Reykjanesausbruch: Wasserleitung zerstört, kein heisses Wasser für die Halbinsel

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Die Lava, die seit dem frühen Morgen aus einer Spalte der Kraterreihe Sundhnjúkagígjarröð strömt, hat am Mittag die Strasse zwischen dem Nordteil der Halbinsel und Grindavík überquert. Um 12.23 Uhr zerstörte der Lavastrom dann eine Heisswasserhauptleitung, wie hier im Video zu sehen ist. In der Folge hat der Zivilschutz die Gefahrenstufe von “Gefahr” auf “Notstand” erhöht. Menschen befinden sich nicht in Gefahr, und auch der Flugverkehr ist vom Vulkanausbruch nicht direkt betroffen, aber da sämtliche Gebäude der Gemeinden Reykjanesbær, Suðurnesjabær, Grindavík und Vogar mit heissem Wasser beheizt werden, und auch der Flughafen heisses Wasser für den Betrieb benötigt, ist das entstandene Problem nicht gerade klein.

Lösung des Heisswasserproblems unterwegs
In riesigen Heisswassertanks befindet sich zwar ein gewisser Vorrat, dennoch sind alle Bewohner der Halbinsel aufgefordert worden, ihre Heizung herunterzudrehen, den Heisswasserverbrauch auf ein Minimum zu beschränken und auf Bad, Dusche und heissen Pott zu verzichten. Auch elektrische Heizgeräte sollen sparsam genutzt werden, um das lokale Stromnetz nicht zu überlasten, welches nicht auf die Beheizung von Gebäuden ausgelegt ist. Des weiteren werden Einwohner gebeten, den Einsatzkräften für ihre Aufgaben freie Bahn zu machen.
Die Behörden hatten ein solches Szenario bereits eingeplant und damit begonnen, eine unterirdische Wasserleitung durch das Eruptionsgebiet zu verlegen. Ein Teil davon liegt schon im Boden, ist aber noch nicht angeschlossen. Das Versorgungsunternehmen hofft, Reykjanesbær schon morgen wieder mit heissem Wasser beliefern zu können.

Lava strandet am Erdwall vor der Lagune
Der Lavastrom hatte sich unterdessen buchstäblich auf den Weg zur Blauen Lagune gemacht, auf beeindruckenden Dronenbildern ist zu sehen, wie er die Kreuzung zur Lagune überquert und dann die Strasse herunterfliesst, denn dort kam er am schnellsten voran. Die Lagune und das Kraftwerk sind jedoch geschützt durch den Erdwall, der im Januar dort aufgeschüttet worden war. In diesem Video von Heimildin sieht man, wie Bagger im Wettlauf mit der Zeit die Lücke im Schutzwall füllen, die für die Zufahrtstrasse Norðurljósavegur zur Lagune gelassen worden war.
Alle Gäste, die sich im Hotel befunden hatten, waren noch in der Nacht evakuiert worden.

Die Stromleitung vom Kraftwerk Svartsengi war für einige Stunden abgeschaltet worden, um Schäden zu vermeiden. Einwohner waren währenddessen von der Suðurnesleitung mit Strom versorgt. Am späten Nachmittag stellte sich heraus, dass die Masten im Lavastrom stehengeblieben waren und ihre Funktion weiter erfüllen können, worauf man entschied, Svartsengi wieder ans Netz zu nehmen.
Gegen 14.30 stieg dann kurzzeitig grauschwarzer Qualm über der Lava auf, nach Expertenmeinung ein Zeichen dafür, dass die Lava mit Grundwasser in Kontakt gekommen war. Da die Kraft des Ausbruchs zum Abend hin aber stark abgenommen hat, ist nicht damit zu rechnen, dass Asche weit vom Ausbruchsgebiet niedergehen wird.

Intensität des Ausbruchs nimmt ab
Am Abend meldete die Vulkanabteilung beim isländischen Wetterdienst, dass der explosive Teil des Ausbruchs, der gegen 13 Uhr eingesetzt hatte, beendet sei. Lava ströme jetzt nur noch aus zwei oder drei Schloten. Die seismische Aktivität habe sich beruhigt und auch die Verwerfung im Magmatunnel habe abgenommen, was dazu führe, dass Magma nicht mehr mit dem gleichen Druck wie am Morgen unterwegs sei.

 

Reykjanes: Neue Eruption am Sundhnjúkur

Ein Vulkanausbruch hat um drei Minuten vor sechs Uhr heute morgen an den Sundhnjúkargígjar stattgefunden, berichtet RÚV. Dort hatte es am 18. Dezember 2023 eine Eruption gegeben. Erste Videos aus einem Hubschrauber der Küstenwache zeigen, dass die Spalte aus der Lava quillt, derzeit um die drei Kilometer lang ist. Die Expertin für Naturkatastrophen beim isländischen Wetterdienst, Kristín Jónsdóttir, sagte RÚV gegenüber, der Ort des Ausbruchs sei Glück im Unglück, weil er weit von Grindavík entfernt liegt.

Erste Beben hatten sich kurz vor halb sechs gezeigt, dann war von den Bohrlöchern des Erdwärmekraftwerks Svartsengi eine Ausdehnungsmeldung eingetroffen. Kurz darauf brach die Erde auf. Hier gibt es erste Fotos.

Seit November hatten sich vier unterirdische Magmaeinschüsse bei Svartsengi ereignet, drei davon endeten mit einer Eruption. Kristín erklärte im MOrgenradio, dies sei eine höhere Eruptionsrate als an der Krafla in Nordisland, wo es während der zehn Jahre andauernden Ausbruchsserie in den Siebzigerjahren mehr Einschüsse als Eruptionen gegeben hatte.
Mit dem Ausbruch war seit Wochen gerechnet worden, zumal sich ähnlich viel Magma angesammelt hatte wie beim letzten Ausbruch am 14. Januar. Am Montag hatte die Vulkanabteilung des Wetterdienstes ausgerechnet, dass sich um die neun Millionen Magma angesammelt hatten.
Das Kraftwerk Svartsengi und die benachbarte Blaue Lagune waren noch in der Nacht evakuiert worden, nachdem die Bebentätigkeit stetig zugenommen hatte.