Kälteeinbruch verursacht grosse Probleme

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Der schwere Kälteeinbruch, der einen grossen Teil des Landes seit Montagabend in Atem hält, bleibt noch ein paar Tage erhalten. Im gesamten Norden und Osten bereiten winterliche Verhältnisse vor allem dem Güterverkehr Probleme. Im Osten klagt die Tourismusbranche über Umsatzeinbussen.

Güterverkehr sitzt in Sperrungen fest
Nur wenig erinnert im Norden daran, dass eigentlich Sommer ist. Die Wetterprognosen ändern sich kaum, Sturm aus Nord/Nordost, Regen, Graupel, Schneefall und Schneematsch, und auch weiterhin gilt die orangefarbene Warnstufe für den Norden und Osten des Landes.
Seit Montagabend ist die Ringstrasse zwischen dem Norden und dem Ostland gesperrt, mit dem Effekt dass sich in den Lagern Warenlieferungen ansammeln, weil die LKWs im Osten festsitzen. Zum Beispiel müsste Fisch aus dem Norden zur Fähre nach Seyðisfjörður gebracht werden. Nachdem aus dem Transport auch heute nichts wurde, überlegt man nun, den Fisch nach Þorlákshöfn zu bringen und dort auf einen Frachter des Unternehmens zu verladen.

Heute Morgen musste am Flughafen von Akureyri ein Flug nach Portugal wetterbedingt abgesagt werden. Rund 170 Passagiere wurden mit dem Bus nach Keflavík gefahren, von wo aus sie dann heute Abend abfliegen. Am Mittag rückten Rettungsmitglieder aus, um Touristen aus dem Schnee auf der Mývatnsheiði am See Másvatn zu befreien. Dieser Teil der Ringstrasse ist derzeit nur für Geländewagen befahrbar. Auch die Badelagune Jarðböðin am Mývatn blieb heute wetterbedingt geschlossen. Und nicht mal seinen Frust konnte man am Mývatn ertränken, denn der staatliche Alkoholladen blieb ebenfalls geschlossen.

Wald und Vögel leiden unter dem Schnee
Immer noch liegt vielerorts teilweise tiefer Schnee. Im Staatsforst Vaglaskógur östlich von Akureyri sind heute morgen 40 Zentimeter Schnee gemessen worden, und dort schneit es auch weiter. Förster Rúnar Ísleifsson sagt, gestern habe es 25 Zentimeter geschneit, und heute noch mal soviel, und wie es aussehe, gehe das bis zum Freitag so weiter. Die ersten Bäume hätten unter der Schneelast nachgegeben.
Die grösste Sorge mache er sich um die Vögel, sagt Rúnar. Da sei nicht mehr viel zu retten für die Brutsaison, die in Island ja nur sehr kurz ist. Der Schnee sei so nass und bedecke die gesamte Region. Zumindest ist der Boden nicht gefroren, sodass Sumpfvögel wie Schnepfen mit ihren langen Schnäbeln noch Nahrung im Boden finden, aber für alle Fliegenfänger etwa sieht die Lage düster aus.

Umsatzeinbussen im Osten
Ostisland ist seit Montagabend auf dem Landweg vom Rest der Insel abgeschnitten. Viele Touristen, die in diesen Tagen auf der Ringstrasse die Insel umrunden wollten, haben ihre Reise abgebrochen und sind umgekehrt. Das führte zu einem Umsatzeinbruch in der Hotelbranche, die jetzt eigentlich Hochsaison hat.
Natürlich sitzen auch viele Touristen im Osten fest, denen etwa die Weiterfahrt nach Akureyri versperrt ist. Aber Gunnlaugur Jónasson, ein Gästehausbetreiber in Egilsstaðir erklärt, das Problem seien vor allem die Touristen, die jetzt ihre Reiseroute ändern, und gar nicht erst nach Osten fahren.
Manche hätten auch auf die Schnelle einen Flug nach Egilsstaðir gebucht und verbrächten dadurch aber weniger Nächte im Osten, das habe er gleich am Montag gesehen, als die Wetterwarnung und ihre lange Dauer veröffentlicht wurde.

