Letzter Zeitgenosse des Dichters Einar Ben verstorben

Der Landwirt Þórarinn Snorrason auf Vogsós in Selvogur an der Südküste der Halbinsel Reykjanes ist im Alter von 92 Jahren nach einer Oberschenkelhalsfraktur im Krankenhaus verstorben. Bis zuletzt hatte er sich daheim um seine Schafe gekümmert.

Þórarinn war der letzte Bürgermeister der Gemeinde Selvogshreppur, bevor diese im Jahr 1989 mit Ölfus zusammengelegt wurde. Er war bekannt als Wohltäter der Strandarkirkja und ist dort als Glockenwart und Küster tätig gewesen. Seine in Deutschland geborene Ehefrau Johanna starb in 2018. Johanna war im Jahr 1952 nicht alleine nach Island gekommen, sondern mit ihren Eltern und Geschwistern. Ihr Grossvater, ein Pastor, war des Isländischen mächtig gewesen und hatte das Psalmenbuch von Hallgrímur Helgason ins Deutsche übersetzt. Jóhannas Vater ergriff die Gelegenheit zum Umzug nach Island beim Schopf, als in Mósfellsbær ein Gutsverwalter gesucht wurde.
Das deutsch-isländische Paar baute den Schafhof in Vogsós auf. Johanna pflanzte dort die ersten Bäume und bewies ihren Zeitgenossen, dass man in der wilden Lavalandschaft des Südwestens durchaus einen Ziergarten betreiben kann.

Þórarinn ist auch einer der Letzten, der Islands Volksdichter Einar Benediktsson getroffen hat. Er konnte sich an dessen Besuche auf dem elterlichen Hof erinnern, und an den Transport des Verstorbenen durch das weitgehend strassenlose Gelände.
Einar Ben hatte seine letzten Jahre mit seiner Lebensgefährtin Hlín Jónsdóttir auf Herdísarvík verbracht.

Frohe Weihnachten aus der Redaktion

Laufabrauð.

Weihnachten ist auch in Island ein Fest, an dem man sich mit seinem Lieben trifft und ein paar gute Stunden miteinander verbringt. Gutes Essen, alte Traditonen und viele Kerzen spielen eine grosse Rolle, um die dunklen Stunden der Jahreszeit mit Licht und Wärme zu erfüllen.

Wo auch immer Sie, liebe Leser, in diesen Tagen sind, und wie auch immer Ihr Weihnachtsfest aussieht, wir hoffen, dass es für Sie eine friedvolle und heitere Zeit sein kann, und wir wünschen Ihnen ein Frohes Weihnachtsfest!

Gammelrochen am Tag vor Weihnachten

Am Tag vor Weihnachten, Þorláksmessa, der Tag des Heiligen Þorlákur, duftet es in isländischen Städten nach einem Fischgericht, das ausländische Besucher die Nase rümpfen lässt: skata, fermentierter Rochen, einstmals ein Armeleuteessen, wird heute regelrecht zelebriert.
Im Reykjavíker Múlakaffi steht der Eigentümer und Koch Jóhannes Stefánsson schon seit drei Uhr morgens über den Kochtöpfen, in denen fermentierter Rochen köchelt. Seit 30 Jahren bietet er skata an, und jedes Jahr kommen mehr Gäste um sich die Leckerei schmecken zu lassen. Er kennt fast alle seine Gäste und hat Spass daran, neue Leute zu begrüssen.

Bei ihm gibt es heissgekochten Rochen, nicht zu stark, aber dennoch delikat, dazu tischt er isländisches Rübenmus auf, geschmolzenes Schafsfett und Kartoffeln. Als Dessert gibt Ris á la Mande, und Milchreis mit Rosinen und Zimt auf – also 100% isländisches Essen.
Wegen der Geruchsentwicklung wollen viele den Rochen nicht zuhause kochen, gehen ihn aber gerne in Gesellschaft mit anderen essen.

