovision: RÚV trifft Entscheidung zur Teilnahme

Eurovision Söngvakeppnin 2020 Daði Freyr Dimma

Anders als gestern verlautete, wird die staatliche Sendeanstalt RÚV die Verantwortung zur Teilnahme am Eurovision Song Contest nicht auf den Sieger des heimischen Wettbewerbs abwälzen. Radiointendant Stefán Eríksson betonte heute, dass RÚV die letzte Entscheidungsbefugnis habe. In den kommenden Wochen könne sich viel ändern.

RÚV trifft die Teilnahmeentscheidung
„Es ist völlig klar, dass RÚV die Entscheidung über die Teilnahme am Eurovision Song Contest trifft und nicht der einzelne Teilnehmer“, sagt Radiointendant Stefán Eiríksson. Gestern war bekannt gegeben worden, dass die endgültige Entscheidung über eine Teilnahme Islands nach dem Inlandswettbewerb söngvakeppni fallen wird, im Einvernehmen mit dem Sieger. Heute hiess es: „Und dort werden wir uns natürlich auch die Meinung des Künstlers anhören, der den Wettbewerb gewonnen hat.“

Kontroverse über Israels Beteiligung
Nachdem publik wurde, dass Israel am ECS teilnehmen wird, hatte es viele Diskussionen über die Teilnahme Islands gegeben. Nach Angaben der palästinensischen Gesundheitsbehörden sind in den letzten Monaten mindestens 25.700 Menschen bei Angriffen auf Gaza ums Leben gekommen. Musiker und der Verband der Komponisten und Textdichter hatten RÚV zum Boycott des ECS aufgefordert. Ausserdem war eine Petition mit mehr als 9000 Unterschriften ausgehändigt worden, die Island aufforderte, sich wegen des Gazakrieges für einen Ausschluss Israels einzusetzen.
Bei einer Umfrage aus dem Dezember hatten sich 76 Prozent der Befragten für einen Ausschluss der Israelis vom Song Contest ausgesprochen, und 60 Prozent waren der Ansicht, dass Island seine Teilnahme zurückziehen sollte, wenn Israel teilnimmt.

Keine Brücken abbrennen
Stefán gab heute an, die endgültige Entscheidung werde im Hinblick auf die Lage im März getroffen. Bis dahin könne sich viel ändern. “Und wir wollen keine Brücken hinter uns abbrennen, indem wir jetzt Entscheidungen treffen, etwa auf die Teilnahme zu verzichten, wenn sich die Bedingungen Mitte Februar oder März dann ändern.” sagte Stefán.
Auch in Norwegen war die Teilnahme am ECS ein heisses Eisen gewesen. In Finnland hatten 1300 Musiker vom staatlichem Sender verlangt, sich für einen Boycott der Israelis einzusetzen. Die Finnen wählten dann den gleichen Weg wie Island, sie werden die Vorentscheidung vom ECS trennen und ihre endgültige Entscheidung erst nach Bekanntgabe des nationalen Siegers treffen.

Stefán zufolge warte man nicht auf weitere nordische Länder. Überall in Europa bereite man die nationalen Wettbewerbe vor. Zu diesem Zeitpunkt habe auch  auf internationaler Ebene niemand entschieden, Israel von Kultur- und Sportveranstaltungen auszuschliessen, mit Ausnahme des Eishockey. “Aber wir wissen nicht, was in einigen Wochen oder zwei Monaten passieren wird.”

Sender macht keine Aussenpolitik
Stefán sagt, niemand werde gezwungen, beim Eurovision Song Contest teilzunehmen, wenn er nicht will.
Auf die Kritik, dass sich mit der Entscheidung von RÚV eine staatliche Institution in Angelegenheiten der Aussenpolitik einmische, sagt Stefán, genau das versuche man zu vermeiden. Es sei nicht die Aufgabe der staatlichen Sendeanstalt oder anderen Institutionen in Staatsbesitz, durch Boykotte aussenpolitische Stellung zu beziehen. “Ein solches Ziel wird vom Parlament und der Regierung vorgegeben, wie es etwa im Fall Russlands geschehen ist, nach dem Einmarsch in die Ukraine.” Man treffe jedoch keine selbstständigen Entscheidungen auf dem Gebiet der Aussenpolitik, und schon gar nicht täten dies einzelne Teilnehmer des heimischen Gesangswettbewerbs.

Kein Maulkorb auf der Bühne
Dem isländischen Teilnehmer werde jedoch kein Maulkorb umgebunden. Beim ECS gälten Regeln, die befolgt werden müssten. Innerhalb dieser Regeln könne der Teilnehmer jedoch selbstverständlich die Bühne und seine Stimme benutzen, um seiner Ansicht Ausdruck zu verleihen, so Stefán.

Im Jahr 2019 hatte die für Island antretende Band Hatari die ECS Organisatoren aufgefordert, Israel vom Wettbewerb auszuschliessen. Da dies nicht geschah, hatten die Bandmitglieder während der Punktevergabe für Island eine meterlange Palästinafahne ausgebreitet, die jedoch sehr schnell von Saalordnern entfernt worden war.