In den Ostfjorden hat der Sturm erhebliche Schäden angerichtet, und er dauert immer noch an. Hörður Guðmundsson, ein Schreiner im Fljótsdalur, hat gestern seine Werkstatt als Ruine vorgefunden. Nach einem Brand im vergangenen Jahr hatte er eine starke Plane über die stehengebliebenen Wände gespannt, die dem Sturm nicht standhielt, dazu stürzte eine der Wände ein, der Wind drang unter die Plane und zerfetzte sie von unten. Die Eingangstür fand Hörður in einem nahegelegenen See.
Der Meteorologe Trausti Jónsson sagte mbl.is, ein solches Wetter komme durchaus öfter vor als man denke, aber man tendiere dazu, diese Ereignisse zu vergessen. Seinen Recherchen nach sei mit derartigen Wetterkapriolen alle acht bis 14 Jahre zu rechnen.

 

 

Zwei Tage altes mutterloses Rentierkalb im Rentierpark bei Egilsstaðir

reindeercalf, hreindýrakálfur

Ein zwei Tage altes Rentierkalb ist der neuste Bewohner des Rentierparks auf dem Hof Vínland in der Nähe von Egilsstaðir, berichtet Vísir. Der Neuzugang beglückt dort seine Menschen, obwohl es sehr viel Arbeit ist, ein mutterloses Rentierkalb aufzuziehen.

Für weitere Findelkälber vorbereitet
Kolbrún Edda weiss ein Lied davon zu singen, sie ist eine der Tierpflegerinnen, die sich in den Park um solche Fälle kümmern. Vor rund zwei Wochen war ein Telefonanruf eingegangen, dass das Kälbchen alleine am Berg in der Nähe von Ormsstaðir gefunden worden war. Eddas Grossvater, Björn Magnússon, war sofort ins Auto gesprungen. Er hatte im Jahr 2021 bereits zwei männliche Kälber aufgezogen, die nur wenige Tage alt waren, und Björn hatte die Mutterrolle für Mosi und Garpur übernommen. So wird es auch diesmal laufen, weiss Edda.
„Mein Grossvater hat im letzten Jahr den Park vergrössert und verbessert, und die Besucherzahlen haben all unsere Erwartungen übertroffen,“ sagt Edda. „Während er sich um unsere zwei Jungs gekümmert hat, hat er die Hütte und weitere Paddocks gebaut, falls weitere Kälber gefunden werden, und dort hat er die letzten Wochen auch gewohnt, mit der kleinen Rentierfärse.“

reindeercalf, hreindýrakálfur, Hreindýragarðurinn
Screenshot Instagram, Hreindýragarðurinn

Tag und Nacht-Job
Die Kleine war höchstens zwei Tage alt, als sie in den Park kam. „Sie hat sich sehr gut entwickelt, und ist heute zwei Wochen alt. Das ist unglaublich viel Arbeit, ein mutterloses Rentierkalb zu betreuen, mein Grossvater ist Tag und Nacht bei ihr, und kümmert sich und passt auf, dass sie alles bekommt was sie braucht.“ Da gebe es nicht viel Unterschied zu einem Säugling: alle zwei Stunden gibt es Milch, dann schläft man, dann geht es raus zum Herumtollen.

Der Rentierpark ist eine Attraktion im Osten, der nicht einmal besonders Werbung machen muss. Selbst im vergangenen Winter kamen Besucher, und im letzten Sommer besuchten rund 4000 Touristen den Park.
Das Kälbchen hat bislang noch keinen Namen, aber auf der Instagram-Seite des Rentierparks kann man einen Namensvorschlag abgeben.

Halla Tómasdóttir ist neue isländische Staatspräsidentin

Halla Tómasdóttir, candidate for president of Iceland

Island hat gestern Halla Tómasdóttir als siebten Staatspräsidenten ins Amt gewählt. Sie erhielt 34,3 % der Stimmen und liess ihre Gegenkandidatin und vormalige Premierministerin Katrin Jakobsdóttir mit 25,2% weit hinter sich zurück. Sie übernimmt am 1. August das Amt von Guðni Th. Johannesson, der sie vor acht Jahren bei ihrer ersten Kandidatur schlug.

