PM Katrín Jakobsdóttir kandidiert für das Amt des Staatspräsidenten

Katrín Jakobsdóttir has announced her bid for President of Iceland

Islands Premierministerin Katrín Jakobsdóttir hat heute ihre Entscheidung verkündet, für das Amt des Staatspräsidenten zu kandidieren. Sie wird sich am kommenden Sonntag von ihrem derzeitigen Amt befreien lassen, um in den Wahlkampf zu gehen und die Zukunft des Landes mit seinen Bürgern zu diskutieren. Den Posten als Parteivorsitzende der Linksgrünen Bewegung wird Katrin noch heute für einen Nachfolger freimachen.

Führungsqualität und Demut
In einem Video auf ihren sozialen Medienkanälen erklärte sie, der Staatspräsident müsse verstehen, wie Politik und Gesellschaft funktionieren, er müsse Führungsqualitäten und Demut zeigen, Islands Interessen auf internationalem Parkett wahren, schwierige und unbeliebte Entscheidungen treffen und die gesamte Nation ansprechen. Immerhin werde der Präsident auch von der gesamten Nation gewählt.
„Auf der ganzen Welt haben Konflikte zugenommen. Wir stehen vor enormen Herausforderungen in Bezug auf das Klima und Umweltprobleme. Das Tempo des technologischen Fortschritts ist beispiellos, und niemals zuvor ist es so wichtig gewesen, Menschlichkeit zu pflegen und zu beschützen.“ sagte Katrin. In solchen Zeiten sei es wichtig, sich auf die Basis zu konzentrieren: Ausbildung und Kultur.

Eintreten für die Grundwerte der Gesellschaft
„Wir müssen die isländische Sprache sichern, unsern Anker, und gleichzeitig die Vielfalt schützen, die die isländische Gesellschaft kennzeichnet. In all diesen Angelegenheiten kommt auf den Präsidenten die Aufgabe zu, klar für die Grundwerte einzutreten, auf denen die isländische Gesellschaft aufgebaut ist: Demokratie, Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit. Zuhause wie auch international.“

Katrín erklärt, es sei nicht selbstverständlich, dass sie nach 20 Jahren in der aktiven Politik, sich nun als Staatspräsident zur Wahl stelle. Auch wenn sie durch ihre Erfahrung in der Politik, im Zusammenbringen von verschiedenen Gruppen und in dem Verständnis, das sie über die Jahre erlangt habe, für dieses Amt geeignet sei.
Für sich persönlich habe sie schon vor geraumer Zeit entschieden, bei den kommenden Parlamentswahlen nicht mehr kandidieren zu wollen.

64 Kandidaten auf der Liste
Die Liste für das Amt des Staatspräsidenten ist damit um einen spannenden Namen reicher geworden.
Laut Wikipedia konkurrieren mit dem heutigen Tag 64 Kandidaten um das Amt, darunter zwei Personen ausländischer Herkunft, ein ehemaliger Komiker, Schauspieler, Journalisten, Handwerker, ein ehemaliger Inhaftierter, eine Köchin, ein Stuntman, ein Model, ein Richter, sowie der Gletscher Snæfellsjökull, der von einer Person vertreten wird. Gewählt wird am 1. Juni 2024.

In Island wird der Staatspräsident vom Volk gewählt. Jeder isländische Staatsbürger über 18 Jahre und mit Erstwohnsitz in Island ist wahlberechtigt. Im Ausland ansässige isländische Staatsbürger halten ihr Wahlrecht bis zu 16 Jahre nach ihrer Auswanderung. Zur Wahl stellen kann sich jeder isländische Staatsbürger über 35 Jahre, der bis zum 26. April mindestens 1500 Empfehlungen hat sammeln können. Die Stimmen werden elektronisch gesammelt, die Kandidaten sind jedoch persönlich im Land unterwegs, um Werbung für sich zu machen.

Der amtierende Staatspräsident Guðni Th Jóhannesson hatte in seiner Neujahresansprache angekündigt, nicht wieder kandidieren zu wollen.

