Skiweitsprung in Akureyri: möglicher Weltrekord nicht anerkannt

Der japanische Vierschanzentourneesieger Ryoyu Kobayashi hat heute im Skigebiet Hlíðarfjall bei Akureyri einen neuen möglichen Weltrekord aufgestellt, als er 291 Meter weit sprang, berichtet RÚV.
Der Weltverband FIS hat den Sprung allerdings bislang nicht anerkannt, es steht daher immer noch der alte Weltrekord von 253,5 m des Österreichers Stefan Kraft aus dem Jahr 2017.

Kobayashi hatte vorgehabt, über 300 Meter weit zu springen. Sein Sponsor Red Bull Japan hatte mit der Stadt Akureyri einen Vertrag über den Bau einer provisorischen Schanze, sowie über die Alleinrechte für das Bildmaterial geschlossen. Die Sprungschanze am Hlíðarfjall ist die grösste dort jemals angelegte und Nachbau einer Schanze aus dem norwegischen Vikersund, wo einst ein Weltrekord gesetzt wurde. Der Japaner hatte auch vorgehabt, heute mehr Sprünge zu tätigen, musste dies jedoch abbrechen, weil starke Sonneneinstrahlung die Piste zum Schmelzen brachte.
Da Red Bull Japan alle Rechte am Videomaterial hält, gibt es keine unabhängigen Aufnahmen.
Auf dem Foto sieht man die Schanze (aðflugsbraut), die Abflugplattform (stökkpallur), und unten rechts steht der Krankenwagen (sjúkrabíll).

update 25. April:
Der gestern aufgestellte Rekord wird nicht als Weltrekord anerkannt.
In einer Mitteilung des Weltskiverbandes FIS heisst es, dass alle Veranstaltungen den FIS-Regeln unterliegen müssen. Sie sehen vor, dass die Teilnehmer unter ähnlichen Bedingungen zwei Runden lang springen müssen, und derjenige, der am weitesten springt, ist der Gewinner. Messungen in einem formellen Wettbewerb im Skispringen müssen mit FIS-Standards unter genehmigten Bedingungen stattfinden, die als vergleichbar mit den an anderen Wettkampforten bekannten Bedingungen angesehen werden können. Ausserdem müssen FIS-Funktionäre alle äusseren Bedingungen von der Skilänge bis zum Gewicht der Wettkampfausrüstung offiziell abgesegnet haben. Kobayashi habe zwar eine grosse Leistung erbracht, aber keine dieser Bedingungen erfüllt. Er befand sich alleine im Wettkampf, führte mehrere Sprünge auf einer nicht zertifizierten Anlage durch und benutzte nicht-zertifizierte Ausrüstung. Man hoffe aber, so der FIS, dass Kobayashi demnächst unter Wettkampfbedingungen seinen Rekordversuch wiederhole.
Damit halten auch weiterhin der Österreicher Stefan Kraft mit 254,5 Metern und die Norwegerin Silje Opseth mit 230,5 Metern die Weltrekorde im Skispringen.

Walfang: Tierschutz im EWR-Vertrag gilt nicht für Jagd auf Meeressäuger

Whale

Die EFTA-Überwachungsbehörde hat eine Beschwerde der isländischen Naturschutzvereinigung bezüglich der Lizenzerteilung zum Walfang zu den Akten gelegt und den Fall abgeschlossen. Die Naturschutzvereinigung hatte die Ansicht vertreten, die Entscheidung, eine Lizenz für den Walfang zu erteilen, entspreche nicht europäischem Recht.

Tierschutzgesetz betrifft nicht Wale
Laut ESA ist es aber so, dass die Jagd auf Meeressäuger nicht unter das Tierschutzgesetz fällt, so wie es im Regelwerk des EWR-Vertrags für den europäischen Wirtschaftsraum steht. Die isländische Naturschutzvereinigung hatte im Mai 2023 ihre Beschwerde an die ESA geschickt, nachdem die Veterinäraufsichtsbehörde in einer Studie zu dem Ergebnis gekommen war, dass der Walfang nicht mit dem isländischen Tierschutzgesetz zu vereinbaren ist. Die Naturschutzvereinigung war der Meinung, die isländische Regierung habe mit der Lizenzerteilung gegen die Verpflichtungen Islands auf Grundlage des EWR-Vertrags verstossen.

Die Regulierungsbehörde weist darauf hin, dass das Regelwerk des EWR-Vertrags zum Tierschutz nicht für die Jagd auf Meeressäuger gelte, also auch nicht für Wale. Daher liege dieser Fall ausserhalb des vertraglichen Geltungsbereichs, und es gebe keine Voraussetzung dafür, den Fall weiter zu untersuchen. Nur drei Länder im europäischen Wirtschaftsraum betreiben noch Jagd auf Meeressäuger: Island, Norwegen und die Färöerinseln.

Hygiene ist Ländersache
Bezüglich der Beschwerde über mangelnde Hygiene aufgrund der Arbeit im Freien (die Walschlachtkörper werden bei Hvalur hf. unter freiem Himmel zerteilt) erklärt die ESA, dass es in der Verantwortung der zuständigen Behörden liege, sicherzustellen, dass Verarbeitungsbetriebe jederzeit die Bedingungen des EWR-Abkommens und die einschlägigen Vorschriften einhalten. Die ESA überwache öffentliche Institutionen und stelle sicher, dass diese im Einklang mit den EWR-Vorschriften arbeiten.