Spitzenkandidatin des Vortages
Bei Bekanntwerden der ersten Hochrechnungen gegen 23 Uhr hatte Halla vorne gelegen, und der Trend hielt die Nacht über an. Die Wahlbeteiligung hatte bei 78,83% gelesen, das ist die höchste Beteiligung der Isländer an Präsidentschaftswahlen seit dem Jahr 1996.
Auf Platz drei landete Halla Grund Logadóttir mit 15,5%, Jón Gnarr hielt Platz vier mit 10,2%. Baldur Þórhallsson erhielt 8,3% der Stimmen, und Arnar Þór Jónsson 5,1%, alle anderen Kandidaten lagen unter einem Prozent der Wählerstimmen.
Damit hatte dieser Wahlkampf von Beginn an unter Frauen stattgefunden, und klar schien, dass diesmal wieder eine Frau die Wahl gewinnen würde, zum zweiten Mal seit Vigdís Finnbogadóttir das Amt zwischen 1980 und 1996 bekleidete.

Taktische Wahl
Schon am Tag vor der Wahl hatte sich in Meinungsumfragen ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Halla und Katrín und Hallas Vorsprung angedeutet, da lag sie bei 30% und Katrin bei 23%.
Gefragt wurde auch, ob Wähler beabsichtigen, taktisch abzustimmen, wenn die Umfrageergebnisse auf einem Kampf zwischen Halla und Katrína deuten würde. Fast viermal so viele Wähler gaben an, sie würden eher Halla wählen als Katrín.

Businesswoman mit internationaler Erfahrung
Halla Tómasdóttir wird damit die siebte Präsidentin seit Republikgründung im Jahr 1944.
Halla hat Wirtschaftswissenschaften und Management in den USA studiert und war massgeblich an der Entwicklung der Universität in Reykjavík beteiligt. Eine Zeit lang war sie als Geschäftsführerin der Handelskammer tätig und gründete dann eine Kapitalgesellschaft. Zuletzt war sie als Geschäftsführerin des B Teams tätig, welches sich für klimafreundliche und menschenwürdige Geschäftspraktiken einsetzt.

Reykjanes: Wenig Veränderung, aber grösster Ausbruch der Serie

eruption volcano lava

Der Vulkanausbruch auf der Halbinsel Reykjanes hat sich seit gestern kaum verändert. Die meiste Lava scheint im Osten der Kraterreihe Sundhnúksgígaröð zu fliessen und kommt aus mehreren Schloten. Nur wenig seismische Aktivität ist in der vergangenen Nacht aufgezeichnet worden.

Gesamtsystem entlastet
Einar Hjörleifsson, ein Experte für Naturkatastrophen beim isländischen Wetteramt, sagte RÚV, aktuellen Drohnenaufnahmen zufolge scheine sich der grösste Lavastrom in östlicher Richtung von Hagafell und Sýlingarfell zu befinden. Bei Tageslicht und aufklarendem Wetter könne man die Lage besser beurteilen.
Die seismische Unruhe in der Region habe sich gelegt. „Jetzt, wo die Eruption begonnen hat, ist es so, als ob das gesamte System entlastet ist und es weniger Spannungen in dem Gebiet gibt, die sich als kleine Erdbeben lösen würden,“ erklärte Einar RÚV gegenüber. Er warnt vor Gasverschmutzung im Hauptstadtbereich, Informationen dazu findet man auf der Karte von loftgaedi.is.

Grösste Eruption der Serie
Die wissenschaftliche Vulkangruppe Südisland schreibt auf ihrer Seite, der aktuelle Ausbruch sei der stärkste in der Serie, gleich am ersten Ausbruchstag seien 24 Millionen Kubikmeter Lava geflossen, pro Sekunde um die 1500 Kubikmeter. In den ersten vier Stunden bedeckte der Lavastrom eine Fläche von 8,7 Quadratkilometern, das ist zweimal soviel wie in den sechs Monaten des Ausbruchs in den Geldingadalir im Jahr 2021.
Mit Stand heute liegt die ausgetretene Lavamenge bei mehr als 30 Millionen Kubikmetern. Der letzte, bislang stärkste Ausbruch an der Kraterreihe Sundhnúksgígaröð förderte 34 Millionen Kubikmeter Lava.

