Landmannalaugar: Bauvorhaben abgelehnt, Naturschutz geht vor

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Die geplanten Bauvorhaben in der südisländischen Hochlandoase Landmannalaugur sollen erneut und gründlich geprüft werden, nachdem der zuständige Berufungsausschuss für Umweltfragen die Baugenehmigung für einen neuen Parkplatzes auf den Gelände widerrufen hat. Anstelle von Mehrausbau soll es jetzt eher um Zugangskontrolle gehen, berichtet RÚV.

Riesenbauprojekt gestoppt
Mit dem Bau eines neuen grossen Parkplatzes hätte im vergangenen Herbst begonnen werden sollen. Die Naturschutzorganisation Nattúrugrið hatte jedoch rechtliche Schritte gegen das Vorhaben eingelegt, und gestern wurde das Urteil des Berufungsausschusses für Umweltfragen dazu veröffentlicht. Demnach steht das Bauvorhaben nicht im Einklang mit dem Gesetz. Die Baugenehmigung wurde für ungültig erklärt.
Der Vorsitzende der Naturschutzorganisation, Snæbjörn Guðmundsson, erklärt, das Bauvorhaben habe bereits in den Startlöchern gestanden, als Nattúrugrið seine Klage vorbrachte. “Ich glaube, das muss alles komplett neu überlegt werden,” sagt er.

Ähnlicher Ansicht ist man bei der Umweltbehörde. “Wir müssen das komplett neu prüfen, was für Auswirkungen das hat,” gab die Bereichsleiterin für Naturschutz bei der Umweltbehörde, Inga Dóra Hrólfsdóttir, RÜV gegenüber an.

Umweltbehörde hatte keine Einwände
In dem Bauvorhaben war ein Gästezentrum mit Geschäft und Restaurant, eine künstliche Badelagune sowie Übernachtungshütten für 120 Gäste vorgesehen, und das alles auf einem bislang unzerstörten Gelände am Námskvísl. Für die Gäste sollte ein Parkplatz für 200 Fahrzeuge gebaut werden, ausserdem 150 Zeltplätze und 50 Stehplätze für Wohnmobile. Als die Pläne bekannt wurden, kamen vor allem vom isländischen Planungsbüro Einwände, dort wollte man die Neubauten innerhalb des bereits genutzten Geländes sehen und vor Erteilung einer Baugenehmigung eine Besucherumfrage durchführen. Auch der isländische Wanderverein hatte die Baupläne kritisch gesehen und befürchtet, dass Besucher auf der Suche nach ungestörter Natur in Zukunft abgeschreckt würden.

Die Umweltbehörde hingegen hatte im Juli letzten Jahres keinerlei Einwände erhoben und darauf verwiesen, dass der Ausbau von Landmannalaugar positive Auswirkungen auf das Gebiet haben werde, weil die neuen Bauwerke in gewisser Entfernung zur Naturperle mit ihren Bergen und der heissen Quelle entstünden und das Naturerlebnis des Besuchers dadurch weniger stören würden.

Zugangskontrolle schützt Natur
Snæbjörn sagt, dieses Bauvorhaben passe nicht zum Naturschutzstatus des Gebietes. „In den Schutzbestimmungen des Naturschutzgebietes Fjallabak geht es nicht darum, das zu einem Ort des Massentourismus zu machen, sondern darum, das Land, das Gebiet und das Gesamtbild zu bewahren“, erklärt er.
Inga Dóra von der Umweltbehörde gab an, nun müsse man sich hinsetzen und prüfen, was für eine Auswirkung die Entscheidung auf einen zukünftigen Ausbau des Gebietes habe.
Dabei spiele der Schutz der Natur die grösste Rolle. Am beste schütze man die Natur mit einer Zugangskontrolle.
„Eigentlich müssen wir schon gleich diesen Sommer handeln, und wir überlegen, welche Möglichkeiten es gibt, um den Druck auf das Gebiet zu steuern.“