Die skata“-Tradition hat katholische Wurzeln, am Tag vor Weihnachten sollte gefastet werden und nur das einfachste Essen kam am Todestag des Heiligen auf den Tisch. Der Rochen war der einzige Fisch, der kurz vor Weihnachten in den Westfjorden zu fangen war. Die Leute in den Westfjorden schafften es, aus dem eigentlich ungeniessbaren Fisch eine Delikatesse zu gestalten, deren Genuss Jahrzehnte später in Reykjavík geradezu „chic“ geworden ist.
Rochen ist ählich wie der Grönlandhai ein Knorpelfisch, dessen Fleisch einen hohen Gehalt an Ammoniak enthält. Dieser Stoff zersetzt sich mit der Zeit, weswegen skata um die drei Wochen lagern muss, bevor sie für den Verzehr geniessbar ist.

“Volaða land” auf dem Weg zum Oskar

Der Spielfilm Volaða land von Hlynur Pálmasson ist als isländischer Beitrag auf die Auswahlliste in der Kategorie Bester ausländischer Film zur Oskar-Verleihung 2024 gesetzt worden, berichtet RÚV.
Auf der Liste befinden sich Vorschläge aus 88 Ländern, doch nur 15 Kandidaten werden es auf die Nominierungsliste schaffen. Am 23. Januar wird dann die endgültige Liste mit fünf Filmtiteln veröffentlicht.

Volaða land (dt. das elende Land) ist eine Geschichte vom Kampf des Menschen mit der Natur, mit seinem Glauben und seiner tierischen Natur. Gegen Ende des 19. Jahrhundert reist ein junger dänischer Priester nach Island, um dort eine Kirche zu errichten und die Inselbewohner zu fotografieren. Ein eigenwilliger Reiseleiter führt den Priester zusammen mit einer Gruppe Einheimischer auf dem Pferderücken durch das Land. Im Verlauf der Reise verliert der Priester den Bezug zur Wirklichkeit, seinen Plan und auch seine eigene Moral.
Hier gibt es den Trailer.

Spendenaktion auf altem Landpostweg übers Hochland

Hiker Einar Skúlason

Am Freitagabend ist der Wanderer Einar Skúlason aus Seyðisfjörður nach 280 Kilometern und elf Tagen zu Fuss über das östliche Hochland in Akureyri eingetroffen. Er hatte einen alten Postbotenweg benutzt und Weihnachtskarten ausgeliefert, eine vorweihnachtliche Spendenaktion für die isländische Krebshilfe.

Mit Zelt, Schlafsack und Winterausrüstung im Rucksack war der erfahrene Wanderer in Seyðisfjörður losgelaufen, so wie die Landpostboten es über Jahrzehnte gehalten hatten. Der Postweg von Seyðisfjörður nach Akureyri, den er vor sich hatte, war über einen Zeitraum von 40 bis 50 Jahren benutzt worden, so mbl.is, zu der Zeit ein eigener Postweg, denn damals wurde die Post über Land von Reykjavík nach Akureyri, von dort nach Seyðisfjörður und zurück geliefert. Im Süden hatte es vor dem Brückenbau über die grossen Gletscherflüsse nur berittene Postboten gegeben, die mehrmals im Jahr mit Pferdekarawanen durch die Flüsse schwommen.

An manchen Tagen schaffte Einar 30 Kilometer, an anderen, wie etwa über die Fellaheiði, ging es wegen Tiefschnee nicht so gut voran und er musste seine Schneeschuhe auspacken. An der Schlucht Stuðlagil wurde er eingeladen, im Hotel zu übernachten, was ihn freute, denn Zelten im Winter sei doch ein ziemliches Theater.