Bereitschaftstufe gesenkt
Da der Ausbruch zur Zeit weder Infrastrukturen noch Menschen bedroht, hat die isländische Landespolizei in Absprache mit den Einsatzkräften ihre Bereitschaftsstufe für das betroffene Ausbruchsgebiet auf der Halbinsel Reykjanes von Notfall- auf Gefahrenstufe herabgestuft. Eine Fehlinterpretation dieser Begriffe durch ausländische Medien hatte offenbar zu Buchungsrückgängen im Tourismus geführt. Seitdem wird in den isländischen Medien zurückhaltender berichtet, auf manchen Seiten sind die Vulkannachrichten nur nach einiger Suche zu finden.

Wahltag: Island wählt heute seinen neuen Staatspräsidenten

In Island finden heute Präsidentschaftswahlen statt. Die Wahllokale sind geöffnet und schliessen in den grösseren Städten erst heute Abend um 22 Uhr. Dann ist auch mit ersten Prognosen zu rechnen. Rund 270.000 der 385.000 Inselbewohner sind aufgrund von Alter und Staatsbürgerschaft wahlberechtigt.

Kopf-an-Kopf-Rennen
Der Präsidentschaftswahlkampf hatte das Land in den letzten Wochen wie nie zuvor beschäftigt, weil sich ungewöhnlich viele Kandidaten zur Wahl gestellt hatten, aber auch, weil eine Kandidatur unmittelbar einen Wechsel der Regierungsspitze zur Folge hatte. Als die ehemalige Premierministerin Katrin Jakobsdóttir sich zur Wahl stellte, folgte ihr der umstrittene Finanzminister Bjarni Benediktsson ins Amt.

Bis zuletzt hatten sich Katrin Jakobsdóttir und die Geschäftsfrau Halla Tómasdóttir in den Umfragen ein Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert. Halla hatte in den letzten Wochen zugelegt und kann der letzten Umfrage zufolge auf 24% der Wählerstimmen zählen. Katrin liegt derzeit bei unter 26%.
Auf Platz drei liegt die ehemalige Leiterin der isländischen Energiebehörde, Halla Hrund Logadóttir mit 19%, auf Platz vier befindet sich der Politikwissenschaftler Prof. Baldur Þórhallsson. Der ehemalige Reykjavíker Bürgermeister und Comedian Jón Gnarr liegt derzeit bei 8%. Insgesamt 12 Kandidaten hatten sich für den Wahlkampf qualifiziert.

Am 1. Januar hatte der scheidende Staatspräsident Guðni Th. Johannesson angekündigt, sich nach zwei Amtszeiten nicht mehr zur Wiederwahl zu stellen. Er wird bis zum 1. August im Amt verbleiben, dann übernimmt der neue Präsident die Staatsgeschäfte.  Sitz des isländischen Staatspräsidenten ist der historische Hof Bessastaðir im Reykjavíker Vorort Garðabær.

Macht der Unterschrift
Islands Staatspräsident hat nur begrenzte politische Macht, er übernimmt repräsentative Aufgaben und hat einen erheblichen Einfluss auf die isländische Gesellschaft.
Er spielt jedoch eine entscheidende Rolle in der Legislative, die er gemeinsam mit dem Parlament ausübt: er hat das Recht Gesetze vorzuschlagen, und er unterzeichnet vom Parlament verabschiedete Gesetze und ist berechtigt, eine solche Unterschrift zu verweigern. Dann gibt es zwei Möglichkeiten: das Parlament kann das Gesetz zurückziehen, oder es einem Referendum übergeben. Nur ein isländischer Staatspräsident, Ólafur Ragnar Grimsson, hat dieses Veto-Recht gleich dreimal während seiner Amtszeit ausgeübt.
Kritiker der Präsidentschaftskandidatin Katrin Jakobsdóttir hatten moniert, sie würde im Fall eines Wahlsiegs in die Lage versetzt, das Rahmengesetz zur kommerziellen Fischzucht zu unterzeichnen, welches sie selbst als Premierministerin und kommissarische Fischereiministerin mit auf den Weg gebracht hatte.

Polizei setzt Pfefferspray gegen Demonstranten ein

palestine protest

Die Polizei hat heute Pfefferspray gegen eine Gruppe von Demonstranten vor dem Parlamentsgebäude in Reykjavík eingesetzt. Nach Angaben der Polizei war dies nötig, um die Demonstranten davon abzuhalten, Politikerfahrzeuge am Wegfahren zu hindern. Allerdings gibt es Zeugenvideos, die zeigen, dass das Pfefferspray eingesetzt wurde, nachdem die Fahrzeuge das Parlament verlassen hatten, und offenbar auch gegen friedliche Demonstranten.