Reykjanes: Alarmstufe gesenkt, Journalisten erhalten mehr Zutritt

Gestern hat die isländische Landespolizei in Abstimmung mit der Polizeidirektion Suðurnes entschieden, die Alarmstufe für die vom Vulkanausbruch betroffene Region herabzustufen. Der Ausbruch zwischen Hagafell und Stóra-Skógfell ist jetzt in der Alarmstufe, und nicht mehr in der Notfallstufe.

Notfallstufe war falsch ausgelegt worden
Die Notfallstufe war am Tag des Ausbruchs, am 16. März, ausgerufen worden. Seither ist die Lage relativ stabil, und nach Angaben von Zivilschutz und den Vulkanexperten beim isländischen Wetterdienst liegen für die Region auch keine nennenswerten seismischen Aktivitäten vor. Am Ausbruchsort selbst besteht weiterhin die Gefahr von Flächenbränden, und zwar dort wo Lavaströme auf trockene Vegetation treffen, und auch die Luftverschmutzung auf der Halbinsel kann bei ungünstigen Wetterverhältnissen erheblich sein.

Ausländische Medien hatten die „Notfallstufe“ misinterpretiert und ihren Lesern suggeriert, dass in Island der Notstand herrsche, was sich offenbar negativ auf Buchungen im Tourismus auswirkte. Die jeweilige Stufe gilt jedoch stets für eine ausgewählte Region, in diesem Fall das vom Vulkanausbruch betroffene Gebiet. Sie betrifft vor allem die Zusammenarbeit von Behörden und Einsatzkräften und versetzt diese in die Lage, durch Beschränkungen, Sperrungen und Evakuierungen Sicherheit für die Bevölkerung zu schaffen.

Keine Touristen am Krater
Gestern hatte der Polizeichef von Suðurnes allerdings auch angekündigt, dass Touristen in naher Zukunft keinen Zutritt zum Ausbruchsgebiet am Sundhnúkur erhalten werden. Das Interesse ist dennoch gross, und bislang hatten Ausbruchslustige nur Hubschrauberflüge buchen können. Alle anderen, die sich zu Fuss in das gesperrte Gebiet aufgemacht hatten, sind von Einsatzkräften zurückgeschickt worden. Seit 19 Tagen quillt Lava aus immerhin noch zwei Kratern, und wenig deutet darauf hin, dass der Ausbruch zuende gehen könnte.

Polizeichef Úlfur Lúðvíksson gab Vísir gegenüber an: „Wie es im Moment aussieht, können wir keine weiteren Aufgaben übernehmen. Das muss bis zum Frühjahr warten.“ Man sei vollauf damit beschäftigt, Unwillkommene aus Grindavík fernzuhalten. Würde man Besuchern erlauben, den Vulkanausbruch zu besuchen, hätte man die Besucher auch in Grindavík stehen. Dort lauern jedoch gefährliche Erdspalten, und den Anwohnern war dringend abgeraten worden, in ihre Heimatstadt zurückzukehren. Der Ort muss jedoch bewacht werden, unter anderem weil es in den vergangenen Wochen mehrere Diebstähle gegeben hatte.

Úlfur hofft, dass der Vulkanausbruch bald zuende geht. „Das würde uns helfen.“

Journalistenverband erklagt Zutrittsgenehmigung
Islands Journalistenverband hatte sich mit dem Zutrittsverbot nicht zufrieden gegeben und geklagt. Heute nun wurde eine Einigung zwischen dem Verband und dem Justizministerium erzielt. Einer Erklärung zufolge herrsche Konsens darüber, dass Journalisten eine wichtige Überwachungs- und Informationsrolle spielen, und dass für die Einschränkung ihrer Meinungsfreiheit gute Gründe vorliegen müssten. Aufgrund des Zivilschutzgesetzes verfüge die Regierung über Befugnisse, um im Krisenfall schnell und gezielt reagieren zu können, wie etwa den Zugang zu bestimmten Bereichen einzuschränken. Die Beschränkungen, die die Regierung Journalisten in einer Gefahrensituation möglicherweise auferlegen muss, sollten in der Regel nicht größer sein als die, die anderen Einsatzkräften aus Sicherheitsgründen auferlegt werden.

