Scheitert Nationaloper an Geldmangel?

Icelandic Opera

Aus der geplanten Nationaloper, die Kultusministerin Lilja Dögg Alfreðsdóttir ins Leben rufen wollte, könnte in dieser Legislaturperiode möglicherweise nichts werden. Das geplante Projekt liegt derzeit dem parlamentarischen Wirtschaftsausschuss zur Bearbeitung vor.

Zwei teure Projekte
Die Oper könnte daran scheitern, dass es an Geld fehlt ,um dieses Prestigeprojekt und die geplante Erhöhung des Künstlergehaltes gleichzeitig zu finanzieren.
Der Haushaltsplan weist dem Kultusministerium pro Jahr 400 Mio ISK für beide Projekte zu. Die Kosten für die geplante Oper belaufen sich auf 250 Mio. ISK. Die Erhöhung des Künstlergehaltes, die Lilja besonders am Herzen liegt, soll mit 600 Mio ISK pro Jahr zu Buche schlagen.
Jetzt muss das Ministerium Prioritäten setzen, und die Oper könnte dabei den Kürzeren ziehen.

„Ich habe keine Hoffnung, dass der Gesetzentwurf für die Nationaloper in dieser Legislaturperiode durchkommt,“ sagte Bryn­dís Har­alds­dótt­ir, die Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses dem Morgunblaðið gegenüber. Es fehle an Geld, um beide Projekte auszuführen.

Ministerin kämpft weiter für Opernhaus
Die Ministerin ist allerdings ganz anderer Ansicht. Vísir gegenüber sagte sie, die Nationaloper stehe ganz und gar nicht im Regen, man arbeite hart an der Gründung der Oper und bereite sie zusammen mit dem Nationaltheater vor. “Das ist ausgeschlossen, auf diesem Weg aufzugeben. Mit diesem Gesetzentwurf wird ein wichtiger Schritt in Richtung Zusammenlegung der Bühnenkunst des 21. Jahrhunderts in Island getan, wo Nationaltheater, Nationaloper und das isländisches Ballettensemble zusammen mit dem isländischen Sinfonieorchester zu gleichen Teilen am Tisch sitzen,“ sagte die Ministerin Vísir gegenüber.

„Die Nationaloper sollte eine Karriereplattform für Sänger, Instrumentalisten, Designer und Regisseure schaffen, die Vielfalt kultureller Aktivitäten mit Schwerpunkt auf Innovation erhöhen und die Erhaltung und Verbreitung des isländischen Kulturerbes fördern. Der Gesetzentwurf sieht eine verstärkte Bildungsarbeit, die Zusammenarbeit mit Musikvereinen, Theatergruppen und Chören auf dem Land sowie eine Zusammenarbeit mit der Basis vor, und plant, dass jedes Jahr isländische Werke auf dem Programm stehen. Der Schwerpunkt liegt auf intensiver Arbeit und vielfältigen Projekten, sowohl traditionellen als auch nicht-traditionellen, die an verschiedenen Orten gezeigt werden,“ heisst es in einer Mitteilung des Ministeriums.
Sitz der Nationaloper soll in der Reykjavíker Harpa sein, aber es soll auch Gastspiele etwa in Akureyri geben.

Liveübertragung statt Liveoper
Lilja hatte geplant, ein Opernhaus zu schaffen, das nicht mehr vom Staat finanziert wird, sondern sich selber tragen muss und nur bezuschusst wird. Die isländische Staatsoper war wegen Gehaltsstreitigkeiten vor zwei Jahren geschlossen worden, seitdem gibt es keine Opernaufführungen mehr. Stattdessen hatte der staatliche Sender RÚV im Winter des öfteren Veranstaltungen aus der Met oder anderen grossen Opernhäusern live übertragen.

Árneshreppur will Schule für einen Schüler öffnen

Borgarfjörður eystri

Die Grundschule Finnbogaskóli in der Gemeinde Árneshreppur in Strandir war im Jahr 2018 geschlossen worden, als der letzte Schüler die Schulbank verliess. Nun sieht es ganz danach aus, als ob sie ihre Türen wieder öffnet, denn im Herbst soll ein achtjähriges Kind mit seiner Familie in die abgelegene Gemeinde der Westfjorde ziehen.
Gemeinderatsvorsitzende Eva Sig­ur­björns­dótt­ir sagt, alles sei noch in Arbeit, aber man wisse, dass dieses schulpflichtige Kind in die Gemeinde ziehe, und das solle natürlich unterrichtet werden. Die Frage sei nur, wie man das bewerkstellige.