Friedlicher Protest
Der Protest war vom Island-Palästina Verein am Skuggasund organisiert worden, wo Kabinettsmitglieder eine Sitzung abhielten. Eine der Demonstrantinnen, Salvör Gullbrá Þórarinsdóttir, sagte RÚV, dass sich rund 150 Demonstranten dort aufgehalten hätten.
„Als die Ministerautos kamen, um die Minister abzuholen, haben sich Demonstranten in einem Protestakt vor den Autos auf den Boden gelegt, um die Abfahrt der Minister zu verzögern,“ erklärte Salvör. „Die sind von der Polizei mit Pfefferspray besprüht worden.“ Sie sagt, manche Demonstranten seien aus einem Abstand von 10 Zentimetern besprüht worden, drei von ihnen hätten in die Notaufnahme gebracht werden müssen. Rund 30 seien besprüht worden.

Befehle missachtet, verletzte Demonstranten
Arnar Rúnar Marteinsson von der Hauptstadtpolizei bestätigt den Gang der Ereignisse. RÚV gegenüber sagte er, man habe die Demonstranten aufgefordert, das Areal zu verlassen und den Fahrzeugen aus dem Weg zu gehen.
„Wir mussten [Pfefferspray] anwenden, um die Strasse freizumachen, damit wir keine Blockade vor den Ministerfahrzeugen haben,“ erklärte Arnar. Schlagstöcke hätten sie nicht angewendet. „Kein Demonstrant ist verletzt worden.“ Dafür sei ein Polizist von einem der Ministerfahrzeuge angefahren worden.

Videos zeigen wie es war
Von dem Vorfall gibt es Fotos und Videoaufnahmen, in einigen ist deutlich zu sehen, dass die am Boden liegenden Demonstranten mit Pfefferspray eingenebelt wurden. Andere Videos zeigen die Anwendung von Pfefferspray, nachdem die Ministerautos abgefahren waren, sowie gegen Personen, die sich passiv verhielten.
Die Demonstranten verlangten das gleiche wie die Aktivisten, die gestern eine friedliche Sitzblockade im Aussenministerium veranstaltet hatten: die Verhängung von Handelssanktionen und den Abbruch diplomatischer Beziehungen zu Israel, im Licht des Massakers an Kindern und Frauen in den Flüchtlingslagern von Rafah am vergangenen Wochenende.

Sitzblockade im Aussenministerium
Die Teilnehmer der Sitzblockade hatten keiner Organisation angehört, sondern waren Privatpersonen, die nach eigenen Angaben die Nase voll vom Nichtstun isländischer Politiker haben und solange Theater machen wollen, bis die Regierung reagiert.
Sie werfen der Regierung vor, seit 234 Tagen dem Genozid an Palästinensern tatenlos zuzuschauen, und Forderungen nach einem Waffenstillstand keine Taten folgen zu lassen. Die Gruppe hatte um ein Treffen mit Aussenmministerin Þórdís Kolbrún Reykfjörð Gylfadóttir gebeten, hatte jedoch nicht einmal Mitarbeiter des Ministeriums zu sehen bekommen.

Island war im Jahr 2011 eins der ersten Länder weltweit, das Palästina als unabhängigen Staat anerkannt hat. Norwegen, Irland und Spanien hatten sich in der vergangenen Woche angeschlossen.

 

Reykjanes: Ausbruch deutlich vermindert, erste Aufräumpläne

eruption lava volcano

Der Lavaausbruch, der gestern Mittag an der Kraterreihe Sundhnúksgígaröð fulminant begonnen hatte und aus einer Spalte von zeitweise bis zu vier Kilometern Länge kräftig sprudelte, hat erheblich an Kraft verloren. Zwar ist der vulkanische Tremor seit gestern Abend gleichbleibend, aber die Lavaförderung ist stark zurückgegangen. Auch explosive Episoden wie gestern, als Lava in Kontakt mit Grundwasser am Hagafell kam, sind nicht mehr beobachtet worden.

