Pferdezucht: Arbeitsgruppe untersucht Schlafkrankheit beim Islandpferd

In Island wird derzeit das Aufkommen von Narkolepsie in Pferden untersucht. Narkolepsie ist eine chronisch-neurologische Erkrankung, die sich in episodisch auftretenden und zwanghaften Schlafanfällen äussert. Die Krankheit kann bei Fohlen und bei erwachsenen Pferden (sowie bei Mensch und Hund) auftreten. Fohlen werden in der Regel euthanasiert. Es besteht ein Verdacht der Erblichkeit.

Züchterisch eliminieren
Bei der Narkolepsie handelt es sich um eine Erbkrankheit, schreibt RÚV, die sich zeigen kann, wenn zwei Genträger angepaart werden. Sie tritt auch bei Pferden in Island auf. Als Ursache wird eine Fehlfunktion des Orexin-Hypocretin-Systems im Hypothalamus vermutet. Hypocretin ist ein Neuropeptid, welches an der Schlafregulierung beteiligt ist und bei der Narkolepsie vermindert gebildet wird.
Die Tierärztin und Pferdezüchterin Sonja Lindal leitet eine vom Pferdezuchtverband neugeschaffene Arbeitsgruppe, die Daten und Proben sammelt und einen Test entwickelt, mit dem Genträger identifiziert werden können.  Damit soll es möglich werden, die Erkrankung züchterisch aus dem isländischen Bestand zu eliminieren. Die auf dem Kontinent vorhandene medikamentöse Behandlung wird in Island nicht durchgeführt.

Nicht nutzbare Pferde
Im Fall einer Erkrankung zeigen sich die Symptome beim Fohlen sofort. Die Tiere taumeln, lassen den Kopf hängen, schlafen im Stehen und kippen von den Füssen. In der Regel sehe man dies bei Saugfohlen, die noch dicht bei der Mutter laufen, erklärt Sonja. Sie dämmerten weg, dann wachten sie auf und liefen weiter als ob nichts gewesen sei. Diese Pferde leiden nicht, und sie entwickeln sich ansonsten auch normal, aber sie sind eigentlich nicht nutzbar.
„Es ist schwer, eine Aufgabe für die zu finden, denn man will natürlich mit solchen Pferden nicht züchten, und nur die wenigsten trauen sich, so ein Pferd zu reiten. Damit ist das vor allem ein finanzieller Schaden für den Züchter,“ sagt Sonja. Da sich die Symptome beim Fohlen sofort zeigten, würden diese in der Regel euthanasiert.

Weniger genetische Vielfalt in der Sportzucht
Narkolepsie ist nicht meldepflichtig, daher ist auch nicht bekannt, wieviele Fohlen der isländischen Nachzucht jedes Jahr mit den Symptomen zur Welt kommen. Der Erkrankung wird jedoch immer mehr Aufmerksamkeit geschenkt, immerhin besteht die Möglichkeit, dass sie weiter verbreitet ist als gedacht, und zwar im Bestand der Zucht- und Sportpferde, wo die genetische Vielfalt geringer ist und die Verwandtschaft unter Elterntieren grösser.

Erste Hengststation für Exportsperma geplant

Die erste Pferdebesamungsstation unter Quarantänebedingungen soll im kommenden Frühjahr in Island eröffnen. Wenn der Betrieb läuft, wird es möglich sein, Pferdesperma für die Zucht ins Ausland zu verkaufen, berichtet RÚV. Bis dahin müssen auch weiterhin tragende Stuten oder der Hengst selbst exportiert werden, diese dürfen jedoch aus Seuchenschutzgründen nicht mehr nach Island zurückgebracht werden.

Besamung nach britischen Vorbild
Guðmundur Jón Viðarsson und seine Ehefrau, Pferdezüchter auf Skálakot bei Hvolsvöllur, sind dieser Tage dabei, die Hengststation auf der Länderei Efra-Holt zu errichten. Schon jetzt werde im Frühjahr an einigen Orten in Island die Besamung von Stuten angeboten, auf ihrem Hof sollen dann aber mehrere Zuchthengste über längere Zeit zur Absamung in Quarantäne gehalten und ihr Sperma eingefroren werden, damit dieser dann ins Ausland exportiert werden kann.
„Wir stehen in Zusammenarbeit mit einem britischen Unternehmen, das seit 30 Jahren in der Branche tätig ist und bemerkenswerten Erfolg bei ausländischen Pferderassen erzielt hat, und meine Kollegen auf dem Kontinent haben bereits Sperma von Islandhengsten eingefroren, und das hat gut geklappt,“ sagt Guðmundur. Das Sperma wird in Flüssigstickstoff eingefroren und für den Gebrauch aufgetaut. Erfahrungsgemäss seien nach Auftauen 80 bis 90 Prozent der Spermien noch am Leben, weiss Guðmundur.

Dritte Option könnte einträglicher werden
Zur Zeit haben Besitzer von überragenden Pferden eigentlich nur zwei Möglichkeiten, diese zur Zucht einzusetzen – entweder auf übliche Weise hierzulande, wo Interessenten sich dann um die 3000 bis 4000 verfügbaren Decksprünge pro Jahr schlagen, oder sie können ihr Zuchtpferd für teuer Geld ins Ausland verkaufen, doch dann ist es für die inländische Zucht verloren.
„Jetzt gibt es da diese dritte Option, du kannst dein Pferd hier absamen lassen und das Sperma in die ganze Welt verkaufen.“
Die fruchtbare Zeit der Pferde liege zwischen Mitte Mai und Anfang August, danach gebe es keine Stuten mehr, doch mit der Gefriermethode könne man bis zu acht Monate pro Jahr Sperma produzieren.
Und offenbar kann das tiefgefrorene Sperma auch zeitlich unbegrenzt gelagert werden. Guðmundurs zitiert seinen britischen Kollegen, wonach es keinen Unterschied zwischen 30 Jahre altem Sperma und frisch produziertem Sperma gebe.

Antrag auf Betriebsgenehmigung läuft
Zur Zeit wird der Genehmigungsantrag für die Quarantänestation ausgearbeitet, und wenn alles gut geht, kann der Betrieb im kommenden Frühjahr losgehen.
Zu den Voraussetzungen und Bedingungen, unter denen Hengste für diese Export-Besamung vorbereitet und in Quarantäne gehalten werden müssen, liegen bislang keine Informationen vor. Eine bestehendes Regelwerk gibt nur für Quarantänebesamungsstationen, wo isländische Kühe mit importiertem Spermamaterial besamt werden, deren Bullenkälber für die spätere Bedienung im Inland vorgesehen sind.
Aufsichtsführend und verantwortlich für das Tierwohl solcher Stationen ist die isländische Veterinäraufsichtsbehörde MAST.