Bislang ist noch kein Lehrer eingestellt worden. Diese Entscheidung könne die Gemeinde erst treffen, wenn feststehe, wieviel Geld für die Stelle zur Verfügung stehe. „Uns wurde gesagt, dass es 20 bis 25 Millionen Kronen kostet, die Schule wieder zu öffnen, aber das müssen wir uns erst noch mal anschauen,“ sagt Eva.

Und wer weiss, vielleicht zieht eine einmal geöffnete Schule dann auch weitere Familien mit schulpflichtigen Kindern an. Eva gibt sich da optimistisch.
„Das kann durchaus passieren, auch wenn das etwas ist, was wir jetzt noch nicht wissen. Die Leute begreifen ja so langsam, dass sie überall arbeiten können, das ist ja heutzutage anders, auf dem Land zu leben als früher. Wir haben hier eine schnelle Internetverbindung und alles was es braucht.“

Sie kann sich durchaus vorstellen, dass nach Öffnung der Schule am 15. August noch Familien in die Gemeinde ziehen. „Wir wissen von einem weiteren Kind, das möglicherweise hierherziehen könnte, hier an der Finnbogaskóli ist also derzeit ganz viel los.“

Islands Handarbeitsverein in UNESCO-Kulturliste aufgenommen

Íslenskur þjóðbúningur Icelandic national costume

Heimilisíðnaðarfélag, der isländische Handarbeitsverein, wird heute in Paris einen Platz auf der Liste der UNESCO-Kulturorganisation erhalten, für seine Anstrengungen zum Erhalt des kulturellen Erbes, berichtet RÚV. Der Verein ist der erste seiner Art in Island, dem die Ehre eines solchen Listenplatzes zuteil wird. Der Handwerksverein vermittelt Fachwissen wie über die Herstellung von Volkstrachten, Spitzenarbeiten, Stickereien und Wollspinnerei.

„Das ist eine grosse Ehre für den Handarbeitsverein, und für uns alle. Das ist der erste Verein in Island, der diesen Anerkennungsstempel von der UNESCO erhält,” sagt die Vorsitzende und Geschäftsführerin Kristín Vala Breiðfjörð, die die Urkunde zusammen mit Vertretern des Kultusministeriums in Paris entgegennehmen wird.
„Der Handarbeitsverein hat in seiner 110-jährigen Geschichte daran gearbeitet, das isländische Kulturerbe im Handwerk zu bewahren. Und da reden wir nicht nur von unseren Volkstrachten. Wir sprechen auch von der Wollspinnerei, von der Stickerei, all die Handarbeiten, die man in Museen so findet. So wie es die Aufgabe von Museen ist, diese wertvollen Stücke der Nation zu bewahren, so ist es unsere Aufgabe, das Wissen um die Fertigung dahinter zu bewahren, also das Handwerk,“ erklärt Kristin.

Fünfzig weitere Vereine werden heute in Paris in die Liste aufgenommen, darunter auch der schwedische Handarbeitsverein. Insgesamt befinden sich rund 250 Vereine auf der UNESCO-Liste, unter anderem üben sie bei der Organisation tatgebende Tätigkeiten aus.

„Ich würde sagen, die Zukunft sieht rosig aus. Wir verzeichnen steigende Nachfrage nach unseren Kursen, und mehr Interesse an unserem Verein und dem was wir tun, und es gibt auch auch innerhalb der Bevölkerung generell ein wachsendes Interesse am Handwerk.“

Eurovision: Einschaltquote um 41% zurückgegangen

A screenshot from RÚV. Hera Björk during the Söngvakeppnin final, March 2, 2024

Die durchschnittliche Einschaltquote in Island für die Vorrunde beim Eurovision Song Contest in Malmö am Abend des 7. Mai hat 35% betragen, die kurzen Zuschaltungen lagen bei 56%. Die Einschaltquote ist damit im Vergleich zu den Vorjahren massiv zurückgegangen. Im letzten Jahr hatte die durchschnittliche Einschaltquote noch bei 60% gelegen, die Zuschaltungen bei 69%, in 2022 waren 57% Zuschauer und 68% kurzfristige Zuschaltungen registriert worden.