Entwarnung für Strassen und den Ort
Die meiste Aktivität ist an dem Krater zu verzeichnen, der beim letzten Ausbruch übriggeblieben war, sowie nördlich davon. Lavafluss wird nur noch am Hagafell beobachtet. Der Lavastrom, der gestern noch in Richtung Grindavík unterwegs und die Schutzwälle entlang geflossen war, hat sich verlangsamt, daher ist die nach Osten führende Küstenstrasse Suðurstrandavegur auch weiterhin befahrbar. RÚV berichtet, das Land bei Svartsengi habe sich seit Beginn der Eruption um 15 Zentimeter abgesenkt. Neusten Schätzungen zufolge sind 15 Millionen Kubikmeter der vermutlich vorhandenen 20 Millionen aus der Magmakammer an die Erdoberfläche gestiegen.
Der Vulkanologe Magnús Tumi Guðmundsson hatte in einem Radiointerview am Mittag gesagt, die Lava kühle sich sehr schnell ab, daher fliesse sie gar nicht mehr so weit.
Gestern nachmittag hatte Icelandreview dem Vulkanausbruch einen Besuch abgestattet, hier sehen Sie das Video.

Stromleitung zerstört
Fannar Jónsson, der Bürgermeister von Grindavík, zeigte sich mit der aktuellen Lage zufrieden. Zwar sei der Strom ausgefallen, nachdem die erst kürzlich neu verlegte oberirdische Stromleitung der Lava zum Opfer gefallen war, aber die Kalt- und Heisswasserversorgung des Ortes funktioniere. Schon jetzt prüfe man, wo die Möglichkeit einer neuen Strasse bestehe, und was als erstes repariert werde. Das Elektrizitätswerk HS Orka ist über den Verlust der Stromleitung nicht glücklich, der Schaden wird als sehr hoch beziffert. Aber das Kraftwerk in Svartsengi sei nicht von der Lava bedroht.
Die Gaswolke, die in der Nacht über der Halbinsel und dem Hauptstadtbereich gelegen hatte, war mit westlichen Winden nach Osten getrieben. Der Reyðarfjörður und die nordisländische Stadt Húsavík erwachten mit mit Vulkannebel. Für heute besteht keine Gefahr, alle Messstandorte der Umweltbehörde zeigen grüne Farbe.

Fisch und Schafe
Kaum war heute Vormittag Entwarnung gegeben worden, erhielten die ortsansässigen Fischereibetriebe die Erlaubnis, rund 20 Tonnen frischen Fisch aus ihren Hallen am Hafen zu holen. Einhamar-Chef Stefan Kristjánsson sagte Vísir gegenüber, man sei erwachsen und habe nun so einige Vulkanausbrüche hinter sich, man lasse sich jetzt nichts mehr von den Behörden sagen. Alle befänden sich in einem Lernprozess, auch die Einsatzzentrale, die gelernt habe, den Unternehmen Zugang zum Ort zu gewähren, wenn dies nötig sei und sie dort wirklich was zu erledigen hätten.
Ähnlich abgeklärt beurteilt Stefán auch die Lage seiner Schafe, die er gestern noch innerorts in Sicherheit gebracht hatte. In Grindavík befanden sich zum Zeitpunkt der Evakuierung rund 70 Schafe und Lämmer. Auch ein anderer Schafhalter macht sich nicht soviel Sorgen um seine Tiere wie der isländische Tierschutzverband, der gestern forderte, alle Schafe sofort aus dem Ort zu holen. Theodor hatte die Weidetore geöffnet und seine Schafe freigelassen. Er sagt, er wisse von zahlreichen Fällen, in denen Auen durch die Evakuierungstransporte unter Zeitdruck verlammt hätten. Viele Schafhalter hätten auch gar keine Ausweichmöglichkeit. Schafe aus Grindavík dürfen den Bezirk Suðurnes aus Seuchenschutzgründen nicht verlassen.

