Kreuzfahrtschiffe finanzieren Hafenausbau in Ísafjörður

Der Hafen von Ísafjörður erwirtschaftet 65% seiner Einkünfte aus dem Kreuzfahrtverkehr. Diese Einkünfte haben sich seit dem Jahr 2020 mehr als verdreifacht, berichtet RÚV.

Infrastruktur verbessert
Im letzten Jahr hatten die Hafeneinkünfte mehr als 600 Mio ISK betragen. Hafenmeister Hilmar K. Lyngmo zufolge spielten die Kreuzfahrtschiffe, die in Ísafjörður vor Anker gehen, eine grosse Rolle. „Im Jahr 2023 brachten die Kreuzfahrtschiffe 65% aller Einkünfte für den Hafen. Das ist entscheidend für den Weiterausbau der Hafeninfrastruktur, sowohl hier in Ísafjörður als auch in den Gemeinden, die zu Ísafjörður gehören.“ Die Bautätigkeit umfasst bessere Einrichtungen für Kreuzfahrtschiffe und Frachtschiffe, die dann grössere Schiffe bedienen können, ausserdem sollen zukünftig auch zwei Schiffe gleichzeitig zur Anker liegen können.

Region profitiert vom Tourismus
Die Zahl der Schiffe hat erheblich zugenommen, so Hilmar. „Im letzten Jahr ist das explodiert, das waren 187 Schiffe, mit denen vor drei Jahren keiner gerechnet hatte.“ Für die kommende Saison hat eine ähnliche Anzahl ihr Kommen angekündigt. Damit ist im Hafen mehr als genug zu tun, und Hilmars Leute arbeiten von früh bis spät.
Nicht nur die Häfen sind Nutzniesser der Kreuzfahrtschiffe, auch die Tourismusbranche in der Region profitiert. Die Besucherzahlen im Regionalmuseum hat sich in den vergangenen vier Jahren mehr als verachtfacht, nicht nur durch die Kreuzfahrtschiffe, sondern auch durch Touristen, die die Westfjorde im Mietwagen besuchen.

Wenig Begeisterung bei Einheimischen
Viele Einheimische sind hingegen weniger begeistert von der Zunahme der schwimmenden Hotelburgen. In einer Umfrage der Tourismusbehörde vom letzten Herbst wollten die Leute weder in Ísafjörður noch in Akureyri mehr Kreuzfahrtschiffe in ihren Städten sehen. Dabei liegen die zu erwartenden Zahlen ähnlich hoch im wie vergangenen Rekordjahr. Bei der Umfrage hatte sich eine überwältigende Mehrheit in Ísafjörður und Akureyri gegen mehr Kreuzfahrtschiffe als im Sommer 2023 ausgesprochen. Die grösste Sorge galt der Luftverschmutzung durch die Schiffe.

In Ísafjörður gaben viele Einwohner an, sie fühlten sich durch die Schiffe belästigt und vermieden bestimmte Stellen in der Stadt, wenn Kreuzfahrtschiffe vor Anker lägen. Letzten Sommer waren an manchen Tagen bis zu 6000 Kreuzfahrttouristen in Ísafjörður unterwegs gewesen, das übersteigt die Einwohnerzahl um das Doppelte. In Akureyri waren es an “grossen Tagen” gar 7400 Schiffsbesucher gewesen.

Bettensteuer für den Staat
In diesem Jahr hatten die Hafenmeister auf Anfrage von RÚV angegeben, mit 205 Kreuzfahrtschiffen in Ísafjörður (187 im letzten Jahr) gebucht zu sein, für Akureyri stehen 201 Schiffe auf der Buchungsliste, und im Hafen von Reykjavík sind 260 Schiffe gebucht.

Ab diesem Jahr profitiert auch der Staat direkt, denn seit dem 1. Januar gilt die Bettensteuer zum ersten Mal auch für Kreuzfahrtschiffe, sodass jedes belegte Kajütenbett pro Nacht in isländischen Hoheitsgewässern 1000 Kronen in die Staatskasse spült. Der Haushalt rechnet mit 1,6 Mrd. ISK nur durch diese Bettensteuer.

 

Abschiebung palästinensischer Kinder ausgesetzt

Die beiden palästinensischen Kinder, die aus Island abgeschoben werden sollten, erhalten nun eine erneute Prüfung ihres Asylantrags, berichtet RÚV. In der vergangenen Woche hatte der Berufungsausschuss für Einwanderung und Asylfragen die von der Ausländerbehörde geplante Abschiebung der beiden Jungen ausgesetzt. Der 12-jährige Sameer und der 14-jährige Yazan waren im April mit ihrem 30-jährigen Onkel nach Island gekommen. Der Onkel soll nun alleine abgeschoben werden.

