Grindavík: Zweite Spalte, Lava erreicht erste Wohnhäuser

Die Lava, die gegen acht Uhr heute morgen aus einer Spalte südöstlich des Sundhnjúkur gequollen war, hat den halbfertigen Schutzwall erreicht, der den Ort Grindavík davor schützen sollte, von Lava überrollt zu werden. Bauarbeiter hatten am Vormittag in aller Eile die wichtigen und sehr teuren Baumaschinen, darunter Islands grösste Raupe, von der Baustelle bringen können und sich daran gemacht, die einzige Lücke im Wall am Grindavíkurvegur zu füllen, als sich gegen 13 Uhr dann völlig unerwartet innerhalb des Schutzwalls eine zweite Spalte öffnete und Lava förderte.

Erste Häuser brennen
Die Lava aus dieser Spalte erreichte am Nachmittag die erste Wohnstrasse und setzte Häuser in Brand. Damit ist der Ort Grindavík zum Gefahrengebiet geworden, erklärte die Expertin für Naturkatastrophen beim isländischen Wetterdienst, Kristín Jónsdóttir, im RÚV-Ticker. Der Untergrund in der Region habe sich um bis zu einen Meter verschoben und sei vollkommen instabil. Neue Spalten können sich damit jederzeit und überall öffnen.

Die Spalte von heute Morgen ist etwa 850 Meter lang und fördert weitaus weniger Lava als beim Ausbruch im Dezember. Sie hat an ihrem Südende den Schutzwall durchbrochen. An einigen Stellen schaffte sie es auch über den halbfertigen Schutzwall. Trotzdem zeigen sich die Experten zufrieden mit dem Bauwerk, denn dort wo es hielt, strömte die Lava an ihm entlang und änderte die Fliessrichtung.

In der Nacht waren die rund 200 Einwohner, die sich in der Stadt befunden hatten, per Sirene geweckt und evakuiert worden, nachdem kurz zuvor heftige Erdbeben eingesetzt hatten. Der Ort war daher geräumt, als der Ausbruch am Morgen losging.
Nicht evakuiert wurden allerdings mehrere Dutzend Schafe, die sich an fünf Stellen im Ort in geschlossenen Stallungen befinden. Offenbar sind auch einige Haustiere in den verlassenen Häusern zurückgeblieben. Der isländische Tierschutzbund hatte auf das Problem aufmerksam gemacht. Die Veterinäraufsichtsbehörde MAST schrieb in einer Mitteilung, die Schafe seien gegen die Empfehlung der Behörde in den Ort zurückgebracht worden. Man hoffe dennoch, dass sie rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden können.

Gaffer unerwünscht, Abwarten angesagt
Von den Einsatzkräften wurde dringend darum gebeten, sich nicht auf den Weg zum Ausbruchsgebiet zu begeben, die Rettungskräfte hätten genug anderes zu tun als Leute aus den Bergen zu holen. Es sei sehr kalt, der Untergrund instabil und gefährlich, ausserdem bestehe Gefahr durch giftige Gase. Rás 1 berichtete, dass ein Fahrzeug mit Gaffern bereits von der Polizei gestoppt worden sei. Auch am Abend hatten Neugierige gestoppt werden müssen.

Víðir Reynisson und Bürgermeister Fannar Jónasson gaben RÚV gegenüber an, die Hauptsache sei, dass sich niemand in Gefahr befinde, und niemand in Gefahr gebracht werde. Die Lava ströme in Richtung Häuser und nähere sich der Heisswasserleitung des Ortes. Man könne jetzt nichts tun, ausser der Natur ihren Lauf zu lassen. Das Küstenwachschiff Þór befindet sich vor der Küste von Grindavík in Bereitschaft.
Um 17 Uhr treffen sich die Kabinettsmitglieder der isländischen Regierung mit Vertretern der Einsatzleitung zu einer Lagebesprechung, für 19 Uhr ist eine Pressekonferenz der Einsatzkräfte anberaumt.

Grindavík: Vulkanausbruch hat begonnen

Kurz vor acht Uhr heute morgen hat ein weiterer Vulkanausbruch nördlich von Grindavík begonnen. Die Lava schiesst aus der Kraterreihe Sundhnúksgígaröð empor. In der Nacht war erst die Region, dann der Ort selbst von schweren Erdbeben erschüttert, worauf Grindavík kurz nach Mitternacht in aller Eile geräumt worden war. Etwa 90 Personen hatten sich im Ort befunden. Die Warnstufe des Zivilschutzes ist auf Notstand gesetzt worden. Der Flugverkehr in Keflavík ist nicht von der Eruption betroffen

Spalte in der Nähe des Schutzwalls
Gleich zu Beginn war eine grosse Lavamenge aus der Spalte geflossen, die sich in den ersten 10 Minuten immer weiter öffnete, und Experten gehen davon aus dass sich die Spalte noch weiter verlängert.
Neusten Daten aus einem Übersichtsflug des Hubschraubers der Küstenwache hat sich die Spalte auf beiden Seiten des Schutzwalles geöffnet, der man vor einigen Tagen rund um Grindavík zu errichten begonnen hatte.
„Das ist vielleicht einer der schlechtesten Orte, wo wir einen Vulkanausbruch haben könnten, er bringt Grindavík in Gefahr, wenn der Ausbruch weiter anhält.“ sagte der Vulkanologe Þorvaldur Þórðarsson.

Lava strömt auf Grindavík zu
Die Spalte liegt süd-südöstlich des Hagafell, und die Lava strömt nach Süden, geradewegs auf Grindavík zu, wo sich noch alle schweren Maschinen für den Bau des Schutzwalles befinden. Im Livestream ist zu sehen, wie Bauarbeiter dabei sind, die Maschinen in Sicherheit zu bringen.
Gegen 9.30 Uhr meldete der isländische Wetterdienst, dass die Lava nur noch 450 Meter vom erst Gebäude im Norden Grindavíks entfernt ist.
In diesem Link findet man Luftbilder des isländischen Zivilschutzes über die Lage des Lavafeldes.
Der Energieversorger HS Veitna gab an, nachdem man in der Nacht den Strom in Grindavík abgeschaltet habe, sei nun auch die Spannung aus der Erdspannungsleitung zwischen Grindavík und Svartsengi genommen worden, um das Kraftwerk zu schützen.

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