Reykjanes: Vulkanausbruch Nr. 8 hat begonnen

Ein neuer Vulkanausbruch hat sich an der Kraterreihe Sundhnúksgigaröð östlich des Berges Sylingarfell auf der Halbinsel Reykjanes ereignet. Um viertel vor eins heute Mittag öffnete sich auf einer Länge von zunächst einem Kilometer die Erde, und Lavafontänen von bis zu 50 Metern schossen in die Höhe, berichtet RÚV. Berechnungen zufolge hatten sich in der Magmakammer unter Svartsengi mehr als 20 Kubikkilometer Magma angesammelt, mehr als je zuvor in dieser Ausbruchsserie, ein fulminantes Ereignis konnte also erwartet werden. Auf den Ausbruch selbst hätten die Experten aber lange warten müssen, sagte die Vulkanologin beim Wetterdienst, Kristín Jónsdóttir.

Evakuierungen nach Sirenenwarnung
Die Blaue Lagune, das Kraftwerk Svartsengi und der Küstenort Grindavík wurden umgehend evakuiert. In Grindavík weigerten sich die letzten drei Bewohner, den Ort zu verlassen, am Ende konnten sie aber doch überzeugt werden. Einer von ihnen war noch damit beschäftigt, seine Schafe in Sicherheit zu bringen.
Im Frühjahr waren in der Stadt wie auch in der Lagune Sirenen installiert worden, die ihren Nutzen inzwischen schon mehrfach unter Beweis gestellt haben.
Der Ort ist jetzt menschenleer, und das keine Stunde zu früh, denn gegen Abend war die schnellfliessende Lava über Zufahrtsstrassen im Westen und Norden geströmt, und die Behörden befürchten, dass auch der nach Osten führende Suðurstrandavegur überrollt werden könnte. Grindavík wäre dann nur vom Meer aus erreichbar, bis es möglich ist, einen Weg über die noch heisse Lava zu legen.
Die Lavaföntänen waren deutlich von der Reykjanesbraut zu sehen. Zeitweise zogen dunkle Rauchschwaden über die Halbinsel, nach Angaben der Expertin für Naturkatastrophen, Lovísa Mjöll Guðmundsdóttir, ein Hinweis auf Aschebeimischung, die hatte es bei den sieben vorherigen Ausbrüchen nicht gegeben. Später wurde bekannt, dass die Lava in Kontakt mit Grundwasser gekommen war. Wegen günstiger Winde besteht keine Gefahr für den Flugverkehr, hiess es bei den Fluglinien Icelandair und Play.

Screenshot mbl

Zweimal stärkerer Ausbruch
Am Abend bezeichnete Zivilschutzleiter Víðir Reynisson die Lage als nicht gut, nicht nur weil Lava über die Strassen fliesst, sondern auch weil die Schutzwälle bedroht sind, ausserdem Telekommunikationsmasten, darunter Masten, die sich im Besitz der amerikanischen Marine befinden. Einige Strommasten waren bereits umgekippt und brannten.
Der Professor für Geophysik, Magnús Tumi Guðmundsson, sagte in einem Interview am Abend, der Ausbruch sei bis zu zweimal stärker als alle vorherigen gewesen, und auch wenn die Kraft bereits merklich zurückgehe, sei dies immer noch der grösste Ausbruch in dieser Serie. Die Lava sei sehr heiss, sehr dünnflüssig und dadurch sehr schnell unterwegs. Sie tendiere allerdings dazu, an den Schutzwällen entlang zu fliessen, die damit wieder einmal ihren Nutzen bewiesen. Auch Víðir betonte in einem Interview, dass Grindavík ohne die Schutzwälle nicht mehr existieren würde. Die neuverlegten Wasser- und Stromleitungen seien zwar alle von Lava bedeckt, aber aufgrund ihrer speziellen Isolierung noch intakt.

Schutzwälle ohne Lücken
Ari Guðmundsson, ein Ingenieur bei Verkís, der in den vergangenen Monaten die Errichtung der Schutzwälle geleitet hatte, zeigt sich zufrieden mit den Ergebnissen. Die vorletzte für Durchfahrten genutzte Lücke im Wall sei heute in aller Eile geschlossen worden, nun gebe es nur noch eine Lücke in der Nähe eines Telekommunikationsmastes, durch die jetzt Lava hinter den Wall fliesse. Der Mast habe bei den heutigen Arbeiten aber keine Priorität gehabt, und man bringe niemanden dafür in Gefahr.
Magnus Tumi sagte in den Abendnachrichten, die Spalte habe sich von ursprünglich vier Kilometern auf 2,4 Kilometer verkürzt, und auch die Fulminanz des Ausbruchs lasse merklich nach. Die Aktivität im Magmatunnel verebbe im Süden und verlagere sich derzeit nach Norden. Möglicherweise kommt Grindavík mit dem Schrecken davon.