 

 

Strafanzeige wegen Spendensammlung für Palästinenser erstattet

Rafah_Border_Crossing

Die beiden Isländerinnen Sema Erla Serdaroglu und María Lilja Kemp, die die Spendensammlung für das Flüchtlingshilfswerk Solaris zur Evakuierung von Palästinensern aus Gaza organisiert haben, sind angezeigt worden. Die Strafanzeige bezieht sich auf Bestechung und Verstoss gegen das Gesetz zur Geldbeschaffung, berichtet RÚV.

Staatsanwalt schickt Anzeige an Polizei zurück
Bei dem Kläger handelt es sich um Einar S. Hálfdánason, Richter beim Obersten Gerichtshof und Vater von Diljá Mist Einarsdóttir, einer Parlamentsabgeordneten der konservativen Unabhängigkeitspartei. Anfang März hatte Einar bei der Polizei Strafanzeige erstattet wegen der Spendensammlung, durch die Flüchtlingshelfer in die Lage versetzt wurden, Palästinenser mit isländischem Visa auf der Grundlage von Familienzusammenführung aus dem Kriegsgebiet herauszuholen.
Die konservative Tageszeitung Morgunblaðið berichtet heute, dass die Strafanzeige an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet wurde. Staatsanwalt Ólafur Þór Hauksson gab Vísir gegenüber an, die Anzeige sei zur Untersuchung an die Polizei zurückgeschickt worden.
Nach Angaben der Hauptstadtpolizei wird der Inhalt der Anzeige bereits seit Ende März untersucht. Die Ermittlungen befänden sich in einem frühen Stadium und es sei nicht möglich, abzuschätzen, wie das Ergebnis aussehen wird.

Hartes Klagegeschütz aufgefahren
Morgunblaðið befasst sich ausführlicher mit der Strafanzeige. Sie wurde gegen Semu Erla Serdaroglu und María Lilja Kemp eingereicht, die für die Spendensammlung des Flüchtlingshilfswerkes Solaris verantwortlich waren. Überdies wird ein Brief des Polizeichefs an die Staatsanwaltschaft zitiert, in dem es heißt, dass sich die Anzeige möglicherweise auf die Bestimmungen des Allgemeinen Strafgesetzbuchs über das Verbot der Bestechung ausländischer Amtsträger, auf Verstöße gegen das Gesetz über öffentliche Mittelbeschaffung sowie auf Massnahmen gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung bezieht.

Anwalt sieht falsche Anklage
Am Mittag kommentierte Gunnar Ingi Jóhannsson, der Anwalt von María Lilja, er sehe keine Grundlage für die Anzeige. „Der einzige Verstoss gegen das Allgemeine Strafgesetzbuch, den man in Bezug auf diese Strafanzeige vielleicht anführen könnte, ist der 148. Paragraph, wo es darum geht dass es strafbar ist, falsche Anklage zu erheben und unschuldige Menschen auf der Grundlage falscher Anschuldigungen zu verurteilen. Das ist das einzige, was auf der Hand liegt,“ gab Gunnar Vísir gegenüber an.

Fünf Frauen waren effektiver als das Auswärtige Amt
Im Februar hatten sich fünf isländische Frauen auf den Weg nach Kairo gemacht, um rund 140 palästinensische Kinder und Mütter aus dem Kriegsgebiet zu holen, die allesamt aufgrund von Familienzusammenführung seit dem Winter eine Aufenthaltsgenehmigung für Island besassen, aber keine Möglichkeit hatten, den abgeriegelten Gazastreifen zu verlassen. Beim isländischen Aussenministerium hatte es gehiessen, man könne nur diplomatische Wege gehen. Aktiv wurde das Ministerium jedoch erst, nachdem die fünf Frauen ohne staatliche Hilfe die ersten 20 Kinder und Mütter über den Grenzübergang gebracht hatten. Das Spendengeld aus Island war nach ihren Angaben für fällige Gebühren an der Grenze verwendet worden. Der Flug der Flüchtlinge war vom Internationalen Büro für Flüchtlingstransporte finanziert worden. Immer wieder hatten die Isländerinnen betont, dass sie keine Bestechungsgelder gezahlt hatten.
Drei Diplomaten des Auswärtigen Amtes konnten schliesslich 70 Visaträger nach Island bringen. Die verbliebenen Flüchtlinge, rund ein Dutzend, waren wieder von den Isländerinnen aus der Stadt Rafah über die Grenze gebracht worden. In jenen Tagen hatte Israel eine Generaloffensive gegen Rafah angekündigt.

