Lachszucht: Anglerverband fordert neuen Ermittler in Fischfluchtfall

aquaculture farm iceland

Der isländischer Anglerverband will gegen die Entscheidung der westfirdischen Polizeidienststelle, die Ermittlungen wegen der Lachsflucht beim Fischzuchtriesen Arctic Sea Farm einzustellen, gerichtlich vorgehen, berichtet Vísir. Im August waren aus Meereszuchtgehegen im Patreksfjörður etwa 3500 Zuchtlachse in die freie Natur entkommen. Der Verbandsvorsitzende bezeichnete die Unfähigkeit des Dienststellenleiters in dieser Angelegenheit als schwerwiegend.

Angelflüsse voller Zuchtfische
In der vergangenen Woche hatte die Polizeidienststelle der Westfjorde angekündigt, die Ermittlungen zur Fischflucht im Patreksfjörður einzustellen. In einem Gehege waren seinerzeit zwei Löcher gefunden worden, durch die 3500 geschlechtsreife Zuchtlachse entkommen konnten. In den folgenden Wochen fingen Angler immer häufiger Lachse in Wildwasserflüssen. Schliesslich waren norwegische Taucher ins Land gebracht worden, um soviele dieser Zuchtfische wie möglich zu fangen und zu entnehmen.
Die Veterinäraufsichtsbehörde MAST hatte die Fischflucht aus der Zuchtfabrik schliesslich bei der Polizei zur Anzeige gebracht.

Fehlen von juristische Wissen
Der Geschäftsführer des Anglerverbands, Gunnar Örn Petersen, gab an, die Entscheidung des Polizeidienststellenleiters sei eine grosse Enttäuschung, und seine Unfähigkeit in dieser Angelegenheit schwerwiegend. Es sei allerdings schwer zu beurteilen, ob der Dienststellenleiter grundsätzlich unfähig sei, solche Fälle zu bearbeiten, weil ihm einfach das juristische Wissen fehle, oder ob er in dieser speziellen Angelegenheit befangen sei, und ob hier nicht sogar beides zutreffe.
Nach Gunnars Ansicht liege vor allem Unwissenheit und eine missverstandene Auslegung strafrechtlicher Befugnis des Fischzuchtgesetzes vor, insbesondere beim Verschuldungsgrundsatz und bei den unterschiedlichen Strafmassen. Derart juristisches Unwissen bei einem Ermittler sei sehr schwerwiegend. Dabei sei doch klar, dass das Gesetz gebrochen wurde.
„Es ist gegen das Gesetz zur Fischzucht verstossen worden, und wenn es wegen dieses grössten jemals in Island vorgekommenen Umweltunfalls zu keiner Bestrafung kommen wird, dann ist wohl klar, dass das Gesetz sein Ziel nicht erreicht.“ sagt Gunnar.

Fordern neuen Ermittler
Der Anglerverband will in seiner Klage fordern, dass ein anderer Ermittler mit dem Fall betraut wird, weil der derzeitige ja offensichtlich befangen sei.
Allerdings komme die Entscheidung, die Ermittlungen einzustellen, nicht ganz überraschend. „Es hat sich auch im Ausland gezeigt, dass soziale Gemeinschaften, die unter die Füsse eines solch grossen Konzerns geraten, in gewisser Weise gelähmt sind, weil Amtsträger und Einwohner sich nicht trauen, gegen die Unternehmen und ihre Leitung vorzugehen. In diesem Fall hat die Unternehmensleitung auch starke politische Kräfte im Rücken, und das kann natürlich zu Befangenheit führen.“ erklärt Gunnar.

 

Supermärkte auf dem Land im Sommer oft ausverkauft

Nettó Hagkaup Bónus Iceland Fjarðarkaup

Die Unternehmensleitung der Supermarktkette Samkaup arbeitet an Lösungen, um die Lebensmittelversorgung im Osten Islands sicherzustellen, nachdem sich in der Vergangenheit dort immer wieder Regale schon am Morgen geleert hatten, berichtet austurfrett.

Brot schon morgens ausverkauft
Im gerade vergangenen Sommer hatten sich viele Einwohner mit der Tatsache vertraut machen müssen, dass es an grossen touristischen Tagen nicht mehr alles zu kaufen gab. Vor allem in den Ferien, wenn viele Landsleute unterwegs sind, bei grossen Veranstaltungen, aber auch wenn die Zahl der ausländischen Touristen stieg, hatten sich die Regale der Lebensmittelabteilungen rasant geleert.
Manche solcher Tage sind vorhersehbar, andere kommen unerwartet. Alle haben sie jedoch Auswirkungen auf die Versorgungskette, denn die Waren müssen in der Regel aus den Grosslagern in Reykjavík per LKW herangeschafft werden. Vor allem die Bewohner von Seyðisfjörður bekamen die Verknappung letzten Sommer zu spüren, als es teilweise schon morgens kein Brot mehr zu kaufen gab. Dabei waren die Tage, an denen grosse Kreuzfahrtschiffe im Hafen ankerten, am heftigsten.

