Reykjanes: Nächster Lavaausbruch steht bevor

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Der nächste Lavaausbruch auf der Halbinsel Reykjanes könnte sich mit einer Vorwarnzeit von weniger als 30 Minuten ereignen. Die Anzeichen im Vorfeld werden mit jedem Ausbruch in der Region schwächer, berichtet Vísir.

Drei potentielle Ausbruchsorte
Unter dem Gebiet von Svartsengi hat sich wieder eine vergleichbare Magmamenge wie vor dem letzten Ausbruch angesammelt. Wenn Magma im gleichen Tempo in die unterirdische Magmakammer strömt, rechnen Experten mit einem neuen Ausbruch in der kommenden Woche. Die Vorwarnzeit könnte dann sehr kurz ausfallen.
„Das hängt ganz davon ab, wo der Ausbruch beginnt. Wenn er am Berg Sýingarfell beginnt, dann kann das sehr kurz sein. Weniger als eine halbe Stunde, und bei schlechtem Wetter überdies kaum zu sehen,“ gibt der Geophysiker beim isländischen Wetterdienst, Benedikt Ófeigsson, zu bedenken.
Drei potentielle Ausbruchsorte werden derzeit für am wahrscheinlichten gehandelt: am Sýlingarfell, am Hagafell, oder innerhalb des Schutzwalls, der den Küstenort Grindavík umgibt.
Benedikt hält es für unwahrscheinlich, dass es in Svartengi selbst zu einem Ausbruch kommt, ausschliessen könne man dies jedoch nicht. Allerdings benötige die Magma dort vier bis sieben Stunden, bis sie die Erdoberfläche aus fünf Kilometern Tiefe erreicht habe.

Immer schwächere Anzeichen
Die gesamte Region wird permanent überwacht, aber die Anzeichen für einen Ausbruch schwächten sich ab, so Benedikt. “Da hat sich soviel Spannung gelöst, dass wir keine schweren Erdbeben mehr haben. Vielmehr handelt es sich um eine intensive Aktivität, bei der es in kurzer Zeit zu vielen Erdbeben kommt und diese sich so verschieben, wie die Magma sich verschiebt.“ hat er beobachtet.
„Wir sehen das auch auf den GPS Instrumenten und bei den Druckmessungen in den Bohrlöchern bei HS Orka. Das sind Anzeichen, die wir als Vorwarnung interpretieren, bevor etwas passiert, aber die werden mit jedem Ausbruch schwächer.“

Informationsabend für Einwohner
Am vergangenen Montag hatten die Behörden Bewohnern und Beschäftigten von Grindavík erlaubt, sich dauerhaft in Gebäuden aufzuhalten. Allerdings war darauf hingewiesen worden, dass ein jeder sich dort auf eigene Gefahr aufhalte, dass es weder kaltes Wasser noch eine funktionierende Kanalisation gebe, und dass der Aufenthalt im Freien wegen der zahlreichen sichtbaren und unsichtbaren Spalten nicht sicher sei. Immer noch wird an der Wiederherstellung der Wasserleitungen durch die frische Lava gearbeitet. Eine neue Strasse war vor einigen Tagen quer durch die Lava gelegt worden, um den Weg nach Grindavík zu verkürzen und die Zufahrt zur Blauen Lagune zu ermöglichen, die für Besucher wieder geöffnet ist.
Am kommenden Montag lädt der isländischen Zivilschutz zu einer Einwohnerversammlung, um über die Gefahrenlage und den Zustand der Infrastuktur von Grindavík zu informieren.

 

 

 

Walfänger beantragt Jagdlizenz für 10 Jahre

Islands einziges kommerzielles Walfangunternehmen Hvalur hf. hat um eine Lizenz für die Jagd auf Finnwale ersucht. Die Lizenz wird für die Dauer von fünf bis zehn Jahren gewünscht, ausstellende Behörde ist das Ministerium für Fischerei, Landwirtschaft und Nahrungsmittel. Das Unternehmen argumentiert, eine solche Dauer wurde eine „normale Vorhersagbarkeit“ für den Betrieb herstellen, berichtet Heimildin.

Wegen Tierschutzbedenken ausgesetzt
Seit Beginn des Jahres hält kein Unternehmen in Island eine Walfanglizenz. Der Walfang und seine Jagdpraktiken stellen auch weiterhin eine grosse Kontroverse in Island dar und war in den vergangenen Jahren von nationalen wie internationalen Tierschutzorganisationen angeprangert worden.
Im Januar hatte der Ombudsmann des Parlamentes in einem Gutachten mangelnde Verhältnismässigkeit und das Fehlen einer klaren gesetzlichen Grundlage kritisiert, als die zuständige Ministerin Svandís Svavarsdóttir im letzten Sommer den Walfang zeitlich begrenzt aussetzte. Svandís hatte im Juni angekündigt, den Beginn der Walfangsaison um zwei Monate zu verschieben, weil nach Ansicht des Fachrates für Tierwohl die praktizierten Fangmethoden nicht mit dem isländischen Tierschutzgesetz vereinbar seien.

Die Veterinäraufsichtsbehörde MAST hatte im Jahr zuvor und im letzten Sommer auf ministerielle Anordnung  Videodokumentationen von Walfangfahrten anfertigen lassen, in denen zu sehen war, dass Wale mehrfach harpuniert werden mussten und ihr Todeskampf teilweise stundenlang andauerte.

Lizenzantrag nach veraltetem Gesetz
Der Antrag auf eine neue Jagdlizenz war Ende Januar eingegangen, und im Ministerium will man den Antrag so schnell wie möglich bearbeiten.
Die erste Jagdlizenz war im Jahr 1947 aufgestellt worden, als auch das erste Walfanggesetz der jungen Republik verabschiedet wurde. Das Gesetz sollte “den Schutz, die Entwicklung und die maximale Nutzung der Resource Wal sichern”, und die “Interessen der Verbraucher von Walprodukten” miteinbeziehen. Das Gesetz ist nie revidiert oder geändert worden.

Im Januar hatte Svandís erklärt, ein unabhängiges Gremium werde die veraltete Gesetzgebung überprüfen. Die Unternehmensleitung des Waljägers argumentierte, der Antrag auf eine neue Jagdlizenz müsse nach dem derzeit gütligen Gesetz erfolgen und das so bald wie möglich, weil die Vorbereitungen für die Jagdsaison im vollen Gange seien.
Ministerin Svandís Svavarsdóttir ist seit Januar krankgeschrieben, während ihrer Abwesenheit übernimmt Premierministerin Katrín Jakobsdóttir die Amtsgeschäfte.