Schneesturm am Wochenende im Bereich des Möglichen

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Beissende Kälte herrschte vielerorts in der vergangenen Nacht, am Mývatn wurden -20,9 Grad gemessen, im Mývatnsöræfi -20,2 Grad und am Hof Brú im Jökuldalur waren es immer noch -17,7 Grad.

Extreme Kälte am Mývatn
Teitur Arason vom isländischen Wetterdienst sagte mbl.is gegenüber, dass es in der Region auch in der kommenden Nacht so kalt bleiben werde. Tagsüber hat heute die Sonne geschienen, das Thermometer schaffte es am Mývatn trotzdem nicht über -5 Grad.

„Wenn sich das Wetter nach einem harten Nordwind beruhigt, dann kühlt sich vor allem die unterste Luftschicht ab. In der letzten Nacht war es an diesen Wetterstationen wolkenlos, und in der kommenden Nacht wird es dort auch weiter sehr kalt sein,“ erklärte Teitur.
Im Westen könnte ein Niederschlagsband Schnee bringen, und Schnee ist auch im Hauptstadtbereich durchaus möglich.

Neuer Schnee kommt mit viel Wind
„Am Freitag dreht der Wind wieder auf Nordost. Im Westen bleibt es ruhig, aber für die Westfjorde, das Nordland und das Ostland muss mit Schnee gerechnet werden. Es sieht ganz danach aus, dass das Wochenende im ganzen Land übel windig wird, sehr ähnlich wie am Osterwochenende, und das war natürlich eine Katastrophe.“ Auch in der kommenden Woche sieht es nicht nach steigenden Temperaturen aus.

Am gerade vergangenen Osterwochenende hatten Schnee und Sturm den Verkehr im Norden und Osten des Landes vollständig zum erliegen gebracht. Viele Hochstrassen hatten gesperrt werden müssen, hunderte Autofahrer auf dem Heimweg vom Osterurlaub sassen im Schnee fest, der Fährhafen Seyðisfjörður war gleich mehrere Tage von der Aussenwelt abgeschnitten gewesen.
Wer sich derzeit in Island auf Reisen befindet, sollte angesichts der Aussichten also seine Reisepläne anpassen. Umferdin.is und vedur.is helfen bei der Planung.

Osterschnee: Seyðisfjörður wieder zugänglich

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Heute ist es der Strassenmeisterei endlich gelungen, den Bergpass Fjarðarheiði zwischen dem Fährhafen Seyðisfjörður und der Ringstrasse zu öffnen. Seit Karfreitag war diese wichtige Verbindungsstrasse schneebedingt gesperrt, die Einwohner des Hafenortes von der Aussenwelt abgeschnitten gewesen. Die Krankenschwester der örtlichen Ambulanz ist froh dass sich über Ostern kein schwerer Unfall oder Krankheit ereignet hat.

Nadelöhr Fjarðarheiði
Die Fjarðarheiði liegt auf einer Höhe von 600 Metern über NN, von Seyðisfjörður bis zum Gipfel sind es zehn Kilometer. Oft ist diese Strasse wegen Schneesturms gesperrt, aber fünf Tage, das kommt eher selten vor. Gestern Abend hatten die örtlichen Rettungsleute es geschafft, 95 Autos im Convoi über den Pass zu geleiten, dann musste die Strasse wieder gesperrt werden.
Heute nach Mittag gelang es dann endlich, die Passstrasse zu öffnen, nachdem sich auch das Wetter beruhigt hatte. Statt spektakulärem Ausblick schauen Autofahrer allerdings jetzt auf hohe Schneewände, die sich beidseits der Strasse auftürmen.
Zu allem Überfluss legte auch die Norræna am Vormittag an und entliess 400 Passagiere, samt Fahrzeugen. Vor allem Reisebusse können die Passstrasse erst befahren, wenn sie vollständig geräumt und eisfrei ist. Für die Reisenden hiess es also abwarten und Tee trinken, und sich derweil Seyðisfjörður anschauen.