Streit um friedliche Demonstranten aus Palästina

Palestinian protesters outside Iceland's Parliament

Ein Facebookeintrag des isländischen Aussenministers Bjarni Benediktsson über die palästinensischen Demonstranten auf dem Austurvöllur zieht seit gestern die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich. In dem Beitrag schreibt der Aussenminister, es sei” eine Katastrophe, die Zeltstadt zu sehen”, die seit dem 27. Dezember auf dem Austurvöllur stehe, und bezeichnet es als “vollkommen inakzeptabel”, dass die Stadt Reykjavík für das Errichten dieser Zelte auf diesem heiligen Grund zwischen der Statue von Jón Sigurðsson und dem Parlament eine Genehmigung erteilt habe.

Minister fordert mehr law and order
Niemandem sollte erlaubt werden, Landesflaggen vor dem isländischen Parlament zu hissen, um gegen die isländische Regierung zu protestieren. Er verstehe zwar die Sorgen derer, die dort fern von ihren Familien sässen, gibt aber an, dass Island eine weitaus höhere Zahl an Asylbewerbern akzeptiere als andere nordische Länder.  Bjarni fordert, die Asylbestimmungen zu verschärfen und die Kontrolle an den Landesgrenzen auszuweiten, weil die derzeite Lage aus dem Ruder gelaufen sei, sowohl was die Kosten als auch was die Anzahl der Anträge betreffe. Die Infrastruktur sei an ihre Grenzen gestossen. Der Aussenminister beschuldigt das Parlament des mehrfachen Versagens, als es Vorschläge des Justizministers abgelehnt habe. Schliesslich fordert der Aussenminister in seinem Text mehr Befugnisse für die Polizei, um gegen organisierte Kriminalität vorgehen zu können.

Verfassung gewährt Recht auf Protest
Bjarnis Facebookeintrag ist in erzkonservativen Kreisen fleissig geteilt worden, in anderen Bevölkerungskreisen hat er für Entsetzen gesorgt. Reykjavíks neuer Bürgermeister Einar Þorsteinsson weist darauf hin, dass der Aussenminister da offenbar etwas missverstehe, wenn er glaube, dass die Stadt die Genehmigung zum Protest auf dem Austurvöllur erteile. Vielmehr sei es Islands Verfassung, die den Menschen das Recht auf Protest gewähre.
Die Palästinenser in den Zelten drängen auf Familienzusammenführung, die von der Regierung zugesagt, aber noch nicht ausgeführt worden ist. Einar hat Mitleid mit ihnen. „Dort sind Individuen, die ihre Familien und Freunde verloren haben und voller Angst auf Nachrichten aus Gaza warten. Das ist normal, dass sie ihre Sache auf dem Austurvöllur vorbringen wollen, dem Ort in Island, den Leute immer nutzen, wenn sie ihren Fall vorbringen wollen,“ sagte Einar Vísir gegenüber. Der Protest verlaufe friedlich, und der Kontakt zu den Demonstranten sei stets konstruktiv und gut gewesen.

Allerdings sei es problematisch, wenn eine einzelne Gruppe ihre Zelte dort über Wochen und Monate aufstelle, zumal nun auch andere Gruppen um Erlaubnis gebeten hätten, Protestzelte zu errichten. Die Stadt hat daher Einschränkungen verfügt, nur noch das Hauptzelt darf stehen bleiben, und nicht mehr für Übernachtungen genutzt werden.
Mal abgesehen von der Haltung der Leute im Krieg zwischen der Hamas und Israel, hätten doch Unschuldige immer am meisten zu leiden. „Es muss Feingefühl an den Tag gelegt werden, wenn die Rede auf diese Menschen kommt,“ sagte Reykjavíks Bürgermeister.