Zunahme durch Tourismus spürbar
In Seyðisfjörður gibt es nur den Supermarkt Kjörbúð. Bis zur nächstgrösseren Stadt, Egilsstaðir, mit einem grösseren Supermarktangebot, sind es um die 70 Kilometer. Samkaup-Geschäftsführerin Gunnur Líf Gunnarsdóttir gab an, man spüre die grosse Touristenzahl in bestimmten Filialen auf dem Land sehr deutlich, wie etwa in Seyðisfjörður. Die Einnahmen durch die Touristen hätten vielerorts alle Erwartungen übertroffen. Man sei von den Filialleitern informiert worden, wenn die Belastung durch Kreuzfahrtschiffe gestiegen sei. Ihr seien nicht allzuviele Klagen zu Ohren gekommen. Dennoch arbeite man an der Verstärkung von Verkaufsteams und der Möglichkeit, öfter Grossbestellungen zu tätigen, und hoffe, damit der gestiegen Nachfrage durch Saisontouristen und Einheimische im kommenden Sommer besser gerecht zu werden.

Windstille sorgt für Luftverschmutzung durch Feuerwerk

New Year's Eve Fireworks in Reykjavík, 2017.

Islands Hauptstadt Reykjavík ist bekannt für sein ausgiebiges Silvesterfeuerwerk, und auch wenn die Tierschutzverbände landesweit zu mehr Rücksicht aufrufen, lassen sich viele Menschen die alljährliche Knallerei nicht nehmen. Allerdings hat die Sache einen Haken: bei Windstille, Trockenheit und Kälte sammeln sich die Schadstoffe über der Stadt an und haben in vergangenen Jahren zu teilweise katastrophal schlechter Luftqualität am Neujahrstag geführt. So möglicherweise auch in diesem Jahr, denn für den Silvesterabend darf mit schönstem Winterwetter gerechnet werden.

Empfindliche Personen sollten drinnen bleiben
In den vergangenen Jahren sind jedes Jahr um die 600 Tonnen Feuerwerkskörper importiert worden. Diese Berge an Raketen hinterlassen auch riesige Schadstoffmengen. Þorsteinn Jóhannsson, ein Experte für Luftqualität bei der isländischen Umweltbehörde, empfiehlt, vor allem kleine Kinder im Haus zu lassen, wenn die Luftverschmutzung am schlimmsten ist, und alle Fenster geschlossen zu halten.
„Vor allem um Mitternacht kann es zu einer erheblichen Freisetzung von Feinstaub und Ruß kommen, und es ist tatsächlich das Wetter, das bestimmt, ob sich diese Feinstäube anzusammeln können oder nicht.“

Feinstaub bei unter 2 m/s
Eine Windgeschwindigkeit von zwei Metern pro Sekunde (ca 7,5 km/h) stelle eine Art Schallmauer dar, alles was darunter liege, sorge dafür, dass sich die Schadstoffe sehr schnell ansammeln. Momentan liege die Prognose bei drei bis vier m/s, was ausreiche um den Feinstaub zu verteilen.
Zusätzlich zum Silvesterfeuerwerk finden ausserdem an 12 Stellen der Hauptstadt Neujahrsfeuer statt, die man um Mitternacht besuchen kann.

Bäume statt Böller
In Island werden Feuerwerkskörper nur von Sportvereinen, zum grössten Teil aber von den Freiwilligen der Rettungsorganisation Landsbjörg kurz vor Silvester verkauft. Sie alle finanzieren ihren Betrieb weitgehend über diesen Verkauf. Für das Abschiessen der Feuerwerkskörper gibt es strenge Regeln und zeitliche Einschränlungen.
Seit einigen Jahren steht das Silvesterfeuerwerk allerdings auch auf der Insel in der Kritik, nicht nur aus Tierschutzgründen, sondern auch weil die Luftverschmutzung um Silvester herum wettebedingt oft massiv zunimmt. Landsbjörg bietet im Rahmen der Aktion „skjótum rótum“ (Wurzeln schiessen) an, statt Raketen symbolisch einen Baum zu kaufen, der später in einer speziellen Gemarkung nahe der Stadt Þorlákshöfn gepflanzt wird.