Eurovision: RÚV trifft Entscheidung zur Teilnahme

Eurovision Söngvakeppnin 2020 Daði Freyr Dimma

Anders als gestern verlautete, wird die staatliche Sendeanstalt RÚV die Verantwortung zur Teilnahme am Eurovision Song Contest nicht auf den Sieger des heimischen Wettbewerbs abwälzen. Radiointendant Stefán Eríksson betonte heute, dass RÚV die letzte Entscheidungsbefugnis habe. In den kommenden Wochen könne sich viel ändern.

RÚV trifft die Teilnahmeentscheidung
„Es ist völlig klar, dass RÚV die Entscheidung über die Teilnahme am Eurovision Song Contest trifft und nicht der einzelne Teilnehmer“, sagt Radiointendant Stefán Eiríksson. Gestern war bekannt gegeben worden, dass die endgültige Entscheidung über eine Teilnahme Islands nach dem Inlandswettbewerb söngvakeppni fallen wird, im Einvernehmen mit dem Sieger. Heute hiess es: „Und dort werden wir uns natürlich auch die Meinung des Künstlers anhören, der den Wettbewerb gewonnen hat.“

Kontroverse über Israels Beteiligung
Nachdem publik wurde, dass Israel am ECS teilnehmen wird, hatte es viele Diskussionen über die Teilnahme Islands gegeben. Nach Angaben der palästinensischen Gesundheitsbehörden sind in den letzten Monaten mindestens 25.700 Menschen bei Angriffen auf Gaza ums Leben gekommen. Musiker und der Verband der Komponisten und Textdichter hatten RÚV zum Boycott des ECS aufgefordert. Ausserdem war eine Petition mit mehr als 9000 Unterschriften ausgehändigt worden, die Island aufforderte, sich wegen des Gazakrieges für einen Ausschluss Israels einzusetzen.
Bei einer Umfrage aus dem Dezember hatten sich 76 Prozent der Befragten für einen Ausschluss der Israelis vom Song Contest ausgesprochen, und 60 Prozent waren der Ansicht, dass Island seine Teilnahme zurückziehen sollte, wenn Israel teilnimmt.

Keine Brücken abbrennen
Stefán gab heute an, die endgültige Entscheidung werde im Hinblick auf die Lage im März getroffen. Bis dahin könne sich viel ändern. “Und wir wollen keine Brücken hinter uns abbrennen, indem wir jetzt Entscheidungen treffen, etwa auf die Teilnahme zu verzichten, wenn sich die Bedingungen Mitte Februar oder März dann ändern.” sagte Stefán.
Auch in Norwegen war die Teilnahme am ECS ein heisses Eisen gewesen. In Finnland hatten 1300 Musiker vom staatlichem Sender verlangt, sich für einen Boycott der Israelis einzusetzen. Die Finnen wählten dann den gleichen Weg wie Island, sie werden die Vorentscheidung vom ECS trennen und ihre endgültige Entscheidung erst nach Bekanntgabe des nationalen Siegers treffen.

Stefán zufolge warte man nicht auf weitere nordische Länder. Überall in Europa bereite man die nationalen Wettbewerbe vor. Zu diesem Zeitpunkt habe auch  auf internationaler Ebene niemand entschieden, Israel von Kultur- und Sportveranstaltungen auszuschliessen, mit Ausnahme des Eishockey. “Aber wir wissen nicht, was in einigen Wochen oder zwei Monaten passieren wird.”

Sender macht keine Aussenpolitik
Stefán sagt, niemand werde gezwungen, beim Eurovision Song Contest teilzunehmen, wenn er nicht will.
Auf die Kritik, dass sich mit der Entscheidung von RÚV eine staatliche Institution in Angelegenheiten der Aussenpolitik einmische, sagt Stefán, genau das versuche man zu vermeiden. Es sei nicht die Aufgabe der staatlichen Sendeanstalt oder anderen Institutionen in Staatsbesitz, durch Boykotte aussenpolitische Stellung zu beziehen. “Ein solches Ziel wird vom Parlament und der Regierung vorgegeben, wie es etwa im Fall Russlands geschehen ist, nach dem Einmarsch in die Ukraine.” Man treffe jedoch keine selbstständigen Entscheidungen auf dem Gebiet der Aussenpolitik, und schon gar nicht täten dies einzelne Teilnehmer des heimischen Gesangswettbewerbs.

Kein Maulkorb auf der Bühne
Dem isländischen Teilnehmer werde jedoch kein Maulkorb umgebunden. Beim ECS gälten Regeln, die befolgt werden müssten. Innerhalb dieser Regeln könne der Teilnehmer jedoch selbstverständlich die Bühne und seine Stimme benutzen, um seiner Ansicht Ausdruck zu verleihen, so Stefán.

Im Jahr 2019 hatte die für Island antretende Band Hatari die ECS Organisatoren aufgefordert, Israel vom Wettbewerb auszuschliessen. Da dies nicht geschah, hatten die Bandmitglieder während der Punktevergabe für Island eine meterlange Palästinafahne ausgebreitet, die jedoch sehr schnell von Saalordnern entfernt worden war.

Sturmwarnung für Donnerstag

Für morgen vormittag hat der isländische Wetterdienst eine Sturmwarnung herausgegeben. Im Hauptstadbereich und im Süden der Insel gilt ab 4.00 Uhr morgen früh die gelbe Warnstufe, für das Nordostland und den Osten der Insel tritt ab 7.00 eine orangefarbene Warnung in Kraft. Ausgenommen von den Warnungen ist nur der Südosten unterhalb der grossen Gletscher.

Über Nacht steigen die Temperaturen von Minusgraden auf bis zu 8 Grad, bevor sie am Nachmittag wieder unter die Frostgrenze sinken. Im ganzen Land muss mit Windgeschwindigkeiten von 20 bis 28 m/s gerechnet werden. Windböen können bis zu 35 m/s erreichen.
Der Sturm zieht von Südwesten nach Nordosten, damit sollte im Westteil des Landes nach 10.30 Uhr wieder Ruhe eingekehrt sein. Am längsten soll das schlechte Wetter im Osten dauern, dort rechnet man mit einer Entwarnung nicht vor 14.30 Uhr.
Vor Autofahrten wird ausdrücklich gewarnt.