Rassismus und Wahlkampf
Die Journalistin Alma Mjöll Ómarsdóttir verwehrte sich gegen die Gleichsetzung von friedlichen Demonstranten und organisierten Kriminellen. Wenn wir und sie Bilder von toten Kindern sähen, so Alma Mjöll, dann liege der Unterschied darin, dass es die Kinder der Demonstranten sein könnten, und nicht unsere.
Die Politikwissenschaftlerin Sema Erla Serdaroglu beschreibt den Beitrag des Aussenministers als „abstossendes und rassistisches Plädoyer“. Die Demonstanten sässen dort vor dem Parlament wegen der Tatenlosigkeit seiner Regierung.
Der Schriftsteller Illugi Jökulson bezeichnete Bjarnis Worte als „armseligen Versuch, rassistischen Gruppierungen im rechten Flügel Aufwind zu verschaffen.“
Vom Schauspieler Kolbeinn Arnbjörnsson kam die Hoffnung, dass dies nicht die Richtung sei, in die unsere Gesellschaft strebe.

Auch der Schriftsteller Bragi Páll interpretiert den Beitrag als Wahlkampf und hat seine Freundesliste entsprechend angepasst.
„Was würdest du tun, wenn seine Freunde in einem Gefängnis sässen, wo Völkermord passiert? Würdest du zuhause sitzen und das Beste hoffen? Oder alles tun was du kannst? Über Wochen bei Eiseskälte im Zelt hocken? Immer wieder Interviews geben und deinen heiligsten Schmerz offenbaren, wieder und wieder? Ich weiss auf jeden Fall, was ich tun würde,“ schreibt Bragi in seinem Facebookbeitrag. „Und ich bin unendlich dankbar dafür, dass das Leben meiner Familie nicht Bjarni Benediktsson überlassen wird.“
TV-Politikone Egill Helgason fragt sich, wie in aller Welt es irgendwen stören kann, dass Leute, deren Familien sich in Lebensgefahr befänden, im tiefsten Winter im Zelt ausharren, und ob man sich nicht eher Sorgen mache müsse, dass es dort so kalt sei.

Walbeobachtung: Húsavík setzt neuen Besucherrekord

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In der nordisländischen Küstenstadt Húsavík ist im vergangenen Jahr mit 130.000 Walbeobachtungsgästen ein neuer Besucherrekord gesetzt worden, berichtet RÚV.
Wahlbeobachtung ist für Húsavíks Tourismusbranche seit drei Jahrzehnten der grösste Publikumsmagnet, und trotz der COVID-bedingten Zwangspause wächst die Branche munter weiter. Hjálmar Bogi Hafliðason, der Vorsitzende der Kommune Norðurþing sagt, dies rufe nach einem vermehrten Aufbau der Infrastruktur. Man arbeite etwa derzeit daran, die Anlegekaie für die Walbeobachtungskutter zu erneuern.

Im Jahr 2023 war mit 130.000 Walbeobachtungsgästen ein Rekord gesetzt worden. In den Jahren 2016 bis 2018 hatten sich jeweils rund 110.000 Gäste auf den Weg gemacht, die friedlichen Meeresriesen vom Schiff aus zu beobachten. In Húsavík bieten vier Unternehmen Fahrten aufs Meer an, in der Flotte befinden sich alle Arten von Schiffen, vom traditionellen Eichenkutter bis hin zum hochmodernen Rip-Boot. Die Branche besetzt in den Sommermonaten um die 150 Arbeitsplätze.

Blutstuten: Anzeige wegen Tierquälerei vorgelegt

Zwei Tierschutzverbände haben Fälle von körperlicher Gewalt gegen tragende Stuten und Fohlen, sowie unzumutbare Umstände bei der Blutgewinnung aus den tragenden Stuten bei der isländischen Polizei zur Anzeige gebracht, berichtet Heimildin. Die Verbände verlangt von den Polizeibehörden, dass der im Zusammenhang mit der kommerziellen Blutgewinnung stehende Fall strafrechtlich verfolgt wird, da ihrer Ansicht nach Daten vorliegen, die schwere Gewalt gegen Pferde belegen. Die Anzeige lautet auf Tierquälerei und Verletzung des Tierschutzgesetzes und wurde der Polizeidirektion in Reykjavík von der Anwaltskanzlei Réttur vorgelegt.