Bei der durchschnittlichen Einschaltquote wird die gesamte Sendezeit registriert, bei der Zuschaltung müssen es mindestens fünf Minuten sein.
Insgesamt sank die Einschaltquote damit um 41%. Die isländische Teilnehmerin am ESC, Hera Björk, hatte es mit ihrem Song Scared of Heights nicht ins Finale geschafft. Auch der Anzeigenverkauf der nationalen Sendeanstalt RÚV lief viel schlechter als im letzten Jahr, und längst nicht alle Werbeflächen hatten belegt werden können.

Im Vorfeld des Eurovision Song Contest hatten zahlreiche Stimmen in der isländischen Öffentlichkeit Zuschauer und Unternehmen zu einem Boykott des Wettbewerbs aufgefordert, weil Israel trotz des Genozids im Gazastreifen teilnehmen durfte.

Gebeine zweier Frauen bei Ausgrabung in Bessastaðir gefunden

bessastaðir archaeology 2024

Zwei menschliche Skelette und Pistolenkugeln sind bei Grabungen an der Kirche auf Bessastaðir aufgetaucht, berichtet Vísir. Ein Archäologe sagt, eins der Gebeine könnte möglicherweise einer Frau zugeordnet werden, die aus Liebeskummer gestorben ist.

An Liebeskummer gestorben
An der Kirche des Präsidentensitzes Bessastaðir wird derzeit renoviert und der Zugang für Besucher verbessert. Dabei hat so einiges das Tageslicht erblickt, immerhin ist Bessastaðir eine Länderei mit langer Geschichte. Der wohl bemerkenswerteste Fund befindet sich gleich neben der Kirchenmauer: Zwei Skelette, die auf dem Boden eines Grabhauses ruhen. Derzeit werden die Gebeine auf ihr Alter und Geschlecht untersucht, aber Archäologen halten es für wahrscheinlich, dass es sich um Anna Vilhelmína und ihre Tochter Anna Helena handelt.

„Die ältere war mit dem damaligen Stiftsamtmann Lauritz Thodal im 18. Jahrhundert verheiratet. Der hat das Grabhaus aus eigenen Mitteln errichten lassen. Aber nirgendwo steht niedergeschrieben, wer dort begraben liegt,“ erklärt der Archäologe Hermann Jakob Hjartarson, der die Grabung betreut. Schon in den kommenden Tagen dürfte sich das Rätsel lösen, wenn die Untersuchung der Knochen abgeschlossen ist.
Lauritz Thodal war im Jahr 1770 zum Stiftsamtmann über Island ernannt worden und lebte mit seiner Familie auf Bessastaðir, dort wo Mutter und die 18-jährige Stieftochter starben. „Den Quellen nach starb sie aus Liebeskummer, was immer das nun heisst,“ sagt Hermann. „Sie hatte einen Kaufmann aus Hafnarfjörður kennengelernt, aber ihr Stiefvater war gegen diese Verbindung und verbot ihr, sich weiter mit dem Mann zu treffen. Der Geschichte nach kümmerte sie dahin und starb kurz darauf.“

Ältere Kirche und Pistolenkugeln
Das Grabhaus soll rund zwei Meter hoch und zu der Zeit einzigartig gewesen sein. Am Kircheneingang findet man noch Spuren eines Tors, das zu dem Grabhaus geführt hat. Nach der Untersuchung werden die Gebeine wieder zur Ruhe gebettet.
Ausserdem fand man den Eingang zur einer älteren Kapelle unter der neuen Kirche, wahrscheinlich kann diese auf das 16.Jh zurückdatiert werden. Und vier Pistolenkugeln tauchten auf, die ebenfalls zur Altersbestimmung gegeben wurden.
„Das ist natürlich eine gute Frage, was das bedeutet, aber zumindest einmal ist hier offenbar geschossen worden,“ meint Hermann.
Wann die Arbeiten abgeschlossen werden können, ist derzeit kaum zu sagen, weil beinahe jeden Tag neue Artefakte entdeckt werden. Hermann erklärt, man habe auch eine Wand am alten Eingang entdeckt, und es gebe Hinweise darauf, dass sich unter dieser Wand noch ältere Strukturen befinden.

