Þorlákshöfn könnte neuen Hafen für Sandexporte erhalten

Die südisländische Gemeinde Ölfus hat ihr Interesse an einem neuen Hafen westlich des Küstenortes Þorlákshöf bekundet, der entstehen könnte, damit das deutsche Unternehmen Heidelberg Zement dort vulkanisches Material zermahlen und nach Europa transportieren kann, berichtete Heimildin. Die Finanzierung eines solchen Hafens könnte nach dem Vorbild des Tunnels Hvalfjarðargöng vor sich gehen, wonach am Ende die Gemeinde Eigentümer des Hafens sein wird, ohne sich an den Baukosten beteiligt zu haben.

Dem Zementriesen war zuvor ein Grundstück im der Nähe des bestehenden Hafens von Þorlákshöfn in Aussicht gestellt worden, die neue Option liegt westlich der Stadt und müsste von Grund auf neu gebaut werden. Zur Zeit wird zwischen Gemeinde und Heildelberg verhandelt, und Bürgermeister Elliði Vignisson ist jetzt schon von der Aussicht angetan, am Ende den Hafen zum Gemeindeeigentum erklären zu können.
Nach Angaben von Heildelberg-Sprecher Þorsteinn Víglundsson handelt es sich um Investitionen in Höhe von geschätzten 8-12 Milliarden ISK.
In einem gerade erschienen Umweltgutachten heisst es dass die neue Hafenanlage Anlegekais von 450 Meter Länge und 250 Metern Breite erhalten soll und bis auf eine Tiefe von 9,5 Metern ausgebaggert werden muss. Hinzu kommt ein Wendekreis von etwa 250 Metern für die Lastschiffe. Das Baumaterial könne zum grössten Teil aus der Baustelle selbst kommen. Auch andere Parteien könnten diesen neuen Hafen nutzen könnten. Finanziert werden könnte das Grossprojekt nach einem Modell, wo das nutzende Unternehmen für alle Baukosten aufkommt und die Gemeinde den Hafen am Ende besitzt, so wie es beim Tunnel durch den Hvalfjörður der Fall gewesen sei, heisst es seitens der Gemeinde. Einen Zeitrahmen für den Besitzerwechsel gibt es jedoch noch nicht.
Bürgermeister Elliði Vignisson gab an, man stehe auch mit isländischen Investoren im Gespräch, wie etwa den Rentenfonds. Weit hat man es bei der Gemeinde ohnehin nicht in Bezug auf Verhandlungen denn Heimildin zufolge steht der Gemeinderatsvorsitzende auch in Lohn und Brot bei einem Investor mit Abbaulizenz, und Bürgermeister Elliði Vignisson wohnt in einem Haus des Investors.

Neuer Hafen könnte Infrastruktur beleben
Heidelberg Zement ist in 3000 Orten weltweit mit 63.000 Beschäftigten vertreten. In Island hält die Heidelberg 53% an Hornsteinn, unter dessen Dach sich Bauriesen wie B.M. Vallar, Björgun und die Sementsverksmiðja versammeln. Þorsteinn Víglundsson ist nicht nur Sprecher der Heidelberg sondern auch Direktor von Hornsteinn. Er erwähnt, dass der neue Hafen den Bau neuer Industriegebiete nach sich ziehen könnte, und dass nicht nur die Fischzucht sondern auch andere Industrien diesen Hafen bevorzugen könnten.

Sandabbau und Schwerlastverkehr
Das Heidelberg-Projekt ist in der Region ziemlich umstritten, nicht zuletzt, weil es den Ort optisch sehr verändern würde und die geplanten Industriehallen nahe dem Wohnort und allen Freizeitanlagen zu liegen käme. Den Bewohnern waren die Pläne erst im Sommer 2022 zu Ohren gekommen.
Der Zementriese will den Meeresboden nahe dem Hafen Landeyjarhöfn, sowie die beiden Tuffberge Lítlu-Sandfell und Lambafell am Þrengsli-Pass abgraben und das Sandmaterial nach Þorlákshöfn schaffen. Von dort aus soll es per Schiff nach Europa transportiert werden, wo es anstatt der bislang verwendeten Flugasche bei der Zementherstellung eingesetzt wird.
An fünf bis sechs Tagen die Woche sollen 10-12 Stunden lang LKWs Material zurAnlage fahren, das sind 112 Fahrten pro Tag, die die Verkehrsbelastung der Zufahrtsstrasse um 4,2 Prozent erhöhen würden. Pro Woche sollen 21 Schiffe in den Hafen einlaufen und jährlich 1,3 Mio Tonnen gemahlenen Sand und 700.000 Tonnen ungemahlenes Material abtransportieren.
Noch nicht gelöst ist das Problem des Schwerlasttransport im dicht befahrenen Südland.

