Reykjanes: Ausbruch verlangsamt, Schutzwälle halten

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Der Vulkanausbruch von gestern Abend hat sich verlangsamt. Zwischen Stóra-Skógfell und Hagafell war entlang der alten Kraterreihe Sundhnjúkargígaröð die Erde auf drei Kilometern Länge aufgebrochen und hatte grosse Mengen an Lava gefördert. Der Lavastrom hatte sich in zwei Zungen geteilt, die eine floss nach Westen in Richtung Grundavíkurvegur und Kraftwerk Svartsengi, die andere Lavazunge floss geradewegs nach Süden und bedroht derzeit den Suðurstrandavegur zwischen Grindavík und Þorlákshöfn.

Grosse Ähnlichkeit mit Februarausbruch
In einer Extrasendung der Nachrichten bei RÚV hiess es, Bauunternehmen hätten die ganze Nacht daran gearbeitet, bekannte Lücken in den Lavaschutzwällen zu schliessen, um den Lavastrom umzuleiten. Auch der Hof Hraun vor den Toren von Grindavík sei in der Nacht mit einem Schutzwall versehen worden. Am Zipfel der Ostzunge hat sich nämlich ein Lavasee gebildet. Sollte die Kante aufbrechen, kann die Lava dort mit grossem Tempo herausschiessen, und geradwegs nach Süden abfliessen.

Die Vulkanologin Kristín Jónsdóttir erklärte, der Ausbruch zeige starke Ähnlichkeit mit dem letzten Ausbruch vom 8. Februar: er begann ohne lange Vorwarnung aufgrund des unterirdischen Spannungsverlustes recht heftig und verebbte dann. Der grösste Unterschied sei in der Lage der Spalte zu finden, die ziehe sich jetzt weiter nach Süden und komme hinter die Wasserscheide der Region zu liegen. Damit sei die neue Fliessrichtung der Lava vorgegeben: nach Süden, zum Suðurstrandavegur, zum Hof Hraun und zum Meer.

Gefahr von Gasentwicklung
Kristín erklärt, aus den vorhandenen Lavaseen, mehrere an der Zahl, könnten regelrechte Flutwellen hervorwellen, die dann mit sehr hohem Tempo vorwärtsschiessen. Sollte die Lava es dadurch bis ins Meer schaffen, zeige Erfahrung aus Hawaii, dass dann giftige Chlorgase freigesetzt werden. Auch eine explosiver Verlauf mit Aschefreisetzung ist dann möglich. Für diesen Fall seien Warnungen vorgesehen. Sie betonte, das Gelände sei Gefahrengebiet.
Das ganze Spaltensystem der Region sei inzwischen auseinander gefallen, damit habe die sich in der Kammer ansammelnde Magma freie Bahn. Man kenne jetzt die Magmamenge, ab der ein Ausbruch wahrscheinlich werde, und bislang sei alles immer nach dem gleichen Muster abgelaufen. Auch diesmal gehe man davon aus, dass es sich um ein kurzes Ereignis handle.

Gute Vorbereitung auf alle Eventualitäten
Zivilschutzleiter Víðir Reynisson gab an, die westliche Lava befinde sich rund 100 Meter von wichtigen Leitungen entfernt, im Süden seien es nur noch 450 Meter. Für alle Ereignisse gebe es einen Massnahmenplan, man sei gut vorbereitet und warte nun ab, was wo passiere. Die aufgetürmten Lavaschutzwälle hätten ihren Zweck in der vergangenen Nacht einmal mehr unter Beweis gestellt.

Wasserzuleitungen und die Hauptwasserleitung aus dem Kraftwerk nach Grindavík seien beim letzten Ausbruch mit neuen Lavaströmen im Hinterkopf entsprechend verlegt und geschützt worden, und bezüglich der Glasfaserkabel entlang des Suðurstrandavegur wisse man jetzt schon, dass sie im Fall eines Lavaüberstroms verloren seien. Ersatzkommunikationswege für die Einsatzkräfte seien daher bereitgestellt.
Gegen Mittag berichtet RÚV, dass sich der Lavasee entleere. Bis zum Meer sind es rund 1000 Meter.

Reykjanes: Lava auf dem Weg ins Meer

Der neue Vulkanausbruch auf der Halbinsel Reykjanes fördert weiterhin erhebliche Mengen an Lava, die sich in hohem Tempo, mit etwa einem Kilometer pro Stunde, nach Süden bewegt. Der Lavastrom hatte sich in zwei Zungen aufgeteilt. Die östliche Zunge ist mittlerweile an den Schutzwällen östlich des Küstenortes Grindavík entlang in Richtung Þórkötlustaðahverfi geflossen, wie auf diesem Foto der Wetterbehörde zu erkennen ist.

Der Geophysiker Magnús Tumi Guðmundsson sagte nach seiner Rückkehr von einem Überflug, wenn die Lava weiterhin in diesem Tempo unterwegs sei, könne sie es durchaus bis ins Meer schaffen. Auch Suðurstrandavegur, die Verbindungsstrasse zwischen Grindavík und Þorlákshöfn ist damit in Gefahr. Um 23.30 Uhr war der Lavastrom nur noch einen Kilometer von der Strasse entfernt. Magnús Tumi bezeichnete diesen Ausbruch als den stärksten der Serie.

Zivilschutzleiter Víðir Reynisson gab an, die beiden Lavazungen bereiteten ihm gewisse Sorge. Die Spalte selbst sei mit etwa drei Kilometern nicht sehr gross und verlängere sich auch nicht, aber die Lavamenge, die sie fördere, sei gewaltig. Entlang beider Strassen liegen Glasfaserkabel, wenn sie der Lava zum Opfer fallen, könne das Störungen in der Telekommunikation nach sich ziehen.
Die westliche Lavazunge ist auf dem Weg zum Kraftwerk Svartsengi. Dort verfolgt man das Geschehen sehr genau, denn wenn die Hochspannungsmasten ausfallen, müssen Notaggregate zugeschaltet werden. Für die Bewohner der Halbinsel sind keine Stromausfälle zu befürchten, doch Grossverbraucher müssen mit einer verminderten Zuteilung rechnen.

Die Schutzwälle rund um Grindavík und das Kraftwerk Svartsengi waren noch während des letzten Ausbruchs im Februar fertiggestellt worden. Damals waren auch von der Lava zerstörte Heisswasserleitungen überirdisch über die frische Lava neuverlegt worden, damit die Häuser in Grindavík beheizt werden können.
Zur Stunde befinden sich alle Mannschaften mit schweren Baumaschinen vor Ort, um verkehrstechnisch wichtige Lücken wie etwa die Zufahrt zur Blauen Lagune zu füllen. Vom Hubschrauber der Küstenwache gab es eine Stunde nach Mitternacht diese neuen Aufnahmen.