Dritte Staffel von Trapped in Aussicht

Die beliebte TV Krimiserie “Ófærð” (Trapped) wird mit einer dritten Staffel fortgesetzt, berichtet RÚV. Die erste Episode der zweiten Staffel soll am zweiten Weihnachtsfeiertag in Island ausgestrahlt werden. Fans warten gespannt auf weitere Nachrichten, bislang gibt es jeoch noch keine Ankündigungen für eine Ausstrahlung in anderen Ländern.

Nach Angaben von Regisseur Baltasar Kormákur ist die zweite Staffel jedoch in eine ganze Reihe von Ländern verkauft worden, darunter Grossbritannien, Deutschland, Frankreich, Australien, sowie in alle skandinavischen Länder. “Ich könnte die ganze Nacht Länder aufzählen, soviele verschiedene Gebiete. Jeder, der die erste Staffel gekauft hat, hat nun wieder gekauft, und mehr als das,” sagte der Regisseur.

Derzeit arbeite er an den Vorbereitungen zur dritten Staffel. “Wr haben damit begonnen, die Rahmenhandlung für die dritte Staffel zusammenzustellen. Weiter sind wir noch nicht gekommen. Wir wollen die dritte Staffel früher ausstrahlen als die zweite, und wenn das so gut läuft wie es aussieht mit der zweiten Staffel, dann wird zwischen den beiden Staffeln nicht viel Zeit vergehen. Da stecken noch viele Geschichten in den Protagonisten.”

Die Produktion der zweiten Staffel war grösser ausgefallen als die erste, die Kosten dafür lagen bei etwa einer Milliarde ISK( 7,2 Mio EUR), wie Drehbuchautor Sigurjón Kjartansson verriet.

Wer die Spannung komplett aufrecht erhalten will, liest hier besser nicht weiter.

Die Geschichte wurde für die zweite Staffel etwas ausgeweitet. “Sie ist nicht in diesem engem Raum wie in der ersten Staffel konstruiert, wo diese kleien Stadt mit unpassierbaren Strassen war und wo niemand raus konnte. In dieser Staffel liegen die Probleme in den Protagonisten selbst,” erklärt Sigurjón. “Wir begeben uns ein bisschen in die Stadt, aber wir bleiben in Siglufjörður und der Umgebung.”

Es hatte Gerüchte gegeben, dass die Handlung ein Attentat auf den isländischen Regierungschef enthalten würde, Auch grosse Themen wie Nationalismus, Gastarbeiter und Schwerindustrie sollen in der Staffel vorkommen.

Hauptperson der Krimiserie ist der Polizist Andri Ólafsson (Ólafur Darri Ólafsson). Die erste Staffel spielte in einem abgeschiedenen Städtchen, welches nach einem Schneesturm von der Aussenwelt abgeschnitten wird.

Die isländische TV Produktion war international erfolgreich, allein in Frankreich hingen 5,7 Millionen Zuschauer vor dem Fernseher, in Grossbritannien waren es 1,2 Millionen.

Hier gibt es den Trailer zur zweiten Staffel:  https://www.youtube.com/watch?v=D4IVJdW78uU

Jodie Foster im Remake von Woman at War

Jodie Foster.

Islands diesjähriger Filmbeitrag für die Oskarverleihung, Woman at War, erhält die Ehre eines Remakes unter der Leitung von Jodie Foster, berichtet das Magazin Deadline. Die zweifache Oskargewinnern wird als Coproduzentin fungieren, Regie führen und auch die Hauptrolle in dem englischsprachige Remake übernehmen, welches im Westen der Vereinigten Staaten angesiedelt sein wird. Der Film ist Jodies fünfte Regiearbeit.

“Dieser Film hat mich wahnsinnig begeistert,” sagte Foster über das isländische Original. “Ich freue mich so darauf, eine neue amerikanische Version dieser wichtigen, schönen und inspirierenden Geschichte zu leiten. Die Hauptperson Halla ist eine Kriegerin für den Planeten, eine starke Frau, die alles riskiert, um das richtige zu tun. Aber nicht ohne dass so einiges auf dem Weg ziemlich daneben geht.”