Eurovision: Islands Teilnahme wird mit dem heimischen Sieger entschieden

Ungewiss bleibt vorerst, ob Island in diesem Frühjahr am Eurovision Song Contest (ECS) in Schweden teilnehmen wird. Die endgültige Entscheidung über eine Teilnahme wird nach dem Gesangswettbewerb (söngvakeppni) hier zuhause und dann im Einvernehmen mit dem Sieger getroffen, berichtet RÚV.

Wettbewerbe werden getrennt
Zunächst wurde nur beschlossen, die Verbindung zwischen dem heimischen Gesangswettbewerb und Islands Teilnahme am Eurovision Song Contest aufzuheben. Der heimische Wettbewerb findet wie bisher statt, die endgültige Entscheidung über die Teilnahme Islands am ECS wird jedoch erst am Ende und dann im Einvernehmen mit dem Sieger getroffen.
Hinter dieser Entscheidung steht die Kritik, dass Israel trotz des andauernden Gaza-Krieges am Eurovision Song Contest teilnimmt.

Neuer Weg für den Sieger
Intendant Stefán Eiríksson sagte heute im Radiosender Rás 2, die Bewerber für das söngvakeppni seien verständlicherweise besorgt über die Lage in Gaza. Diese Bedenken seien dem Verband der europäischen Radiosender (EBU) übermittelt worden.
Trotz aller Besorgnis habe man angekündigt, dass man am Eurovision Song Contest teilnehmen wolle, aber nicht wisse, was die Zukunft bringe. Die endgültige Entscheidung werde daher nicht jetzt getroffen, sondern erst dann, wenn Mitte März ein isländischer Sieger und Vertreter beim ESC feststeht, und dann mit ihm zusammen.
Ein völlig neuer Weg, sagt söngvakeppni-Leiter Rúnar Freyr Gíslason. Die Teilnehmer, die am Samstag bekannt gegeben werden, hätten dieses Ergebnis aber akzeptieren können.

Norwegen und Finnland gehen gleichen Weg
Rúnar und Stefán gaben an, nach Gesprächen mit Kollegen scheine die Forderung, den Eurovision Song Contest wegen der Teilnahme Israels zu boykottieren, offenbar nur hier in Island und in Norwegen gestellt worden zu sein. Auch Finnland wird seinen eigenen Gesangswettbewerb veranstalten und kurz vorher entscheiden, ob der Sieger zum ESC nach Malmö geht oder nicht.
Der Druck auf alle Beteiligten – Organisatoren wie Teilnehmer und Gewinner – sei gross. Doch sei es ja nicht die Sendeanstalt RÚV, die Außenpolitik präge, und damit Islands Teilnahme am Wettbewerb in Frage stelle.

Sieger wird Unterstützung brauchen
Bragi Valdimar Skúlason, der Vorsitzende des Verbands der Komponisten und Songschreiber, wundert sich über die Neuigkeiten. Für ihn sind söngvakeppni und Eurovision ohnehin zwei Paar Schuhe, selbst wenn sie zusammenhängen. Er ist froh, dass der heimische Gesangswettbewerb stattfindet, weil er eine wichtige Bühne sei.
Zum Druck befragt, der nun über allen hänge, äussert er seine Sorge. Es handle sich da um eine Riesenentscheidung, und er hoffe dass RÚV sich gut um den Sieger kümmere. Wer auch immer aus dem Wettbewerb als Siger hervorgehe, er müsse in seiner Entscheidungsfindung unterstützt werden. Das sei eine sehr schwierige Angelegenheit.
Am kommenden Samstag werden alle Teilnehmer und Songs des diesjährigen Söngvakeppni vorgestellt.

 

Björk wird Ehrenbürgerin von Reykjavík

Der Reykjavíker Stadtrat hat heute die Sängerin und Songwriterin Björk Guðmundsdóttir zur Ehrenbürgerin der Stadt Reykjavík ernannt. Björk ist damit Reykjavíks siebenter Ehrenbürger und soll auf Beschluss des Stadtrates eine Statue aus der Künstlerwerkstatt von Gabríela Friðriksdóttir erhalten, berichtet Vísir. Projektplanung und Standort für die geplante Statue wird in mehreren Gremien ausgewählt und dem Stadtrat dann vorgelegt.

Einzigartige Musikerin und Aktivistin
Björk sei eine “Musikerin auf Weltniveau und einzigartig auf ihrem Gebiet. Seit gut 40 Jahren ragt sie im isländischen wie internationalen Kunst- und Kulturleben als Sängerin, Komponistin, Plattenherausgeberin, als Schauspielerin, aber auch als Pionierin und Kämpferin auf unterschiedlichen Gebieten heraus.” heisst es in einer Mitteilung der Stadt Reykjavík.
“Sie ist die isländische Künstlerin, die ausserhalb des Landes die meiste Berühmtheit erlangt hat, aber man kennt sie nicht nur wegen ihrer Talente und ihrer Kunst, sondern auch als einzigartige Persönlichkeit, die durch ihr gesamtes Werk hindurch scheint. Nur sehr wenige haben den Namen Reykjavíks mehr emporgehoben wie Björk. Björk hat in ihrer langen Karriere als Sängerin mit unterschiedlichsten Orchestern und auch solo gearbeitet. Zudem ist sie in mehreren Spielfilmen zu sehen gewesen.”