Ausbeutung in der Pferdebranche immer noch Thema

Menschenhandel und Ausbeutung sind wachsende Probleme in der isländischen Gesellschaft, und liegen oft näher als man denkt.
Ein Radiobeitrag über die moderne Sklaverei beschreibt, wie Unternehmer aller Art sich in den Wintermonaten sozialer Medien bedient haben, um Arbeitskräfte aus dem Ausland anzuwerben. Was da so romantisch, nett und familiär rüberkam, endete für so manchen mit Tränen. RÚV berichtet, die größte Gruppe, die dieser Gewaltform zum Opfer fällt, seien Ausländer.

Traumjob Pferd
Das dänische Pferdemädchen Metta hatte einen Traumjob bei einem Pferdeverleih im Süden des Landes erhalten, leider erwies der Traum sich als Albtraum.
„Ich hab mindestens zehn Stunden am Tag gearbeitet, sechs Tage die Woche. Der Arbeitgeber hatte nicht erwähnt, dass wir von morgens um 7 oder 8 bis 17.30 Uhr arbeiten mussten, und nach der Heimkehr dann noch Pferde füttern. Frei hatten wir nie,“ erzählt Metta von ihrem ehemaligen Job. „Wir waren quasi in einem Gefängnis auf dem Hof, wo wir mit den Pferden lebten.“ Menschenhandel wird oft als Sklaverei ohne Ketten beschrieben. Auch wenn allein die Idee weit hergeholt scheint, so existiert diese Form der Ausbeutung, und sie wächst im Ausland wie auch in Island. Sie kann wo auch immer, wann auch immer, und mit wem auch immer betrieben werden, denn die Opfer befinden sich in einer schwierigen und sensiblen Lage, die von den Tätern weidlich ausgenutzt wird.

Metta hatte beschlossen, eine Pause zwischen Studium und Arbeitsleben einzulegen und den Sommer mit Pferden in Island zu verbringen, immerhin ritt sie schon seit vielen Jahren. „Ich dachte, das wäre eine tolle Gelegenheit, einen Sommerjob in Island zu bekommen, mit Pferden zu arbeiten, viele neue Leute kennenzulernen und als Reiter mehr Erfahrung zu sammeln.“

Facebookinserate unter dem Radar
Ihren Job fand sie in einer Facebookgruppe, in der Sommerjobs für Pferdeleute und Rittführer inseriert waren. Im Einstellungsgespräch via Internet versprach der zukünftige Arbeitgeber ihr 400.000 ISK Bruttomonatslohn und eine 40-Stundenwoche, ausserdem freie Unterkunft. Metta fand das ganz in Ordnung.
Schnell stellte sich heraus, dass der Pferdetraum etwas anders ablief als sie gedacht hatte, und das obwohl sie wusste dass die Arbeit mit Pferden anstrengend und arbeitsreich ist. „Ich hätte nie gedacht dass ich so schlecht bezahlt werde. Ich hab meinen Stundenlohn ausgerechnet und kam auf 750 Kronen pro Stunde,“ sagt sie. „Das ist Wahnsinn. Der helle Wahnsinn.“
„Ich hab mindestens zehn Stunden pro Tag gearbeitet, sechs Tage die Woche, und keinen freien Tag,“ beschreibt sie das „Gefängnis“ wo sie nach eigener Aussage lebte. Von den versprochenen 400.000 ISK vor Steuern erhielt sie alle zwei Wochen 100.000 ISK. Als sie sich nach der fehlenden Summe beim Arbeitgeber erkundigten, sagte der, 100.000 seien für die Miete und den Autogebrauch berechnet worden, die anderen 100.000 seien an das Finanzamt gegangen. Allerdings fand Metta durch eigene Recherchen heraus, dass der Fiskus nicht eine einzige Krone erhalten hat.
Das Unternehmen habe nur junge Mädchen unter 20 Jahren eingestellt, Metta war die älteste unter ihnen. Der Chef sei ein furchteinflössender Typ gewesen, der mit schlechten Umgangsformen und Kommunikationsproblemen glänzte. Ausserdem seien überall Kameras angebracht gewesen, nicht nur im Stall sondern auch im Wohnhaus, angeblich aus Sicherheitsgründen.

Kein sicheres Land für solche Jobs
Viereinhalb Monate hielt sie es dort aus. „Die Pferde und wir wurden schlecht behandelt,“ sagt sie. Als eine verängstigte Kollegin, der es sehr schlecht ging, fristlos vor die Tür gesetzt wurde, war das Mass für Metta voll. Sie kündigte zu gleichen Bedingungen wie der Kollegin gekündigt worden war – eine Woche. Der Chef sei ausgeflippt, erzählt sie, er habe alle Pferdemädchen gleichsam bedroht. Daraufhin sei sie auf Empfehlung von wohlmeinenden Isländern zur Gewerkschaft gegangen. Obwohl sie längst wieder nach Dänemark zurückgekehrt ist, liegen dem Unternehmen immer noch die Lohnforderungen der Angestellten des letzten Sommers vor. Metta sagt, der Mann bedrohe nun sie und ihre Familie. „Ich will sagen, dass das nicht richtig ist, dass Island ein sicheres Land ist, jedenfalls nicht in der Tourismusbranche,“ erklärt Mette RÚV gegenüber. „Ich bin von meinem früheren Arbeitgeber bedroht worden, weil er wegen dieser Sache wütend ist, weil wir viel Geld von ihm verlangen. Ich habe versucht, die isländische Polizei zu kontaktieren, aber die nehmen die Drohungen nicht ernst, weil ich in Dänemark bin.“

Mettas Fall fällt unter Ausbeutung und schlechte Behandlung. RÚV schreibt, dieser Pferdeverleih sei kein Einzelfall, immer wieder gebe es Hinweise auf Ausbeutung in der Branche, doch bis heute arbeiten zahlreiche junge Mädchen schwarz für ein Taschengeld und ohne jede Absicherung in den sogenannten Traumjobs der Pferdebranche.

Icelandreview hatte 2018 über das Thema eingehend berichtet.

Hier und hier findet man Gehaltstabellen für Jobs in Landwirtschaft und Tourismus.