STEAG-Projekt im Mýrdalssandur
An diesem Problem ist möglicherweise auch die deutsche STEAG Power Minerals vorläufig gestrandet, die aus ihrer Länderei am Mýrdalssandur 146 Millionen Kubikmeter Vulkansand abbaggern und per LKW quer durch den Süden nach Þorlákshöfn zur Ausschiffung transportieren wollte. Das Unternehmen ist inzwischen an einen tschechischen Energiekonzern verkauft worden. Für das Vorhaben war ein neues Umweltgutachten nötig geworden, und zwischenzeitlich war auch der Bau eines neuen Hafens in der Nähe von Vík im Gespräch gewesen.

Im Fall von Heidelberg und Þorlákshöfn sind die Planungsarbeiten so weit vorangeschritten, dass Mitte des Jahres mit den Bauarbeiten begonnen werden könnte. Der Bürgermeister von Ölfus hatte seinen Bürgern im Jahr 2022 versprochen, eine Volksabstimmung abhalten zu wollen, bevor man sich daran mache, den Flächennutzungsplan zu ändern. Fast die Hälfte der Bevölkerung hatte sich bei Meinungsumfragen gegen die Industrieprojekte ausgesprochen.

 

Blaue Lagune hat wieder geöffnet

Blue Lagoon, bláa lónið

Heute morgen ist die Blaue Lagune wieder für den Betrieb geöffnet worden, nachdem gestern die Gefahrenstufe für die Region gesenkt worden war, berichtet RÚV. Die bei Touristen beliebte Badelagune hatte am 9. November aufgrund starker Erdbeben schliessen müssen und danach nur einmal kurz öffnen können, bevor dann am benachbarten Sundhjnúkur der Vulkan ausbrach. Die Landhebung, die als Vorbotin einer möglichen Eruption gilt, und seit Wochen am Kraftwerk Svartsengi registriert wird, hat das gleiche Ausmass wie in den vergangenen Tagen.

Gefahrenstufe gesenkt
Die Geschäftsführerin der Blauen Lagune, Helga Árnadóttir, sagt, die ersten Gäste seien schon um 11 Uhr heute morgen im Wasser gewesen. Man sei froh, endlich wieder für Gäste öffnen zu können und habe nun einen Evakuierungsplan für das Lagunengelände, und man sei für alles vorbereitet. Die Lagune stehe in engem Kontakt zur Polizei in der Region.
Gestern war die Gefahrenstufe für das Gebiet gesenkt worden. Man geht von einer verringerten Gefahr aus, dass sich in Svartsengi grosse Spalten bilden. Solche Spalten haben sich in letzter Zeit nicht geöffnet. Die Wissenschaftler glauben, dass die Kraterreihe Sundhnúksgígaröð zwischen dem Stóri-Skógfell und dem Hagafell am ehesten für einen möglichen weiteren Vulkanausbruch in Frage kommt.

Kurze Vorwarnzeit
Der isländische Wetterdienst weist darauf hin, dass sich der letzte Ausbruch mit sehr kurzer Vorwarnzeit ereignet habe. Die Region wird engmaschig überwacht und die Behörde steht in stetigem Kontakt mit dem Zivilschutz.
In diesen ersten Tagen sei die Lagune noch nicht voll gebucht, so Helga. Der Januar sei ohnehin ein eher ruhiger Monat, zusätzlich zu der wochenlangen Schliessung der Lagune. Für den Betrieb sei es sehr wichtig, jetzt Gäste empfangen und Buchungen neuer Besucher entgegenzunehmen.