Woman at War, die Geschichte einer Chorleiterin mit geheimem Zweitleben als Umweltaktivistin im Kampf gegen Islands Aluminiumindustrie hatte nicht Kinosäle weltweit erobert, sondern auch Preise, Nominierungen und Auszeichnungen gebracht. Jodie Foster übernimmt die Rolle der Halla, die im Original von Halldóra Geirharðsdóttir gespielt wird.

“Ich glaube, man kann mit Sicherheit sagen, dass niemand besser geeignet wäre als Jodie Foster, um Halldóras Bergfrau Halla zu spielen,” sagte Benedikt Erlingsson, der Regisseur des Originals. Jodie sei eine Ikone. “ Die Reise ist noch nicht zuende.”

Thorshammer im Þjórsárdalur gefunden

Im Þjórsárdalur konnten Archäologen in der vergangenen Woche einige bemerkenswerte Funde aus der Wikingerzeit aus der Asche des Vulkans Hekla heben. Unter anderem fanden sie einen Thorshammer aus Sandstein, berichtet RÚV.

Nur einmal zuvor wurde ein Thorshammer in Island ausgegraben, von weiteren aus Stein gefertigten Thorshammern ist auch international nichts bekannt.

“Es handelt sich hier um Gegenstände aus der Wikingerzeit,” erklärte die Archäologin Ragnheiður Gló Gylfadóttir vom Archäologischen Institut Islands. Der Besitzer des heidnischen Anhängers dürfte wohl kaum Christ gewesen sein.

Gefunden wurde der Ort, der nun Bergstaðir genannt wird, von Bergur Þór Björnsson auf Skriðufell, dem letzten Hof im Þjórsárdalur.

“Ich fand, es war ganz schön weit zwischen den einzelnen alten Hofresten hier, und so hab ich mich auf die Suche gemacht, einfach nur aus Spass,” erzählte Bergur Þór. Er fand es nicht abwegig, dass man dort Überreste finden würde, denn auf jeder Seite des Hofplatzes gibt es einen Bach.

Bergur Þór ist mit den Geschichten der alten Höfe aufgewachsen, die beim grossen Ausbruch der Hekla im Jahre 1104 zerstört worden sind. Sein Grossvater hatte im Jahr 1920 die Überreste des Hofes Nr. 20 gefunden, von dem man wusste, und Bergur unterrichtete die Archäologen von dem alten Fund. Die Forscher waren in den vergangenen Wochen im Tal auf der Suche nach Überresten und Informationen unterwegs gewesen.

Ragnheiður Gló erinnert sich, dass sie sofort Steine entdeckte, die Teil einer Mauer gewesen sein könnten. Und dann habe man überall Spuren von Besiedelung gefunden, wie etwa einen Aschehaufen und verbrannte Knochen.

“Wir haben einen länglichen Schleifstein gefunden, der oft am Gürtel hing, um beispielsweise Nadeln zu schleifen. Und wir fanden einen Specksteinbrocken, oder Teil eines Kessels. Speckstein wurde aus Norwegen importiert.” Schaut man die Rundung des Brockens an, muss der Kessel um die 40 Zentimeter gross gewesen sein.

Sicher gibt es noch viel mehr in Bergstaðir zu entdecken. Der Archäologe Garðar Guðmundsson fand Überreste aus einer Eisengewinnung, auch wenn der Stein auf den ersten Blick ganz gewöhnlich aussieht.

“Davon gibt es ziemlich viel hier im Hang. Und es ist sehr wahrscheinlich, dass hier in irgendeiner Form Eisengewinnung stattgefunden hat, und vielleicht sogar eine Schmiede war.“

Für die Archäologen wäre es ein Geschenk des Himmels, wenn sie die Möglichkeit bekämen, den neusten Hof aus der Besiedlungszeit im Þjórsárdalur näher untersuchen zu können. Fürs erste sind die Funde aus den Aschehaufen nach Reykjavík gebracht worden.

Kona fer í stríð ist Islands Oskar-Beitrag

Der Kinofilm Kona fer í stríð (Woman at war) von Regisseur Benedikt Erlingsson ist als Islands Beitrag für die Oskarpreisverleihung 2019 gekürt worden, berichtet RÚV.

Der Film war gestern von Mitgliedern der isländischen Kino- und TV-Filmakademie ((ÍKSA) aus neun isländischen Filmen ausgewählt worden.