 

Blutstuten: Monopolstellung der Ísteka bleibt ohne Konsequenzen

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Das Pharmaunternehmen Ísteka benutzt seine starke Marktposition dazu, Preisverhandlungen mit Blutfarmern zu normalen Bedingungen zu vermeiden. Zu diesem Ergebnis ist die isländischen Wettbewerbsbehörde in einer aktuellen Resolution gekommen, berichtet Bændablaðið. Ísteka ehf. ist der größte Pferdehalter in Island und führt im Wettbewerb mit Blutfarmern die Blutgewinnung aus eigenen Blutstuten durch.  Im Dokument der Wettbewerbsbehörde heißt es, das Unternehmen sei an allen Gliedern der Wertschöpfungskette beteiligt, was als vertikale Integration definiert werden kann (also die Internalisierung von vor- oder nachgelagerten Fertigungsstufen). Ísteka ist das einzige Unternehmen, das Stutenblut in Island kauft, verarbeitet und exportiert.

Fehlen jeglicher Transparenz
Die Wettbewerbsbehörde stellt fest, dass Ísteka den Preis für Stutenblut einseitig und ohne jede Transparenz festlegt. Blutlieferanten erhalten keine Informationen über Ergebnisse aus den durchgeführten Blutproben (die Stuten müssen dazu ebenfalls regelmässig punktiert werden, zusätzlich zur Punktion an den Blutgewinnungstagen)
Die Bauern finden es wichtig, Zugang zu den Daten zu erhalten, die sich auf die Blutgewinnung aus Nutztieren in ihrem Besitz beziehen. Offenbar hat die Ísteka aber auch weiterhin nicht vor, Informationen über die Blutqualität an die Besitzer der Tiere herauszugeben. Da der Zugriff der Landwirte auf die von Ísteka gesammelten Daten begrenzt ist, trägt dies zu Informationsungleichgewicht bei und fördert Misstrauen auf dem Markt.
Ísteka selbst hält Blutstuten im Wettbewerb mit den Landwirten und verfügt über Informationen über seine Konkurrenten auf dem Markt. Ísteka kann daher im Gegensatz zu den Landwirten fundierte unternehmerische und züchterische Entscheidungen treffen. Beispielsweise hat die Ísteka erfolgreich Stuten mit einem höheren PMSG-Gehalt im Blut gezüchtet.

Monopolstellung der Ísteka
Ísteka steht auf dem Standpunkt, die isländischen Blutfarmer könnten ihr Blut ja ausländischen Produzenten verkaufen. Bei der Wettbewerbsbehörde sieht man jedoch nicht, wie das zu bewerkstelligen ist. Nur wenige Unternehmen führen solche betrieblichen Aktivitäten auf internationaler Basis durch. Ísteka ist das einzige Unternehmen in Island, das über eine Lizenz zur Herstellung von eCG/PMSG verfügt, welches aus dem Blut tragender Stuten extrahiert wird.
Die Wettbewerbsbehörde ist daher der Ansicht, dass die Ísteka als einziger Blutaufkäufer eine Monopolstellung im Land hält. Die hohen Kosten in der Biotechnologie stellen ein großes Hindernis für den Markteintritt dar, der Eintritt anderer Unternehmen in den Wettbewerb gilt daher als unwahrscheinlich.
Nach Einschätzung der Wettbewerbsbehörde handelt es sich bei zwischen Ísteka und Blutfarmern geschlossenen Verträgen um sogenannte Alleinkaufverträge. Die Pferdezüchter verpflichten sich, während der Vertragslaufzeit ausschließlich der Ísteka Blut zu verkaufen. Der Privatverkauf umfasst sämtliche Stuten des jeweiligen Landwirts, ganz gleich ob die Ísteka sie zur Blutgewinnung auswählt oder nicht.

Kein Geld für Abschlussbericht
Die Feststellungen der Behörde drohen nun jedoch ohne Konsequenzen zu bleiben, denn „aufgrund fehlender finanzieller Mittel und Personalmangel war die Wettbewerbsbehörde nicht in der Lage, ihre Ermittlungen gegen Ísteka durch formelle Intervention abzuschließen.“
Stattdessen geht eine Stellungnahme an das Ministerium für Landwirtschaft und Fischerei als für die Blutbranche zuständige Behörde.
Gleichzeitig wird Ísteka über ihre Marktposition informiert und erhält Hinweise auf mögliche Maßnahmen, mit denen das Unternehmen die Wettbewerbsgesetze besser befolgen könnte. Die Stellungnahme diene auch der Information der Landwirte.
Mehr zum kontroversen Thema Blutstuten finden Sie hier.

Blutlizenz bis Oktober 2025
Zuletzt hatte die Veterinäraufsichtsbehörde (MAST) geprüft, ob Anlass für eine Einziehung der bestehenden Betriebslizenz besteht. Diese Lizenz war im letzten Jahr auf der Basis einer bestehenden Verordnung erteilt worden. Die Regulierungsbehörde der EFTA hatte im Herbst verfügt, dass die Blutstutenhaltung nicht unter diese Verordnung fallen soll, sondern unter eine Verordnung zum Schutz von Tieren, die für wissenschaftliche Zwecke benutzt werden. Momentan gelten Blutstuten in Island als „landwirtschaftliche Nutztiere“. Dagegen hatten Tierschützer bei der EFTA Beschwerde eingelegt.

MAST sieht jedoch keinen Grund, die bis zum Oktober 2025 geltende Betriebslizenz einzuziehen. Es brauche schon schwerwiegende Gründe für den Einzug einer Lizenz, die der Lizenzhalter bereits nutze, hiess es bei der Veterinäraufsichtsbehörde.

Der Stellung des Tierschutzes in der Blutstutenbranche scheint trotz Videodokumentation durch ausländische Tierschutzorganisation und durch Journalisten der staatlichen Sendeanstalt RÚV, und trotz Fachartikel von in- und ausländischen Tierärzten in Bezug auf die enorme Blutmenge, um die isländische Blutstuten allsommerlich erleichtert werden, weniger Gewicht zugestanden zu werden als dem jährlichen Exportertrag des Hormons von mehr als zwei Milliarden ISK. Hauptabnehmer des Trächtigkeitshormons ist weiterhin Deutschland und die deutsche Schweinezuchtindustrie.

FEIF verlangt Abschaffung der Blutstutenhaltung

Der internationale Dachverband des isländischen Pferdes (FEIF) hat die kommerzielle Blutstutenhaltung und die Produktion des Trächtigkeitshormons PMSG aus dem Blut tragender Stuten verurteilt. In einer Erklärung fordert der Verband, die Blutstutenhaltung abzuschaffen.

