Blutstuten: Ísteka klagt gegen Staat

Das Pharmaunternehmen Ísteka hat Klage gegen die isländische Regierung eingereicht, weil die Landwirtschaftsministerin im letzten Jahr entschieden hatte, alle Aktivitäten des Unternehmens im Zusammenhang mit Blutprodukten aus tragenden Stuten unter die Verordnung Nr. 460/2017 zum Schutz von Versuchstieren einzuordnen, berichtet Bændablaðið.

ESA verlangte Statusänderung
In der Entscheidung der Ministerin heißt es, dass die für die Tätigkeit geltende Verordnung Nr. 900/2022 über die kommerzielle Blutgewinnung aus tragenden Stuten aufgehoben werde und stattdessen die Verordnung 460/2017 über Tierversuche in Kraft trete, die eine Umsetzung der Richtlinie der Europäischen Union zum Schutz von für wissenschaftliche Zwecke verwendete Tiere ist. Zu der Änderung war es im vergangenen Jahr gekommen, nachdem mehrere isländische Tierschutzvereine bei der Regulierungsbehörde ESA Beschwerde eingelegt hatten. Die Blutgewinnung aus isländischen Stuten verstösst gegen europäische Tierschutzbestimmungen, auch weil es bereits künstlich hergestellte Hormonprodukte auf dem Markt gibt. Die ESA hatte daraufhin von Island verlangt, den Status der Blutstuten zu ändern, sie gelten nun wieder als Versuchstiere.

Landwirtschaftliche Produktion
Im September war Ísteka von der ministeriellen Entscheidung unterrichtet worden. Das Unternehmen fordert nun vor Gericht dass die Entscheidung als rechtswidrig anerkannt wird.
Bei den Tätigkeiten im Zusammenhang mit der Verwendung vom Blut tragender Stuten handle es sich nicht um Tierversuche, sondern um eine landwirtschaftliche Produktion zur Produktverwertung, die seit Jahrzehnten in gleicher Weise durchgeführt werde, so der Anwalt des Unternehmens. Die Verordnung über Tierversuche sei ihrem Inhalt nach nicht auf die Tätigkeit anwendbar. Daher habe die Ministerin keine Befugnis, sie dort einzuordnen.
Die Entscheidung des Ministers beinhalte neben der Tatsache, dass die Verhältnismäßigkeit bei der Entscheidung nicht beachtet wurde und weit über das Erforderliche hinausgehe, auch eine belastende Einschränkung der verfassungsrechtlich geschützten Beschäftigungsfreiheit des Unternehmens.

Das Reykjavíker Bezirksgericht stimmte einem beschleunigten Verfahren zu, gestern war dem Staat eine Frist zur Verteidigung gesetzt worden.
Ministerin Svandís Svavarsdóttir ist seit zwei Wochen wegen einer ernsthaften Erkrankung krankgeschrieben. Während ihrer Abwesenheit übernimmt Premierministerin Katrín Jakobsdóttir die Leitung der Amtsgeschäfte.

Tierquälereien dokumentiert
In Island gibt es rund 5400 Blutstuten, die jedes Jahr ein Fohlen austragen, damit während der Trächtigkeit über einen Zeitraum von acht Wochen Blut entnommen werden kann. Die Blutmenge beträgt rund fünf Liter pro Woche. Aus dem Blut wird ein Trächtigkeitshormon extrahiert, welches nach Europa exportiert und dort zur Zyklussteuerung in der kommerziellen Schweinezucht verwendet wird. Die Ísteka ist nicht nur Islands einziges Blutunternehmen, sie besitzt auch die meisten Blutstuten.
In der Vergangenheit hatten Tierschutzorganisationen haarsträubende Zustände bei der kommerziellen Blutgewinnung dokumentiert, unter anderem wurden da Stuten und Fohlen getreten, geschlagen, von Hunden gehetzt, und Verletzungen blieben unbehandelt. Die Stuten müssen für die Punktion an Kopf und Körper fixiert werden, viele wehren sich gegen die Fixierung und verunfallen. In einem Bericht der Veterinäraufsichtsbehörde MAST hatte es im letzten Jahr gehiessen, dass 2022 acht Stuten im Zusammenhang mit der Blutgewinnung verendet waren. Für das vergangene Jahr hatte Ísteka sehs verendete Stuten gemeldet. Das Unternehmen hatte die Todesquote auf die Unerfahrenheit der Veterinäre zurückgeführt, und MAST hatte Blutentnahmekurse durchgeführt.
Nach Veröffentlichung des ersten Dokumentarvideos im November 2020 war eine polizeiliche Untersuchung der Tierquälereien aus Mangel an Beweisen zu den Akten gelegt worden. Eine neue Anzeige wegen Tierquälerei auf der Basis aktueller Videoaufnahmen liegt derzeit den Polizeibehörden in der Hauptstadt vor.
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Erfinder der Silikonprothese verstorben