Osterwochenende ohne Unfall
Den Einwohnern bereitete nicht etwa der Mangel an Milchprodukten in den sich leerenden Ladenregalen Sorge. Viel riskanter sind Unfälle und Krankheit, wenn man von der Aussenwelt abgeschnitten ist. Halla Dröfn Þorsteinsdóttir, die Krankenschwester der örtlichen Ambulanz, ist froh dass das diesjährige Osterwochenende unfallfrei und ohne schwere Notfälle verlaufen ist.
Es gebe in Seyðisfjörður zwar einen Krankenwagen, aber der Schneepflug komme immer von der anderen Seite. Auch der Hubschrauber sei einige Stunden unterwegs. Ein Tunnel sei für die Hafenstadt einfach unumgänglich, findet Halla Dröfn.
Die Schneetunnel auf der Heiði stehen nun erst mal und werden Meter für Meter verbreitert. Aber es brauche nur ein wenig Wind, um den Schnee wieder in Bewegung zu setzen, und die Passstrasse einmal mehr unbefahrbar zu machen.

“Páskahret” – Osterschnee nach Plan
Im gesamten Norden hatte der Osterschnee Urlaubern – Touristen wie Einheimischen im Osterurlaub – übel mitgespielt. Das Wetter hielt sich genau an die Prognosen, und ab Sonntag mussten Strassen und Pässe in Richtung Norden und Osten gesperrt werden. Auch gestern blieb die Öxnadalsheiði gesperrt. Die Alternative, der Weg um die Halbinsel Tröllaskagi herum, erwies sich als trügerisch, und wer dort nicht festsass, geriet spätestens auf dem Weg nach Blönduós in Schwierigkeiten. Zeitweise war auch der Weg nach Akureyri von Osten her wegen einer Schneelawine auf der Ringstrasse versperrt. Bei einem Lawinenunglück im Fnjóskadalur war auch ein Skifahrer verletzt worden.
Heute sind die Strassen wieder frei befahrbar.

Massiver Einbruch bei PKW-Neuzulassungen

A car driving in the Icelandic countryside

Im ersten Quartal 2024 und auch für den März ist im Vergleich zum Vorjahr ein Rückgang bei den PKW-Neuzulassungen festzustellen, berichtet RÚV. Der Rückgang ist bei allen Antriebskategorien zu verzeichnen.

Weniger Privat- und Mietwagen
Nach Angaben des Automobilverbandes sind im gerade vergangenen März 532 Fahrzeuge neuzugelassen worden, im März letzten Jahres waren es 1.832 gewesen. Das ist ein Rückgang von 71 Prozent. Für das erste Quartal 2024 liegt der Rückgang bei 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Neuzulassungen im ersten Quartal lagen bei 1.386, im letzten Jahr waren es noch 3500 gewesen. Blickt man auf die vergangenen fünf Jahre zurück, sind die Verkaufszahlen zum ersten Mal unter 2000 Neuwagen im ersten Quartal gefallen.

Minusrekord seit COVID
Bei Privatpersonen sanken die Neuzulassungen von 767 Neuwagen im März 2023 auf 234 Neuwagen in diesem März, ein Rückgang um rund 70 Prozent. Für das erste Quartal ist die Zahl von 1.580 Neuzulassungen in 2023 auf 706 in diesem Jahr zurückgegangen, ein Minusrekord seit 2019.
Auch Unternehmen legen bei Neuzulassungen eher Zurückhaltung an den Tag. Im März sind 93 PKW für Unternehmen neuzugelassen worden, im letzten Jahr waren es 214 gewesen. Für das erste Quartal liegt der Rückgang bei 53 Prozent.