Kontroverse wird anhalten
Man unterstütze die Aktionen von verantwortungsvollen Institutionen und Tierschutzorganisationen in Island und auf dem Kontinent und werde jede Gelegenheit nutzen, sich öffentlich gegen die Produktion und Nutzung von PMSG auszusprechen.
Die FEIF bezieht sich in ihrer Erklärung auf eine Dokumentation der staatlichen Sendeanstalt RÚV aus dem Februar. Die im vergangenen Jahr ausgegebene Lizenz für die kommerzielle Blutgewinnung aus isländischen tragenden Stuten gelte bis Oktober 2025, und so lange werde die Kontroverse auch anhalten.

Hoffnung auf EU-weites Verbot von PMSG
Nach einer EFTA-Entscheidung aus dem letzten Jahr sind Blutstuten nicht mehr länger landwirtschaftliche Nutztiere, sondern für wissenschaftliche Versuche genutzte Tiere. Die FEIF verweist darauf, dass Tierversuche nach EU-Recht nach Möglichkeit durch alternative Methoden ersetzt werden müssen, bei denen keine lebenden Tiere benutzt werden. Im Fall des Hormons PMSG seien solche Methoden längst vorhanden.

„Das offene Eingeständnis, dass ein Land gegen die Richtlinie 2010/63/EU verstoßen hat, ebnet den Weg für ein EU-weites Verbot der Produktion, Einfuhr und Verwendung von PMSG. Dies dürfte weltweit zu ähnlichen Maßnahmen führen.“ heisst es in der Erklärung.

FEIF will nicht schweigen
Bei der letzten FEIF-Konferenz in Luxembourg hatte der Vorstand erneut erklärt, dass das Blutstutengeschäft inakzeptabel sei. „Es beeinflusst stark das Image des Islandpferdes, einschließlich unserer “Sozialen Verpflichtung zu Handeln (SLO)” – die Art und Weise, wie Pferdesport von der breiten Öffentlichkeit gesehen wird. Die FEIF und die FEIF-Mitgliedsländer können sich nicht in das isländische Recht einmischen, aber wir haben eine Stimme und haben nicht die Absicht, zu dieser Angelegenheit zu schweigen.“ Auch in Sachen Fair Play passen FEIF-Regeln und das Schicksal der Blutstuten in Island nicht zusammen.
Die FEIF dankt in ihrer Erklärung allen Experten, Organisationen und Einzelpersonen für ihre Arbeit gegen das Blutstutengeschäft.

Blutstuten: Ísteka behält Betriebslizenz für Blutgewinnung

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Die isländische Veterinäraufsichtsbehörde MAST ist der Ansicht, dass es keine ausreichenden rechtlichen Gründe für einen Widerruf der Betriebslizenz des Pharmaunternehmens Ísteka gibt, und dass der Betrieb auf der Grundlage einer bis Oktober 2025 gültigen Lizenz weitergeführt werden kann. Ísteka ehf. ist das einzige Unternehmen in Island, welches das Blut tragender und laktierender Stuten aufkauft und daraus ein Hormon extrahiert, das in der europäischen Nutztierindustrie zum Einsatz kommt.

Daten und Standpunkte geprüft
Auf der Webseite heisst es, dass Mitarbeiter der Behörde verfügbare Daten und den Standpunkte der Ísteka geprüft worden seien. Das Blutfarming steht seit 2021 in Island in der Kritik, nachdem ausländische Tierschutzverbände Videos veröffentlicht hatten, in denen katastrophale Einrichtungen für die Blutgewinnung und brutale Misshandlungen der tragenden Stuten zu sehen gewesen waren. Im Jahr 2022 waren acht Todesfälle im Zusammenhang mit der Blutgewinnung gemeldet worden, Tierschützer vermuten, dass die Dunkelziffer weitaus höher liegt. MAST und Ísteka hatten die Verantwortung für die Todesfälle auf ausländische Veterinäre geschoben.

MAST schreibt, dass die Ísteka seit Jahrzehnten über eine Lizenz zur Blutgewinnung aus tragenden Stuten verfügt. Die derzeit gültige Lizenz des Unternehmens war im Jahr 2022 nach Veröffentlichung einer entsprechenden Verordnung ausgestellt worden und ist bis zum 5. Oktober 2025 gültig.

Trotz EFTA-Mahnbrief keine “starken Gründe”
Im vergangenen Jahr hatte die Überwachungsbehörde der EFTA (ESA) Islands Regierung darauf hingewiesen, dass die Stuten unter die Verordnung Nr. 460/2017 zum Schutz von für wissenschaftliche Zwecke verwendete Tiere fallen müssen. Dort waren sie zwei Jahre zuvor herausgenommen worden, stattdessen hatte man damals die Blutgewinnung als „landwirtschaftliche Tätigkeit“ umgemünzt. In einer neuen Verordnung aus dem vergangenen Jahr ist ein Widerruf der Lizenz nicht erwähnt, vielmehr wird ausdrücklich auf der Vorliegen der Betriebslizenz verwiesen.
Daraufhin hat MAST geprüft, ob das Verwaltungsrecht eine Grundlage für den Widerruf der Lizenz hergibt, und ist auch dort nicht fündig geworden. Vielmehr müssten „starke Gründe“ vorliegen, um eine Verwaltungsentscheidung wie die des Ministeriums aus dem vergangenen Jahr zu widerrufen.

Keine ausreichenden Quellen vorhanden
„Die Veterinäraufsichtsbehörde ist der Ansicht, dass die derzeit verfügbaren Kontroll- und Forschungsergebnisse keinen Anlass zur Annahme geben, dass ausreichende Quellen im Hinblick auf das Wohlergehen und die Gesundheit der für die Blutentnahme verwendeten Stuten vorliegen.“ Mit anderen Worten, die Beweise für tierquälerische Vorgänge bei der Blutgewinnung sind der Behörde nicht ausreichend.
 Eine Anzeige wegen Tierquälerei aus dem Jahr 2022 wurde wegen Mangel an Beweisen fallengelassen, eine weitere aus dem letzten Jahr ist bei der Polizei in Reykjavík anhängig.
„Der Widerruf einer bereits genutzten Lizenz bedarf zwingender Gründe und ist inhaltlich und zeitlich begrenzt.“ heisst es weiter bei MAST. Zudem habe die Behörde die betriebswirtschaftlichen Erwartungen des Lizenzinhabers berücksichtigt.

Mehr zum Thema Blutstuten.