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Der Gründer des Prothesenherstellers Össur, Össur Kristinsson, ist im Alter von 80 Jahren verstorben. Össur wurde mit einer Körperbehinderung geboren. Als junger Mann erlernte er in Schweden das Prothesenhandwerk, nach seiner Rückkehr nach Island gründete er sein Unternehmen Össur.
Als Wendepunkt galt die Erfindung des Silikonliners, ein Verbindungsglied zwischen Stumpf und Prothese, die den Stumpf vor Druckstellen, Hitze und Feuchtigkeit schützt, indem es die Belastung gleichmäßig verteilt.
Heute ist der Silikonliner aus der Prothetik nicht mehr wegzudenken.

Össur war ein Erfinder aus Fleisch und Blut und entwarf auch Boote. Er zog sich aus der Welt der Prothesen zurück, verkaufte sein florierendes Unternehmen und widmete sich nach 2005 nur noch dem Bootsbau. Im Jahr 2002 war ihm den Falkenorden für sein Lebenswerk verliehen worden.

Reykjanesausbruch: Schwerstarbeit an neuer Wasserleitung

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Der Lavaausbruch auf der Halbinsel Reykjanes vom gestrigen Morgen ist weitgehend abgeebbt, nur noch aus zwei Schloten strömt Lava an die Erdoberfläche. Währenddessen haben Mitarbeiter des Versorgungsunternehmens HS Orka bei Eiseskälte die ganze Nacht hart daran gearbeitet eine neue Wasserleitung zu verlegen, nachdem die Hauptleitung gestern Mittag dem Lavastrom zum Opfer gefallen war.

Heizöfchen stehen hoch im Kurs
Etwa 85% aller Haushalte und Gebäude in Island werden mit heissem Wasser aus der Erde beheizt. Bei Temperaturen um die -14 Grad kühlten die Häuser in den Gemeinden Reykjanesbær, Sandgerði, Keflavík und Vogar rasch aus. Die Behörden hatten gestern darum gebeten, sparsam mit dem Strom umzugehen, da das Stromnetz nicht für die Beheizung von Gebäuden ausgelegt sei.
An Baumärkten hatten sich lange Schlangen gebildet, Heizöfchen und Gasheizgeräte fanden reissenden Absatz, und RÚV berichtet, dass der Zivilschutz Heizgeräte im Ausland bestellt und an Personen verteilt hat, die nichts zum Heizen fanden. Unter anderem gingen Heizgeräte an ein Altenheim in Suðurnes.
Das Haus der Rettungsorganisation in Suðurnes steht seit gestern allen offen, die sich aufwärmen müssen, zum Glück, so schreibt Vísir, musste das niemand in Anspruch nehmen und Leute kamen nur für einen Kaffee und ein Schwätzchen.

Heisses Wasser kommt nur langsam
Am Morgen gab Zivilschutzleiter Víðir Reynisson an, die Arbeit an der Wiederherstellung der Heisswasserversorgung sei Schwerstarbeit, weil an den Verbindungsstellen der Rohre frische Lava liege, was gefährlich ist und die Arbeiten erschwere. Die erfolge in Etappen: nach dem Anschliessen müsse eine Druckprüfung durchgeführt werden, und der Einlauf von Wasser und Druck ins Leitungssystem könne nur langsam erfolgen, um sicherzustellen dass keine Luft in das System gelange. Die Behörden hoffen, die Halbinsel noch heute wieder mit heissem Wasser versorgen zu können.
Am Morgen fiel am Flughafen dann auch das kalte Wasser aus, nachdem sich gestern Abend ein Leck an der Zuleitung gebildet hatte. Ein Teil der Toilettenanlagen hatte daher geschlossen werden müssen, berichtet Heimildin.