Bei den Mietwagenunternehmen wird für den Monat März ein Rückgang von 76 Prozent verzeichnet. Im vergangenen Monat sind 205 PKW neuzugelassen worden, im Vergleichsmonat 2023 waren es 849 gewesen. Zuletzt war die Zahl während der COVID-Pandemie so gering ausgefallen, damals blieben allerdings auch die Touristen pandemiebedingt weg.
Im ersten Quartal lag der Rückgang der Neuzulassungen bei Mietwagen um die 70 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Subventionswegfall bei E-Autos
Auch beim Antriebskraftstoff gibt es Unterschiede zum Vorjahr. Im März wurden vor allem Elektrofahrzeuge neuzugelassen, insgesamt 29 Prozent. Allerdings waren es im März 2023 noch 84 Prozent gewesen, was daran liegen könnte dass die Vergünstigungen für Elektroautos zum Jahresende weggefallen sind. In den Jahren 2020, 2021 und 2022 hatte der Anteil der neuzugelassenen Elektroautos bei jeweils rund 50% im Jahresdurchschnitt gelegen.
Bei den Dieselfahrzeugen lagen die Neuzulassungen bei 26 Prozent, auf PKW mit Hybridantrieb entfielen 22 Prozent.

Und natürlich gibt es auch sogenannte Lieblingsmarken: die meisten Neuzulassungen im März, oder 71, entfielen auf Dacia, gefolgt von Hyundai mit 57 PKW. Auf Platz drei im März lagen mit je 51 Fahrzeugen Kia und Tesla.
Eine Erklärung für den Gesamtrückgang lieferte der Automobilverband nicht.

 

Islands Schwimmbadkultur für UNESCO Weltkulturerbe nominiert

Swimming pool in Iceland

Islands Schwimmbadkultur könnte bald auf der UNESCO-Liste des immateriellen Weltkulturerbes stehen. Kultusministerin Lilja Dögg Alfreðsdóttir bestätigte Heimildin zufolge die Nominierung auf der Liste, welche auch das chinesisches Schattenpuppenspiel, Trommeltanz der Inuit, französisches Baguette und die finnische Saunakultur enthält.

Der Bewerbung beigefügt waren seinerzeit schriftliche Unterstützungserklärungen von Kommunen, Sport- und Schwimmvereinen, sowie zahlloser Schwimmbadgäste und -gruppen. Unter anderem liest man dort allerlei Geschichten, Erfahrungen, und Ansichten zum Schwimmbad, sowie Debatten zur Bedeutung der Einrichtung.
Die Nominierung  ist das Ergebnis einiger Jahre Vorarbeit, an der auch das Arni Magnússon Institut sowie das Nationalmuseum beteiligt waren. Es handelt sich um die erste unabhängige Nominierung der Isländer auf dieser Liste.

Am gleichen “Tisch”, aber ohne Handy
„Die Schwimmbadkultur hält einen besonderen und wichtigen Platz im täglichen Leben der Landsleute. Sich im heissen Pott zu treffen oder mit der Familie ins Schwimmbad zu gehen ist ein gesellschaftlicher Kontakt von unschätzbarem Wert und wirkt sich auf den Menschen aus, nicht nur körperlich, sondern auch geistig,“ erklärte die Ministerin. Im Schwimmbad verbringen die Menschen wertvolle Stunden gemeinsam am selben „Tisch“, aber ohne elektronische Geräte, so Lilja Dögg. „Unsere Schwimmbadkultur ist ganz besonders schön, zeitlos und gesundheitsfördernd.“

Einer aktuellen Umfrage zufolge besuchen 79 Prozent aller Erwachsenen regelmässig eins der 120 Schwimmbäder im ganzen Land.
Die Bearbeitungsdauer für die UNESCO-Liste beträgt rund 18 Monate, daher wird sich erst im Dezember 2025 herausstellen, ob die Schwimmbadkultur der Isländer immaterielles Weltkulturerbe wird.