Misshandlungen und merkwürdige Studie
Kritiker des Blutgeschäfts hatten der Branche nicht nur systematische Misshandlung von Stuten und Fohlen vorgeworfen, sondern auch die grosse Blutmenge angeprangert. Über acht Wochen lang werden jeder Stute wöchentlich rund fünf Liter Blut entnommen, in der Summe ist diese Blutmenge grösser als das Gesamtblutvolumen der Stute. Mediziner hatten zudem kürzlich darauf hingewiesen dass die Studie zum Gesundheitszustand der Stuten, auf die Behörde und Befürworter sich beziehen, auf unzureichenden Daten beruht und falsche Schlüsse zieht.
Die Verordnung 460/2017 zum Schutz von für wissenschaftliche Zwecke verwendete Tiere, sowie die Forderungen der ESA sehen eine weitaus geringere Blutmenge vor, die aus jeder Stute entnommen werden darf. Bislang ist nicht zur Sprache gekommen, wie dieses Problem betriebswirtschaftlich gelöst werden soll. Im Februar hatte Ísteka wegen dieser Verordnung gegen den isländischen Staat geklagt, ein Urteil ist noch nicht gesprochen.

In Island gibt es ca 5000 Blutstuten auf rund 90 Höfen. Das extrahierte Hormon PMSG hat einen Exportwert von rund 2 Mrd ISK. Hauptabnehmer ist die industrielle Schweinezucht in Deutschland. In Island ist kein PMSG-haltiges Medikament für die Nutztierhaltung registriert, stattdessen kommt das synthetische Prostaglandin Cloprostenol zum Einsatz. Für eine Registrierung in der Arzneimittelliste müsste eine Ausnahmeregelung beantragt und der Einsatz vom PMSG besonders begründet werden.

 

Misshandlung von Filmpferden könnte mit Anzeige enden

A close-up of an Icelandic horse

Die Veterinäraufsichtsbehörde MAST hat gestern das Training von Islandpferden für eine Kinofilmproduktion des Regisseurs Baltasar Kormákur ausgesetzt, nachdem es Hinweise auf Misshandlung der Pferde gegeben hatte, berichtet RÚV. Baltasar gab RÚV gegenüber an, die Pferde hätten keine dauerhaften Schäden davongetragen. Die spanischen Trainer seien sofort entlassen worden.

Video bringt Ball ins Rollen
Gestern war auf Facebook ein Video kursiert, indem zu sehen war, wie ein mit Ausbindern und scharfem Gebiss gerittenes Pferd massiv geriegelt und mit einem Gegenstand immer wieder auf den Kopf geschlagen wird, während es brutal im Kreis vorwärtsgetrieben wird. Bei einem anderen Pferd werden währenddessen rollkurartige Übungen durchgeführt. Die Tierschutzaktivistin Steinunn Árnadóttir hatte das Video auf ihrer Facebookseite geteilt. Sie fand auch die mit Ketten verschnürte Gebisskonstruktion eigenartig. Das Pferd habe sich durch die Ketten verletzt, ein herbeigerufener Tierarzt habe die blutige Verletzung jedoch auf eine “allergische Reaktion” zurückgeführt. Das in dem Video zu sehende Pferd sei völlig brav, da stelle man sich die Frage, wie mit den nicht ganz so braven Pferden umgesprungen werde.

Anzeige wegen Tierquälerei in Arbeit
Die Tierärztin Ingunn Reynisdóttir sagt, dort würden ganz klar Pferde gequält, und niemand verstehe, was damit beabsichtigt werde. Man sehe dass der Reiter etwas in der Hand habe, womit er auf das Pferd einschlage, ausserdem lege er einen sehr harten und unfairen Reitstil an den Tag, er reisse an den Zügeln und schlage das Pferd auf den Kopf. Das sei sehr unnormal.
Die Veterinäufaufsichtsbehörde liess das Training durch einen Inspekteur vor Ort einstellen. Möglicherweise komme es zu einer Anzeige bei der Polizei, gab die Fachtierärztin für Pferdekrankheiten, Sigríður Björnsdóttir, RÚV gegenüber an.

MAST war benachrichtigt worden, nachdem Guðni Halldórsson, der Vorsitzende des isländischen Reiterdachverbandes, Informationen über die zweifelhaften Machenschaften beim Training der Filmpferde erhalten hatte. Er kontaktierte auch den Regisseur der Produktion King and Conqueror, für die die Pferde trainiert wurden.

“Topleute” mit Empfehlungen
Baltasar gab an, dass diese Trainer entlassen worden seien. „Wir haben sofort entschieden, die zu entlassen, nicht nur den Reiter auf dem Video, sondern das ganze Team, sieben Reiter. Das sind Leute, die mit hervorragenden Empfehlungen kamen und im Ausland viele Kinofilme gemacht hatten, wie Gladiator oder Game of Thrones.“ sagte Baltasar.
Man habe ihnen zu Beginn des Arbeitsverhältnisses erklärt, dass sie sich an die isländische Tierschutzverordnung zu halten hätten. Sie seien bereits entlassen gewesen, als MAST das Training aussetzen liess, so Baltasar.
Schon zuvor seien in Island Pferde für Kinofilme trainiert worden, doch dies sei das bislang grösste Projekt gewesen. Da sei es schwierig, Fachleute zu finden, es gebe niemanden, der sich in Island auf das Traning von Filmpferden spezialisiere. „Und wir dachten, wir hätten da Topleute gefunden. Die Empfehlungen waren hervorragend.“

Keine langfristigen Schäden
Baltasar gab an, Tierärzte hätten die Pferde gestern untersucht, und die Tiere hätten keinen langfristigen Schaden davongetragen. Nun müsse man den nächsten Schritt entscheiden. Er gehe davon aus dass man Lösungen mit isländischen Reitern finden werde.
Guðni Halldórsson gab mbl.is gegenüber an, ein schaler Geschmack im Mund bleibe, weil man wisse dass diese Leute im Ausland weiter so mit Pferden umgingen.
Für die Filmproduktion waren im Winter 70 bis 80 Pferde zum Kauf oder als Leihgabe gesucht worden. Schön und brav sollten sie sein, mit viel Mähne und mindestens 145 cm Stockmass haben. Der Film King and Conqueror erzählt die Geschichte der Schlacht von Hastings.

Blutstuten: Mediziner kritisieren verzerrtes Bild bei Anämiestudie

Zwei Medizinerinnen und ein Statistiker haben die vor kurzem veröffentlichte Studie zum Bluthaushalt von in der kommerziellen Blutgewinnung genutzten Islandstuten kritisiert, die das Forschungsinstitut Keldur im Auftrag des Ministeriums für Landwirtschaft und Fischerei im Herbst 2022 angefertigt hatte.