Wie die Produzentin und Vorsitzende der Akademie, Hlin Jóhannesdóttir, RÚV gegenüber angab, habe es eine Rekordteilnahme an der Abstimmung gegeben. Es komme nur selten vor, dass derart viele Filme um die Ehre wetteifern.

Kona fer í stríð tritt in der Kategorie Bester ausländischer Film an. In der Kategorie findet eine Vorauswahl statt, die fünf Gewinner und Teilnehmer an der Endrunde um den Oskar werden am 22. Januar bekanntgegeben.

Kona fer í stríð ist auch in Europa stark unterwegs, der Film wurde unlängst für den Filmpreis des Rates der Nordischen Länder, den Filmpreis des Europaverbandes LUX, sowie den Europäischen Filmpreis nominiert.

Island nimmt an Eurovision 2019 in Israel teil

Die nationale isländische Sendeanstalt RÚV hat entschieden, dass sie am kommenden Eurovision Song Contest teilnehmen wird, welcher 2019 in Tel Aviv abgehalten wird, berichtet RÚV. Israel war nach dem Sieg von Netta Barzilai zum nächsten Gastgeber des Wettbewerbs gekürt worden.

Es hatte Spekulationen darüber gegeben, ob die israelischen Behörden den Wettbewerb in Jerusalem abhalten würden, doch dann hatte Tel Aviv den Zuschlag erhalten. RÚV zufolge spielte der gewählte Austragungsort eine grosse Rolle bei der Entscheidung zur Teilnahme.

Alle anderen nordischen Sendeanstalten werden ebenfalls teilnehmen, doch RÚV war wegen der Lage im Gazastreifen und der Menschenrechtsverletzungen an Palästinensern massiv gedrängt worden, die Teilnahme zu boykottieren. Programmmanager Skarphéðinn Guðmundsson gab an, die Herausforderung sei ernst genommen worden.

“Die Entscheidung beruht auf der Tatsache, dass dies keine politische Veranstaltung ist, sondern ein Treffen verschiedener Nationen, die es zu ihrer gemeinsamen Mission und Leitlinie gemacht haben, die Botschaft von Einigkeit und die Kraft des Friedens in der Popmusik und in der Kultur allgemein zu verbreiten. Bis zu diesem Zeitpunkt haben wir von keiner Nation gehört, die den Wettbewerb in Israel aus politischen Gründen boykottieren will. Die nordischen Sendeanstalten standen Seite an Seite, als sie ihre Teilnahme bestätigten.” heisst es in Skarphéðinns schriftlicher Erklärung.

Erst kürzlich hatte eine Gruppe von Künstlern einen offenen Brief in der britischen Zeitung The Guardian veröffentlicht, in welchem sie die europäischen Nationen auffordern, die Eurovision 2019 zu boykottieren.

Auch die beiden isländischen Musiker Daði Freyr und Hildur (Hildur Kristín Stefánsdóttir) hatten den Brief unterzeichnet.

Kona fer í stríð für Preis des Nordischen Rates nominiert

Kona fer í stríð, der aktuelle Spielfilm von Benedikt Erlingsson um eine Frau, die sich mit dem Energieunternehmen anlegt, ist für den Filmpreis des Rates der Nordischen Länder nominiert worden, berichtet RÚV.

Der Film hatte bereits im Ausland Lorbeeren gesammelt, darunter grosses Lob bei den Filmfestspielen in Cannes.

Die Preisverleihung findet am 31. Oktober in Oslo statt. Preise werden in den Kategorien Film, Literatur, Kinder- und Jugendliteratur, sowie Musik verliehen.

In der Kategorie Spielfilm muss der Beitrag eine kulturelle Bedeutung haben, in den nordischen Ländern produziert worden sei, volle Spielfilmlänge haben und in Kinos gezeigt werden können. Beiträge aus Dänemark, Finnland, Norwegen, Schweden und Island sind nominiert, für jedes Land steht eine dreiköpfige Jury bereit. Das Preisgeld beträgt für jede Kategorie 350.000 dänische Kronen.

Details zu den anderen Einsendungen gibt es hier.

“Not Ok” – ein Film über den Gletscher Ok

Im September 2014 erreichte uns die Meldung, dass der Gletscher Ok im gleichnamigen Berg im Borgarfjörður kein Gletscher mehr ist. Der Glaziologe Oddur Sigurðsson befand, dass die Eisdicke nicht länger dick genug sein, um unter ihrem eigenen Gewicht zu Tal zu rutschen, daher sei der Berg kein Gletscher mehr, berichtet RÚV.

