Gammelrochen am Tag vor Weihnachten

Am Tag vor Weihnachten, Þorláksmessa, der Tag des Heiligen Þorlákur, duftet es in isländischen Städten nach einem Fischgericht, das ausländische Besucher die Nase rümpfen lässt: skata, fermentierter Rochen, einstmals ein Armeleuteessen, wird heute regelrecht zelebriert.
Im Reykjavíker Múlakaffi steht der Eigentümer und Koch Jóhannes Stefánsson schon seit drei Uhr morgens über den Kochtöpfen, in denen fermentierter Rochen köchelt. Seit 30 Jahren bietet er skata an, und jedes Jahr kommen mehr Gäste um sich die Leckerei schmecken zu lassen. Er kennt fast alle seine Gäste und hat Spass daran, neue Leute zu begrüssen.

Bei ihm gibt es heissgekochten Rochen, nicht zu stark, aber dennoch delikat, dazu tischt er isländisches Rübenmus auf, geschmolzenes Schafsfett und Kartoffeln. Als Dessert gibt Ris á la Mande, und Milchreis mit Rosinen und Zimt auf – also 100% isländisches Essen.
Wegen der Geruchsentwicklung wollen viele den Rochen nicht zuhause kochen, gehen ihn aber gerne in Gesellschaft mit anderen essen.

Die skata“-Tradition hat katholische Wurzeln, am Tag vor Weihnachten sollte gefastet werden und nur das einfachste Essen kam am Todestag des Heiligen auf den Tisch. Der Rochen war der einzige Fisch, der kurz vor Weihnachten in den Westfjorden zu fangen war. Die Leute in den Westfjorden schafften es, aus dem eigentlich ungeniessbaren Fisch eine Delikatesse zu gestalten, deren Genuss Jahrzehnte später in Reykjavík geradezu „chic“ geworden ist.
Rochen ist ählich wie der Grönlandhai ein Knorpelfisch, dessen Fleisch einen hohen Gehalt an Ammoniak enthält. Dieser Stoff zersetzt sich mit der Zeit, weswegen skata um die drei Wochen lagern muss, bevor sie für den Verzehr geniessbar ist.

Weihnachten beginnt mit Schneesturm und Wetterwarnung

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Für den Westteil des Landes, von Südisland bis hinauf in die Westfjorde und den Nordosten, ist für heute und den morgigen Heiligen Abend eine Wetterwarnung veröffentlicht worden.
Der Süden und Westen mit gelber Warnstufe muss sich auf Schneefall und kräftigen Wind mit Geschwindigkeiten von bis zu 20 m/s einstellen. Schneeverwehungen, Glätte und schlechte Sicht behindern den Verkehr, vor allem unter den Gletschern. Wenn sich die Bedingungen verschlechtern, wird die Ringstrasse nach Vík auch kurzfristig und ohne Vorwarnung gesperrt.

Für die Westfjorde ist die Warnstufe am Abend auf orangefarben erhöht worden, dort ist mit Schneesturm bei Windgeschwindigkeiten von bis zu 25 m/s zu rechnen. Ausserdem herrscht durch den Neuschnee dort akute Lawinengefahr. Aus Sicherheitsgründen hat sich das Küstenwachschiff Freyja mit 18 Mann Besatzung auf den Weg nach Ísafjörður gemacht, um dort über das Wochenende in Bereitschaft zu ankern, falls es zu Lawinenabgängen kommt.
Die isländische Strassenverwaltung informiert, dass zwischen den Ortschaften der Westfjorde morgen kein Räumdienst unterwegs sein wird, solange es schneit. Am Heiligen Abend sind wetterbedingte Strassensperrungen sehr wahrscheinlich, die Behörde forderte alle auf, zuhause zu bleiben. Die Strasse nach Súðavík ist schon jetzt gesperrt worden.

Wer noch vor Weihnachten unterwegs sein muss, sollte Wettervorhersage und Strassenzustandskarte vorher gründlich studieren und Reisepläne flexibel halten.

 

Reykjanes: Landhebung und Chancen auf neuen Ausbruch

grindavík evacuation

Das Land bei Svartsengi hebt sich weiter, und damit ist die Gefahr auf der Halbinsel Reykjanes alles andere als gebannt. Auch weiterhin muss mit Erdbeben und möglicherweise weiteren Vulkanausbrüchen gerechnet werden. Daher soll in den kommenden Wochen ein Sirenensystem aufgesetzt werden, um die Sicherheit der Bewohner zu erhöhen, berichtet RÚV.

Chancen für neuen Ausbruch steigen täglich
Gestern war offiziell verkündet worden, dass der Ausbruch vom Montag vorüber ist. Auch der isländische Wetterdienst hatte ihn für beendet erklärt. Doch kaum war der Lavastrom versiegt, begann sich das Land um Svartengi herum anzuheben, und zwar rascher als vor dem Ausbruch.
In einer Mitteilung der Wetterbehörde heisst es, dass die Landhebung vor dem Magmaeinschuss am 10. November dadurch gekennzeichnet war, dass sie sich verlangsamte und beruhigt hatte, kurz bevor der Ausbruch losging.

Man geht davon aus dass sich dieser Vorgang wiederholt, und weil sich das Land jetzt schneller hebt, es eher zu einem neuen Ausbruch kommen kann. Die Wetterbehörde ist der Ansicht, dass das Risiko mit jedem einzelnen Tag steigt. Wenn der Prozess im gleichen Tempo wie bisher vor sich geht, dann wäre der gleiche Zustand wie kurz vor dem Ausbruch am Sundhnjúkur in etwa zwei bis drei Wochen erreicht.

Weihnachten in Grindavík erlaubt
Dennoch hatten die Behörden der Bevölkerung von Grindavík erlaubt, sich nicht nur tagsüber in ihren Häusern aufzuhalten, sondern auch dort zu übernachten und die Weihnachtstage dort zu verbringen. Viele haben davon allerdings nicht Gebrauch gemacht. Ewa 400 Personen waren heute in den Ort gefahren, die meisten verbrachten ihre Zeit jedoch eher mit Packen. Nur wenige blieben zuhause. Die allermeisten haben inzwischen eine Unterkunft gefunden, wo sie auch die Weihnachtstage verbringen wollen.