Grosse Sorge um Familien
Yazans Pflegemutter Hanna Simónardóttir sagt, die Entscheidung, den Asylantrag der beiden Jungen erneut zu prüfen, sei eine grosse Erleichterung. „Aber es hat auch einen Schatten auf die Tatsache geworfen, dass ihr Onkel, der sie begleitet hat und ihr einziger noch lebender Verwandter ist, nun abgeschoben wird.“ Das Warten auf die Entscheidung sei ihr schwergefallen. Hanna drängt die isländische Regierung, die Abschiebung von palästinensischen Asylbewerbern auszusetzen und die bereits beschlossenen Familienzusammenführungen auch durchzuführen.
Die Familien der Jungen befinden sich in Gaza, und während die beiden auf eine Entscheidung in ihrem Fall warten, können sie keine Visa für eine Zusammenführung ihrer Familien beantragen.
„Die Jungen machen sich sehr grosse Sorgen um ihre Familien,“ sagt Hanna. „Sie haben seit fünf Tagen nichts mehr von ihnen gehört, und mit jedem Tag, an dem sie nichts hören, wächst die Sorge. Und wir wissen ja alle, dass die Leute aus Gaza in Konzentrationslagern sitzen, und jede Stunde kann da entscheidend sein, um diese Leute dort lebend herauszuholen.“

Abschiebung nach 30 Tagen
Ahmed, der Onkel der beiden Jungen, war gestern von der Ausländerbehörde benachrichtigt worden, dass er in 30 Tagen abgeschoben wird und schon jetzt weder Wohnraum noch Anspruch auf irgendwelche Leistungen oder juristische Hilfe hat.
Hanna drängt die Behörden, im Fall der beiden Jungen mehr Tempo vorzulegen, die Abschiebung von palästinensischen Asylbewerbern in Island auszusetzen und der Familienzusammenführung mithilfe von bereits genehmigten Visa nicht länger im Weg zu stehen.

Protest vor dem Parlament
Seit dem 27. Dezember demonstrieren Palästinenser und ihre Unterstützer vor dem Parlament in Reykjavík. Die Gruppe stellt drei Forderungen: die Familienzusammenführungen, für die bereits genehmigte Visa vorliegen, endlich in die Wege zu leiten, als zweites ein Treffen mit dem Aussenminister, der Justizministerin und dem Minister für Soziales und Arbeitsmarkt. Als drittes fordern sie, die Abschiebung von in Island lebenden Palästinensern einzustellen und ihnen internationalen Schutz zu gewähren.

Schockierender Anstieg bei tödlichen Verkehrsunfällen

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In den 17 Tagen des Jahres 2024 sind bislang fünf Personen bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen. Das ist die höchste Zahl an Verkehrstoten in solch kurzer Zeit seit Beginn der Aufzeichnungen vor etwa 50 Jahren, berichtet Vísir.

Schockierende Unfallzahlen
Zwei Personen starben bei einem Unfall auf eisglatter Fahrbahn auf dem Grindavíkurvegur, zwei Personen kamen bei Skaftafell ums Leben und eine Person starb bei einem Verkehrsunfall im Hvalfjörður. Þórhildur Elínardóttir, die Sprecherin der isländischen Verkehrsbehörde, sagte Vísir gegenüber, der Anstieg der Verkehrstoten in diesem Jahr sei “schockierend”, und sie habe soetwas in den vergangenen Jahren nicht erlebt. “Das gehört zum Schlimmsten, was wir erlebt haben,” sagte Þórhildur, “wir hoffen, dass das nicht nur das Vorspiel ist.”
Im letzten Jahr waren acht Personen bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen, im Jahr 2022 waren es neun. In den Jahren davor hatten die Zahlen ähnlich gelegen. Aber fünf Tote innerhalb von 17 Tagen ist der tödlichste Jahresbeginn seit 1977, als in einem Jahr 37 Personen verunglückten und fünf von ihnen vor dem 18. Januar.

Grossprojekt Verkehrssicherheit
Die Verkehrsbehörde verfolgt die Statistiken sehr genau und arbeitet an Präventivmassnahmen. Þórhildur sagt, die Behörden hätten sich zum Ziel gesetzt, die Zahl der Verkehrstoten um jährlich fünf Prozent zu senken und sich damit unter die fünf europäischen Länder mit den proportional wenigsten Verkehrstoten zu gesellen.
Dem Thema Verkehrssicherheit müsse mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden. “Wir müssen uns den zahlreichen Herausforderungen stellen, die mit den Jahren auf uns zugekommen sind,” erklärte sie. “In den vergangenen zehn Jahren gehören dazu der Smartphonegebrauch während der Fahrt, wachsender Tourismus, Elektroscooter und vieles mehr.” Auch die Instandsetzung von Strassen spiele eine grosse Rolle.

Mietspikes für Kurztrips
Da schlecht bereifte Fahrzeuge vor allem bei Glatteis eine Gefahr im Strassenverkehr darstellen, bietet eine Tankstellenkette nun Spikes zum Mieten an. Wer nur mal auf Wochenendbesuch in winterliche Gegenden fahren möchte, kann die benagelten Reifen mieten, ohne gleich in eigene investieren zu müssen, und ist trotzdem für Glatteis gerüstet. Ausserhalb von Städten und der Ringstrasse wird in Island der Schnee nur geräumt, nicht aber die Fahrbahn gesalzen. Nach einigen Tagen verwandelt sich die Schneedecke in einen Eispanzer, den man nur mit Spikes sicher befahren kann.