Ort von historischer Bedeutung
Bessastaðir hat einmal zu den grössten und bedeutendsten Höfen Islands gehört. Der Dichter und Anführer Snorri Sturluson hat hier gelebt, nach seinem Tod nahm der norwegische König den Hof als Residenz in Besitz. Nachdem Island an die Dänen gefallen war, residierten ab 1688 die Vertreter des dänischen Königs auf dem Hof.
Auch eine Schule hat es in Bessastaðir gegeben, später wohnte dann der Dichter Grímur Thomsen auf dem Hof. Im Jahr 1940 wurde der Hof von seinem letzten Besitzer an den isländischen Staat übergeben und diente fortan als Sitz des Staatspräsidenten.
Immer wieder sind in Bessastaðir Ausgrabungen vorgenommen worden, die bemerkenswertesten fanden zwischen 1987 und 1996 statt, als eine 3,5 Meter dicke Schicht von Überresten menschlicher Besiedlung aus dem 10. und 11. Jahrhundert freigelegt wurde. Zu den wohl interessantesten Entdeckungen gehören gut erhaltene Insekten, die mit den Siedlern nach Island gekommen sind und Archäologen Einsicht über die Umgebung des Menschen und die Lebensbedingungen schenken.

Neue Vogelbeobachtungshütte in schwindelnder Höhe bei Skagaströnd

The birdwatching hut skagaströnd. A screenshot from RÚV

Eine neue Vogelbeobachtungshütte im nordisländischen Skagaströnd ist nicht wirklich was für Leute mit Höhenangst: die Hütte befindet sich nämlich an der Kante einer Klippe des Spákonufellshöfði. Allerdings bietet sie in schwindelnder Höhe eine einzigartige und wettergeschützte Aussicht auf das Naturschutzgebiet und das reichhaltige Vogelleben.

Das Design stammt vom Architekturbüro ESJA, gebaut wurde die Hütte mit Zuschüssen der isländischen Tourismusbehörde. Für die kristallartige Form der Hütte lieferte eine Legende aus der Wikingerzeit Inspiration: Spákonufellshöfði, das Kap der Seherin, ist nach Þórdís benannt, einer mächtigen und ausgesprochen launischen Seherin, die Ende des 10. Jahrhunderts in Skagaströnd gelebt hat und in zahlreichen isländischen Sagas auftaucht.+Der Naturkundler Einar Ólafur Þorleifsson sagte RÚV, er erwarte dass die Hütte sowohl Einheimische als auch Touristen anlocken werde. Von dort oben kann man nicht nur Vögel beobachten, sondern auch die atemberaubenden Steinformationen der rauen Küste von Skagaströnd.

Eissturmvögel, Raben, Schneehühner und Küstenseeschwalben segeln an den Felsen vorbei, man kann auch allerlei Entenarten im Wasser beobachten. Dazu Kormorane, Falken, Merlin, und sogar Adler soll es geben, sagt Einar. In diesen Tagen kehren die meisten Zugvögel auf die Insel zurück und Gänseschwärme sind ebenfalls von der Hütte aus zu sehen.
Für Leute mit Höhenangst ist der Beobachtungsposten allerdings nicht geeignet, denn er steht frei am äussersten Ende der Klippe, ohne dass rechts oder links davon ein Seil gespannt ist.

Insel der Winde: Computerspiel mit älterer Heldin aus den isländischen Volkssagen

Gamer dürfen sich schon mal freuen: ein Computerspiel vor dem Hintergrund isländischer Volkssagen wird zu Beginn des kommenden Jahres auf den Markt stossen. Es sei ein grosser Erfolg gewesen, das Unternehmen am Leben zu halten, sagt die Produzentin von Eyja vindanna, der Insel der Winde.
Das Spiel wird in sieben Sprachen erhältlich sein, berichtet RÚV.

Kleines Unternehmen kommt gross raus
Hintergrund von Insel der Winde ist Islands wilde, einsame Natur, wie sie früher einmal gewesen ist. Inspiration holten die Designer sich dazu aus den Westfjorden und hier besonders dem Ísafjarðardjúp. Die Gründerin und Leiterin des Gamingunternehmens Parity Games, María Guðmundsdóttir, erklärt, man habe seit 2019 an der Entwicklung des Spiels gearbeitet. Ein zu Jahresbeginn geschlossener Vertrag mit dem Herausgeber ESDDigital Games  wird für Insel der Winde den Weg auf den internationalen Markt ebnen.
„Das hat alles für uns geändert,“ sagt María, „wir sind ein kleines Unternehmen mit rund 15 Mitarbeitern, und wir wollten das Spiel zuerst selbst herausgeben, aber jetzt bekommt es das Marketing und die Verbreitung, die es verdient hat,“ freut sie sich.