Bauer verschenkt seine Milch im Schneesturm

icelandic cows

Der Milchviehhof Engihlíð in Vopnafjörður hat den Leuten aus der Nachbarschaft angeboten, sich Milch am Hof abzuholen, berichtet austurfrett.is. Seit vor dem Wochenende war das Milchauto wetterbedingt nicht mehr bis zum Hof durchgekommen.
„Das war nicht möglich, bei uns Milch zu holen, und dann wurde klar, dass heute auch nichts daraus wird. Wir sind gerade in Maximalproduktion und ertrinken quasi in Milch,“ erklärt Bauer Gauti Halldórsson auf Engihlíð. „Da dachten wir, das anzubieten. Wir dürfen die Milch auf diese Weise verschenken.“

Nachfrage aus der Nachbarschaft
In letzter Zeit hätten ohnehin Leute aus der Nachbarschaft, vor allem solche mit ausländischen Wurzeln, Interesse daran gezeigt, Milch vom Hof holen zu können, um daheim Käse und andere Milchprodukte herzustellen. Mit dem seit gestern überquellenden Tank habe dann die Idee Gestalt angenommen.
„Gestern kamen ein paar. Heute ist totales Unwetter. Wir versuchen, die Milch an die Kälber zu verfüttern, den Rest müssen wir wegschütten. Man darf nicht klagen, das ist einfach so,“ meint Gauti.
Die Strassen Sandvíkurheiði und Vopnafjarðarheiði waren heute völlig unbefahrbar. Auch das Möðrudalsöræfi und die Fjarðarheiði sind wegen Schneesturms gesperrt.

Rohmilch streng verboten
In Island ist der Verkauf von Rohmilch ab Hof streng verboten, ganz gleich ob Kuh- Ziegen oder Schafsmilch. Ein Erzeuger kann allenfalls eine Verkaufslizenz beantragen und dann ausschliesslich pasteurisierte Milch vermarkten. In dem Fall wird sein Betrieb aber natürlich von den Gesundheitsbehörden regelmässig überprüft. Nur sehr wenige Milcherzeuger gehen daher diesen Weg. Alle anderen lassen ihre Milch von der Grossmolkerei MS, oder den drei kleineren Molkereien im Norden bzw in den Westfjorden abholen.
Eine kleine Gruppe von Interessierten setzt sich jedoch für die Freigabe von Rohmilch ein. Nicht nur die Slowfood-Bewegung in Reykjavík, auch die Molkerei Erpsstaðir im Westen argumentieren, dass Hygienestandards in modernen Melkbetrieben die potentiellen Gefahren, die nicht-pasteurisierte Milch mit sich bringen kann, wieder wettmachen. Immer mehr Kunden fragten nach Rohmilch. Auf einer Facebookseite sammeln die Aktivisten dazu Fachartikel und Informationen.

Lawinen und Schneesturm kennzeichnen Ostern 2024

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Seit dem Morgen hat sich das Wetter im Nordteil des Landes zusehends verschlechtert, und vielerorts sind nicht nur Strassen gesperrt, sondern auch Autofahrer sassen im Schnee fest und mussten auf Hilfe warten, die nur langsam vorankam.

Lawine und Sperrungen der Ringstrasse
Gegen Mittag fiel eine Schneelawine im Ljósaskarð auf den Ringstrassenabschnitt zwischen der Region Mývatn und der Strasse nach Akureyri. Dort gibt es eine Vollsperrung. Wegen starken Schneefalls kann mit Räumungsarbeiten vermutlich erst morgen begonnen werden.

Die Ringstrasse 1 ist ab dem Möðrudalsöfæfi unbefahrbar, sowie Öxnadalsheiði, Þverárfjall, Dalsmynni, der Vikurskarð, dazu alles rund um Siglufjörður und die Strassen rund um Blönduós vom Vatnsskarð herunterkommend sind ebenfalls nicht befahrbar. Am Vatnsskarð mussten Mitglieder der Rettungsteams einige Fahrzeuge sogar den Berg hinunterfahren, nachdem die Autofahrer sich nicht trauten, im Convoi mit den Rettungsfahrzeugen zu fahren.  Auch an der Westseite des Eyjafjörður im Raum Dalvík steckten am Mittag Dutzende von Fahrzeugen im Schnee fest.
Bei umferdin.is sieht man alle Sperrungen auf einen Blick. Die meisten Strassenabschnitte bleiben bis morgen gesperrt.