Letzte Amtshandlung des scheidenden Bürgermeisters
Björk befindet sich mit ihrer neuen Ehrenbürgerwürde in guter Gesellschaft, vor ihr hatten folgende Isländer den Titel erhalten: der Pastor Séra Bjarni Jónsson (1961), der Augenarzt Kristján Sveinsson (1975), die ehemalige Staatspräsidentin Vigdís Finnbogadóttir (2010), der Künstler Erró (Guðmundur Guðmundsson, 2012), Yoko Ono (2013), Grossmeister Friðrik Ólafsson (2015) und die Musiklehrerin und Chorleiterin Þorgerður Ingólfsdóttir (2018).

Die Ehrenbürgerwürde für Björk stellt gewissermassen auch Bürgermeister Dagur B. Eggertssons Abschiedsgeschenk dar, denn er tritt in der kommenden Woche von seinem Posten zurück und übernimmt das Amt des Stadtratsvorsitzenden. Neuer Reykjavíker Bürgermeister wird Einar Þórsteinsson.

 

Emmy für Isländer aus einem Special Effects Studio

Emmy Award

Der Isländer Sigurjón Friðrik Garðarsson hat am vergangenen Wochenende als Teammitglied von Stormborn Studios einen Emmy erhalten. Das Team hatte den Preis für aussergewöhnliche Special Visual Effects in einer Einzelepisode in der Miniserie Five Days at Memorial auf dem Sendekanal Apple TV+ zugsprochen bekommen.
Sigurjón war bei der Zeremonie nicht persönlich zugegen, berichtet Vísir. “Wir haben dieses Projekt vor zweieinhalb Jahren oder so erhalten,” erzählt Sigurjón, “es geht um einige Tage an der Memorial Klinik in New Orleans, nachdem der Hurrikan Katrina die Stadt verwüstet und unter Wasser gesetzt hatte. Unser Job war es, die Stadt zu fluten.”

Eine ganze Reihe von Isländern hat den begehrten Emmy bereits erhalten, darunter die Komponisten Hildur Guðnadóttir und Ólafur Arnalds. “Mein Job als compositing supervisor es, das Bild glaubhaft aussehen zu lassen, sowohl technisch als auch künstlerisch,” beschreibt Sigurjón seine Arbeit bei Stormborn Studios. “Ich bin eine Art Verbindung zum Leiter der Visual effects, der wiederum in Kontakt mit dem Regisseur und Produzenten steht.”

Ein Projekt dieser Grössenordnung verlangt Teamarbeit und zahlreiche Mitarbeiter. “Wir sind ein eher kleines Studio im Vergleich zu vielen anderen auf dem Gebiet, daher macht es grossen Spass dass der kleine Kerl nun auch Anerkennung gefunden hat,” sagt er. So richtig hat er die Ehre noch gar nicht verdaut. “Aber es ist eine grosse Anerkennung für das was wir tun und für unsere Arbeit als Team.”

 

Feuer beenden Weihnachten im ganzen Land

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Gestern Abend fanden überall in Island die sogenannten Feuer des 13. Weihnachtstages statt (þrettándabrennur). Der 6. Januar ist in der katholischen Kirche als Dreikönigsfest (Epiphanias) bekannt, im lutherischen Island wird Weihnachten hingegen mit Feuer und Getöse beendet.
Die Menschen versammeln sich an den Feuern, trinken heissen Kakao und teilen letzte Weihnachtsplätzchen, tanzen und singen traditionelle Lieder. IN den städtischen Gemeinden kommen oft auch Chöre und Orchester hinzu.

Seit dem 19. Jh ist der Begriff „að rota jólin“ bekannt, was soviel heisst wie Weihnachten loswerden. In den alten Tagen wurde der letzte Weihnachtstag mit einem Festmahl gefeiert, wo man alles aus der Spesekammer auftischte, was vom Weihnachtsfest noch übrig war.
Schon im Jahr 19886 war in einem Zeitungsartikel die Rede von einem das Feuer begleitenden Feuerwerk, Tanz und Gesang in der Nähe der Schule.
Feuerwerk ist in Island nur an Silvester und dem 6. Januar erlaubt, und viele halten einen Teil ihrer Feuerwerkskörper für den “þrettándinn” zurück.

Ähnlich wie in der Silvesternacht sprechen am 13. Weihnachtstag Kühe die Sprache der Menschen, und es ist gefährlich, sie zu belauschen, weil sie den Menschen danach verrückt machen. Auch Seehunde wechseln ihr Kleid, Tote steigen aus ihren Gräbern, und die Elfen ziehen um. Der Volkssage nach sind in dieser Nacht alle 13 Weihnachtsmänner wieder in die Berge verschwunden.