Eine weitere Nacht durfte er im Museumshof Sænautasel auf der Jökuldalsheiði verbringen, denn der Landpostbote, so Hüttenbetreiberin Lílja Óladóttir, müsse drinnen schlafen. Von Sænautasel ging es bei teilweise -17 Grad übers eisige Hochland nach Möðrudalur, wo ihm ebenfalls Unterkunft angeboten wurde. Am Mývatn übernachtete er bei -10 Grad im Zelt und erzählt auf seiner Facebookseite, dass die Landpostboten früher sich in den Schnee eingegraben hätten, wenn sie draussen schliefen. Entspannung gab es im heissen Pool am Mývatn, und auch ein Hotelbett für die Nacht, sodass er ausgeruht den Weg über die Fljótsheiði in Richtung Akureyri in Angriff nehmen konnte. Am Freitagabend nach weiteren Nächten im Zelt erreichte Einar Akureyri, mit leichterem Rucksack, denn auf seinem Weg hatte er ja allerhand Weihnachtskarten abgeliefert.

Einars Fotos und Eindrücke findet man auf der Facebookseite. Die Spendenaktion hatte über eine Million ISK (6600 EUR) für die isländische Krebshilfe eingebracht.

Rätsel um Schädelfund in Ministerresidenz gelöst

Das Rätsel um den Schädelfund in der isländischen Ministerresidenz ist gelöst: das Schädelfragment stammt von einer dänischen Frau aus dem 18. Jahrhundert, berichtet Vísir.
Im September war in der Residenz des Premierministers bei Bauarbeiten im Dachstuhl zwei Schädelfragmente gefunden worden. Vor allem die isländische Premierministerin Katrín Jakobsdóttir hatte den Fund gespannt mitverfolgt, immerhin schreibt sie neben ihrer Tätigkeit für den Staat auch Kriminalromane.
Mehr zum Schädelfund.

Dänin ohne Verwandte auf der Insel
Der Schädel war damals einer C14-Analyse unterzogen worden und nun steht auch das genetische Ergebnis fest: die sterblichen Überreste gehörten zu einer dänischen Frau mit braunen Augen und braunem Haar. Sie hatte hier in Island weder Verwandte noch Nachkommen und war im 18. Jahrhundert gestorben, so die beiden Genetiker Agnar Helgason und Sunna Ebenesersdóttir, die den Schädel beim Genforschungsinstitut DeCode auf Spuren von Erbgut untersucht hatten. Einfach war dies nicht, denn grundsätzlich erhalten sich am Schädel eher wenig DNA-Spuren, hinzu kam, so erklärte Sunna, dass dank der klimatischen Bedingungen in dem Gebäude viele Spuren bereits zerfallen sind.
In Dänemark hatte die Verstorbene offenbar jedoch weitläufig Verwandtschaft, und man könne die bis auf heute Lebende nachweisen, doch nach Angaben von DeCode-Geschäftsführer Kári Stefánsson erlaube die dänische Regierung keine weiteren Untersuchungen.
An dem Schädelfragment fand sich auch ein 15 prozentiger Anteil anderer DNA, sehr wahrscheinlich, so Agnar, stamme der von isländischen Männern, die sich nach dem Tod der Dänin in dem Dachgeschoss aufgehalten und die Fragmente in der Hand gehalten hatten, ebenfalls vor langer Zeit.

Vom Friedhof in die Residenz
Aller Wahrscheinlichkeit nach stamme der Schädel aus dem Friedhof Víkurkirkjugarður, der sich gleich neben dem Grundstück der ersten isländischen Telegraphenanstalt befand. Durch die Jahrhunderte sei dort viel gegraben worden, und immer wieder seien Knochen aufgetaucht, die in diesem speziellen Fall auf geheimnisvolle Weise ihren Weg in das Haus des Dichters Hannes Hafsteinn fanden. Hannes hatte das Haus aus den Westfjorden nach Reykjavík gebracht und dort während seiner Zeit als erster Islandminister residiert.

Komponistenverband verlangt RÚV-Rückzug aus Eurovision wegen Gazakrieg

Eurovision Söngvakeppnin 2020 Daði Freyr Dimma

Der isländische Verband der Komponisten und Songschreiber (FTT) hat die nationale Sendeanstalt RÚV aufgefordert, am Eurovision Song Contest nicht teilzunehmen, ausser Israel wird von dem Wettbewerb ausgeschlossen. RÚV-Intendant Stefán Eiríksson hatte zuletzt angekündigt, dass die Sendeanstalt an der Teilnahme festhalte.