Schneesturm auf der Piste
Die Betreiber des Skigebietes am Hlíðarfjall in Akureyri mussten nach einem strahlenden Vormittag am Mittag ihren Skilift abstellen und das Gelände sperren, als der Schneesturm auch die Pisten erreichte. Ostern ist eins der grössten Wochenende für das Skigebiet.
Gestern sind vier ausländische Skigäste im Fnjóskadalur in einer Schneelawine gelandet, eine Person wurde bei dem Unfall erheblich verletzt und musste von ihren Kollegen aus der Lawine gegraben werden.

Grosseinsatz bei Skiunfall
Jón Þór Viglundsson sagte mbl.is, die Rettungsaktion sei für die Retter sehr gefährlich gewesen, nicht etwa weil sich die Skifahrer so weit obenbefanden, sondern weil soviel Schnee gefallen war. Dadurch bestand Gefahr dass die Retter selbst weitere Lawinen in Bewegung setzten. An der Aktion waren rund 130 freiwillige Retter beteiligt, sowie 20 Fahrzeuge, 24 Motorschlitten, Suchhunde, ein Schneekettenfahrzeug, Drohnen und zwei Krankenwagen.

Auch andernorts im Eyjafjörður, an den Hängen der Halbinsel Tröllaskagi, in den nördlichen Westfjorden und in den Ostfjorden besteht Lawinengefahr.

Seyðisfjörður abgeschnitten
Die Stadt Seyðisfjörður im Osten der Insel ist seit drei Tagen von der Aussenwelt abgeschnitten, weil die Fjarðarheiði wegen Schneesturms gesperrt wurde. Die auf 600 Metern liegende Bergstrasse ist die einzige Verbindung des Fährhafens zum Rest der Insel. In Seyðisfjörður selbst ist das Wetter relativ ruhig. Wenn sich das Wetter am Berg nicht bald bessert, könnten im einzigen Geschäft am Ort die Lebensmittel knapp werden. Ein Tunnel durch den Berg steht auf dem Verkehrsplan der Regierung an oberster Stelle, allerdings deckt die Liste die kommenden 15 Jahre ab, ein wenig müssen sich die Leute von Seyðisfjörður also noch in Geduld üben.

Die Behörden raten dringend, jegliche Reisen vor allem im Norden auf morgen oder übermorgen zu verschieben.

Österlicher Wintereinbruch legt den Norden lahm

Das Osterwetter ist vor allem im Nord- und Ostteil des Landes alles andere als österlich, vielerorts ist in den vergangenen ein bis zwei Tagen soviel Schnee gefallen, dass soagr die Ostermessen abgesagt werden mussten.

Auch heute weht der Wind kräftig aus Nord und Nordost, mit Geschwindigkeiten von 13 bis 20 m/s, es gibt im Norden und Osten zum Teil viel Schnee, weswegen eine gelbe Wetterwarnung gilt. Im Süden des Landes sieht die Lage freundlicher aus, dort bleibt es heute weitgehend niederschlagsfrei, erst am Abend ist mit ein paar Schneeflocken zu rechnen. Die Temperaturen liegen um den Gefrierpunkt.
Auch morgen hält der österliche Wintereinbruch (isl: páskahret) den Nordteil der Insel im Griff, mit 10 bis 18 m/s und leichtem Schneefall. Im Süden bleibt es ruhig, am Dienstag scheint dort sogar die Sonne.

Die gelbe Warnstufe gilt für den Nordosten, den Nordwesten bis Strandir, ab heute morgen bis nach Mitternacht, ab 16 Uhr gesellt sich auch der Osten hinzu, mit 13 bis 20 m/s und erheblichem Schneefall und Schneeverwehungen. Bei solchen Bedingungen ist kein Reisewetter.

Nachdem in den vergangenen zwei Tagen immer wieder Bergpässe hatten gesperrt werden müssen, sind auch heute morgen die Schranken im Víkurskarð, Öxnadalsheiði, Þverárfjall, Vopnafjarðarheiði und auf der Fjarðarheiði gefallen, wer sich also dennoch auf den Weg gemacht hat, muss spätestens dort eine Pause einlegen.

Auf der Webseiten umferdin.is und vedur.is findet man die aktuellen Warnmeldungen mit Details zu einzelnen Strassenabschnitten.