Frau mittleren Alters erhält endlich eine Bühne
Heldin des Spiels ist Brynhildur Hansdóttir, eine Zauberin mittleren Alters aus dem 17. Jahrhundert, die allerlei Abenteuer bestehen und Aufgaben lösen muss. Brynhildur, die Hüterin des Gleichgewichts, muss sich auf eine Entdeckungsreise begeben, als ihr kleiner Hof angegriffen und ihr Mentor entführt wird, heisst es auf der Webseite. Das Kernspiel beinhaltet eine reichhaltige Geschichte, umfangreiche Hintergrundstories und faszinierende Rätsel, sowie Kreaturen der isländischen Volkssagen und Zaubersprüche.

Gleichverteilung der Geschlechterrollen
Und natürlich ist es auch kein Zufall, dass die Heldin eine Frau ist, sagt María. Parity Games ist nämlich eines der wenigen Gamingunternehmen weltweit, wo die Geschlechterrollen gleich verteilt sind. Besonderen Wert legt man auf den weiblichen Anteil. Sowohl Kinofilme als auch Computerspiele zeigten oft mutige junge Mädchen, die mit 15 Jahren schon weise sind und alles schaffen, oder junge Frauen mit viel Sexappeal, meint María.
Man habe sich daher entschieden, einer tollen Frau im mittleren Alter das Szepter zu überreichen. Weitere Spiele seien in Vorbereitung, und dabei habe der Vertrag mit dem internationalen Partner geholfen, auch wenn Parity Games auf Unterstützungsfinanzierung aus dem Inland habe bauen können.

Atli Örvarsson erhält BAFTA-Preis für beste Filmmusik

Composer Atli Örvarsson

Der isländische Komponist Atli Örvarsson hat am vergangenen Sonntag den BAFTA Preis für die Musik zur TV-Serie Silo verliehen bekommen. RÚV berichtet, dass dies Atlis erste BAFTA Nominierung gewesen ist.
Die auf Apple TV+ gestreamt Serie zeigt eine dystopische Zukunftsvision über eine Gemeinschaft von rund 10.000 Menschen, die in einem unterirdischen Silo mit hunderten von Stockwerken nach Regeln leben, die angeblich zu ihrem Schutz geschaffen wurden. In der Hauptrolle ist die schwedische Schauspielerin Rebecca Ferguson zu sehen.

Atli Örvarsson nannte seine Arbeit an dem Projekt einen Traumjob. In seiner Rede dankte er Regisseur Morten Tyldum, der für das Projekt an ihn herangetreten war. Tyldum habe erkannt, dass die Serie jemanden brauchte, der in der Dunkelheit und mit den klaustrophobischen Wintern des isländischen Nordwestens aufgewachsen sei.

Atli hatte die Filmmusik in London komponiert und in Grossbritannien und in seiner Heimatstadt Akureyri aufgenommen. Vor seiner Karriere in der Filmbranche war er mit der Popband Sálin hans Jóns míns bekannt geworden. Aber er hat auch Filmmusik für Piraten der Karibik, für Angels&Demons und für Man of Steel geschrieben.
Weitere Nominierte in der Kategorie “Best Original Music Fiction” waren Adiescar Chase für Heartstopper, Blair Mowat für Nolly und Natalie Holt für Loki.

Erster Sommertag – Wettervorhersage im Volksglauben

ice, ís

In Island wird heute der erste Sommertag gefeiert. Nach dem alten Kalender ist dies der erste Tag im Monat Harpa, welcher der erste von sechs Sommermonaten ist. Man beachte, dass es in diesem Kalender weder Frühling noch Herbst gibt. Der erste Sommertag ist stets ein Donnerstag, der erste nach dem 18. April und seit dem Jahr 1971 per Gesetz ein arbeitsfreier Tag. Bis 1744 war er kirchlicher Feiertag mit Messgang.
Sumardagur fyrsti
trägt auch den Namen Yngismeyardagur, übersetzt Jungmädchentag, das Gegenstück dazu war der Jungmännertag am ersten Tag des Monats Einmánuður, dem letzten Wintermonat.