Ok ist damit der erste Gletscher des Landes, der seine Bezeichnung verliert. Neusten Forschungsergebnissen zufolge werden im Jahr 2170 alle 400 Gletscher Islands verschwunden sein.

Vor noch 100 Jahren bedeckte Ok eine Fläche von 15 Quadratkilometern, sein Eispanzer war 50 Meter dick. Heute ist er weniger als einen Quadratkilometer breit und nur noch 15 Meter dick. Die Entgletscherisierung des Ok weckte damals nur wenig internationales Medieninteresse, da Flüchtlingsströme, Grossbrände und Bürgerkriege die Nachrichtenwelt beherrschten.

Zwei amerikanische Filmmacher reisten jedoch nach Island und drehten einen Dokumentarfilm über Ok, mit dem Titel “Not Ok”, der am Freitag im Bíó Paradís Premiere hat.

Die beiden Anthropologen Cymene Howe und Dominic Boyer von der Rice-Highschool in Texas fragten sich, welche Verbindung die Isländer zu jenem Eis haben, welches dem Land seinen Namen gab, und wie sie sich verändert, wenn die Gletscherschmelze so augenfällig wird.

Die Tatsache, dass im Jahr 2170 alle 400 Gletscher verschwunden sein werden, höre sich nach einer langen Zeitspanne an, doch handle es sich um gerade mal zwei Menschenleben. Die Zukunft sei mit der Entgletscherisierung des Ok bereits da, erklärte Dominic.

“Wir fanden die Geschichte des Ok wichtig für Island. Der erste von 400 Gletschern, der auf dem Weg ist zu verschwinden. Aber das ist auch eine wichtige Geschichte für die Welt, denn sie zeigt uns die Wirklichkeit der Klimaveränderung und ihre Auswirkung auf die Natur. Wir wollten diesen Film drehen, um die Aufmerksamkeit darauf zu lenken,” erläuterte der Anthropologe.

Der Gletscher Ok ist nicht gerade der Hübscheste und liegt in der Regel auch nicht auf touristischen Reiserouten. Gerade deshalb fiel er ins Visier der beiden Filmemacher. Sie fanden, er eignete sich wegen seiner geringen Ausmasse gut, Mensch und Gletscher auf einer gemeinsamen Grössen- und Zeitleiste abzubilden. Schaue man sich nämlich andere dahinschmelzende Gletscher an, deren Eishöhlen unter Getöse zusammenbrechen und ins Meer davonschwimmen, wirke der Mensch neben ihnen wie eine Ameise.

“Dann passiert es oft, dass man denkt, man kann ja eh nichts dagegen machen, oder hat keinen Einfluss. Wir wollten das ganze auf eine Skala bringen, die für den Menschen nachvollziehbar ist.”

Ok hat im Film eine Stimme bekommen – kein Geringerer als Jón Gnarr verkörpert den Gletscher.

Der Film hat am morgigen Freitag um 17 Uhr Premiere im Bíó Paradís, der Eintritt ist frei. Am Samstag gibt es eine Entgletscherisierungsfahrt zum Ok, wo Glaziolog und Anthropologen mit ihren Gästen dorthin fahren, wo einmal der Gletscher Ok gewesen ist. Für die Zukunft ist die Errichtung eines Denkmals vor Ort angedacht.

Hier gibt es den Trailer zu “Not ok” zu sehen.

Zirkus Íslands öffnet seine Tore

Islands einziger Zirkus, Sirkus Íslands, hat sein Zelt in der Vatnsmýri ganz in der Nähe der Universität aufgeschlagen und wird am Freitag seine Premiere abhalten, berichtet mbl.is.

Zwei Shows wird es geben – eine Familienvorstellung, die tagsüber gezeigt wird, und eine Vorstellung für Erwachsene am Abend.

Auch wenn sich die Darbietungen unterscheiden, so sind die Artisten, Jongleure, Clowns und andere Künstler in beiden Shows zu sehen.

Vorstellungen gibt es in diesem Jahr nur an den Wochenenden vom 13. bis 15. Juli, sowie 20. bis 22. Juli in Reykjavík, danach reist der Zirkus zum Kaufmannswochenende (Verslumannahelgi) nach Akureyri.