Wie das Dach verschwand
Islands einziges kommerzielles Walfangunternehmen Hvalur hf. zerteilt seine erlegten Wale in der Anlage im Hvalfjörður unter freiem Himmel. Das Fleisch ist für den menschlichen Verzehr vorgesehen. Im Jahr 2009 war eine Verordnung erlassen worden, nach der die Zerteilung von Walfleisch unter einem Dach zu erfolgen hat. Diese Verordnung war von Hvalur hf. aber nie in die Tat umgesetzt worden.

Im Mai 2018 erreichte den damaligen Fischereiminister Kristján Þór Júlíusson eine Email von Hvalur-Chef Kristján Loftsson, in der letzterer die Verordnung als uralt bezeichnete und darauf hinwies, dass sein Unternehmen Methoden entwickelt habe, die viel besser seien als das was in der Verordnung verlangt werde. Er bat den Minister darum, das Dach aus der Verordnung herauszunehmen. Beide Amtsvorgänger hätten die Idee gut gefunden, aber nicht weiter verfolgt. Es sei zudem sinnlos, eine neue Jagdlizenz zu beantragen, wenn die Verordnung diesbezüglich nicht geändert werde. Der Email folgte ein Änderungsentwurf für die Verordnung. Der Minister übernahm Heimildin zufolge Kristjáns Änderungsentwurf, holte das Dach aus der Verordnung heraus, und seither darf Walfleisch in Island unter freiem Himmel produziert werden.

 

Kreuzfahrtschiff in 2023 vor Viðey fast auf Grund gelaufen

cruise ship, skemmtiferðaskip, Norwegian Prima

Nur etwa 10 Meter war im vergangenen Jahr ein 140.000 Tonnen schweres und 300 Meter langes Kreuzfahrtschiff mit 4.600 Passagieren an Bord davon entfernt, vor der Insel Viðey auf Grund zu laufen. Das Schiff war im Sturm vom Kurs abgekommen, und der Kapitän hatte die Situation offenbar unterschätzt. Die Besatzung des Schleppers Magni habe alles in ihrer Macht Stehende getan, um einen Grossunfall zu verhindern, berichtet RÚV.

Der Beinaheunfall war vom Untersuchungsausschuss für Verkehrsunfälle unter die Lupe genommen worden. Videoausschnitte der Sicherheitskamera zeigen die Zeitspanne von der Abfahrt aus dem Hafen bis zum Erreichen der Schifffahrtsrinne, sowie den Kampf der Schlepperbesatzung, das Kreuzfahrtschiff von den Untiefen fernzuhalten.

Rekonstruktion des Fast-Unfalls
Dem Bericht des Untersuchungsausschusses zufolge war die Norwegian Prima, unter der Flagge von Bahama segelnd, am Abend des 26. Mai mit Unterstützung des Schleppers Magni aus dem Kreuzfahrthafen Sundahöfn in Reykjavík gefahren. Aus Südwest wehte ein starker Wind. Der Lotse empfahl dem Kapitän, die Abfahrt zu verzögern. Der Kapitän entschied, sich an den Fahrplan zu halten, trotz des Wetters und gegen die Empfehlung des Lotsen. Das Schiff musste gedreht werden, bevor es aufs offene Meer fahren konnte. Kurz nach erfolgter Drehung fegten heftige Böen mit 50 Knoten aus West heran. Gleichzeitig erhöhte der Kapitän die Geschwindigkeit. Das Schiff trieb mit dem Wind nach Osten in Richtung der Untiefen, während der Schlepper mit voller Kraft dagegen hielt.

An der Aussengrenze der Schiffahrtsrinne trieb die Norwegian Prima über die Boje, und es war grosses Glück, dass sich eine von der Boje herabhängende Kette nicht in der Schiffsschraube verhedderte.  Da war bereits klar, dass die 140.000 Bruttoregistertonnen schwere Norwegian Prima mit 4600 Mann an Bord weit vom Kurs abgekommen war und sich in grösster Gefahr befand, in den Untiefen zu stranden. Der Kapitän, der zum ersten Mal den Reykjavíker Hafen befuhr, versuchte, mit den Schiffsschrauben gegenzusteuern, doch das reichte nicht aus. Im dem Ermittlungsausschuss vorliegenden Video ist zu sehen, wie die Magni unter Volldampf versucht, das Schiff wieder auf Kurs in die Rinne zu drücken.

Kommunikation für alle verständlich
Im Bericht des Untersuchungsausschusses heisst es, nur noch zehn Meter hätten das Schiff von Untiefen getrennt, die dem Kiel weniger als einen halben Meter Platz gelassen hätten. Der Schlepper musste nach der Aktion repariert werden, das Kreuzfahrtschiff blieb unbeschädigt. Die Ermittlungen waren auf Betreiben der isländischen Behörden aufgenommen worden, berichtet Vísir.

Im Bericht finden sich Empfehlungen, wie solche Vorfälle verhindert werden können. Unter anderem gibt es eine Empfehlung an die Reederei, alle Informationen auszuwerten, um ihre eigene Risikobewertung zu ergänzen. Empfohlen wird ebenfalls, dass der Hafen Faxaflói seine Arbeitsabläufe aktualisiert, um eine gute Kommunikation von Schlepper und Lotsen sicherzustellen. Diese Kommunikation muss in englischer Sprache und für jedermann verständlich erfolgen. Die Regierung wird aufgefordert, die Befugnisse der Lotsen dergestalt zu erweitern, dass diese unter bestimmten Umständen Schiffen die Ausfahrt verweigern können. Schließlich schlägt der Bericht eine Risikobewertung für alle Häfen vor, in denen Passagierschiffe vor Anker gehen.