Künstler könnten selber zurücktreten
In einer Erklärung des FTT-Vorstands an Stefán heißt es, der Verband halte Island für verpflichtet, gegen den Krieg im Gazastreifen Stellung zu beziehen, und zwar auf der gleichen Grundlage, nach der Russland im vergangenen Jahr wegen der Invasion in die Ukraine vom Wettbewerb ausgeschlossen worden war.
“Die Mitglieder unseres Verbandes drängen darauf, dass wir unsere Stimmen laut werden lassen,” sagte Verbandsleiter Bragi Valdimar Skúlason RÚV gegenüber gestern. Bragi betonte, dass sein Verband für Songschreiber spreche, und nicht für Musiker im Allgemeinen.
“So wie wir die Stimmung sehen, werden die Leute ziemlich unzufrieden sein und sich möglicherweise sogar selbst zurückziehen,” hat Bragi beobachtet. Mit seiner Erklärung will der Verband die Verantwortung auf die staatliche Sendeanstalt legen, die sich gestern zu einer Vorstandssitzung getroffen hatte.

Vorschlag gelangte nicht zur Abstimmung
Aus dieser Sitzung berichtete Vorstandsmitglied Mörður Áslaugarson, dass der von ihm eingebrachte Vorschlag, am kommenden Eurovision Song Contest nicht teilzunehmen, wenn Israel teilnimmt, nicht zur Abstimmung vorgelegt wurde. Mörðurs Vorstandskollegin Margrét Tryggvadóttir, die Einzige die den Vorschlag unterstützte, sagte RÚV gegenüber, die Angelegenheit sei hochkompliziert, und eigentlich sei es unfair, dass der Intendant alleine da stehe und eine Entscheidung in der Sache treffen soll. Die Forderung, Israel eine Teilnahme am Wettbewerb zu verwehren, sei schwieriger als seinerzeit bei den Russen, weil diese kurz zuvor aus dem Verband der Europäischen Sendeanstalten (EBU) ausgeschlossen worden waren.

Mehr Druck auf die EBU
Margrét und zwei weitere Vorstandsmitglieder äußerten im Protokoll ihre Besorgnis über die Teilnahme Islands am Eurovision Song Contest im kommenden Jahr und fordern den Sender auf, die Lage regelmäßig zu bewerten. Sie verlangten außerdem, dass mit allen Mitteln Druck auf die EBU ausgeübt wird, damit Staaten, die sich der Kriegsverbrechen schuldig gemacht haben, Beschränkungen auferlegt und sie von einer Teilnahme ausgeschlossen werden. Margrét ist ausserdem der Ansicht, dass diese Angelegenheit innerhalb des Sendevorstands weiter diskutiert werden müsse.
Das Sitzungsprotokoll ist RÚV zufolge erst im Januar einsehbar.

 

 

Baltasar Kormákur setzt Wilhelm den Eroberer in Szene

Katla Netflix

Baltasar Kormákurs Produktionsfirma RVK Studios arbeitet zusammen mit CBS Studios an der Serie King and Conqueror, die von Wilhelm dem Eroberer und der berühmten Schlacht von Hastings in 1066 erzählt. Das ehrgeizige Projekt soll im Reykjavíker Naherholungs- und Naturschutzgebiet Heiðmörk und in Studios gedreht werden.
In den Hauptrollen werden James Norton und Nikolaj Coster-Waldau zu sehen sein. Für das Drehbuch zeichnet Michael Robert Johnsson verantwortlich, der auch die TV-Serie Sherlock Holmes geschrieben hat.
“Das ist eins der grössten Projekte, die hier unternommen worden sind, und es ist besonders komplex, weil es im mittelalterlichen Britannien spielt, zum grössten Teil,” sagte Baltasar RÚV in der vergangenen Woche.