Auf den östlich von Grindavík gelegenen Hauptstadtbereich kommt jedoch wegen westlicher Winde in der Nacht eine nicht unerhebliche Gasverschmutzung zu. Es wird empfohlen, die Fenster zu schliessen und Säuglinge nicht im Kinderwagen draussen schlafen zu lassen.

Reykjavík: Bitte keine Enten am Tjörnin füttern

Tjörnin Reykjavík Pond

Die Stadt Reykjavík bittet Besucher, die Enten im Stadtsee Tjörnin in diesen Tagen nicht zu füttern, weil das Futter Möwen anlockt, die eine Gefahr für die Entenküken darstellen.

Entenküken in Lebensgefahr
In diesen Tagen ist die Brutsaison an dem Innenstadtsee in vollem Gange und die ersten Küken sind geschlüpft. Daher sollte man das Füttern jetzt unterlassen, denn es besteht Gefahr, dass dieses Futter Möwen anlockt, die bei der Landung lieber Küken fressen als Brot.
In einer Mitteilung der Stadt heisst es, dass die Vögel den Sommer über genug Futter im See finden, eine Fütterung ist daher vollkommen unnötig. Das Überleben der Entenküken hängt von der Futterverfügbarkeit ab, und davon, wieviele Möwen den See besuchen. Die sind das ganze Jahr über häufige Gäste, und im Gegensatz zu Enten sind Möwen jedoch Raubvögel mit einer besonderen Vorliebe für Küken.

Ökologisches Problem
Ständiges Brot füttern kann auch dazu führen dass der See umkippt, weil es durch den hohen Vogelbesatz und das künstliche Futter zu einem Nährstoffungleichgewicht kommt. Starkes Algenwachstum vermindert dann das Nahrungsangebot, und auch das trifft am Ende vor allem die Küken als schwächstes Glied.
Bis zum Herbst hin sollten keine Vögel mehr gefüttert werden. Wenn es zum Winter hin wieder kälter wird, empfiehlt die Stadt, statt Brot lieber Saaten, Körner, Salate und gekochten Reis als ökologischere und gesündere Alternative für die Enten zu wählen.

 

Longdawn-Unfall: Alkohol und Drogen im Blut gefunden

Alkohol, THC und Benzodiazipine sind beim Steuermann eines ausländischen Frachtschiffs gefunden worden, der wegen des Verdachts, Mitte Mai den Küstenkutter Hadda zum Kentern gebracht zu haben, das Land nicht verlassen darf. Dies ist einem Urteil des Landgerichtes zu entnehmen. Das Gericht hat das Reiseverbot des Verdächtigen bis zum 13. Juni bestätigt.

Der Polizeidirektor von Suðurnes, Úlfar Lúðvíksson, sagte RÚV gegenüber, auch der Kapitän unterliege einem Reiseverbot, er machte jedoch keine Angaben dazu, ob bei diesem ebenfalls Drogen oder Alkohol im Blut gefunden wurden.

In der Nacht zum 16. Mai war der Küstenkutter Hadda nordwestlich von Garðsskagi nach kieloben gekentert, der Fischer hatte buchstäblich in letzter Minute gerettet werden können. Schnell erhärtete sich der Verdacht, dass das in den gleichen Wassern fahrende ausländische Frachtschiff Longdawn den Kutter zum Kentern gebracht und danach Unfallflucht begangen hatte. Icelandreview hatte berichtet.

Die beiden Schiffsführer, Steuermann und Kapitän, waren am nächsten Tag verhaftet, dann wieder freigelassen worden und dürfen aber für die Dauer der Ermittlungen das Land nicht verlassen. Das Landgericht hatte bei beiden Verdächtigen eine hohe Fluchtgefahr befürchtet.
Im Gerichtstext heißt es, dass die Männer verdächtigt werden, vorsätzlich oder fahrlässig das Leben des Seemanns gefährdet und ihn dann sich selbst überlassen zu haben, ohne ihm zu helfen. Dies wird mit einer Freiheitsstrafe von bis zu acht Jahren geahndet.