Falsche Schlussfolgerungen
In ihrem bei Heimildin eingesandten Artikel sehen Guðrún Scheving Thorsteinsson, Rósa Líf Darradóttir und Jón Scheving Thorsteinsson es als erwiesen, dass die Autoren der oben genannten Studie falsche Schlussfolgerungen aus den vorliegenden Daten gezogen haben, wenn sie behaupten, dass die Blutgewinnung kaum Auswirkung auf die Gesundheit der Stuten habe. Vielmehr sei davon auszugehen, dass alle Blutstuten unter Anämie leiden. Die Autoren hätten jedoch die Definition von Anämie bei Islandpferden so eingegrenzt, dass das Endergebnis verzerrt werde.
Den tragenden und laktierenden Stuten wird im ersten Drittel der Trächtigkeit über acht Wochen lang einmal wöchentlich 5 Liter Blut entnommen. Das Gesamtblutvolumen der Stuten beträgt rund 26 Liter. Bei jeder Blutgewinnung wird der Stute damit rund 20% ihres Gesamtvolumens in kürzester Zeit entnommen. Die Medizinerinnen weisen darauf hin, dass dies zu einem Volumenmangelschock führen kann, und in der weiteren Folge zur Anämie.

Hochgerechnet 1500 Stuten mit Anämie
Der Studie zufolge litten während der Blutgewinnungsperiode 20,6% der untersuchten Blutstuten unter leichter Anämie, 8,6% litten unter manifester Anämie, und 2,1% unter schwerer Anämie, insgesamt sind das 31,3% der untersuchten 127 Stuten. Rechnet man dies auf die ca. 5000 in Island verwendeten Blutstuten hoch, dann leiden jedes Jahr 1500 Stuten während der Blutgewinnungsperiode unter Anämie mit dazugehörigem Unwohlbefinden und Krankheitssymptomen. Die Zahl könnte, so die Medizinerinnen, durchaus auch höher als im Rechenmodell liegen. Ein solches Rechenmodell hatten sie schon einmal im Jahr 2022 erstellt. Die Datengrundlage der Veterinäraufsichtsbehörde MAST zum Bluthaushalt von Blutstuten war in der Vergangenheit von Kritikern mehrfach als nicht ausreichend und veraltet bezeichnet worden.

Grenzwerte von anderen Pferderassen
Bei intensiver Lektüre der Studie fiel zudem auf, dass die Grenzwerte für Hämoglobin (rote Blutkörperchen) und Hämatokrit (Blutzellenanteil) zunächst aus eigenen Arbeiten an tragenden Islandstuten in Weidehaltung übernommen wurden, weil für die Pferderasse bislang keine Grenzwerte festgelegt waren. Auf halber Strecke seien dann jedoch, so die Medizinerinnen, die genannten Grenzwerte aus älteren Arbeiten über ausländische Pferderassen und Esel übernommen worden, bei denen Hämoglobin und Hämatokrit von Natur aus niedriger liegen. Diese Werte verzerrten damit den wahren Zustand im Bluthaushalt isländischer Blutstuten. Hätten die Autoren bei den Messungen ihre eigenen zu Anfang zitierten Grenzwerte weiter genutzt, wäre zutage getreten, dass weitaus mehr Stuten Anämiesymptome zeigten. So aber wurden Grenzwerte anderer Pferderassen ohne nähere Definition, Geschlecht oder Alter auf tragende und laktierende Islandstuten angewendet.

Hohe Ausfallquote verzerrt das Bild
Für die Studie des Forschungsinstitutes waren zwei Stutenherden mit je ca 60 Stuten ausgewählt worden, eine Herde befand sich im Norden des Landes, die andere im Süden.
Vor allem in der Südlandherde, so die Medizinerinnen, sei die Zahl der für die Blutgewinnung genutzten Stuten erheblich zurückgegangen, je weiter die Entnahmeperiode voranschritt. Für diesen Ausfall wird in der Studie keine Erklärung geliefert. Da die wissenschaftliche Blutprobe für die Stuten auf den gleichen Tag wie die Blutgewinnung fiel, ist das Ergebnis verfälscht, vor allem wenn die ausgefallenen Stuten aufgrund anämiebedingter Krankheitssymptome nicht zur Blutgewinnung geholt wurden.
Mehr zum Thema Blutstuten.
Aus dem Stutenblut extrahiert das isländische Pharmaunternehmen Ísteka ehf. das Hormon PMSG, welches nach Europa exportiert wird, wo es in der industriellen Nutztierzucht Anwendung als Zyklusregulator findet. Hauptabnehmer ist Deutschland. In Island sind PMSG-haltige Präparate nicht zugelassen, stattdessen kommen synthetische Präparate zur Anwendung.
Seit im November 2021 erste Videos mit versteckter Kamera tierquälerische Zustände bei der Blutgewinnung aufgedeckt hatten, ist die zuvor relativ unbekannte Branche in die Schlagzeilen geraten. Im Jahr 2022 war eine neue Verordnung mit strengeren Auflagen in Kraft getreten, seit dem 1. November gilt für die ca. 5000 Blutstuten europäisches Recht, wonach sie nicht länger Nutztiere der Landwirtschaft sind, sondern Nutztiere, die für wissenschaftliche Zwecke verwendet werden. Für letztere gelten weitaus strengere Auflagen, unter anderem müssten Entnahmeintervalle und Blutmenge radikal reduziert werden. Ísteka ehf. ist Islands einziger Stutenblutaufkäufer und PMSG-Exporteur mit eigener Produktion und einem Exportumsatz von etwa 1,7 Milliarden Kronen im Jahr 2021.

Blutstuten: Reaktionen auf Kveikur-Beitrag

Nach dem TV-Beitrag zur Blutstutenhaltung vom 27. Februar ist die Debatte über die umstrittene Branche in Island wieder aufgeflammt. In dem Beitrag war unter anderem über vier im Zusammenhang mit der Blutgewinnung verendete Stuten berichtet worden. Die Besitzerin hatte angegeben, sie sei vom Blutaufkäufer Ísteka angewiesen worden, die Kadaver so schnell wie möglich zu vergraben, bevor Tierschützer Wind davon bekämen. Das letzte Pferd hatte sie auf eigene Initiative obduzieren lassen, dabei stellte sich heraus, dass die Entnahmekanüle das Pferd tödlich verletzt hatte. Es war an seinem Blut erstickt.