Aufwendige Filmarbeiten
Gefilmt wird von Februar bis Juli kommenden Jahres. Die RKV Studios haben eine Filmlizenz für Dreharbeiten in der Heiðmörk beantragt, denn das Gelände steht unter Naturschutz und ist als Naherholungsgebiet bei Wanderern, Radfahrern, Joggern und Reitern gleichermassen beliebt. Die Produktionsfirma will auf dem Parkplatz in Hjallaflatir ein kleines Dorf aufbauen, über dessen Grösse noch entschieden werden muss.
Als Vorbereitungszeit sind zwei bis drei Monate geplant, die Dreharbeiten selber sollen innerhalb von zwei Wochen erfolgen, für den Abbau der Infrastrukturen sind ebenfalls um die zwei Wochen angesetzt. Während dieser Zeit wäre der Parkplatz nicht benutzbar.

50-70 Pferde für die Schlacht
RVK Studios hat auch um eine Drehgenehmigung ersucht, um die berühmte Schlacht von Hastings auf dem Feld in Hjallaflatir drehen zu dürfen. Dazu müssten Verteidigungsmauern errichtet werden, für die Darstellung der Kampfhandlungen würden 180 Personen und 50 bis 70 Pferde benötigt. Für diese Szene veranschlagt man zwei bis vier Wochen Vorbereitung, fünf Tage Dreharbeiten, sowie eine Woche, um alles wieder in den Originalzustand zu versetzen.

Lindsey Martin, die Vizepräsidentin der CBS, bezeichnete die Serie in einem Interview mit Deadline als innovativ und trete mit Weltklassebesetzung an.
“Wir sind unglaublich stolz darauf, was das Produktionsteam schon alles erreicht hat, und wir können es kaum erwarten, das Endprodukt auf der Leinwand zu sehen.”

 

Hallormsstaðaschule lehrt bald auf Universitätsniveau

Wenn alles nach Plan verläuft, dürfte ein Studium an der Hallormsstaðskóli demnächst als Universitätsstudium anerkannt werden. Eine entsprechende Absichtserklärung ist nun unterzeichnet worden und könnte die Schul- und Hochschularbeit im Osten des Landes revolutionieren, berichtet RÚV.

Alte Hausfrauenschule in neuem Gewand
Hallormsstaðir ist eine alte Hausfrauenschule, doch das Lehrprogramm hat sich der Moderne angepasst. Heute wird in dem ehrwürdigen Gebäude kreative Nachhaltigkeit gelehrt. Der Fokus liegt dabei auf Innovation, der Nutzung von Rohstoffen aus der Region, und der Wissenschaft um Nachhaltigkeit.
Die Schule hatte sich in einer Grauzone befunden, der sogenannten vierten Qualifikationsstufe – die liegt oberhalb der Sekundarstufe, aber bislang war der Studiengang nicht als Universitätsstudiengang anerkannt. Daher war es gestern Abend ein großer Moment, als die Ministerin für Hochschulen und Bildung und der Kanzler der Universität in den Osten kamen und eine Vereinbarung unterzeichneten, wonach die Universität das Programm der Schule auf Universitätsebene anerkennen will.

„Es ist einfach wichtig, dass wir landesweit Hochschulbildung anbieten und allen den Zugang zur Hochschule ermöglichen. Die Tatsache, dass die Hallormstaðaschule in Zusammenarbeit mit der Universität Studiengänge im Ostland anbieten kann, ist eine große Veränderung und trägt hoffentlich dazu bei, Studenten in ländlichen Gebieten den Zugang zu Universitätsstudien zu erleichtern“, sagte Ministerin Áslaug Arna Sigurbjörnsdóttir.
Auch Studenten der Universität könnten dann dort studienrelevante Veranstaltungen besuchen. Momentan prüft man, wie die in der Schule gelehrte kreative Nachhaltigkeit Eingang in die universitäre Gemeinschaft finden könnte, erklärte Schulleiterin Bryndís Fiona Ford,