Das Zirkuszelt war im Jahr 2013 mit Hilfe eines Crowdfundings erworben worden.

Kona fer í stríð. Eine Frau zieht in den Krieg (Filmkritik)

Mit Kona fer í stríð (Eine Frau zieht in den Krieg) ist ein weiteres Meisterwerk von Regisseur Benedikt Erlingsson in Islands Kinos gekommen, nachdem es auf ausländischen Filmfestspielen bereits Preise eingeheimst hatte. Dieser isländische Spielfilm ist besonders, denn er trifft den Nagel auf den Kopf in einer Zeit, wo Islands Hochland vom Ausverkauf an ausländische Konzerne bedroht wird.

Chorleiterin Halla übt nicht nur harmlose Frühlingsweisen und T’ai Chi, ganz nebenher engagiert sie sich auch, sozusagen handgreiflich, für einen anderen Zweck und ist damit Spiegelbild vieler Isländer, die alles mögliche nebenher noch treiben oder arbeiten. Nur dass Hallas “Nebenjob” aus Industriesabotage besteht.

Wir erleben hier eine Art Hausfrauenterrorismus, den der gute alte “Q” mitbetreut haben könnte, der jedoch auch wie ein Konfirmationsfest bis in die letzte Einzelheit weiblich durchdacht ist. Dabei zeigt Halla einen konsequenten Mut, wie man ihn nur von Müttern der Sagenwelt kennt.

Als die öffentliche Reaktion auf ihren neuerlichen Sabotageakt empört ins Nationalistische abzudriften droht, wirft sie Flugblätter mit einem anonymen Geständnis vom Dach des Ministeriums. Unterzeichnerin: Fjallkonan, die Bergfrau, Sinnbild und “Mutter” Islands.

Ihr Kumpel und Informant aus der Politik zieht den Schwanz ein, ihren letzten Sabotageakt gegen die Stromriesen will er nicht mehr mittragen: das Fällen eines Hochspannungsmastes im Hochland.

Hallas grotesker Versuch, die Welt zu retten, gerät jedoch ernsthaft ins Stocken, als sie erfährt, dass ihr in Vergessenheit geratener Antrag auf Adoption eines Waisenkindes genehmigt wurde und sie in die Ukraine reisen soll, um die kleine Kriegswaise abzuholen. Überraschend kühl entscheidet sie, ihren Weg zuende zu gehen, bevor sie eine neue Tür im Leben öffnet.

In der Einsamkeit des Hochlandes strebt die Geschichte ihrem fulminanten Höhepunkt zu, als etwa die Amazone hinter einer Gesichtsmaske mit dem Konterfei von Freiheitskämpfer Nelson Mandela eine Polizeidrone vom Himmel holt. Wie schon in Hross í oss fungiert auch diesmal der Kadaver eines isländischen Tieres als Lebensretter auf der Flucht und unterstreicht die tiefe Verbundenheit der Reykjavíkerin Halla mit ihrem Land.

Auf meisterhafte Weise verwebt Erlingsson die beiden Weltrettungsgeschichten miteinander, verdichtet sie und gestaltet die Figur dieser unabhängigen und mental wie körperlich starken Fjallkona.

Pulsschlag der Geschichte ist die Musik, die wie ein atmosphärischer Erzähler jede Szene live begleitet und vernetzt. Das isländische Trio aus Schlagzeug, Tuba, Klavier oder Akkordeon gibt mal schwungvoll, mal nachdenklich den Takt zu einer sich verselbstständigenden Sabotagestory, drei ukrainische Folkloresängerinnen liefern den Klagegesang zum zweiten “Sorgenkind” der Fjallkona, welches Halla mit der gleichen bissigen Konsequenz verteidigt wie ihr erstes.

Benedikt Erlingsson spart nicht mit Seitenhieben auf den isländischen Überwachungsstaat, welcher mit Kameras in Wohngebieten, Polizeischnüffelei und Dronenfahndung für Einschüchterung sorgt. Ein alter Bekannter aus Erlingssons Film Hross í oss gerät dabei ins Visier der Fahnder: der Kolumbianer Juan Camillo Roman Estrada, wieder einmal grossartig fluchend auf dem Fahrrad und immer am falschen Ort unterwegs, weswegen er ob seines ausländischen Aussehens gleich dreimal verhaftet wird. Der Ausländer dient hier als Sündenbock und Retter zugleich, denn durch seine Festnahmen gelingt es Halla zu entkommen.