MAST sieht keinen Beweis für Kunstfehler
Heute veröffentlichte die Veterinäraufsichtsbehörde MAST einen Kommentar zum Kveikur-Beitrag über Blutstuten und die vier verendeten Pferde im Besonderen. Darin wird hervorgehoben, dass man nicht sagen könne, ob es sich um einen Kunstfehler des Veterinärs gehandelt habe, weil keine schriftlichen Daten vorlägen. Ausserdem sei der damals mit der Blutgewinnung betraute Veterinär polnischer Nationalität gewesen und damit polnischen Behörden unterstellt. Er gehörte zu den ausländischen Veterinären, die der Blutaufkäufer Ísteka für die Saison 2021 ins Land geholt hatte, weil sich immer mehr isländische Tierärzte wohl aus Furcht vor Rufschädigung aus der Blutbranche verabschiedeten. Für die Saison 2023 hatten alle beteiligten Veterinäre ein Sondertraining absolvieren müssen.
MAST schreibt, aus Tierwohlperspektive sei die Blutgewinnung im letzten Sommer gut verlaufen, damit sei klar, dass prophylaktische Massnahmen wie das Training neuer Veterinäre und die verstärkte Kontrolle erfolgreich gewesen seien. Im Jahr 2023 waren sechs Stuten im Zusammenhang mit der Blutgewinnung verendet. Im Jahr 2022 waren es acht gewesen. Tierschutzorganisationen gehen von einer höheren Dunkelziffer aus, weil nur das blutaufkaufende Pharmaunternehmen Ísteka die Todesfälle an MAST meldet.

Studie zum Stutenwohl nach Blutentnahme
MAST verweist auf eine aktuelle Studie, in der der Hämoglobingehalt während der Entnahmesaison untersucht worden war. Demnach wurde bei 8,6 Prozent der untersuchten Blutstuten eine durchschnittliche Blutarmut festgestellt, und bei 1,2 Prozent eine manifeste Blutarmut. Damit bestätige sich die fachliche Einschätzung von MAST hinsichtlich der „milden Auswirkung“ der in Island praktizierten Blutgewinnung auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Stuten.
Für die erwähnte Studie war während der gesamten Saison 160 Stuten aus zwei Herden – eine im Norden, eine im Süden – Blutproben entnommen worden. In Island werden insgesamt rund 5000 Stuten für die kommerzielle Blutgewinnung benutzt. Der Studie nach fiel der Hämatokrit bei allen Stuten nach der dritten Entnahmewoche und hatte sich drei Wochen nach der letzten Blutgewinnung wieder erholt. Die Blutstuten haben während der „Saison“ ein Saugfohlen bei Fuss und sind tragend.
Die Studie erwähnt ausserdem 17 Vorfälle im Fixierstand, wo Stuten sich gegen die Punktion wehrten.

Verband der Tierärzte kritisiert Angriff auf MAST
Gegen die Kritik der Parteivorsitzenden der Volkspartei, Inga Sæland, bei MAST müsse mal „aufgeräumt“ werden, verwahrte sich heute der Verband isländischer Tierärzte. Inga hatte gestern angegeben, MAST und die tierärztliche Leitung hätten in Bezug auf die Blutstutenhaltung ihre Aufgaben nicht erfüllt. In einer Erklärung schreibt der Verband, dass es keine Daten gebe, die die Behauptung Sælands stützten. Der Verband unterstreicht, ein solcher Angriff auf die Berufsehre öffentlicher Angestellter, die zur Vertraulichkeit verpflichtet sind, müsse sachlich begründet werden und dürfe nicht auf persönlicher Meinung basieren. Medien und Öffentlichkeit seien zu einer sachlichen Debatte aufgefordert.

Ísteka vergleicht Blut mit Käse
Die derzeit amtierende Landwirtschaftsministerin und Premierministerin Katrín Jakobsdóttir verwies gestern Abend im RÚV-Magazin Kastljós darauf, dass für die Blutstutenbranche europäisches Recht gelte – Islands 5000 Blutstuten sind seit dem 1. November 2023 für wissenschaftliche Zwecke genutzte Tiere. Es stehe nicht zur Debatte, dies zu ändern. Ein Verbot der Blutgewinnung sei derzeit nicht geplant, wohl aber die Prüfung des gesamten Betriebsumfelds. Katrín gab zu bedenken, dass die Blutgewinnung ethische Fragen aufwerfe, etwa wie weit man gehen darf, ein Tier als Werkzeug zu benutzen, um einen bestimmten Stoff herzustellen. Ihrer politischen Ansicht nach müsse man da ausgesprochen vorsichtig sein.

In der gleichen Sendung trat auch Ísteka-Geschäftsführer Arnþór Guðlaugsson vor die Kamera. Er betonte unter anderem, dass Island das einzige Land in Europa sei, wo aus Pferden Blut gewonnen werde, daher fehle ausländischen Tierärzten die Erfahrung für die Tätigkeit, und sie müssten speziell geschult werden. Die derzeit gültige Lizenz stehe für zwei weitere Jahre. Die Stuten seien keine für wissenschaftliche Zwecke eingesetzten Tiere, wie die EU-Verordnung es vorsieht.
„Im Gegenteil, das sind Tiere, die in der Landwirtschaft genutzt werden, das [Blut] ist ein landwirtschaftliches Produkt wie jedes andere.“ Arnþór zufolge ist die Blutstutenhaltung mit der Käseherstellung vergleichbar. Nach dem Melken werde Milch von Kühen zu einem neuen Produkt weiterverarbeitet. Er habe keine ethischen Vorbehalte gegen die Praxis.

Zahl der Blutstuten könnte steigen
Die Ísteka ist nicht nur Islands grösster Blutstutenbesitzer, sie hält auch eine Monopolstellung am Markt, mit einem Jahresumsatz von rund zwei Milliarden Kronen. Im letzten Jahr hatte die Umweltbehörde dem Pharmaunternehmen eine Lizenz für die Gewinnung von 600 Tonnen Stutenblut ausgestellt. Das ist die fünffache Menge des derzeitigen Ertrages aus 5000 Stuten. Tierschützer befürchten, dass die Zahl der Blutstuten dadurch auf 20.000 und mehr ansteigen könnte.
Das aus dem Blut tragender und laktierender Stuten extrahierte Hormon PMSG wird in Europa zu Medikamenten verarbeitet, mit denen die Fruchtbarkeit von Nutztieren (Schweine, Ziegen) in der industriellen Tierhaltung gesteigert wird. Hauptabnehmer ist Deutschland.

In Island ist kein PMSG-haltiges Medikament für die Nutztierhaltung registriert, stattdessen kommt das synthetische Prostaglandin Cloprostenol zum Einsatz. Für eine Registrierung in der Arzneimittelliste müsste eine Ausnahmeregelung beantragt und der Einsatz vom PMSG speziell begründet werden.