Unbefriedigend und gesetzeswidrig
Der Tierschutzbund Zürich (TSB) und die Animal Welfare Foundation (AWF) untersuchen seit einigen Jahren die Umstände, unter denen in Island aus tragenden Stuten Blut zur kommerziellen Verwertung gewonnen wird. Zwei Dokumentarvideos sind bereits entstanden, das letzte stammt vom November letzten Jahres und zeigt Filmmaterial von zwei Blutfarmen. In der Anzeige heisst es, sowohl Haltungsbedingungen als auch Stalleinrichtung sei unbefriedigend, „aber auch die Massnahmen und das Verhalten der Personen, die sich mit den Stuten befassen, ist brutal und gegen das Gesetz.“ Im Film sieht man wie Stuten und ihre Fohlen mehrfach getreten werden, „unter anderem ein kräftiger Tritt in das Gesicht einer Stute, die in der Fangbox festhängt.“
An anderer Stelle ist ein Mann zu sehen, der offenbar kein Veterinär ist, und der aber mit der Blutgewinnung betraut wurde. Über eine Minute lang versucht er mehrfach, die Halsvene zu treffen, was der Stute Leiden und Unwohlsein zufügt. Zusätzlich zu den brutalen Punktionversuchen benutze er ein Holzscheit, um die Stute abzuwehren. Die Anzeige führt weitere Attacken an, wie Tritte in den Bauch von tragenden Stuten und gegen Fohlen.

Im Filmmaterial von dem zweiten Hof sieht man wie Stuten in den Fangboxen mit dem Kopf gegen Bretter schlagen beim Punktionsversuch immer wieder zucken. „Der Kopf einiger Stuten ist so hoch gebunden, dass er überstreckt ist und sich in sehr unbequemer Haltung für die Blutentnahme befindet.“ Eine sich wehrende Stute muss dreimal gestochen werden, bevor die Vene punktiert werden kann.

Verstoss gegen geltenes Tierschutzrecht
Die Verbände sind Heimildin zufolge der Ansicht, dass das in den Videos gezeigte Verhalten einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz darstellt. Dieses Gesetz verbietet die Misshandlung von Tieren und schreibt vor, dass Tierhalter für eine gute Pflege der Tiere sorgen und sie vor Verletzungen schützen müssen
Der Gesetzesvorstoss vor allem im zweiten Fall sei vorsätzlich durchgeführt worden, was die Verbände als schwerwiegend bezeichnen. Die Verfahrensweise stehe weder mit der seinerzeit geltenden Verordnung zur Blutgewinnung aus tragenden Stuten noch mit der aktuellen Verordnung im Einklang.
Alle verfügbaren Informationen und Erklärungen zu den in der Dokumentation gezeigten Vorfällen liessen kriminelles Verhalten erkennen. Die Verbände erklärten sich zur Zusammenarbeit bereit und Mithilfe bei der Beweissicherung an.

Polizei im Süden legte Fall zu den Akten
Die isländische Veterinäraufsichtsbehörde (MAST) hatte bereits eine Voruntersuchung des im November erschienenen Videomaterials durchgeführt und den Fall im Anschluss an die Polizeidirektion im Südland weitergeleitet.
Diese Polizeidirektion hatte jedoch im Jahr 2022 eine Untersuchung zur Gewalt gegen Blutstuten zu den Akten gelegt. Damals hatte MAST Gewalt gegen tragende Stuten zur Anzeige gebracht, die in dem ersten Dokumentarfilm der Tierschutzorganisationen aus dem November 2021 zu sehen gewesen waren. Dieser Film hatte in Island für grossen Unmut gesorgt. Im Jahr 2022 waren im unmittelbaren Zusammenhang mit der kommerziellen Blutgewinnung in Island mindestens acht tragende Stuten verendet.

Hinter der kommerziellen Blutgewinnung steht das Pharmaunternehmen Ísteka, das mit den Pferdehaltern einen Abnahmevertrag schliesst und aus dem Stutenblut ein Hormon extrahiert, welches die Fruchtbarkeit von Nutztieren steigert. Das Hormon kommt vor allem in der deutschen Landwirtschaft zur Anwendung.

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