Offen für alle Studierenden
Jón Atli Benediktsson, der Rektor der isländischen Universität, ist der Ansicht, dass sich das Studium der Nachhaltigkeit in vielen Bereichen als Teil der Ausbildung eignet. „Wir haben bislang vor allem die Studenten der Kulturwissenschaften im Auge gehabt. Aber wir wollen dennoch auch für Studenten anderer Fakultäten offen sein, wir haben ja fünf Fakultäten und eine breitgefächerte Hochschule, und die sollten auch hierher kommen können. In der Universität haben wir in unserem Ansatz mehr Wert auf Nachhaltigkeit gelegt. Und genau das wollen wir gerne weiterentwickeln, das ist auf jeden Fall zeitgemäss,“ sagte Jón Atli.

 

Höhlen in Hella: Rätsel um Alter und Nutzung bald gelöst?

Eine Gruppe amerikanischer Wissenschaftler ist derzeit damit befasst, die Höhlen in Ægissíða im südisländischen Rangárþing ytra auf ihr Alter und mögliche Funktion bei der Besiedlung zu untersuchen, berichtet mbl.is. Dabei benutzen die Geochemikerin Laura Haynes und die Kunsthistorikern Elizabeth Lastra vom Vassar College neue Methoden, die bislang hierzulande noch nicht zur Anwendung gekommen war.
Das Höhlensystem vor den Toren der Ortschaft Hella ist seit 2021 ein beliebter Besuchsort für Höhlenfreunde. Der Webseite zufolge gibt es 12 Höhlen auf der Gemarkung, vier von ihnen sind Besuchern zugänglich, in allen finden sich Einritzungen und verzierte steinerne Sitzgelegenheiten.

Felsritzungen im Fokus
Im Jahr 2017 hatte der Historiker Árni Freyr Magnússon einen wissenschaftlichen Aufsatz über die vier Methoden zur Altersbestimmung dieser Höhlen veröffentlicht: schriftliche Quellen, Felsritzungen, menschliche Hinterlassenschaften sowie Gegenstände, die in einer der Höhlen gefunden worden waren.
„Die Methode der amerikanischen Experten ist ausgesprochen bemerkenswert. Sie konzentriert sich auf die Untersuchung der Felsritzungen an den Wänden.“ erklärt Árni Freyr. „Als ich mir das vor fünf Jahren anschaute, war mir nicht klar, dass ausländische Experten so schnell mit der Untersuchung beginnen würden, mit modernsten technischen Mitteln. Das ist Technik, über die isländische Wissenschaftler in der Regel nicht verfügen. Aber es ist ist grossartig, dass ausländische Experten auf dem Gebiet der Kunstgeschichte und Geochemie sich ausgerechnet die Höhlen von Hella für ihre Forschungen aussuchen.“

Staub und Sediment unter der Lupe
Die beiden Wissenschaftlerinnen nutzen die Reflectance Transformation Imaging (RTI) Technologie, sowie die Röntgen-Fluoreszenzanalyse. Dazu wird mit einer Kamera Licht aus verschiedenen Winkeln auf die Felsritzungen gerichtet, um die Zeichnungen auf allen Ebenen in 3D zu kartieren.
Bei der Fluoreszenzanalyse wird der mineralische Staub auf den Felswänden röntgenologisch untersucht. Da sich dieser Staub auch in den Einritzungen findet, gibt er Hinweise auf das Alter der Ritzung, und damit auf Höhlenalter, Klima und Vegetation. Die mineralische Zusammensetzung des Staubs bietet Einsicht in die Zeit, als die Höhlen geschaffen und genutzt wurden. Auch die Sedimentschichten am Boden der Höhle werden analysiert, in der Hoffnung auf Hinweise, wann und wofür die geheimnisvollen Höhlen einst geschaffen wurden.
Árni Freyr wartet nun gespannt auf die Ergebnisse. Es sei kein Geheimnis, dass die Altersbestimmung von menschengemachten Höhlen isländischen Wissenschaftlern bislang Probleme bereitet hätten, aber mit der neuen Technologie könne man der Wahrheit um diese bemerkenswerten Bauwerke nun näherrücken.