Mehr zu Thema Blutstuten gibt es hier.

Staatssender RÚV prangert Blutstutenhaltung an

Gestern Abend war im staatlichen TV-Sender RÚV eine Dokumentation über die Stutenblutgewinnung in Island zu sehen. Die Journalisten des Investigativmagazins Kveikur hatten sich aufgemacht, Blutfarmer zu befragen, aber nur eine Landwirtin gefunden, die nicht mehr im Geschäft ist und bereit war, vor der Kamera zu sprechen.

Sæland kritisiert MAST
Heute kritisierte Inga Sæland, die Vorsitzende der Volkspartei, die Veterinäraufsichtsbehörde MAST für ihre mangelnde Aufsichtsführung und Tatenlosigkeit und warf der leitenden Tierärztin der Behörde vor, ihren Aufgaben nicht gewachsen zu sein.
„Das kommt ja nicht unerwartet,“ sagt Inga. „MAST versagt seit vielen vielen Jahren, wenn nicht sogar einfach immer.“ Im vergangenen Jahr hatte der nationale Steuerprüfer ein vernichtendes Urteil zur Aufsichtsführung der Behörde abgegeben. Inga verlangt, dass bei MAST aufgeräumt und die Leitung ausgetauscht wird. Die Landwirtin, die im Filmbeitrag vor laufender Kamera aussagte, was mit ihren Blutstuten geschehen war, bezeichnete Inga als Heldin.
Bereits zum dritten Mal liegt dem Parlament von der Parteivorsitzenden ein Gesetzesentwurf zum Verbot der Blutwirtschaft vor.

Am eigenen Blut erstickt
Sæunn Þóra Þórarinsdóttir auf Lágafell in Landeyjar steht im Kveikur-Beitrag vor der Kamera Rede und Antwort. Sie hat im Jahr 2022 vier Stuten nach der Blutgewinnung verloren. Ihrer Einschätzung nach seien die beteiligten Tierärzte der Aufgabe nicht gewachsen gewesen. Vom blutaufkaufenden Pharmaunternehmen Ísteka sei sie aufgefordert worden, die Kadaver so schnell wie möglich zu vergraben, damit die Tierschützer nicht Wind davon bekämen,  und den Mund über die Sache zu halten. Das vierte tote Pferd hat Sæunn dann auf eigene Verantwortung obduzieren lassen. Dabei stellte sich heraus, dass die bleistiftdicke Entnahmekanüle durch die Halsschlagader in den Kehlkopf der Stute gedrungen war. Das Pferd war noch im Fangstand an seinem eigenen Blut erstickt.
Der obduzierende Tierarzt habe ihr geraten, den Obduktionsbericht in der Schublade verschwinden zu lassen und nicht darüber zu reden. Sæunn ist nicht mehr bei Ísteka unter Vertrag und verkauft derzeit ihren Stutenbestand.

Meldepflicht für Todesfälle
Im Jahr 2022 war eine neue Verordnung in Kraft getreten, die eine weitaus strengere Kontrolle der Bluthöfe mit sich brachte. Unter anderem wurden die Höfe verpflichtet, am Jahresende eine Statistik über Vorfälle, Krankheiten und Todesfälle im Zusammenhang mit der Blutgewinnung abzuliefern. Dabei stellte sich heraus dass in 2022 weitaus mehr Stuten bei der Blutgewinnung verendet waren als im Jahr zuvor. Heimildin hatte seinerzeit berichtet, dass acht tote Stuten in den Statistik auftauchten.  Der isländische Tierschutzbund geht von einer höheren Dunkelziffer aus. Allerdings waren alle Kadaver vor Feststellung der Todesursache vergraben worden. Im letzten Jahr sind sechs tote Pferde verzeichnet. MAST hatte vor der Saison alle beteiligten Veterinäre zu einem Blutabnahmekurs verpflichtet.

Blutstuten sind nach EU-Recht Versuchstiere
Die oben genannte Verordnung fiel am 1. November 2023 ausser Kraft. An ihre Stelle trat eine Verordnung der EU zum Schutz von Tieren in Kraft, die für Versuchszwecke eingesetzt werden. Die Regulierungsbehörde der EFTA hatte Islands Regierung dafür gemassregelt, dass das Land eine „Sonderregel“ für die Blutstutenwirtschaft unterhalte. Treibende Kraft für das Eingreifen der EU waren isländische und Schweizer Tierschutzverbände gewesen, Videos des Schweizer Tierschutzbundes AWF hatten Tierquälereien während der Blutsaison offenbart. Eine Anzeige gegen die beteiligten Landwirte war im Sand verlaufen, eine neue Anzeige ist bei der Reykjavíker Polizei in Bearbeitung.
Doch das EU-Regelwerk kommt mit grossen Einschränkungen daher. „In erster Linie müssen strenge Auflagen hinsichtlich der Anzahl der Tiere eingehalten werden.“ erklärte die leitende Veterinärin bei MAST, Sigurborg Daðadóttir Vísir gegenüber. „Wie viele Tiere sind für die Durchführung eines Experiments mindestens erforderlich? Die grosse Zahl an Tieren, die es hier in Island gibt, da sind ja tausende von Stuten für Blut genutzt worden. Das wird nie funktionieren, wenn das unter Tierversuche fällt.“
Sollte es eine Genehmigung für die Blutgewinnung geben, dann werde die in diesem Jahr für weitaus weniger Stuten ausgestellt. Jeder einzelne Hof müsse eine Betriebsgenehmigung beantragen, danach müsse die Ísteka eine Genehmigung für Tierversuche beantragen, erklärt Sigurborg.

Lukrative Landwirtschaft
Die Ísteka ist das einzige Unternehmen in Island, welches Stutenblut aufkauft und daraus das Trächtigkeitshormon PMSG extrahiert. Das Hormon wird ins Ausland exportiert und dort zur Zyklussteuerung in der Schweinezucht und bei kleinen Ruminanten verwendet. Hauptabnehmer ist Deutschland. Für das isländische Unternehmen springt dabei ein Jahresumsatz von um die zwei Milliarden ISK heraus.
Im Februar hatte die Ísteka Klage gegen den isländischen Staat erhoben. Die Blutgewinnung sei keine Versuchstierhaltung, sondern ein Zweig der Landwirtschaft, und das seit mehreren Jahrzehnten, argmentierte das Unternehmen. Der isländische Bauernverband unterstützt die Blutstutenhaltung und befürchtet einen grossen Stellenverlust, wenn sich die Blutgewinnung nach der neuen Verordnung als unrentabel herausstellt.