Blutstuten: Mediziner kritisieren verzerrtes Bild bei Anämiestudie

Zwei Medizinerinnen und ein Statistiker haben die vor kurzem veröffentlichte Studie zum Bluthaushalt von in der kommerziellen Blutgewinnung genutzten Islandstuten kritisiert, die das Forschungsinstitut Keldur im Auftrag des Ministeriums für Landwirtschaft und Fischerei im Herbst 2022 angefertigt hatte.

Falsche Schlussfolgerungen
In ihrem bei Heimildin eingesandten Artikel sehen Guðrún Scheving Thorsteinsson, Rósa Líf Darradóttir und Jón Scheving Thorsteinsson es als erwiesen, dass die Autoren der oben genannten Studie falsche Schlussfolgerungen aus den vorliegenden Daten gezogen haben, wenn sie behaupten, dass die Blutgewinnung kaum Auswirkung auf die Gesundheit der Stuten habe. Vielmehr sei davon auszugehen, dass alle Blutstuten unter Anämie leiden. Die Autoren hätten jedoch die Definition von Anämie bei Islandpferden so eingegrenzt, dass das Endergebnis verzerrt werde.
Den tragenden und laktierenden Stuten wird im ersten Drittel der Trächtigkeit über acht Wochen lang einmal wöchentlich 5 Liter Blut entnommen. Das Gesamtblutvolumen der Stuten beträgt rund 26 Liter. Bei jeder Blutgewinnung wird der Stute damit rund 20% ihres Gesamtvolumens in kürzester Zeit entnommen. Die Medizinerinnen weisen darauf hin, dass dies zu einem Volumenmangelschock führen kann, und in der weiteren Folge zur Anämie.

Hochgerechnet 1500 Stuten mit Anämie
Der Studie zufolge litten während der Blutgewinnungsperiode 20,6% der untersuchten Blutstuten unter leichter Anämie, 8,6% litten unter manifester Anämie, und 2,1% unter schwerer Anämie, insgesamt sind das 31,3% der untersuchten 127 Stuten. Rechnet man dies auf die ca. 5000 in Island verwendeten Blutstuten hoch, dann leiden jedes Jahr 1500 Stuten während der Blutgewinnungsperiode unter Anämie mit dazugehörigem Unwohlbefinden und Krankheitssymptomen. Die Zahl könnte, so die Medizinerinnen, durchaus auch höher als im Rechenmodell liegen. Ein solches Rechenmodell hatten sie schon einmal im Jahr 2022 erstellt. Die Datengrundlage der Veterinäraufsichtsbehörde MAST zum Bluthaushalt von Blutstuten war in der Vergangenheit von Kritikern mehrfach als nicht ausreichend und veraltet bezeichnet worden.

Grenzwerte von anderen Pferderassen
Bei intensiver Lektüre der Studie fiel zudem auf, dass die Grenzwerte für Hämoglobin (rote Blutkörperchen) und Hämatokrit (Blutzellenanteil) zunächst aus eigenen Arbeiten an tragenden Islandstuten in Weidehaltung übernommen wurden, weil für die Pferderasse bislang keine Grenzwerte festgelegt waren. Auf halber Strecke seien dann jedoch, so die Medizinerinnen, die genannten Grenzwerte aus älteren Arbeiten über ausländische Pferderassen und Esel übernommen worden, bei denen Hämoglobin und Hämatokrit von Natur aus niedriger liegen. Diese Werte verzerrten damit den wahren Zustand im Bluthaushalt isländischer Blutstuten. Hätten die Autoren bei den Messungen ihre eigenen zu Anfang zitierten Grenzwerte weiter genutzt, wäre zutage getreten, dass weitaus mehr Stuten Anämiesymptome zeigten. So aber wurden Grenzwerte anderer Pferderassen ohne nähere Definition, Geschlecht oder Alter auf tragende und laktierende Islandstuten angewendet.

Hohe Ausfallquote verzerrt das Bild
Für die Studie des Forschungsinstitutes waren zwei Stutenherden mit je ca 60 Stuten ausgewählt worden, eine Herde befand sich im Norden des Landes, die andere im Süden.
Vor allem in der Südlandherde, so die Medizinerinnen, sei die Zahl der für die Blutgewinnung genutzten Stuten erheblich zurückgegangen, je weiter die Entnahmeperiode voranschritt. Für diesen Ausfall wird in der Studie keine Erklärung geliefert. Da die wissenschaftliche Blutprobe für die Stuten auf den gleichen Tag wie die Blutgewinnung fiel, ist das Ergebnis verfälscht, vor allem wenn die ausgefallenen Stuten aufgrund anämiebedingter Krankheitssymptome nicht zur Blutgewinnung geholt wurden.
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Aus dem Stutenblut extrahiert das isländische Pharmaunternehmen Ísteka ehf. das Hormon PMSG, welches nach Europa exportiert wird, wo es in der industriellen Nutztierzucht Anwendung als Zyklusregulator findet. Hauptabnehmer ist Deutschland. In Island sind PMSG-haltige Präparate nicht zugelassen, stattdessen kommen synthetische Präparate zur Anwendung.
Seit im November 2021 erste Videos mit versteckter Kamera tierquälerische Zustände bei der Blutgewinnung aufgedeckt hatten, ist die zuvor relativ unbekannte Branche in die Schlagzeilen geraten. Im Jahr 2022 war eine neue Verordnung mit strengeren Auflagen in Kraft getreten, seit dem 1. November gilt für die ca. 5000 Blutstuten europäisches Recht, wonach sie nicht länger Nutztiere der Landwirtschaft sind, sondern Nutztiere, die für wissenschaftliche Zwecke verwendet werden. Für letztere gelten weitaus strengere Auflagen, unter anderem müssten Entnahmeintervalle und Blutmenge radikal reduziert werden. Ísteka ehf. ist Islands einziger Stutenblutaufkäufer und PMSG-Exporteur mit eigener Produktion und einem Exportumsatz von etwa 1,7 Milliarden Kronen im Jahr 2021.

Ein Riesenrad für Reykjavík

Ferris wheel on Miðbakki

Die Behörden in Reykjavík suchen derzeit einen Partner für den Betrieb eines Riesenrades an der Werft Miðbakki. Der Partner soll die Kosten für Aufbau und Betrieb des Riesenrades tragen, die Stadt will das Grundstück für eine bestimmte Zeit zur Verfügung stellen, heisst es in einer Suchanzeige der Stadt.

Das Riesenrad würde nur über die Sommermonate betrieben, und von Mai bis September eine „spannende Ergänzung zum vielfältigen Stadtleben“ bieten. Maximal 30 Meter Höhe sind für das Riesenrad erlaubt, weil es in der Nähe des Reykjavíker Inlandsflughafen stehen wird. Das von der Stadt zur Verfügung gestellte Grundstück erstreckt sich über 725 Quadratmeter und könnte auch dem 20 Meter langen Trailer des Riesenrades Platz bieten.

Am Hafenabschnitt Miðbakki waren in den letzten Jahrzehnten erhebliche bauliche Veränderungen vorgenommen worden, die Konzerthalle Harpa ist von allen das vielleicht bemerkesnwerteste Gebäude. Bis zum 22 März haben potentielle Riesenradbetreiber Zeit, ihre Bewerbung abzugeben, die auch Details enthalten muss, inwiefern das Riesenrad für isländische Wetterbedingungen und Erdbeben geeignet ist.