Volksglauben und Bauernrealität
Im isländischen Volksglauben heisst es, wenn in der Nacht zum ersten Sommertag Winter und Sommer zusammenfrieren, wenn also die Temperatur unter den Nullpunkt geht, dann wird uns ein guter Sommer beschert. Auch die Sahne auf der Milch im Milcheimer sollte nach dieser Nacht dicker sein als sonst.
Damit man da nichts verpasst, stellten die Leute früher Schalen mit Milch und Wasser vor die Tür, um gleich in der Frühe beim Melken zu wissen, wie der Sommer wohl wird.

Ein guter Sommer bedeutete in früheren Zeiten natürlich vor allem, dass das Vieh genug zu fressen hatte und es einen guten Nutzen brachte – also viel Fleisch und Milch für seinen Besitzer – dass das Gras zum richtigen Zeitpunkt aufwächst, dass die Heuernte gut wird und ausreichend Korn am Halm steht. Beste Voraussetzungen dafür sind ein eher kühler und nasser Beginn des Sommers, gefolgt von Wärme und Trockenheit zu Erntebeginn.
Beginnt der Sommer mit Frost, verzögert sich erfahrungsgemäss die in Island ohnehin sehr kurze Vegetationsperiode, dadurch wird das Gras jedoch gehaltvoller, was wieder dem Vieh zugute kommt.

Willkommener arbeitsfreier Tag
In den meisten Städten und Dörfern finden heute Familienprogramme statt, oft stehen Kindern die Schwimmbäder gratis offen, es gibt Konzerte, Märkte und Veranstaltungen, und bei gutem Wetter sind die Isländer oft zum ersten Mal ausgiebig in der Natur unterwegs.
Beim isländischen Wetterdienst sieht man für heute mit bis zu 12 Grad im Süden und 0-8 Grad im Norden zwar nicht unbedingt sommerliche Temperaturen voraus, aber trotz Wind aus nördlicher Richtung soll es auch in den kommenden Tagen angenehm und trocken bleiben.

Verfilmter Frauenstreiktag premiert in Kanada

The Women’s Day Off protest in 2016 at Austurvöllur square.

Die Dokumentation „The Day Iceland Stood Still“ (Der Tag an dem Island stillstand) über den legendären ersten Streiktag der Frauen im Jahr 1975 wird Ende April am kanadischen Hot Doc Filmfestival Premiere haben. Ein Trailer zum Film ist bereits im Netz.

Das Filmmagazin Variety schreibt, die Doku versetze einen zurück an den berühmten „freien Tag der Frauen” am 24. Oktober 1975, als „rund 90% der isländischen Frauen sich weigerten, zu arbeiten, zu kochen oder sich um die Kinder zu kümmern.“ Das Land verfiel für einen langen Tag lang in den zivilen Ausnahmezustand.

Für den Film wurde eine Vielzahl an Isländerinnen nach der Wichtigkeit des Tages befragt. „Wir liebten unsere männlichen, chauvinistischen Schweine,“ erinnert sich eine von ihnen. „Wir wollten sie nur ein bisschen ändern!“

Im Film ist auch ein exklusives Interview mit Vigdís Finnbogadóttir zu sehen, die erste Frau, die auf demokratischem Wege zum Staatsoberhaupt gewählt wurde, fünf Jahre nach dem Frauenstreik. Amtsinhaber Guðni Th. Johannesson erzählt eine Anekdote über seinen Vater und dessen Unfähigkeit, sich am Streiktag der Frauen selbst Essen zuzubereiten.
Regie führten die Emmy-Gewinnern Pamela Hogan in Zusammenarbeit mit der isländischen Produzentin Hrafnhildur Gunnarsdóttir.

Frauenstreiktag 2023
Im vergangenen Jahr war nach Jahrzehnten wieder ein “kvennafrídagur”, ein Frauenstreiktag, abgehalten worden. Icelandreview hatte berichtet, dass sich in Anlehnung an den berühmten Streik von 1975 auf dem Hügel Arnarhóll soviele Menschen wie noch nie zuvor versammelt hatten. Der Frauenstreik hatte im ganzen Land stattgefunden, um gegen Abwertung von Frauenjobs, Gewalt und die berühmte “dritte Schicht” zu demonstrieren und weitreichende Unterstützung erhalten.