Konan fer í stríð ist eine atemberaubende Sinfonie aus alten isländischen Tugenden wie ziviler Ungehorsam, Dickköpfigkeit und Konsequenz bis zum Äussersten, ein Film gespickt mit unglaublich starken Bildern und Allegorien, verpackt in ein moosgrünes Webstück aus Liebe zu diesem kargen Land im Nordatlantik. Halldóra Geirharðsdóttir brilliert als epische, unbeugsame Sagaheldin in einem Film, der Härte wie Weichheit der Insel zum Greifen nahe zeigt.

Kona fer í stríð (Trailer)

Regie: Benedikt Erlingsson

Hauptrollen: Halldóra Geirharðsdóttir, Jóhann Sigurðarsson, Juan Camillo Roman Estrada, Jörundur Ragnarsson, Saga Garðarsdóttir

Drehbuch: Benedikt Erlingsson, Ólafur Egilson

Archäologen finden Mönchskamm in Þingeyri

Bei den Ausgrabungen am alten Kloster von Þingeyri ist ein Bronzekamm gefunden worden, berichtet RÚV. Die Archäologen gehen nach dem Fund davon aus, dass sie den Überresten des Klosters nahegekommen sind.

Die Ausgrabungen hatten Anfang Juni begonnen und sollen über einen Monat laufen, viel Zeit ist also nicht mehr, nach den sterblichen Überresten des Abtes und seiner Mönche zu suchen.

Mehr als vierhundert Jahre hatte in Þingeyri ein Kloster gestanden, die Pest hatte im 15. Jahrhundert allen Bewohnern bis auf einen Mönch den Garaus gemacht. Mit einer neuen DNA-Diagnostikmethode hofft man nun, der Pest in Island auf die Spur zu kommen. Doch dazu müssen Knochen gefunden werden.

Die Leiterin der Ausgrabung, Archäologin Steinunn Kristjánsdóttir, ist mit den bisherigen Ergebnissen zufrieden.

“Das ist nun die letzte Woche, die wir hier sind, die letzte von vier. Und wir sind nun endlich an die Erdschicht der Klosterzeit angelangt. Dort waren Gebäudeüberreste über den Kloster, mit denen wir nicht gerechnet hatten. Aber nun sind wir endlich an der älteren Schicht angekommen.”´

Am Donnerstag wurde der Kamm gefunden. Es handelt sich um einen Gegenstand aus dem katholischen Mittelalter. Nur drei weitere solcher Kämme sind in Island gefunden worden. Sie kamen bei der Schur einer Mönchstonsur zum Einsatz.

“Dieser Kamm ist in Bronze eingelegt,” erklärt Steinunn. “Und er ist mit Tierköpfen verziert, ein sehr schweres Teil, schön und auch bemerkenswert. Das ist der vierte Kirchenkamm, den wir in Island bewahren konnten, wie gesagt, aus Bronze, und nur ein weiterer ist bei Ausgrabungen gefunden worden. Nach Verfügung des Papstes hatten alle Priester und Mönche sich auf diese Weise eine Tonsur zu scheren. Das war ein grosser Akt und diese Kämme wurden bei einer solchen Schur benutzt.”

Auch wenn nur noch eine Woche Zeit ist, bevor die Ausgrabung zuende geht, hofft Steinunn darauf, dass man noch Menschenknochen findet, die man untersuchen kann.

“Ich glaube, wir schaffen das, ja. Wirliegen gut in der Zeit und haben es in jeder Woche geschafft, viel freizulegen. Und ich rechne damit, dass wir Gräber öffnen können. Wenn wir es schaffen, Gebeine aus der Klosterzeit zu finden, werden wir in Reykjavík Proben daraus entnehmen. Das muss in sterilem Umfeld getan werden, und wir wollen das dort tun. Hier sammeln wir nur Daten.”

Steinunn Kristjánsdóttir ist auch Autorin des Buches Leitin að Klaustrunum ((Die Suche nach den Klöstern), einem Werk über die katholischen Klöster in Island, die fast alle verschwunden sind.